E-Autobauer: Bringt Tesla Robotaxi und Kompaktauto auf den Markt?
Tesla Fabrik in Grünheide
Foto: dpaDas Dementi von Elon Musk ließ nicht lange auf sich warten – natürlich über seinen hauseigenen Nachrichtenkanal X. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Freitagmorgen exklusiv berichtet, dass Musk die Entwicklung eines preisgünstigen Autos – von Beobachtern auch gern Model 2 genannt – verworfen habe und stattdessen auf der gleichen Plattform ein Robotaxi vorantreiben wolle. Daraufhin gab die Tesla-Aktie um rund sechs Prozent nach.
„Reuters lügt wieder einmal“, schäumte Musk, ohne näher darauf einzugehen, was an der Meldung falsch war. Stattdessen konterte er mit einer eigenen Ankündigung, kurz und knapp: „Das Tesla Robotaxi wird am 8. August vorgestellt.“ Das beförderte die Tesla-Aktie nachbörslich um 3,8 Prozent nach oben.
Ob Musk Vorwurf wahr ist oder nicht, ist unklar. Denn: Der Multimilliardär hatte in der Vergangenheit schon öfter Dinge behauptet, die nicht stimmten. Mit dem Robotaxi scheint Reuters, die sich auf drei verschiedene Quellen berufen, den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben.
Tatsächlich hatten Beobachter erwartet, dass Musk als nächstes Produkt einen preiswerten Elektro-Kleinwagen auf den Markt bringen würde. Schließlich hatte Musk mehrfach zu Recht festgestellt, dass Elektroautos für die breite Masse noch zu teuer seien. Der „Tesla 2“ sollte zunächst im neuen Werk in Mexiko vom Band laufen und unter 25.000 Dollar kosten.
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Dass Musk einen preisgünstigen Wagen irgendwann anbieten wird, liegt auf der Hand. Früher hatte er solch ein Auto mal als „Dreh- und Angelpunkt“ seiner Strategie bezeichnet. Vielleicht meinte er das mit der Lüge. Und es kann durchaus sein, dass er noch in diesem Jahr zusätzlich auch einen Kleinwagen präsentieren wird. Jüngst hatte er seinen Mitarbeitern im Werk in Grünheide gar versprochen, dass solch ein Kompakt-Tesla auch in Deutschland hergestellt wird. Und schließlich braucht er solch ein günstiges Modell, um sein ambitioniertes Ziel einer Produktion von 20 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2030 – mehr als die derzeitige Jahresproduktion von Toyota und Volkswagen zusammengezählt – zu erreichen.
Denn dass das Robotaxi in großen Stückzahlen produziert wird – zumindest in den kommenden Jahren – ist unwahrscheinlich. Nicht nur wegen der Nachfrage. Schließlich ist er dabei auch auf die Kooperation der Zulassungsbehörden angewiesen. Und die sind ihm zumindest in den USA gegenwärtig nicht wohlgesonnen, selbst Teslas Fahrassistenzsystem Autopilot steht wegen Unfällen in der Kritik und wird derzeit untersucht.
Tatsächlich hat der Hype um selbstfahrende Fahrzeuge in jüngster Zeit abgenommen. Die zu überwindenden Hürden sind größer als gedacht. Markus Schäfer, Entwicklungschef von Mercedes, ist zwar weiterhin davon überzeugt, „dass autonome Fahrzeuge kommen werden.“ Aber er glaubt, dass für Privatfahrzeuge zunächst sogenannte Level 3 Systeme offeriert und weiterentwickelt werden, wie es Mercedes bereits mit seinem Drive Pilot für S-Klasse und EQS in Deutschland, Kalifornien und Nevada tut.
Dort übernimmt die Software streckenweise das Fahrzeug und Mercedes die Haftung bei Unfällen. Der menschliche Fahrer muss jedoch spätestens innerhalb von zehn Sekunden wieder übernehmen können. Derzeit ist beim Drive Pilot die Geschwindigkeit auf 60 Kilometer pro Stunde auf Autobahnen und Highways beschränkt, zuzüglich guter Wetterbedingungen und ohne Spurwechsel.
Die Hersteller arbeiten auf eine Zulassung der Level 3 Systeme auf eine Geschwindigkeit von 130 Kilometer pro Stunde hin, was deren Einsatzmöglichkeiten enorm erweitern würde. Heute sind sie nur ein besserer Stau-Assistent. Level 4 hingegen steht für vollautonomes Fahren auf bestimmten Strecken ohne menschliches Eingreifen. Level 5 beschreibt autonomes Fahren ohne Einschränkung.
„Level 4 wird in den nächsten Jahren eher etwas für kommerzielle Fahrzeuge sein“, äußerte sich Schäfer im Januar auf der Unterhaltungselektronikmesse CES gegenüber der WirtschaftsWoche.
Dass dies funktioniert, beweist Waymo bereits in Phoenix und San Francisco. Demnächst will die Selbstfahrtochter von Alphabet ihr Angebot auf Los Angeles, Austin und das Silicon Valley ausweiten.
Musk hat bislang allerdings noch nicht einmal ein Level 3 System präsentiert. Zwar kann seine „full self driving“ (FSD) Software, die bereits von zehntausenden Fahrzeugen in Nordamerika getestet wird, wesentlich mehr als der Drive Pilot von Mercedes. Bei der neuesten Version hat Musk sogar den Zusatz „Beta“ streichen lassen und offeriert Interessenten einen kostenlosen Monat, um die Fähigkeiten von FSD auszuprobieren. Doch bei Tesla muss weiterhin der Fahrer jederzeit eingreifen können, eine Haftung übernimmt der Anbieter nicht. Von der Nomenklatur ist es also ein besseres Fahrassistenzsystem.
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