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IT-Sicherheit „Viele Firmen haben in der Krise Kompromisse bei der Sicherheit gemacht“

Uwe Peter, Deutschland-Chef des amerikanischen Netzwerkspezialisten Cisco Quelle: PR

Uwe Peter, Deutschland-Chef des amerikanischen Netzwerkspezialisten Cisco, spricht über die Bedeutung der Digitalisierung für eine neue Normalität in der Wirtschaft – und darüber, warum die Firma nun noch stärker ehrenamtliches Engagement ihrer Mitarbeiter fördert.

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WirtschaftsWoche: Herr Peter, drei Monate nach dem Ausbruch der Coronakrise fahren viele Unternehmen langsam wieder ihre Geschäfte hoch. Wo hat Corona die größten Defizite in Deutschland aufgedeckt?
Uwe Peter: Die Prioritäten der Unternehmen haben sich – zumindest bei der IT – nicht verändert. Die Krise hat noch einmal wie ein Brennglas aufgezeigt, was wirklich wichtig ist. Die IT hat sich ja in den vergangenen Jahren zum Rückgrat der Unternehmen entwickelt. Hier hat Corona offengelegt, ob die Firmen wirklich über ausreichend Widerstandsfähigkeit verfügen oder nicht. Ohne die Digitalisierung, die bereits stattgefunden hat, hätte die Wirtschaft wirklich stillgestanden – man mag sich gar nicht vorstellen, wie eine solche Pandemie vor 15 Jahren eingeschlagen hätte.

Also stehen die deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht da?
70 Prozent der Bundesbürger glauben, dass Deutschland bei der Digitalisierung im unteren Drittel rangiert – und 75 Prozent wünschen sich einen Spitzenplatz. Das Gefühl des Rückstands ist also hierzulande weit verbreitet – und die Unternehmen wollen mehr, das ist ja erst einmal positiv.

In welchen Bereichen läuft es denn schon gut?
Bei der Roboterdichte sind deutsche Unternehmen auf Platz drei weltweit: Wir haben hierzulande mehr Produktionsroboter als in den USA. Ähnlich, wie viele deutsche Manager und Politiker seit Jahren ins Silicon Valley pilgern, besuchen uns umgekehrt viele Amerikaner, die die deutschen Produktionsunternehmen besichtigen möchten.

Und wo sehen Sie Nachholbedarf?
In der Start-up-Szene. Meiner Meinung nach fehlt es an jungen Unternehmen, um die Kernprodukte unserer Wirtschaft zu digitalisieren. Wenn ein Auto in sich digitaler werden soll, brauchen wir dafür Start-ups, die das vorantreiben. Viele Amerikaner verstehen nicht, warum wir kein Start-up-Zentrum rund ums Automobil in Baden-Württemberg einrichten. Auch im Bereich Bildung gibt’s Nachholbedarf: Wir müssen den Menschen ein breites Verständnis von Digitalisierung vermitteln, um die Möglichkeiten voll auszuschöpfen und IT in unseren Kernindustrien richtig einzusetzen. Und schließlich hapert’s beim Netzausbau, das muss man klar sagen. Was 5G oder schnelle Netzzugänge im ländlichen Raum betrifft, da hinkt Deutschland ganz klar hinterher. Obwohl schon viel getan wurde, sind wir noch nicht da, wo wir sein wollen.

Gerade hat das Kabinett die ersten Teile des Konjunkturpakets auf den Weg gebracht. Sind die Maßnahmen geeignet, um für einen weiteren Digitalisierungsschub zu sorgen?
Ich begrüße das verabschiedete Paket ausdrücklich. Wir sind ja in der Coronakrise durch eine Phase gelaufen, in der die Digitalisierung quasi in Lichtgeschwindigkeit ablief. Viele sind zu recht stolz darauf, wie gut Deutschland in der Krise funktioniert hat. Jetzt fragen sich die Unternehmen, wie es weiter geht, wie das neue Normal aussieht.

Und was ist das neue Normal, auf das sich Unternehmen jetzt einstellen müssen?
Als erstes, dass Homeoffice zu einem großen Teil erhalten bleiben wird. Mir sagen selbst konservative Unternehmen, die sich früher nie vorstellen konnten, dass ihre Mitarbeiter zu Hause arbeiten können: Es funktioniert – und teilweise sogar besser. Da sehen viele Unternehmen, dass flexible Arbeitszeiten zu einem absoluten Motivationsschub führen können. In der IT wird vor allem darüber diskutiert, welche Aufgaben in die Cloud wandern – und welche in der eigenen Hoheit, also den eigenen Rechenzentren, verbleiben. Und auch die Cybersecurity wird im neuen Normal noch einmal neu beleuchtet: Denn viele Firmen sind in der Krise Kompromisse bei der Sicherheit eingegangen und müssen da jetzt nacharbeiten. Und genau dazu passt das Stimulus-Paket der Regierung sowohl vom Timing wie auch inhaltlich.

Warum?
Das Volumen für die digitale Ausbildung von Lehrern und die Ausstattung von Schulen ist noch einmal um zwei Milliarden Euro erhöht worden. Aber auch viele Vorhaben in der Verwaltung und beim Ausbau der 5G-Infrastruktur sehen wir positiv. Und schließlich: Die besseren Abschreibungsmöglichkeiten für Digitalisierung bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sind sehr wichtig.

Cisco-CEO Chuck Robbins hat kürzlich angekündigt, in den USA 500 Millionen Dollar in Projekte wegen Corona und gegen Rassismus zu investieren. Sehen Sie auch eine soziale Verantwortung Ihres Unternehmens hier in Deutschland – und was tun Sie dafür?
Bei Cisco sind Diversität und Inklusion unverhandelbare Leitlinien unserer Kultur. Wir haben als Unternehmen auch immer versucht, uns gesellschaftlich einzubringen. So erhält beispielsweise jeder Cisco-Mitarbeiter seit jeher fünf Tage im Jahr frei für soziale Projekte, die sich die Mitarbeiter selbst aussuchen können. Diesen Sonderurlaub haben wir wegen der Coronakrise jetzt auf zehn Tage verdoppelt, für jeden Cisco-Mitarbeiter weltweit. Und damit auch in Deutschland.

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