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Kampf gegen Datenmonopole „Europa muss von seiner Rolle als Datenschutz-Hohepriester weg“

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„Die Menschen sind misstrauisch geworden“

Was sind die Folgen daraus?
Die Menschen sind misstrauisch geworden. Ihnen wird ein starker Datenschutz vorgegaukelt, aber in der Praxis haben sie nichts davon. Es hat dazu geführt, dass in Europa 85 Prozent der gesammelten Daten nicht genutzt werden, statt sie für bessere Entscheidungen oder Innovationen zu verwenden.

Haben deutsche Unternehmen das Verwerten von Daten verlernt? Liegen sie schon zu weit hinter den Amerikanern und Chinesen zurück?
Sie liegen in der Nutzung von Daten zurück. Aber das kann man ändern. Es braucht ein Umdenken. Daten sind kein Eigentum. Man hortet sie nicht für schlechte Tage. Sie erzeugen nur dann einen Mehrwert, wenn sie genutzt werden. Das schafft auch Druck auf die großen Datensammler. Wenn andere diese Daten nutzen, müssen sie selber auch stärker aktiv werden. Das schafft wirtschaftlichen Druck.

Sie beraten viele Politiker und Regierungen. Warum tut sich Europa da so schwer?
Weil die Datenökonomie komplex ist. Zudem stehen ständig unsinnige Metaphern im Weg. Wie „Daten sind das neue Öl“ – vollkommener Unsinn, weil sich Daten mehrfach nutzen lassen und allein als Ressource keinen Wert darstellen. Das muss aus den Köpfen der Leute raus. Auch die Angst vor Datennutzung. Man kann viele sehr positive Einsichten aus Daten gewinnen. Beispielsweise wenn man aus der Analyse von mehr Daten über Verkehrsauslastung bessere Verkehrskonzept entwickelt, die auch der Umwelt helfen.

Aber Daten zu anonymisieren fällt immer schwerer, weil Experten dies durch das Verknüpfen wieder rückgängig machen könnten, oder?
Ich halte das für übertrieben. Man muss schon sehr hohen Aufwand treiben, um das zu erreichen. Und es geht ja auch in erster Linie gar nicht so sehr um personenbezogene Daten.


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Sie bezeichnen Gaia-X, ein Lieblingsprojekt von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, als digitalen Transrapid, als Symbolpolitik. Warum?
Weil niemand genau weiß, was sich dahinter verbirgt. Wenn es ein Vorhaben sein sollte, um gemeinsame Datenstandards zu finden, dann ist es wichtig und gut. Wenn es allerdings als Wettbewerber zu Cloud-Anbietern wie Amazon Web Services oder Microsoft Azure gedacht ist, kann ich nur darüber lachen. Die haben Hunderte Milliarden Dollar in den Aufbau gesteckt. Was sollen da zwei Milliarden Dollar über sechs Jahre ausrichten?

Mehr zum Thema: Big Data droht die Zerschlagung – so wie Rockefellers Big Oil

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