Kampfansage an Apple: KI-Assistent, Mega-Kamera, Mega-Preis: Das kann Samsungs neues Galaxy S25
Samsung stellt seine neuste Reihe von Premium-Smartphones vor. Die KI-Funktionen werden auch in Europa verfügbar sein.
Foto: REUTERSLaut dem Marktforschungsunternehmen IDC ist Apple derzeit Weltmarktführer. Im vergangenen Jahr konnte der iPhone-Anbieter Samsungs Galaxy-S-Reihe ausstechen, wenn auch nur knapp. Apple verkaufte im vergangenen Jahr rund 232 Millionen iPhones weltweit und errang damit einen Marktanteil von 18,7 Prozent. Samsung liegt mit 223 Millionen Smartphones dicht dahinter, was einem Marktanteil von 18 Prozent entspricht. Aber: Beide mussten Anteile an den chinesischen Konkurrenten Xiaomi abgeben, nicht nur in China, sondern auch in Europa.
Die Marktforscher von der GfK prognostizieren, dass der Smartphone-Markt in Deutschland in diesem Jahr rund 13,8 Milliarden Euro betragen wird, ein leichtes Plus von 230 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Samsungs Anteil am Premium-Segment in Deutschland beträgt laut GfK rund 26 Prozent.
Kamera ist wichtigstes Kaufkriterium
In einem weitgehend gesättigten Markt fällt es den Herstellern immer schwerer, bestehende Kunden zum frühzeitigen Upgrade zu bewegen. Und, noch komplizierter, Käufer zum Wechsel vom iPhone ins Android-Camp und umgekehrt zu bewegen. Zwar gelingen bei den Fähigkeiten der Kameras – dem wichtigsten Kaufkriterium – weiterhin Verbesserungen bei Schärfe, Auflösung und Lichtstärke, allerdings nur marginal. Beim Display und Gewicht lassen sich – bei gleichbleibenden Dimensionen – ein paar Millimeter zusätzlich herauskitzeln, beziehungsweise beim Gewicht ein paar Gramm abspecken.
Die große Hoffnung der Smartphone-Branche liegt deshalb auf der Künstlichen Intelligenz. Im vergangenen Januar stellte Samsung mit seiner Galaxy-S24-Reihe seine ersten KI-Smartphones vor. KI-Funktionen wie Übersetzer, Schreibassistent und Verbesserung von Fotos beschleunigten den Verkauf. Apple zog im Herbst mit seiner KI namens Apple Intelligence nach. Während Samsung sich mit Google und dessen Assistenten Gemini verbündete, setzt Apple für weitergehende Funktionen auf ChatGPT von OpenAI.
„Wir haben innerhalb von knapp sieben Monaten eine Million Stück der S-24-Reihe in Deutschland verkauft“, verrät Michael Röder, PR-Manager bei Samsung Deutschland. „Das war bislang am schnellsten.“ Nach Umfragen von Samsung ist die KI mittlerweile der wichtigste Kaufgrund nach der Kamera in Deutschland.
KI verbindet verschiedene Apps
Es war also absehbar, dass Samsung bei seiner am Mittwoch in der SAP-Arena in der Silicon-Valley-Metropole San Jose vorgestellten neuesten Generation – der Galaxy S25 Reihe – Künstliche Intelligenz in den Vordergrund stellt.
Gemeinsam mit Google und dessen Assistenten Gemini arbeitet Samsung derzeit daran, KI direkt ins Betriebssystem zu integrieren. Der Vorteil: Statt viele verschiedene Apps aufrufen zu müssen, soll das Smartphone als digitaler Agent verschiedene Funktionen App-übergreifend ausführen. Apple hat ähnliches angekündigt, ist aber nicht so weit.
„Das ist derzeit einzigartig bei uns“, sagte Samsung-Electronics-AI-Chef Jisun Park im Gespräch mit der Wirtschaftswoche. Allerdings gilt das momentan nur für wenige ausgesuchte Apps von Google, Samsung, WhatsApp und Spotify.
Die Galaxy S 25-Reihe soll Samsung die Tür zu einem AI-Betriebssystem öffnen.
Foto: WirtschaftsWocheBeispiel: Die eingebaute KI schlägt nicht nur ein Restaurant nach den Wünschen des Nutzers vor, sondern zeigt es parallel auf einer Karte an und teilt die Informationen über WhatsApp oder E-Mail mit den Gästen. Oder man macht ein Foto vom Inhalt seines Kühlschranks und die KI empfiehlt, was man daraus kochen kann. Sportfans können die KI die Spieltermine ihres Klubs heraussuchen lassen und automatisch in den Kalender eintragen. Jede Menge Möglichkeiten also, die den App-Markt verändern könnten. Funktioniert das so wie versprochen, gewinnen die Geräteanbieter noch mehr Einblick in das Nutzungsverhalten ihrer Käufer.
„Mit dieser Smartphone-Serie öffnet Samsung die Tür zu einem AI-Betriebssystem“, hofft TM Roh, Chef der Mobilsparte von Samsung Electronics. Man fokussiere sich darauf, so AI-Chef Park, „die Bedienung von Smartphones zu vereinfachen und zugleich die Ergebnisse der AI stärker zu personalisieren.“ In welche Richtung sich das entwickle, werde von den Kunden entschieden. „Wir wollen uns darauf konzentrieren, was der Nutzer tatsächlich täglich verwendet und hilfreich für ihn ist.“
KI-Funktionen auch in Europa verfügbar
Um die Akzeptanz von KI zu fördern, wird Samsung seine KI-Funktionen weiterhin gratis offerieren. Im vergangenen Jahr hatte Samsung angekündigt, das bis Ende 2025 zu tun. „Wir führen momentan Diskussionen darüber, ob wir das verlängern werden“, so AI-Chef Park.
Im Gegensatz zu Apple bietet Samsung seine KI weltweit an. Apple Intelligence ist derzeit nicht in der EU verfügbar. Das soll sich jedoch im April ändern.
Wird KI die Anzahl von Apps verringern? „Sie werden stärker über Sprache angesteuert werden“, sagt Park. „Das bedeutet, dass sie im Hintergrund laufen, aber der Nutzer sie nicht unbedingt aktiv aufrufen und ihre Funktionen genau kennen muss.“
S25: Das bietet das neue Smartphone
Beim derzeit wichtigsten Kaufkriterium, der Kamera, hat Samsung sein Top-Modell S25 Ultra neben den bisherigen zwei Teleobjektiven und Weitwinkel mit einem neuen 50-Megapixel-Ultraweitwinkel-Sensor ausgestattet. Der Vorgänger hatte nur 12 MP. Bei der Makrofotografie sollen dank der höheren Auflösung viermal mehr Details erkennbar sein.
Die S25-Reihe ist rund 15 Prozent schlanker als die Vorgängergeneration. Alle drei Modelle sind zudem leichter, beim S25 Ultra sind es 15 Gramm weniger auf 218 Gramm Gewicht. Zugleich ist beim Spitzenmodell dank eines schmaleren Rahmens das Display etwas größer geworden, es hat jetzt 6.9 Zoll – 17.42 Zentimeter. Neu ist, dass alle drei Varianten der S-Reihe mit dem gleichen Qualcomm-Prozessor ausgerüstet sind, dem Snapdragon Elite 8. Früher galt das nur für das Spitzenmodell.
Wie dünn ist das Edge?
Samsung behauptet, dass man mit dem Spitzenmodell mit einer Akkuladung bis zu 31 Stunden Videos schauen könne. Eine weitere Geräte-Neuheit gab es dann doch in San Jose. Mit dem S25 Edge bringt Samsung eine neue Gerätekategorie auf den Markt, die dünner und leichter ist. Das Topmodell bleibt allerdings das S25 Ultra – auch preislich. Fürs Schrumpfen mussten die Samsung-Ingenieure Zugeständnisse bei der Akku-Laufzeit und bei der Leistungsfähigkeit machen.
Samsung macht derzeit keine genauen Angaben, um nicht vom Start seiner neuesten Generation abzulenken. Da die normale S-Reihe jedoch schon sehr dünn ist – das Einstiegsgerät ist 7,2 Millimeter dick –, kann es sich höchstens um einen Millimeter handeln. Vom Augenschein her – Samsung hat einige Geräte hinter einer Absperrung präsentiert – ließ sich bei den Dimensionen kein Unterschied ausmachen.
Das Edge wird Ende Frühjahr erwartet. Es wird spannend, ob das dünnere und leichtere Gerät sich durchsetzt – oder das Schicksal des mittlerweile eingestellten iPhone Mini von Wettbewerber Apple erleidet, wo viele Kunden erst großes Interesse zeigten, dann aber doch zum größeren Gerät griffen.
Dem Plus-Modell wurde schon oft der Tod prophezeit, weil es sich als Kompromiss zwischen Einstieg und Spitze am schlechtesten verkauft. Doch Samsung behält das Zwischenmodell vorerst.
Das S25 Ultra startet bei 1449 Euro
Premium-Smartphones bleiben ein teures Vergnügen. In Deutschland sind mittlerweile laut GfK rund 46 Prozent der abgesetzten Geräte teurer als 1000 Euro. Samsung hat allerdings bei seiner neuesten Gerätegeneration preislich nicht draufgesattelt. Das Einstiegsmodell S 25 startet bei 899 Euro, das Zwischenmodell S25+ bei 1149 Euro und das Spitzenmodell S25 Ultra bei 1449 Euro. Doch so viel zahlen nur die ersten Käufer, nach wenigen Monaten geben die Preise meist nach. Und da auch bei den Mobilfunkgesellschaften der Wettbewerb hart ist, gibt es Quersubventionen.
In San Jose wurde auch das „Project Moohan“ kurz präsentiert, auch hier ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Die in Kooperation mit Google entwickelte Datenbrille soll mit einem günstigeren Preis gegen Apples Vision Pro antreten, wahrscheinlich gegen Ende des Jahres auf den Markt kommen. Moohan steht im Koreanischen für Unendlichkeit.
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