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KI-App für VideosEigentlich wollte Apple Brighter AI kaufen – nun schlägt Canon zu

Vor einem Jahr verhandelte das Start-up Brighter AI mit Apple. Daraus wurde nichts. Jetzt wandert die Video-KI unter das Dach des Canon-Konzerns.Lisa Ksienrzyk 07.04.2025 - 16:11 Uhr
Marian Gläser (l.) und Patrick Kern haben Brighter AI 2017 aus dem Automobilzulieferer Hella ausgegründet. Foto: PR

Seit einem Jahr schaut die Gründerszene auf das Berliner Start-up Brighter AI. Im Februar vergangenen Jahres kursierten Gerüchte über einen möglichen Verkauf an Apple. Der Tech-Konzern soll an der Software für Anonymisierungen interessiert gewesen sein, womöglich für seine Datenbrille VisionPro. Brighter-AI-Gründer Marian Gläser schweigt darüber bis heute. Nach Informationen von WirtschaftsWoche gab es jedoch Gespräche, die sich über mehrere Wochen zogen. Zu einem Vertragsabschluss kam es nie.

Nun hat das Start-up einen anderen Käufer gefunden. Brighter AI gehört seit vergangener Woche der dänischen Firma Milestone Systems, einer Tochter des Kameraherstellers Canon. Über den Kaufpreis darf Gläser nicht reden, nur so viel: „Wir sind sehr glücklich.“

Milestone Systems entwickelt Software-Lösungen für Überwachungskameras. Die Firma wurde 1998 gegründet und 2014 von Canon erworben. Die künstliche Intelligenz von Brighter AI macht personenbezogene Merkmale wie Gesichter und Autokennzeichen unkenntlich, ohne sie zu verzerren. Die Technologie verändert beispielsweise die Gesichtszüge, schwärzt Personen komplett oder generiert neue Kennzeichen. Im Kern geht es um den Schutz der Privatsphäre im öffentlichen Raum. Unternehmen setzen das anonymisierte Video- und Fotomaterial etwa für Marktforschungszwecke oder die Weiterentwicklung ihrer Produkte ein.

Brighter AI

An diesem Berliner KI-Start-up soll Apple interessiert sein

von Lisa Ksienrzyk

Brighter AI ist 2017 als Spin-off des Autozulieferers Hella entstanden. In mehreren Finanzierungsrunden beteiligten sich unter anderem die Investmentvehikel des Sicherheitsunternehmens Giesecke+Devrient sowie der Deutschen Bahn. „Wir hatten keinen Finanzierungsbedarf mehr aus dem Venture-Capital-Bereich“, begründet Gläser seine Entscheidung für den Verkauf. Für das Wachstum sei dieser nächste Schritt nötig gewesen.

Entlassungen und Umstrukturierung

In einer ersten Etappe hat Brighter AI die Firmenstruktur verändert. Im Juli übernahm das Gründerteam zuerst sämtliche Anteile der bisherigen Investoren und verteilte dann kleine Beteiligungen an Business Angels. Gläser und sein Mitgründer Patrick Kern hielten somit wieder die Mehrheit an ihrem Unternehmen. In dem Zuge hat das Start-up auch sein Vertriebsteam umorganisiert und eine Handvoll Mitarbeitende entlassen, bei rund 30 Angestellten insgesamt.

„Wir hatten letztes Jahr mehrere Akquisitionsgespräche und haben dann die Gesellschafterliste so umgebaut, dass sie attraktiver für potenzielle Käufer ist“, erklärt Gläser. In den Exit-Gesprächen habe er dadurch weniger Interessen berücksichtigen müssen. „Das war im Nachhinein eine sinnvolle und gute Entscheidung für den Verkaufsprozess.“

Das Gesicht von Thomas Jensen, Chef von Milestone Systems, wird durch die KI verändert. Foto: PR

Erste Verhandlungen mit Milestone Systems habe Brighter AI im Sommer geführt. Das Unternehmen war bereits Partner des Berliner Start-ups, das habe die Prozesse vereinfacht. Laut Gläser gehen sämtliche Erlöse aus dem Unternehmensverkauf auch an die Altgesellschafter, die zuvor aussortiert wurden. Wie hoch die Rendite war, wollen die Beteiligten auf Nachfrage der WirtschaftsWoche nicht sagen. Die Mitarbeitenden von Brighter AI profitieren ebenfalls von dem Deal: Alle Festangestellten haben mit ihrem Arbeitsvertrag Mitarbeiteranteile, sogenannte ESOP, erhalten.

„Brighter AI passt perfekt zu Milestone. Ihre bewährte Technologie ist erstklassig und wird unser Angebot für bestehende und neue Technologiepartner sowie Kunden deutlich erweitern“, lässt sich Milestone-Systems-CEO Thomas Jensen zitieren. Die Dänen wollen Brighter AI als eigenständige Einheit weiterführen. Für Gläser und die übrigen 24 Mitarbeitenden ändert sich im Berliner Büro nichts, sie behalten auch ihre Kunden – darunter Siemens, IBM und Dell. „Uns war wichtig, dass die Firma in Europa bleibt und nicht etwa in die USA zieht“, ergänzt Brighter AI-Chef Gläser.

Nach einer jahrelangen Flaute wird in der deutschen Start-up-Szene gerade ein Unternehmen nach dem anderen verkauft. Im Frühjahr wechselten bereits die Wander-App Komoot, das Fitness-Abo Urban Sports Club und das Identifizierungs-Tool IDNow die Besitzer – vermutlich alle für eine dreistellige Millionenbewertung.

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