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Nvidia kauft ARM Auf dem Weg zur Herrschaft über die Künstliche Intelligenz

Nvidia-Gründer und -Vorstandschef Jensen Huang. Quelle: imago images

Sollte die Übernahme von ARM genehmigt werden, wäre Nvidia-Chef Jensen Huang seiner Vision für eine Schaltzentrale aller KI-Anwendungen einen großen Schritt näher. Der langjährige Konkurrent Intel ist längst abgehängt.

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Es ist der nächste Paukenschlag in der Chipindustrie: Der amerikanische Halbleiterkonzern Nvidia will sich den britischen Chipspezialisten ARM für 40 Milliarden Dollar einverleiben, wie beide Unternehmen in der Nacht zum Montag verkündeten. Weil ARM bisher wiederum zur Beteiligungsholding Softbank gehört, werden die Japaner durch die Transaktion mit einem Anteil von rund zehn Prozent zum größten Einzelaktionär der Amerikaner – wenn alle Aufsichtsbehörden dem Vorhaben zustimmen.

Erst Anfang Juli hatte der US-Halbleiterhersteller Analog Devices angekündigt, den Rivalen Maxim Integrated Products für knapp 21 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Mit beiden Deals nimmt die seit Jahren laufende Konsolidierungswelle in der Chipbranche – die zwischenzeitlich gestockt hatte – wieder Fahrt auf.

Mit ARM kommt Nvidia-Gründer und -Vorstandschef Jensen Huang seinem Ziel, einen komplett auf Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz (KI) und Mobile Computing ausgerichteten Halbleiterkonzern zu entwickeln, einen entscheidenden Schritt näher. „Mit ARM schaffen wir das Chip-Powerhouse der Zukunft für KI“, so Huang in der Telefonkonferenz zu der geplanten Übernahme am Montagvormittag. „Durch den Schritt werden wir die KI-Chips von Nvidia dem gesamten Ökosystem von ARM zur Verfügung stellen können.“

Als Huang, studierter Elektroingenieur mit Master-Abschluss an der renommierten Stanford-Universität, 1993 Nvidia gründete, war seine Vision das dreidimensionale Videospiel. Und so entwarf er den Rechner dazu. 1995 brachte Nvidia seine erste Grafikkarte auf den Markt. Deren Leistung war so bahnbrechend, dass sich später sogar Microsoft entschied, sie in seine Spielekonsole Xbox einzubauen. Bereits Ende der 2000er-Jahre war Nvidia mit Abstand zur Nummer eins im Geschäft mit Grafikprozessoren geworden, Gamer stürzten sich auf die jeweils neuen, schnelleren Modelle.

Und so weitete Huang seinen Fokus, diesmal auf Anregung von Computerwissenschaftlern, die sich 2009 an ihn wandten. Diese waren gerade auf die Idee gekommen, die raschen parallelen Rechenvorgänge der Grafikkarten zu nutzen, um damit maschinelles Lernen zu beschleunigen. Huang erkannte schneller als viele andere in der Branche, dass sich da ein neuer Markt auftat: Künstliche Intelligenz. „Wenn du dich nicht permanent neu erfindest“, predigte Huang einmal Studenten in Stanford, „liegst du in Wahrheit nur langsam im Sterben.“ 

„Wenn du dich nicht selbst kannibalisiert, wird es jemand anderes tun“

Diese Weisheit setzte er wenig später um - und entwickelte einen Chip eigens für Deep Learning, eine unter Forschern schnell populärer werdende Methode der KI. Schon 2015 brachte Nvidia erstmals einen Chip auf den Markt, der eigens für solche Deep-Learning-Verfahren konzipiert war - und den meisten anderen Chipherstellern damit um Jahre voraus. Heute stecken Nvidia-Chips für KI in zahlreichen Rechenzentren, Forschungsabteilungen und selbstfahrenden Autos verschiedenster Hersteller. Aber Huang hat auch eine zweite von ihm gern zitierte Weisheit offensichtlich bis heute im Kopf: „Wenn du dich nicht selbst kannibalisiert, wird es jemand anderes tun.“


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Mit ARM gewinnt Huang nun Zugriff auf einen absoluten Mobilspezialisten. Die Chips der Briten stecken in fast allen Smartphones rund um den Globus, darunter auch dem iPhone von Apple. Der Konzern aus Cupertino hat zudem kürzlich angekündigt, auch in seinen Macbook-Laptops Prozessoren von ARM statt wie bisher vom einstigen Chipmarktprimus Intel einsetzen zu wollen.

Diese Machtverschiebung innerhalb der Halbleiterbranche hat sich zuletzt auch beim Börsenwert widergespiegelt: Erst im Juli stieg Nvidia mit einer Marktkapitalisierung von aktuell rund 330 Milliarden Dollar zum wertvollsten amerikanischen Chiphersteller auf; der langjährige Rivale Intel hinkt mit nur noch 210 Milliarden Dollar inzwischen deutlich hinterher.

Im Gegensatz zu anderen Herstellern verfügt ARM über keine eigene Fertigung, sondern hat sich ganz dem Chipdesign verschrieben. Diese Technologie lizensieren die Briten dann an verschiedene Hersteller rund um den Erdball. Nvidia hat bereits angekündigt, die Forschung und Entwicklung von ARM im südbritischen Cambridge ausbauen zu wollen. Die Amerikaner wollen dort eines der weltweit führenden Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz schaffen und einen KI-Supercomputer basierend auf Chips von ARM und Nvidia bauen.

Die japanische Softbank-Gruppe hatte ARM erst 2016 für rund 32 Milliarden Dollar gekauft. Dass das Unternehmen nun mit 40 Milliarden Dollar bewertet wird, werten Beobachter als Indiz, dass sich ARM unter dem neuen Eigentümer nicht so positiv entwickelt hat wie andere Technologieanbieter in den vergangenen Jahren. Der Wert von Nvidia etwa hat sich im gleichen Zeitraum gut vervierfacht. Zudem haben sich die Amerikaner in der Coronakrise gut geschlagen und erst im jüngsten Geschäftsquartal einen Umsatzplus um 50 Prozent auf den Rekordwert von knapp vier Milliarden Dollar vermeldet.

Mehr zum Thema: Der Nasdaq-Kurseinbruch zeigt, dass Anleger nicht nur auf Giganten wie Tesla oder Amazon setzen sollten. Ausgewählte Technologiefonds bieten Chancen.

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