Grippe und Corona: Modernas Kombi-Impfstoff soll 2025 kommen
Moderna-CEO Stéphane Bancel: „Die Verbraucher sparen sich eine Spritze“
Foto: imago imagesEine Spritze, zweifache Wirkung: Das verspricht ein neuer Impfstoff, an dem der US-Biotechkonzern Moderna arbeitet, der weltweit durch seinen Coronaimpfstoff Spikevax bekannt geworden ist. mRNA-1083, so der Name des Impfstoffs, soll nicht nur gegen Coronaviren immunisieren, sondern auch gegen Grippeerreger. „Die Verbraucher sparen sich eine Spritze“, sagt Stéphane Bancel, CEO von Moderna, im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.
Diese Idee rückt nun einen Schritt näher: Am Mittwoch gab Moderna Ergebnisse aus einer Phase-1/2-Studie bekannt, die die Entwicklung des Kombi-Impfstoffs weiter vorantreiben dürften. Die Studie, bei der Antikörper im Blut der Teilnehmer gemessen wurde, zeigte: Der Kombi-Impfstoff löst eine ähnlich große oder größere Immunreaktion aus wie herkömmliche Grippeimpfstoffe. Auch zeigte er eine ähnliche Immunreaktion wie Modernas Corona-Impfstoff Spikevax.
Zugleich zeigte das Vakzin ähnliche Nebenwirkungen wie der Coronaimpfstoff von Moderna, die zum größten Teil nur leicht ausfielen. Neue Sicherheitsbedenken im Vergleich zu Spikevax hätten sich in der Studie nicht ergeben, gab Moderna bekannt. Der neue Wirkstoff basiert wie Spikevax auf der mRNA-Technologie, bei der die Anleitung für die Produktion bestimmter Proteine in Zellen geschleust wird.
600 Millionen Dosen pro Jahr
Damit rückt der neue Impfstoff näher an die Vermarktung. In einer Phase-3-Studie muss er nun noch einmal gute Daten liefern. „Die Studie wird nächstes Jahr abgeschlossen sein“, sagt Bancel. Sollte alles nach Plan laufen und die Behörden ihre Zustimmung geben, könnten dann bald die ersten Impfdosen verteilt werden. „Wir schätzen, dass wir den Impfstoff im Jahr 2025 auf den Markt bringen können“, sagt Bancel.
Davon sollen nicht nur Patienten profitieren, die heute häufig zwei mal zum Arzt gehen, um eine Grippe- und eine Corona-Impfung zu erhalten. Auch Ärzte und Apotheken sollen mit dem doppelten Impfstoff Zeit und Aufwand sparen. Welchen Preis Moderna für eine Dosis verlangen wird, gibt der Konzern nicht nicht bekannt. „Wir haben das Pricing noch nicht beschlossen“, sagt Bancel.
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Klar ist: Moderna verspricht sich von dem neuen Impfstoff ein wachsendes Geschäft. 500 bis 600 Dosen an Grippeimpfstoffen würden jährlich injiziert, 150 Millionen davon allein in den USA. Zudem würden dort in diesem Herbst 50 bis 100 Millionen Corona-Impfungen vorgenommen. Diese Zahl werden mit der Zeit auf das Niveau der Grippeimpfungen anwachsen, erwartet Moderna. Für das Jahr 2027 erwartet der Konzern acht bis 15 Milliarden Dollar Umsatz mit mRNA-Medizin gegen Atemwegserkrankungen und einen Profit von vier bis neun Milliarden Dollar.
Auch Biontech und der US-Hersteller Novavax arbeiten an Grippe-Covid-Kombi-Impfstoffen. Saisonale Grippe-Epidemien sorgen weltweit regelmäßig für viele Millionen Krankheitsfälle, drei bis fünf Millionen davon laut Moderna schwere Verläufe. Berechnungen zufolge sterben jedes Jahr zwischen 290.000 und 650.000 Menschen an einer grippalen Atemwegserkrankung. Impfstoffe können helfen, die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle zu senken.
Schnellere Fortschritte mit Krebs-Vakzin?
Moderna arbeitet schon an weiteren Kombinationsimpfstoffen gegen Atemwegserkrankungen – etwa gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). „Wir haben einen Kombinationsimpfstoff Covid plus Grippe plus RSV in klinischen Studien“, sagt Bancel. „Er wird am wahrscheinlichsten im Jahr 2026 auf den Markt kommen.“
Auf Basis der mRNA-Technologie will Moderna so eine ganze Produktpalette an Impfungen gegen Atemwegserkrankungen auf den Markt bringen. „Stellen Sie sich das vor wie das iPhone“, sagt Bancel. „Wir wollen Ihnen jedes Jahr ein upgedatetes Produkt bieten – und mehr und mehr Apps.“ Sprich: Neue mRNA-Wirkstoffe etwa gegen weitere Viren.
Bis zu 15 neue Produkte in den nächsten fünf Jahren will Moderna herausbringen – auch Impfungen, die gegen Krebserkrankungen helfen sollen. Bisher war von einem möglichen Marktstart im Jahr 2028 die Rede. Das das könne sich auch beschleunigen, sagt Bancel. „Wenn wir positive Daten erhalten, könnten wir für ein Krebs-Vakzin auch einen Produktstart im Jahr 2025 verfolgen.“ Dazu müsste die zuständige Behörde in den USA einer beschleunigten Zulassung zustimmen. Die entscheidenden Studiendaten, so Bancel, erwarte er für Ende des Jahres.
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