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Masernfälle in Deutschland steigen Die größten Mythen über das Impfen

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Impfungen als Auslöser für Autismus?

Die hartnäckigsten Gesundheitsmythen
Eine junge Frau putzt sich mit einem Papiertaschentuch die Nase Quelle: dpa
Mann mit Rückenschmerzen sitzt im Büro Quelle: obs
In einer Zahnarztpraxis werden die Zähne eines Jungen untersucht Quelle: dpa
Ein Fieberthermometer liegt auf verschiedenen Arten und Formen von Tabletten Quelle: dpa
Ein Mann zieht an seinem Finger und erzeugt ein Knackgeräusch. Quelle: dpa
Angela Merkel hält ein Schnapsglas in der hand Quelle: AP
Ein Junge steht unter einer Dusche Quelle: dpa

2. "Die vielen Impfungen sind ein Grund für die Zunahme von Allergien"

Obwohl der Zusammenhang zwischen Allergien und Impfungen immer wieder angeführt wird, ließ er sich bisher wissenschaftlich nicht belegen. Es scheint eher eine gleichzeitige, aber unabhängige Entwicklung zu sein - wie beim Geburtenrückgang und dem Verschwinden der Störche: Seit Kinderschutzimpfungen in den Fünfzigerjahren ihren Siegeszug antraten, sind auch Allergien auf dem Vormarsch.

Gegen die Vermutung, dass Impfungen die Ursache von Allergien sind, spricht zudem eine innerdeutsche Beobachtung: In der DDR, wo Impfpflicht bestand, gab es kaum Allergien. Erst als die Impfraten nach der Wende auch in Ostdeutschland deutlich sanken, nahmen dort die Allergien zu.

Führende Allergologen wie der inzwischen emeritierte Berliner Charité-Professor Ulrich Wahn haben trotzdem seit Jahren den Verdacht, "dass ein bisschen krank sein gar nicht schlecht ist, um Allergien zu vermeiden". Dann sei "das Immunsystem mit wirklich wichtigen Dingen beschäftigt, statt sich auf Feinde zu stürzen, die keine sind". Impfungen vor gefährlichen Krankheiten seien dennoch unverzichtbar.

3. "Impfungen sind die Ursache von Autismus und multipler Sklerose"

Dass Impfungen für schwerste Leiden wie die Nervenentzündung multiple Sklerose (MS), die chronische Darmentzündung Morbus Crohn oder psychische Erkrankungen wie den Autismus verantwortlich sein könnten, ließ sich nach Einschätzung des PEI bislang nicht nachweisen. Die einzige Studie, die einen klaren Zusammenhang zwischen MS und der Impfung gegen Hepatitis B belegt haben will, beurteilt die Weltgesundheitsorganisation kritisch, weil sie methodische Mängel aufweise und beispielsweise zu wenig Fälle betrachte. Eine sehr ähnliche, methodisch bessere Studie konnte keinen Zusammenhang entdecken.

Die häufigsten Todesursachen in Deutschland
Im Jahr 2013 verstarben in Deutschland insgesamt 893.825 Menschen, davon 429.645 Männer und 464.180 Frauen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, ist damit die Zahl der Todesfälle gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent angestiegen. Durch einen Suizid beendeten 10.076 Menschen ihr Leben, wobei der Anteil der Männer mit 73,9 Prozent fast dreimal so hoch war wie der Anteil der Frauen mit 26,1 Prozent. Quelle: dpa
In 10.842 Fällen (4 972 Männer und 5 870 Frauen) war ein Sturz die Ursache für den Tod. Quelle: dpa
Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten waren für 18.475 Sterbefälle verantwortlich. Quelle: dpa
3,8 Prozent aller Todesfälle waren auf eine nicht natürliche Todesursache wie zum Beispiel eine Verletzung, einen Unfall oder eine Vergiftung zurückzuführen (34.133 Sterbefälle). Quelle: dpa
Eine deutliche Zunahme um 16,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist bei den Psychischen und Verhaltensstörungen festzustellen. Hieran verstarben 2013 insgesamt 36.117 Menschen, davon 14.241 Männer und 21.876 Frauen. In 80 Prozent dieser Sterbefälle war eine Demenzerkrankung die Todesursache. Quelle: dpa
Die Zahl der Sterbefälle infolge von Krankheiten des Verdauungssystems betrug im vergangenen Jahr 40.112. Das entspricht einer Rate von 4,5 Prozent. Quelle: dpa
Mann packt scih an die Brust Quelle: dpa

Für Aufsehen sorgte eine 1998 im renommierten Fachblatt "The Lancet" veröffentlichte Studie des britischen Kinderarztes Andrew Wakefield. Sie schien zu beweisen, dass die Dreifach-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln der Auslöser für Autismus sei. Auch Wakefield wurden methodische Mängel vorgehalten, aber es kam noch schlimmer. Im Jahr 2004 wurde bekannt: Wakefield hatte sich die Studie mit 55.000 britischen Pfund von Anwälten finanzieren lassen, die Eltern von autistischen Kindern bei ihren Klagen gegen die Hersteller des MMR-Impfstoffs vertraten.

Weil er diesen Interessenkonflikt weder "The Lancet" noch seinen Mitforschern mitgeteilt hatte, zog die Zeitschrift den Artikel schließlich zurück.

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