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StarlinkStarlink: Warum Musk jetzt Geld für seine Satelliten will

SpaceX-Gründer Elon Musk ließ sich als Held der Ukraine feiern, sein Starlink-Satellitennetz hilft der Armee enorm. Jetzt will Musk aber einem Medienbericht zufolge Hunderte Millionen Dollar dafür kassieren - oder den Dienst blockieren. Das kostet ihn vor allem eins: Vertrauen.Andreas Menn 14.10.2022 - 18:08 Uhr aktualisiert

Macht SpaceX bald einen Bogen um die Ukraine? Eine Falcon-9-Rakete liefert im September 51 Starlink-Satelliten ins All.

Foto: dpa

Die Antenne ist groß wie eine Satellitenschüssel, lässt sich auf einem kleinen Stativ schnell aufstellen. Dann nimmt sie automatisch Kontakt zu einigen der mehr als 3000 Satelliten von SpaceX auf, die um die Erde kreisen.

Für manche Besitzer eines Häuschens auf dem Land sind die Starlink-Antennen ein komfortabler Zugang zu schnellem Internet. Für viele ukrainische Soldaten an der Front in der Ukraine sind sie überlebenswichtig: Inzwischen läuft über Starlink ein beträchtlicher Teil der digitalen Kommunikation der Armee, die ansonsten vom Internet abgeschnitten wäre.

Bisher ließ sich SpaceX-Gründer Elon Musk, reichster Mensch der Welt, dafür feiern, der Ukraine mit seinem Starlink-System zu helfen. Doch mit der Wohltätigkeit dürfte es nun offenbar bald vorbei sein. Wie der US-Nachrichtensender CNN berichtet, hat sich Musk in einem Brief an das US-Verteidigungsministerium gewandt. SpaceX könne den Internetdienst in der Ukraine nicht länger finanzieren, soll es darin heißen.

400 Millionen Dollar Kosten – angeblich

Bisher habe SpaceX der Ukraine 20.000 Starlink-Antennen zur Verfügung gestellt, heißt es in dem CNN-Bericht. In einem Tweet schrieb Musk kürzlich, dass SpaceX dadurch Kosten von 80 Millionen Dollar entstanden seien. In den nächsten zwölf Monaten, so soll es im Schreiben an das Pentagon heißen, würden 400 Millionen Dollar an weiteren Kosten entstehen, auch weil die Ukraine 7000 weitere Terminals haben möchte. Das könne SpaceX nicht weiter tragen, soll das Unternehmen der Behörde geschrieben haben.

Worin die Kosten im Detail bestanden haben sollen, führt der Bericht nicht auf. Das kommerzielle Angebot für Privatkunden von Starlink liegt bei rund 600 Dollar für die Anschaffung der Antenne und 110 Dollar im Monat für die Datenübertragung. Aktuell hat Starlink weltweit rund 700.000 Nutzer, wie ein SpaceX-Mitarbeiter im September auf einem Kongress der Satellitenbranche verkündete.

Eine Überschlagsrechnung wirft Fragen zu Musks Angaben auf: Würde man nämlich die Kosten von 400 Millionen Dollar für 27.000 Terminals in der Ukraine auf alle 700.000 Nutzer hochrechnen, hätte Starlink mehr als zehn Milliarden Dollar Kosten, aber weniger als eine Milliarde Dollar Einnahmen.

Das Schreiben an das Pentagon enthält aber offenbar auch Daten, die belegen, dass SpaceX keineswegs alle Kosten für die Ukraine bisher selbst getragen hat. 85 Prozent der 20.000 Antennen sollen Länder wie die USA und Polen bezahlt haben. Auch 30 Prozent der Kosten für die Datenübertragung sollen nationale Behörden beglichen haben. 

Auf Twitter reagierte Musk inzwischen auf den Bericht und verwies auf die großen Datenmengen, die die Ukraine nutze. „SpaceX verlangt nicht, bereits getätigte Ausgaben wieder hereinzuholen, kann aber auch das bestehende System nicht auf unbestimmte Zeit finanzieren und mehrere 1000 weitere Terminals senden, die eine bis zu 100-mal höhere Datennutzung als typische Haushalte haben“, heißt es in der Nachricht.

Daten des Netzwerkanalysten Ookla zufolge wurde das Netzwerk im Laufe des Jahres tatsächlich zunehmend langsamer. SpaceX schickt zwar regelmäßig weitere Satelliten ins All, doch sie können den steigenden Datenverkehr mit ihrer Kapazität offenbar nicht ausgleichen. 

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Musk macht keine gute Werbung für sich

Ein Dilemma: Starlink hat sich in der Ukraine als militärisch bedeutende Plattform bewiesen. Als das Netzwerk in den vergangenen Tagen in dem Land teilweise ausfiel, sorgte das für entsprechend große Verunsicherung. Zugleich muss SpaceX als kommerzielles Unternehmen darauf achten, die Kosten und die Qualität seines Dienstes im Griff zu behalten.

Die gute PR, die Musk mit seiner Spende an die Ukraine eingefahren hat, hat der Unternehmer in den vergangenen Tagen allerdings selbst wieder in Teilen zunichte gemacht. Mit einem stark umstrittenen Friedensplan schaltete er sich in die politische Debatte um den Angriff auf die Ukraine ein und löste Gerüchte aus, er verbreite Argumente des russischen Potentaten Wladimir Putin.

Der ehemalige ukrainische Botschafter Andrij Melnyk riet Musk daraufhin, sich zu „verpissen“. Er sei diesem Rat nun gefolgt, antwortete Musk via Twitter – und meinte damit den angedrohten Rückzug von Starlink aus der Ukraine. Vielleicht sind es nicht nur ökonomische Gründe, die Musk zu seiner Kehrtwende antreiben – sondern auch ein gekränktes Ego. Dagegen spräche, dass der Brief an das Pentagon schon eine Weile vor Melnyks Kommentar versandt worden sein soll. 

So oder so: Militärs in aller Welt dürften sich umso mehr fragen, wie schlau es ist, ihre Kommunikation einem kommerziellen Dienst wie Starlink anzuvertrauen, hinter dem ein exzentrischer Milliardär steckt.

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