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Mr. 100.000 Volt Elon Musk - der nächste Steve Jobs

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Der größte Bluff

Eigentlich ist der Multi-Unternehmer damit ausgelastet. Doch dann fällt ihm eine Geschäftschance in den Schoss, der er nicht widerstehen kann und die ihn schließlich prominent machen wird.

2003 haben der Silicon-Valley-Ingenieur Martin Eberhard und sein Geschäftspartner Marc Tarpenning die Idee, einen Akku für Fahrzeuge zu entwickeln. Der soll aus Tausenden von Lithium-Ionen-Speichern bestehen, wie ihn Notebooks und Mobiltelefone verwenden. Die beiden wollen Skaleneffekte im boomenden Markt der Computerakkus nutzen, um Stromspeicher für Autos erschwinglich zu machen.

Eberhard und Tarpenning suchen Geldgeber. Vergebens. Ein Auto, das von Tausenden womöglich leicht entflammbaren Akkus angetrieben wird – niemand will so etwas Verrücktes finanzieren. Dass Eberhard bereits zwei Unternehmen aufgebaut und erfolgreich verkauft hat, spielt keine Rolle. „Die meisten glaubten wahrscheinlich, ich sei verrückt“, erinnert sich Eberhard. Er muss also einen ähnlichen Fantasten finden. Von einem Freund erfährt er, Musk habe Interesse an Stromspeichern und auch das nötige Geld.

Die wichtigsten Startups von Elon Musk

Die Chance für ein Treffen ergibt sich, als Musk einen Vortrag auf einer Tagung zur Besiedlung des Mars an der Stanford-Uni hält. Eberhard passt ihn ab und erläutert ihm die Idee von Tesla. Musk lädt ihn im Frühjahr 2004 in sein Haus nach Los Angeles ein. Seine Frau Justine hat gerade Zwillinge geboren und ihrem Mann das Versprechen abgenommen, öfter daheim zu sein.

Eberhard fliegt nach Los Angeles. Nach kurzer Bedenkzeit sagt Musk im Frühjahr 2004 zu. Da sich keine weiteren Investoren finden und sich das Vorhaben schwieriger erweist als angenommen, ist er bald der größte Geldgeber und Hauptgesellschafter.

Schnell wird klar: Der Plan, die Technik an Autokonzerne zu lizenzieren, geht nicht auf. Um die Funktionsfähigkeit des Antriebs zu beweisen, muss Tesla selbst ein Auto bauen – und konzipiert zusammen mit dem britischen Hersteller Lotus Cars einen Sportwagen. Doch die Kosten summieren sich auf rund 130 000 Dollar pro Auto. Tesla hatte den Vorbestellern einen Preis von 110 000 Dollar versprochen.

Musk will zudem ein wirklich einzigartiges Fahrzeug und mischt sich in Details wie Türschlösser und Karosseriematerialien ein. Das leert die ohnehin klammen Kassen von Tesla noch schneller. Ein Fiasko bahnt sich an. Die Firma braucht im Frühjahr 2007 unbedingt frisches Geld. Doch externe Investoren lassen Musk zappeln. Wie im Silicon Valley Usus lehnen sie nicht ab, sagen aber auch nicht zu.

Laut Biograf Vance bereitet der genervte Gründer daher den bis dahin größten Bluff seiner Karriere vor. Er erzählt den Kapitalgebern, er wolle die Finanzierungsrunde doch aus eigener Tasche bestreiten, da Tesla so traumhafte Aussichten biete.

Zwar hat er das Geld gar nicht flüssig. Doch der Appell an die Gier gelingt. Musk lässt sich vermeintlich überreden, doch noch externe Investoren zuzulassen. Tesla erhält weitere 45 Millionen Dollar, das Unternehmen ist erst mal gerettet. Doch das frische Geld reicht nicht lange. Ein Umstand, den Musk vor allem Eberhard anlastet. Was ihm selber bei PayPal passierte, setzt er nun bei Tesla Motors um. Er enthebt Eberhard seines Amtes als CEO. Weil er auch mit dessen zwei Nachfolgern nicht klarkommt, übernimmt Musk selbst die Führung. Eberhard bekommt die brutale Seite seines Hauptgesellschafters zu spüren. Der droht ihm, seine Anteile zu entwerten. Der Streit geht so weit, dass beide sich öffentlich befehden und vor Gericht streiten, wer eigentlich der Kopf hinter Tesla ist. „Wem Elon nicht mehr traut, hat eigentlich keine Chance“, sagt Biograf Vance.

Die Auseinandersetzung ist auch deshalb so aggressiv, weil Musk weiterhin unter enormem Stress steht. Der Multimillionär hat sich mit seinen Start-up-Abenteuern finanziell überhoben. Sein einst traumhaftes Vermögen ist fast dahin.

Zwar kommt kurzzeitig Linderung, da sein Cousin Lyndon Rive sein Softwareunternehmen Everdream an den Computerhersteller Dell verkauft. Weil Musk dort investiert war, hat er unerwartet zusätzliche flüssige Mittel. Er kann daher – rechtzeitig zum Marktstart von Teslas Sportwagen im Februar 2008 – weitere 40 Millionen Dollar in die Firma stecken und zusätzliche Kredite sichern. Doch Tesla verliert mit jedem verkauften Fahrzeug mindestens 20 000 Dollar und wird ein Fass ohne Boden. Das Start-up, das so kühn die Autobranche herausgefordert hat, steht vor dem Ruin. Das Geld reicht noch maximal bis Jahresende.

Auch SpaceX steckt in großen Schwierigkeiten. Drei teure Raketenstarts in Folge misslingen, was die Zukunft der gesamten Firma infrage stellt. Dutzende Millionen Dollar sind in der Atmosphäre verglüht.

Noch belastender sind Musks private Probleme. Seine Frau Justine, die nach den Zwillingen auch noch Drillinge bekommen hat, ist unglücklich. Die erfolgreiche Schriftstellerin fühlt sich immer mehr wie ein Anhängsel, bei den zahlreichen Partys und Empfängen, die ihr Mann als prominenter und stets nach Investoren fahndender Unternehmer besuchen muss.

Vor allem aber beklagt sie die Arbeitssucht ihres Mannes, der ständig zwischen dem Firmensitz von SpaceX in Los Angeles und dem von Tesla Motors im Silicon Valley pendelt. Weil sich das Paar und seine Anwälte nicht über Abfindung und Unterhalt einigen können, entsteht eine öffentliche Schlammschlacht. Da Musk im Silicon Valley oft bei Freunden auf der Couch übernachtet, wird kolportiert, er sei pleite. In Wirklichkeit macht er das aus praktischen Gründen. Selbst heute hat er, der ein luxuriöses Anwesen mit knapp 2000 Quadratmeter Wohnfläche in Los Angeles besitzt, kein Haus im Silicon Valley. Er kommt lieber bei Freunden oder im Hotel unter.

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