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Energieversorgung Was sich seit Fukushima verändert hat

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Finnland, Frankreich und Großbritannien

Nicolas Sarkozy bei Solaranlagen-Hersteller PhotoWatt Quelle: dpa

Eurajoki

Die Demonstranten kamen an einem frühen Morgen im August, aber viele waren es nicht: Knapp 50 Atomgegner schlurften vom finnischen Dörfchen Eurajoki durch einen dichten Birkenwald zum Bottnischen Meerbusen – bis zu einem verschlossenen Tor. Der Zugang zur Ostseeinsel Olkiluoto blieb verschlossen. Dort baut der französische Hersteller Areva das größte Atomkraftwerk Europas – und das dritte für Finnland.

Anteile an der Stromversorgung in Prozent Quelle: IEA, BDEW, DECC

Mit Atomstrom versucht die finnische Regierung, die Abhängigkeit von russischem Gas zu mindern. Der Politik stößt indes auf, dass der Meiler statt drei wohl mehr als fünf Milliarden Euro verschlingen wird und statt 2009 erst Ende 2013 ans Netz geht. Die meisten Bewohner der strukturschwachen Gemeinde Eurajoki freuen sich derweil über die Arbeitsplätze, die Bau und Betrieb des neuen AKW mit sich bringen.

Paris

Bei der französischen Präsidentschaftswahl im April und Mai stimmen die Bürger nicht nur über ihr Staatsoberhaupt ab, sondern auch über die Stromversorgung. Bisher beziehen die Franzosen rund 76 Prozent ihrer Elektrizität aus Kernkraftwerken. Geht es nach dem amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy, soll das auch so bleiben. Der in den Umfragen führende Kandidat François Hollande aber will im Falle eines Wahlsiegs den Anteil der Atomenergie an der Stromversorgung um rund ein Drittel reduzieren.

Anteile an der Stromversorgung in Prozent Quelle: IEA, BDEW, DECC

Bei vielen Franzosen lösen diese Pläne Sorgen um steigende Strompreise aus. 72 Prozent von ihnen sind laut Umfragen nicht bereit, bei einem Atomausstieg mehr für Elektrizität zu zahlen. Dennoch versucht Frankreich, den Vorsprung Deutschlands bei erneuerbaren Energien aufzuholen. Bisher liefern Wind und Sonne nur rund zwei Prozent. Doch nun will der teilstaatliche Atomkonzern EDF in den nächsten Jahren bis zu 15 Milliarden Euro vor allem in Windanlagen auf dem Meer investieren. Auf einem alten Militärflugplatz im Nordwesten des Landes plant der Konzern zudem das größte Solarfeld Europas: Über 1,5 Millionen Module mit 115 Megawatt Leistung sollen dort installiert werden.

London

Die Chefs des britischen AKW-Betreibers NIA reagierten auf den Rücktritt des liberaldemokratischen Energieministers Chris Huhne vor wenigen Wochen mit Freude: Denn dem Atomkritiker folgte Parteifreund Ed Davey, der politisch nicht gerade als Schwergewicht gilt. Die mächtigen Konservativen im Kabinett von Premier David Cameron könnten leichtes Spiel dabei haben, den neuen Energieminister auf die Seite der Atombefürworter zu ziehen.

Anteile an der Stromversorgung in Prozent Quelle: IEA, BDEW, DECC

Die Briten stehen vor der Wahl: Setzen sie weiter auf Atomkraft – oder forcieren sie den Ausbau erneuerbarer Energien?

Die Tories meinen wie viele ihrer Landsleute, dass die Atomkraft trotz Fukushima eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz spielen muss. In den nächsten 15 Jahren sollen acht neue Kernkraftwerke entstehen. Doch bisher wurde noch keine Baugenehmigung erteilt. Dagegen stellte NIA vorigen Mittwoch das weltweit älteste AKW ab. Energieminister Huhne hatte derweil stets den Ausbau der Windkraft vorangetrieben: Bis 2020 sollte der Anteil regenerativer Energien von heute 6 auf 15 Prozent steigen und vor allem die alten Kohlemeiler ersetzen. Schon heute ist Großbritannien der größte Produzent von Windenergie aus Offshore-Feldern in der Nordsee.

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