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Energieversorgung Was sich seit Fukushima verändert hat

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Russland

Wladimir Putin in der Hauptzentrale des russischen Energielieferanten Gazprom Quelle: dpa

Kaliningrad

Der Rauch über den Ruinen der havarierten Fukushima-Reaktoren war noch nicht verzogen, da qualmten in Moskau schon die Köpfe. Die Russen überlegten, wie sich Profit aus der Atomstromkrise ziehen ließe, die sich im Westen bereits andeutete. Deutschland hatte gerade die Energiewende beschlossen, da reiste Machthaber Wladimir Putin nach Minsk und ließ Verträge für den Bau eines neuen Atommeilers unterschreiben, den der Staatskonzern Rosatom im Tschernobyl-gebeutelten Weißrussland hochziehen soll. Die Russen, so liest sich das heute, wollen den zimperlichen Westen aus allen Rohren mit Strom versorgen.

 Anteile an der Stromversorgung in Prozent Quelle: IEA, BDEW, DECC

Konkrete Formen nimmt Russlands neues Selbstverständnis als Atomgroßmacht in der Exklave Kaliningrad an. 13 Kilometer südlich des Städtchens Neman entsteht ein neues russisches Atomkraftwerk: 2016 soll der erste Block mit einer Leistung von 1150 Megawatt ans Netz gehen, zwei Jahre später folgt ein zweiter mit derselben Leistung. Da der Eigenverbrauch überschaubar ist, heißt es beim Moskauer Stromexport-Monopolisten Inter RAO, bliebe genug Strom für den Export gen Westen über.

Gut gerüstete Versorger
Welche Versorger seit der Energiewende umdenkenPlatz 10: VattenfallDie Studie der European School of Management (ESMT) analysiert, wie führende europäische Energiekonzerne mit den Herausforderungen der Energiewende umgehen. Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg setzt deutsche Unternehmen besonders unter Druck. Gleichwohl ist die gesamte Branche betroffen, denn - so das Ziel der EU - ganz Europa soll umsteigen auf eine nachhaltige, kohlendioxidarme Stromerzeugung. In der Studie wurden die Forschungsaktivitäten der Unternehmen, aber auch Produktivität und Nachhaltigkeit bewertet. Auf Platz 10 im Innovationsindex schafft es der schwedische Konzern Vattenfall. Für Wachstum im Konzern soll zukünftig grüne Energie sorgen. Noch stützen sich die Aktivitäten in Deutschland aber stark auf den Braunkohletagebau. Das Bild zeigt einen Schaufelradbagger im südbrandenburgischen Welzow. Quelle: dpa
Platz 9: EonNachdem sie jahrelang vernachlässigt wurden, rücken die Erneuerbaren Energien immer stärker in den Fokus der deutschen Stromriesen. Nicht der Großkraftwerksbau, sondern Windparks in Nord- und Ostsee oder Photovoltaik-Anlagen im Süden, Geothermie oder Biomasseanlagen gelten als die Geschäftsfelder der Zukunft. Alle 18 Monate, versprach Eon-Konzernchef Johannes Teyssen unlängst, werde das Unternehmen künftig einen neuen Windpark anfahren. Eine Summe von mindestens 7 Milliarden Euro wollen die Düsseldorfer in den kommenden sieben Jahren in Erneuerbare stecken. Ein Projekt ist der Windpark Amrumbank West, wo in drei Jahren 80 Turbinen Windstrom für 300.000 Haushalte produzieren sollen. Im Innovationsindex landet Eon auf Platz neun. Quelle: dpa
Platz 8: EnelDer italienische Energieriese Enel ist mit einem Umsatz von 72 Milliarden Euro der drittgrößte europäische Versorger hinter Eon und GDF Suez, aber noch vor Electricité de France. Vor vier Jahren gelang es Enel den damals größten spanischen Versorger Endesa zu übernehmen, obwohl sich auch Eon monatelang um diesen bemüht hatte. Seitdem hat Enel ein starkes Standbein in Spanien, ebenso in Südamerika. In der Studie schafft es Enel immerhin auf den achten Platz. Quelle: dpa
Platz 7: StatkraftDer norwegische Konzern Statkraft ist der europaweit größte Erzeuger erneuerbarer Energien - und landet im Ranking auf Platz sieben. Der Konzern baut und betreibt Wasser-, Wind-, Gas- und Fernwärmekraftwerke und beschäftigt 3.300 Mitarbeiter in über 20 Ländern. Statkraft betreibt allein in Deutschland zehn Wasserkraftwerke. Das Bild zeigt die Alltwalis Windfarm in Wales.
Platz 6: DongIm Innovationsindex landet der dänische Energieversorger Dong auf Platz sechs. Das Unternehmen betreibt einige der größten Windparks in der Nordsee. Der auf dem Bild gezeigte Windpark - 30 Kilometer westlich von Jütland gelegen - besteht als 91 Windturbinen (Kapazität: 209 Megawatt). Auch vor der deutschen Küste ist Dong aktiv: Das Unternehmen plant für eine Investitionssumme von 1,25 Milliarden Euro den Bau eines Offshore-Windparks vor Borkum. Die Gesamtkapazität soll bei 320 Megawatt liegen; die Strommenge würde ab 2014 den Bedarf von etwa 330.000 Haushalten decken. Quelle: ap
Platz 5: EDPAlle in der Studie untersuchten Energiekonzerne haben die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren stark angehoben - insgesamt um mehr als 40 Prozent. Der portugiesische Stromerzeuger EDP ist in diesem Bereich besonders stark - und landet in der Rangliste der innovativsten europäischen Versorger auf Platz fünf. Doch nicht nur deshalb standen die Bieter Schlange, als der schuldengeplagte Staat seinen 21-Prozent-Anteil an EDP (Energias de Portugal) im November 2011 verkaufte. Mit dem Einstieg bei EDP ist auch der Vorstoß auf den brasilianischen Markt verbunden, wo der portugiesische Konzern stark vertreten ist. Am Ende erhielt der chinesische Investor „China Three Gorges Cooporation“ für 2,69 Milliarden Euro den Zuschlag. Eon ging leer aus. Quelle: Reuters
Platz 4: GDF-Suez Die Grande Nation setzt nur auf Atomkraft? Nein, nicht mehr. In Reihen der französischen Energie-Manager hat ein Umdenken eingesetzt, auch wenn der Vorstandschef von GDF-Suez, Gerard Mestrallet (Bild), den Jahresgewinn von 17 Milliarden Euro noch auf traditionellem Weg eingefahren hat. Derzeit nimmt Frankreichs erster Windpark auf See Gestalt an. GDF Suez bewirbt sich für den Standort vor dem bretonischen Ferienort Saint Brieuc, wo bis zu 500 Megawatt Energie erzeugt werden sollen. Insgesamt sollen nach Angaben der Regierung durch das Zehn-Milliarden-Euro-Projekt vor der französischen Küste bis zu 600 Windräder entstehen, die bis 2015 zusammen drei Gigawatt Strom erzeugen sollen - etwa so viel wie drei Atomkraftwerke. Bis 2020 sind sogar 1200 Windräder mit einer Produktion von sechs Gigawatt geplant. GDF-Suez will kräftig mitmischen und kommt im Innovationsindex auf Platz vier. Quelle: dpa

Export nach Deutschland wird zunehmen

Die Versorger des Kremls wollen die Rolle des Stadtwerks für Deutschland spielen. Die Logik dahinter erklärt Energieminister Sergei Schmatko jedem, der es hören will: Die deutsche Wirtschaft wird infolge des Atomausstiegs Stromknappheit haben. Also muss Strom sowie zusätzliches Gas zur lokalen Stromerzeugung importiert werden – und die Russen drängen sich da auf.

Die Regierung in Moskau baut fest darauf, dass die deutschen Versorger russische wie Gazprom beim Neubau von Gaskraftwerken teilhaben lassen und der Export von Strom und Gas nach Deutschland zunehmen werden. Hierzulande gefällt das nicht jedem: Russisches Gas etwa ist Versorgern wie E.On bereits heute zu teuer. Die Abhängigkeit von den Russen, die aktuell für ein Drittel der deutschen Gasimporte stehen, würde weiter steigen. Vermutlich ist genau das aber der Hintergedanke, den Wladimir Putin im letzten Jahre hegte, als er über die Folgen der Fukushima-Katastrophe sinnierte.

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