Energiewende in Deutschland: Diese vier Grafiken zeigen, wie es um die Wärmepumpe steht
Lange Zeit stritt die Ampelregierung um das Heizungsgesetz, mit dem sie die Wärmewende vorantreiben wollte. Statt Gas- und Ölheizungen sollen Wärmepumpen und Fernwärme künftig für warme Häuser sorgen. Zwar ist das Gebäudeenergiegesetz (GEG) seit Januar 2024 in Kraft und damit der Umstieg auf erneuerbare Energien beim Einbau neuer Heizungen seitdem verpflichtend. Dennoch verzeichnete die Wärmepumpenbranche im ersten Halbjahr einen deutlichen Absatz-Einbruch.
Laut des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) besteht die Gefahr, dass die Politik die Klimaziele im Gebäudesektor reißen wird. Gegenüber der WirtschaftsWoche erläutert Frederic Leers, Sprecher des BDH, diese Aussage: „In Gänze gefährdet sehen wir die Wärmewende nicht. Es wird nun darauf ankommen, das Modernisierungstempo wieder anzukurbeln.“ Doch wie sieht es auf dem Wärmepumpenmarkt aus? Die folgenden Grafiken geben Antwort.
In der ersten Jahreshälfte 2024 lief es für die Wärmepumpenhersteller schleppend. Insgesamt 90.000 Einheiten setzten sie zwischen Januar und Juni ab. Monatlich pendelte sich das Niveau bei rund 15.000 verkauften Geräten ein.
Damit verzeichnete die Branche nach zwei starken Jahren einen Einbruch. Während das Wärmepumpen-Segment 2022 und 2023 einen regelrechten Boom erlebte, erwartet der Bundesverband der Wärmepumpe (BWP) nun, dass sich das Niveau stabilisiert.
Bereits vor den Boom-Jahren gab es einen Anstieg bei den Wärmepumpen. 2017 wurden 78.000 Geräte verkauft. Vier Jahre später waren es schon nahezu doppelt so viele. 2022 verzeichnete die Branche mit 236.000 verkauften Wärmepumpen ein Absatzplus von 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, 2023 war mit 356.000 verkauften Geräten schließlich das bisherige Rekordjahr. Für das laufende Jahr erwartet der Sprecher des BDH nun, dass maximal 200.000 Wärmepumpen verkauft werden.
Für den Rückgang gibt es verschiedene Gründe: „Wichtigster Teil der Erklärung ist die außergewöhnlich hohe und abrupt gestiegene Nachfrage in den letzten beiden Jahren in Folge des Kriegs in der Ukraine. Nachdem die Bundesregierung Maßnahmen für eine weitere Versorgung mit Gas aus anderen Quellen und zur Begrenzung des Gaspreises ergriffen hatte, entfiel dann bei vielen der unmittelbare Handlungsdruck wieder“, erläutert Katja Weinhold, Sprecherin vom Bundesverband Wärmepumpe.
Ein weiterer Punkt sei die Debatte um das Gebäudeenergiegesetz. „Für viele Gebäudeeigentümer und auch für Handwerker, Energieberater und weitere Marktakteure waren die neuen Rahmenbedingungen beim Heizungstausch zunächst unklar“, sagt sie. Frederic Leers vom BDH bringt noch ein weiteres Argument für die schwächelnde Nachfrage ein: die kommunale Wärmeplanung, die auf den Ausbau der Fernwärme setzt.
Mit Blick auf die gesamten Wärmeerzeuger in Deutschland zeigt sich, dass es vor allem bei den Gasheizungen einen rückläufigen Trend gibt:
Nach Angaben des BDH schrumpfte der Absatz der verkauften Gasheizungen von 56.000 Stück im Januar auf 27.500 im Juni. Nach dem GEG dürfen diese Heizungen nur noch bis 2045 betrieben werden.
Anders als bei Gasheizungen wird der Heizungstausch auf die Wärmepumpen mit Zuschüssen der Förderbank KfW gefördert. Was ein wichtiges Argument für die Heizalternative sein kann. Seit Februar können Immobilienbesitzer einen Antrag auf Subventionen stellen. Die KfW fördert den Heizungstausch mit bis zu 70 Prozent oder maximal 30.000 Euro. Dafür muss die neue Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Darunter fällt dann auch die Wärmepumpe.
Seit dem Start der neuen staatlichen Förderung für den Heizungstausch geht der Wärmepumpenabsatz in Deutschland wieder langsam etwas nach oben. Im ersten Halbjahr gab die KfW 50.000 Förderzusagen. Bereits seit Mai steigen die Förderzahlen für Wärmepumpen langsam an. „Es wurde in den letzten Monaten von Branche, Politik und Behörden sehr viel Engagement in die Informationsarbeit zur Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gesteckt. Das wirkt“, sagt Leers. Allein im Juni wurden knapp 13.000 Anträge für Wärmepumpen bei der KfW eingereicht.
Durch den Anstieg der KfW-Förderanträge steigt auch die Hoffnung in der Branche. „Das Interesse an der Wärmepumpentechnologie ist unverändert groß. Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Menschen grundsätzlich zu einer erneuerbaren Heizungsalternative wie der Wärmepumpe wechseln will“, sagt Katja Weinhold.
Ab August können auch die Wohnungswirtschaft und Eigentümer von Nichtwohngebäuden die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) bei der Förderbank beantragen. „Von dieser erweiterten Förderung erhoffen wir uns künftig positive Impulse in einem aktuell rückläufigen Markt“, kommentiert der Sprecher des BDH.
Dennoch gibt es noch viel zu tun, damit die Wärmewende gelingen kann. Als Ziel setzte sich die Ampelregierung, 500.000 Wärmepumpen pro Jahr zu installieren. In diesem Jahr wird dieser Vorsatz wohl weit verfehlt. Laut BWP habe die Branche ihre Hausaufgaben gemacht und investiere weiter in technologische Entwicklungen. Doch Aufklärungsarbeit sei wichtig. Der Sprecher des BDH fordert: „Wir sehen auch die Politik in der Pflicht im Rahmen einer breitangelegten Informationsoffensive über diese Dinge zu informieren.“
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