Fotovoltaik ist Konkurrenz für Kohle und Gas: Der neue Billigstrom kommt
Fotovoltaik wird zum Milliardengrab. Pleitewelle erfasst Modulhersteller. Handelskrieg mit China. Die Schlagzeilen könnten schlechter kaum sein. Eben noch als Zukunftstechnik bejubelt, gilt die Fotovoltaikindustrie nun als Totengräber der Energiewende.
Tatsächlich steckt die Solarbranche in ihrer größten Krise. Das Modulangebot ist doppelt so hoch, wie der Markt nachfragt. Die Hersteller verschleudern ihre Ware unter Produktionskosten. Zudem sei der Ausbau der Fotovoltaik zu teuer, wettern Politiker und Ökonomen, zu ineffizient die Technik, zu unsozial die Förderung.
Solarworld
Der Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015.
Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben.
Foto: dpaNordex
Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent.
Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen.
Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen.
Foto: dpaSolarworld
Die Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn.
Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird.
Foto: dpaSMA Solar
Schlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten.
Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben.
Sunways
Beim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück.
Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen.
Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet.
S.A.G. Solarstrom AG
Die Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen.
Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland.
Foto: dpaProkon
Der Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik.
Foto: dpaMeyer Burger
Beim Schweizer Maschinenhersteller stieg der Verlust 2013 um knapp 50 Prozent auf 163 Millionen Franken - trotz Kostensenkungen um rund 100 Millionen Franken. Der Umsatz sank um zwei Drittel auf 203 Millionen Franken. Allerdings freuen sich die Schweizer über die gute Auftragslage: Insgesamt stieg der Eingang um 29 Prozent auf 288 Millionen Franken. In den ersten beiden Monaten 2014 holte Meyer Burger Aufträge über 42 Millionen Franken herein. Im Laufe des Jahres rechnet die Firma mit zusätzlichen Aufträgen für Modernisierung und den Ausbau von Produktionskapazitäten bei Kunden. Bereits 2013 habe sich die Kapazitätsauslastung bei großen Solarzellen-Herstellern wieder deutlich verbessert. Zudem bestehe eine gute Pipeline an langfristigen Großprojekten in neuen Märkten, "von denen das eine oder andere Projekt zu einem Vertragsabschluss gelangen kann". Kurzfristig will die Firma durch die Platzierung von 4,8 Millionen Aktien zu neuem Geld kommen.
Foto: ScreenshotSolarwatt
Solarwatt-Chef Detlef Neuhaus schimpft über die Pläne zur Reform des EEG: "Wenn Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel seine Pläne eins zu eins umsetzt, wird der Markt für Eigenstrom-Verbrauch zerstört." Gabriel will auch Besitzer von Solaranlagen, die ihren Strom hauptsächlich selbst verbrauchen, an der EEG-Umlage beteiligen. Bisher waren sie von der Abgabe für erneuerbare Energien befreit. Solarwatt hatte sich nach der Fast-Pleite strategisch neu ausgerichtet. Statt der Produktion von Modulen stehen nun Systeme im Fokus, mit denen Hausbesitzer ihren Energiebedarf durch selbsterzeugten Strom decken können - an der Ausrichtung soll sich nichts ändern. Der mittelständische Hersteller von kristallinen Solarmodulen hat 2012 den Sprung aus der Insolvenz heraus geschafft, doch rund läuft es noch nicht. Die Zahl der Mitarbeiter soll in den kommenden Monaten auf deutlich unter 200 sinken. Nach der Insolvenz hatten bereits knapp hundert der 435 Mitarbeiter gehen müssen. Der Umsatz werde 2013 bei nur 60 bis 70 Millionen Euro liegen, gut 20 Millionen weniger als noch im Frühjahr angenommen. Ein "schwarze Null" werde man erst 2014 erreichen - ein Jahr später als geplant. BMW-Erbe Stefan Quandt ist mit einem Anteil von 90 Prozent Ankeraktionär der Dresdener.
Foto: dpaSolon
Paukenschlag beim Solarmodul-Hersteller Solon: Der indisch-arabische Investor Microsol macht die Zentrale der Solarfirma in Berlin zum 30. April dicht. Der Sitz wechselt in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Dort wird schon der Großteil der Module gefertigt. Damit verlieren am Standort Adlershof 230 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Standortleiter Lars Podlowski sicherte ihnen eine geordnete Schließung zu. „Kein Mensch soll auch nur einen Euro verlieren“, sagt er in einer Pressekonferenz am 7. März. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat sollten am gleichen Tag beginnen, eine Transfergesellschaft schloss Podlowski aus.
Nach der Insolvenz von Solon war Microsol im März 2012 eingestiegen. Erklärte Absicht war es damals, in Berlin weiter Module für den deutschen und europäischen Markt zu bauen. Offenkundig waren aber die Produktionskosten in Deutschland angesichts des hart umkämpften Weltmarkts für Solarzellen zu hoch.
Foto: dpa/dpawebCentrosolar
Für die Aktionäre der insolventen Solarfirma sieht es düster aus. Da kein Eigenkapital mehr vorhanden ist, steht ihnen auch nichts mehr zu, wie Centrosolar am 28. Februar 2014 mitteilte. Für die Gläubiger der 50-Millionen-Euro-Anleihe sieht der vom Gläubigerausschuss genehmigte Insolvenzplan dagegen vor, sie über einen Tausch ihrer Ansprüche in Aktien zumindest teilweise zu entschädigen. Für nominal je 1000 Euro Anleihe sollen sie acht junge Aktien erhalten. Zudem sollen ihnen wie auch den Finanzgläubigern und Mitarbeitern bei der geplanten Barkapitalerhöhung Aktien zum Bezug angeboten werden. Die Anleihegläubiger müssen dem Insolvenzplan auf der Versammlung am 18. März zustimmen.
Gläubiger und Aktionäre hatten im Frühjahr 2013 einem Kapital- und Schuldenschnitt zugestimmt. Mehr als 250 Stellen und damit ein Viertel der Arbeitsplätze wurden gestrichen. Das reichte jedoch nicht aus, um die ehemalige Tochter des Klimatechnik-Spezialisten Centrotec auf gesunde Füße zu stellen. Der mit 100 Millionen Euro verschuldete Solaranlagenbauer musste im Herbst unter den Schutzschirm flüchten. Betroffen sind die Holding, die AG und die Centrosolar Sonnenstromfabrik. Nicht betroffen sind dagegen die Töchter Renusol und die Grundstücksverwaltung GmbH, die beide verkauft werden sollen. Allein das US-Geschäft soll übrig bleiben. Dieser Markt verspreche Wachstum, ist sich das Management sicher.
Windwärts
Nach dem Windenergie-Unternehmen Prokon hat auch nun auch ein niedersächsischer Windkraft-Projektierer Insolvenz angemeldet. Windwärts sammelte ebenso wie Prokon bei Privatpersonen Geld für den Bau von Windanlagen ein, allerdings in deutlich kleineren Dimensionen. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Volker Römermann haben rund 1600 Inhaber von Genussrechten etwa 18,9 Millionen Euro investiert. Römermann sagte, er sei aber vorsichtig optimistisch, was die Zukunft des Unternehmens mit rund 100 Mitarbeitern angehe. Grund für den Insolvenzantrag sind nach Angaben von Römermann Verzögerungen bei diversen Projekten, die eigentlich im vergangenen Jahr abgeschlossen werden sollten. So hätten Naturschützer in der Nähe einer geplanten Anlage das Nest eines Roten Milans entdeckt, dadurch habe es monatelange Verzögerungen gegeben. In einem anderen Fall sei eine Anlage unter einer Überflugstrecke der Bundeswehr geplant gewesen, die aber aus Gründen der militärischen Geheimhaltung in keiner Karte verzeichnet gewesen sei.
Foto: dpaBoschs Solarsparte Aleo Solar
Eine Investorengruppe aus Asien kauft Großteile des Solarmodulherstellers. Für die meisten Beschäftigten ist das eine schlechte Nachricht: Nur 200 der zuletzt rund 730 Mitarbeiter haben eine Zukunft bei Aleo. Der seit 2009 mehrheitlich zur Bosch-Gruppe zählende Solarspezialist zieht mit dem Verkauf einen Schlussstrich unter monatelange Negativnachrichten: Das Unternehmen hatte zuletzt hohe Verluste eingefahren und war von der Insolvenz bedroht. Die Aktionäre sollen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung den Weg für die Pläne freimachen, einen Termin für das Treffen gibt es noch nicht. Außerdem steht der Deal noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung der Wettbewerbshüter.
Das Käuferkonsortium stammt aus der Solarbranche und sitzt in Taiwan, Japan und Hong Kong. Die neuen Besitzer wollen den Kauf über eine GmbH mit Sitz in Hamburg abwickeln, die sie als Investoren mit 13,5 Millionen Euro Eigenkapital ausstatten. Aleo muss für den Kauf drauflegen: Den Angaben zufolge fließt für die Produktionsstätte in Prenzlau inklusive Anlagevermögen, Vorräten, gewerblichen Schutzrechten und Anteilen an einem Tochterunternehmen nur ein symbolischer Euro. Aleo dagegen überweist zehn Millionen Euro an die neuen Besitzer. Der Noch-Mehrheitsaktionär Bosch stützt Aleo zum Abschluss mit 31 Millionen Euro. Der unverkaufte Rest des Unternehmens soll aufgelöst werden.
Conergy
Die neuen Eigentümer Kawa Solar Holdings rechnet bereits in diesem Jahr wieder mit einem Gewinn bei Conergy. Kawa hatte Conergy mit deren globalen Service-Vertriebsaktivitäten im Oktober 2013 übernommen. Seither sind die Conergy Deutschland GmbH und die Conergy Services GmbH - ebenso wie die Einheiten in Großbritannien, Italien und Australien - Teil des US-Konzerns. 350 Arbeitsplätze sollten gesichert werden. Conergy hatte am 5. Juli 2013 Insolvenz angemeldet. Kawa sitzt in Florida und verwaltet ein Volumen von 500 Millionen US-Dollar und will unter anderem in Solarprojekte investieren. An den Töchtern Mounting Systems und der SolarModule GmbH hatte Kawa kein Interesse.
2012 erwirtschaftete Conergy bei 473,5 Millionen Euro Umsatz einen operativen Verlust von 83 Millionen Euro. Der Preisverfall und der teure Ausstieg aus einem Liefervertrag mit der US-Waferproduzenten MEMC hatten dem Konzern die Bilanz verhagelt. Am 10.12.2013 ging Conergy von der Börse.
IBC Solar
Einer der größten deutschen Händler von Solaranlagen muss erstmals selbst Personal abbauen. 83 der 286 Mitarbeiter des Solarpioniers aus dem fränkischen Bad Staffelstein müssen gehen. Sie werden von einer Transfergesellschaft aufgenommen. Weltweit beschäftigt der Mittelständler 400 Mitarbeiter. 2011 macht IBC noch einen Umsatz von rund 810 Milliarden Euro, 2012 waren es nur noch 580 Millionen, 2013 brach das Geschäft auf 300 Millionen ein. Obwohl es im Jahr 2013 gelungen war, den Marktanteil in Deutschland von sieben auf elf Prozent zu steigern, hat das Unternehmen das Jahr zum ersten Mal in der Unternehmensgschichte mit einem operativen Verlust abgeschlossen. Mit einer Eigenkapitalquote von rund 80 Prozent ist IBC für den Umbau aus eigener Kraft aber gut gerüstet. Nächstes Jahr will Chef Udo Mörstedt wieder profitabel wirtschaften. Dazu will er das Geschäft im privaten und gewerblichen Eigenverbrauch ankurbeln und stärker internationalisieren. Die Entwicklung und Vermarktung von solaren Großprojekten will Möhrstedt beispielsweise in Japan und Chile ausbauen und die Kernkompetenz in Eigenverbrauchs- und Speichersystemen in internationale Märkte übertragen. Der Auslandsanteil am Umsatz soll bis 2016 auf 45 Prozent steigen.
Foto: ScreenshotBosch
Damit hat die Krise der Solarbranche Bosch bisher einen Verlust von 3,7 Milliarden Euro eingebrockt. Im vergangenen Jahr seien nochmals 1,3 Milliarden Euro an Belastungen durch die defizitäre Photovoltaik angefallen. Von 2008 bis 2012 hatte Bosch bereits 2,4 Milliarden Euro verbrannt. Die starke Konkurrenz aus China und Überkapazitäten hatten die Preise für Solartechnik in Deutschland rapide sinken lassen und etliche Unternehmen in die Pleite getrieben.
Die Stuttgarter hatten im Frühjahr 2013 den Ausstieg aus der Photovoltaik beschlossen und im Herbst den Verkauf der Solarmodulfertigung in Arnstadt an Solarworld angekündigt...
Bosch Solar Engery - Solarworld
Solarworld ist neuer Besitzer des Thüringer Solarwerk des Industriekonzerns Bosch. Im März 2014 soll die Produktion anlaufen. Das Bonner Unternehmen von Frank Asbeck steckt selbst mitten in der Sanierung. Solarworld übernehme am Standort Arnstadt eine Zellfertigung mit einer Produktionskapazität von 700 Megawatt (MW) und eine Modulfertigung mit 200 MW sowie insgesamt 800 der 1600 Mitarbeiter. Zum Kaufpreis machte Solarworld keine Angaben, erklärte aber, der Kauf werde die Finanzmittel nicht reduzieren. Insider hatten berichtet, Asbeck erhalte sogar eine Art Mitgift von bis zu 130 Millionen Euro von Bosch.
Bosch-Chef Volkmar Denner hatte die unter Bosch Solar Energy firmierende Sparte mit 3000 Mitarbeitern im Frühjahr 2013 auf die Verkaufsliste gesetzt. Bosch hatte 530 Millionen Euro in den Standort investiert.
Windpark-Entwickler Windreich saniert sich nicht mehr in Eigenregie. Jetzt geht das Unternehmen in eine geregelte Insolvenz. Das Unternehmen hatte am 9. September 2013 Insolvenz angemeldet. Gründer und Firmenchef Willi Balz (Foto) legte die Geschäftsführung nieder. Sein Nachfolger Werner Heer, zuvor Berater der Gesellschaft, verliert nun seinen operativen Einfluss, die Geschäfte führt ab der Eröffnung des Verfahrens Sachwalter Holger Blümle. Windreichs prekäre finanzielle Lage beschäftigt bereits die Behörden. Im März hatte das Unternehmen Zinsen für Anleihen verspätet überwiesen, weil das Geld kurzzeitig knapp war. Kurz darauf ermittelte die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Bilanzmanipulation - unter anderem gegen Balz. Der hatte die Ermittlungen bestätigt, die Vorwürfe aber zurückgewiesen.
Windreichs Geschäftsmodell ist hoch kompliziert und nicht ohne Risiken. Die Firma plant als Projektentwickler On- und Offshore-Windparks und schließt Verträge mit Bauunternehmen, noch bevor Anteile an den Projekten in Einzelteilen an Investoren und Energieversorger verkauft werden. Mehr über die Windreich-Pleite lesen Sie hier: Balz-Nachfolger muss retten, was zu retten ist.
Bard
Der angeschlagene Offshore-Pionier stellt den Betrieb ein. Wegen fehlender Aufträge will die Unternehmensgruppe im Januar 250 Beschäftigten kündigen. Weitere 300 Mitarbeiter sollen von der neuen Gesellschaft Offshore Wind Solutions (OWS) im ostfriesischen Emden übernommen werden, wie Bard am 20. November mitteilte. Die Neugründung OWS solle Betrieb und Service des größten deutschen Offshore-Windparks Bard Offshore 1 (hier im Bild) sowie Schiffe und Gebäude der Bard-Gruppe übernehmen. Das Projekt mit 80 Anlagen rund 100 Kilometer nördlich von Borkum war Ende August eröffnet worden. Die Leistung von 400 Megawatt entspricht rechnerisch dem Jahresstrombedarf von mehr als 400.000 Haushalten. Mit weit über zwei Milliarden Euro Investitionskosten wurde er jedoch deutlich teurer als geplant. Bard hatte zudem mit technischen Schwierigkeiten beim Bau und mit schlechtem Wetter zu kämpfen. Die Eröffnung wurde um mehrere Jahre verschoben.
Zuletzt hatte das Unternehmen gut 800 Millionen Euro Schulden in der Bilanz. Die Suche nach Investoren blieb erfolglos. Mit dem Stocken der Energiewende hatte Bard wegen fehlender Anschlussaufträge bereits im Sommer 2012 Teilverkäufe von Unternehmensteilen angekündigt. Danach wurde die Rotorblattfertigung eingestellt. Im Juni kam dort auch die Herstellung von Maschinenhäusern für Offshore-Windkraftanlagen zum Erliegen. In Cuxhaven wurde zudem die Produktion von Stahlkonstruktionen für Offshore-Windparks geschlossen.
Vestas
Nach harter Sanierung und mehreren Gewinnwarnungen peilt Vestas eine höhere Rentabilität für das Gesamtjahr an. Zuversicht versprühte, dass sich der Betriebsgewinn (Ebit) im dritten Quartal auf 67 Millionen Euro mehr als verfünffachte. Wegen neuerlicher Abschreibungen bleibt im dritten Quartal aber ein Minus von 87 Millionen Euro. Der seit Ende August 2013 amtierende Chef Anders Runevad wertet die Zahlen als gute Grundlage für die Trendwende. Der Auftragseingang habe sich auf fast 1,5 Milliarden Euro vervierfacht. Der Umsatz sank im letzten Quartal allerdings um 27 Prozent, Vestas bekommt die sinkenden Einspeisevergütungen zu spüren. Die Umsatzprognose für 2013 bleibt bei 5,5 Milliarden Euro. Seit Ende 2011 fielen beim Windradbauer fast 5500 Jobs weg. Bis Ende 2013 will Runevad maximal noch 16.000 Mitarbeiter beschäftigen.
Suntech
Lichtblick für den angeschlagenen chinesischen Solarmodul-Hersteller Suntech Power Holdings: Eine Investmentfirma der Heimatprovinz hat eine Finanzspritze von umgerechnet knapp 110 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Es gebe eine entsprechende Absichtserklärung von Wuxi Guolian Development.
Suntech, einst größter Solarmodul-Hersteller der Welt, hatte im März 2013 Konkurs angemeldet. Die chinesischen Hersteller, die die meisten ihrer Produkte exportieren, leiden unter den höheren Importzöllen der USA und der EU. Diese waren erhöht worden, weil China seine Produktion subventioniert haben soll. Diese Subventionen hatten die Expansion der Branche in den vergangenen zehn Jahren unterstützt und Hunderte kleiner Unternehmen entstehen lassen, die den Markt überschwemmten und die Preise drückten.
Wirsol-Gruppe
Der baden-württembergische Projektierer Wirsol hat am 24. Oktober in Karlsruhe einen Insolvenzantrag erstellt. Davon betroffen sind Wirsol Solar, Wirsol Deutschland und Wirsol Solar System. Nicht betroffen sind die Windsparte, das Privatkundengeschäft und die Gesellschaft für technische Betriebsführung. Das Unternehmen, dass 2012 rund 292 Millionen Euro umsetzte und rund 17 Millionen Euro Gewinn (Ebit) machte, möchte sich mit einer Planinsolvenz retten. Eine Sanierung in Eigenregie im so genannten Schutzschirmverfahren scheiterte am Widerstand der Banken. Wirsol tut sich als Mittelständler sehr schwer den schrumpfenden Markt in Deutschland durch Aufträge im Ausland zu kompensieren. Man versuche es in Großbritannien, Japan und Brasilien, doch zur Großoffensive fehlt das nötige Kleingeld. Wirsol ist jetzt auf der Suche nach Investoren. Wie viele der 300 Arbeitspläne im Rahmen der Planinsolvenz erhalten werden können, ist noch unklar.
Foto: ScreenshotCentrotherm
Nur wenige Monate nach dem aufgehobenen Insolvenzverfahren (Juni 2013) meldet der Anlagenbauer neue Probleme. Die Geschäfte der Schwaben laufen schlechter als erwartet. Die im Insolvenzplan avisierten Ziele seien nicht zu halten, teilte die für die Solar- und Halbleiterindustrie produzierende Firma aus Blaubeuren mit. Der Plan sah einen operativen Gewinn (Ebitda) von jeweils 37 Millionen Euro für 2014 und 2015 vor und einen Überschuss von 23 Millionen Euro. Der von Marktforschungsinstituten prognostizierte "signifikante Anstieg" des globalen Solarmarktes habe sich bisher nicht eingestellt. Der Vorstand übt sich indes in Zuversicht und hofft auf eine deutliche Belebung, die eine Rückkehr in die Gewinnzone im kommenden Jahr ermöglicht.
Centrotherm flüchtete im Juli 2012 in ein Schutzschirmverfahren, das nach dem neuen Insolvenzrecht eine schnelle Sanierung in eigener Regie erlaubt und unter anderem den Tausch von Schulden in Eigenkapital. Im Zuge dessen verloren die Altaktionäre, darunter die Gründerfamilie Hartung mit ihren ehemals rund 50 Prozent, den größten Teil ihrer Anteile. Die Verwaltungsgesellschaft Sol Futura hält inzwischen 80 Prozent an Centrotherm und die Familie zehn Prozent. Die restlichen Anteile sind in Streubesitz. Im Zuge der Sanierung besann sich die Firma auf ihr ursprüngliches Geschäft und nimmt statt der Solarindustrie nun zunehmend die Halbleiterindustrie ins Visier. Ende Oktober will das Management über die Entwicklung im dritten Quartal berichten. Von ehemals 1900 Arbeitsplätzen blieben 900 übrig. Den letzte Jahresabschluss für 2011 legte Centrotherm vor einem Jahr vor. Damals machte das Unternehmen knapp 700 Millionen Euro Umsatz bei einem operativen Verlust von 20 Millionen Euro.
Das Systemhaus Donauer Solartechnik in Gilching bei München hat Insolvenz angemeldet. Wie in einer Pressemitteilung des Unternehmens zu lesen ist, gibt Donauer der Gemeinde Gilching eine Mitschuld am Scheitern der Rettungspläne. Monatelang habe man an einer Firmenfusion mit einem starken Partner gearbeitet, die Parteien waren sich bereits einig. Notwendig zur Fusion sei die Veräußerung einer Firmenimmobilie in Gilching gewesen, um die Liquidität für das laufende Geschäft zu erhalten. Dieser konnte nur mit Zustimmung der Gemeinde erfolgen. Der Gemeinderat konnte sich bis zum Stichtag jedoch zu keiner Zustimmung durchringen. Somit bleibt dem Fachgroßhändler mit seinen 90 Mitarbeitern nur der Gang in die Insolvenz. Gesellschafter Rudolf Donauer: "Eine Schadensersatzklage wird angestrebt, aber das rettet nicht mehr den Verlust von vielen Arbeitsplätzen. Mir fehlen die Worte zu einem derart unprofessionellen politischen Verhalten seitens der Gemeinde.“
Foto: ScreenshotRWE
Der Essener Energiekonzern macht bei seinen Sparanstrengungen auch bei der Ökosparte nicht halt. Wie „Der Spiegel“ berichtet will Chef Peter Terium die Konzern-Tochter Innogy massiv verkleinern. So soll Terium Investitionen in die Anlagen in Nord- und Ostsee-Windparks erheblich zurückfahren und neue Anlagen nur noch mit Partnern bauen wollen. Spezialschiffe für den Bau von Offshore-Windparks sollen den Informationen zufolge verkauft werden. Das Unternehmen wollte sich dazu bisher nicht äußern.
Der Projektierer Gehrlicher Solar AG meldet Zahlungsunfähigkeit und ist damit das erste Opfer der Antidumping-Zölle gegen chinesische Importe in Europa. Das Unternehmen hat am 5. Juli 2013 beim Amtsgericht München die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Agence France Presse.
Schuld an der Situation sind die Anti-Dumpingzölle, die die EU gegen chinesische Importeure verhängt hat. Also genau jene, die auf Druck der von Solarworld-Chef Frank Asbeck ins Leben gerufener Initiative, von der Kommission erlassen wurden, um die europäische Solarzellenindustrie zu schützen. Gehrlicher verbaute chinesische Module.
Die Hausbank hat den Darlehensvertrag nicht verlängert, weil das Unternehmen aufgrund der neuen Bedingungen die im Geschäftsplan formulierten Ziele nicht mehr erreichen könne - sprich voraussichtlich nun deutlich teurere Module einkaufen muss und damit mit weniger Gewinn rechnen kann. Gehrlicher ist seit 1994 am Markt und plant, finanziert und baut vom Hauptsitz in Deutschland aus weltweit Solaranlagen.
Foto: ScreenshotRoth & Rau
Verluste halbiert: Der Photovoltaik-Anlagenbauer aus Sachsen kündigte im Februar 2012 ein Restrukturierungsprogramm an. Mehrere Hundert Arbeitsplätze im In- und Ausland fielen weg, Tochtergesellschaften wurden verkauft. Bis zur Bekanntgabe der Sparmaßnahmen arbeiteten bei Roth & Rau knapp 1400 Menschen, zum Jahresende 2012 waren es nur noch 900. Betroffen waren die Standorte in Hohenstein-Ernstthal, wo 15 Prozent der 420 Stellen gestrichen wurden. Roth & Rau gehört seit Februar 2011 zur Schweizer Meyer Burger-Gruppe. 2012 setzen die Sachsen 154 Millionen Euro um, 2011 waren es noch 208 Millionen Euro. Die Verluste (Ebit) belaufen sich auf 40 Millionen Euro - nach 106 Millionen Euro im Jahr 2011. Die Richtung stimmt.
Foto: ZBAlfasolar
Der norddeutsche Modulhersteller hat am 24. April die vorläufige Insolvenz beantragt. Alfasolar ist seit zwanzig Jahren am Markt und beschäftigt rund100 Mitarbeiter. Die Produktionsanlage in Hannover hat eine Gesamtkapazität von 40 Megawatt - damit zählt das Unternehmen zu den kleinen Modulherstellern. Der Mittelständler kann wie viele andere Unternehmen der Branche dem Preisverfall nicht länger standhalten. Produktion und Geschäftsbetrieb laufen jedoch vorläufig weiter. Manuel Sack aus der Kanzlei Brinkmann & Partner in Hannover wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Foto: ScreenshotDer Ausflug in die Solarenergie-Technik kommt Siemens teuer zu stehen. Der Konzern müsse mit dem Ausstieg aus dem Geschäft erneut Belastungen von brutto mehr als 250 Millionen Euro verbuchen, berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Siemens-Kreise. Diese würden sich aus Firmenwertabschreibungen, operativen Verlusten sowie Abschreibungen auf bereits begonnene Solaranlagen zusammensetzen. Insgesamt habe die Münchener das 2009 gestartete Experiment mit Sonnenstrom einen Betrag in der Größenordnung von 800 Millionen Euro gekostet. Siemens war am Sonntagabend auf Anfrage zunächst nicht zu erreichen.
Siemens hatte angekündigt, das Solarthermie- und Photovoltaikgeschäft zu verkaufen. Von den Plänen sind weltweit 680 Mitarbeiter betroffen. Elektrotechnische Komponenten wie Generatoren und Netztechnik soll es aber weiterhin geben. Der Konzern hatte vor allem auf Anlagen zur Stromerzeugung aus Sonnenhitze gesetzt und dafür eigens die israelische Solel für 418 Millionen Dollar gekauft. Die Strategie zahlte sich jedoch nicht aus. Solel machte mehr Verlust als Umsatz.
Foto: dpaDer insolvente Solzellenhersteller Sovello stoppt die Produktion und kündigt allen 1000 Mitarbeitern. „Die finanzielle Lage des Unternehmens macht diesen Schritt leider erforderlich“, sagte Insolvenzverwalter Luca F. Flöther. Das Unternehmen das zum "Solar Valley" in Bitterfeld-Wolfen zählte, hatte im Mai Insolvenz angemeldet. Die geplante Sanierung in Eigenverwaltung platzte Ende Juli. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Sovello noch 200 Millionen Euro Umsatz. Der Solarbetrieb ist aus einem Gemeinschaftsunternehmen der Branchenfirmen Evergreen Solar, Q-Cells und REC ASA hervorgegangen und gehört seit 2010 dem Beteiligungsfonds Ventizz Capital.
Foto: dpaDer insolvente ostfriesische Offshore-Zulieferer Siag Nordseewerke in Emden wird zum Februar durch den saarländischen Stahlbauer DSD Steel übernommen. Das teilte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) am 17. Januar nach Gesprächen mit dem Investor, der Landesbank NordLB und dem Alteigentümer Siag mit. „Es wurde heute ein Eckpunktepapier mit einer grundsätzlichen Einigung erstellt“, sagte Bode. Damit können 240 von rund 750 Arbeitsplätzen erhalten bleiben. Weiteren 150 Siag-Beschäftigten will ThyssenKrupp Arbeitsplätze anbieten. Das Unternehmen war früher Besitzer der Nordseewerke.
Die Siag Nordseewerke stellen Fundamente für Windkraftanlagen her. 2010 hatte das Unternehmen Siag Schaaf Industrie AG aus dem rheinland-pfälzischen Dernbach die frühere traditionsreiche Schiffswerft von ThyssenKrupp übernommen. Seitdem wurde das Emder Unternehmen zu einem Windkraft-Zulieferer umgebaut. Nun fehlen Folgeaufträge, weil der Boom der Offshore-Branche insgesamt ins Stocken gerät, da es Schwierigkeiten bei der Anbindung der Windparks auf hoher See an das Netz an Land gibt.
Foto: dpaDeutlich besser steht das ebenfalls insolvente Photovoltaik-Unternehmen Sunstrom aus Dresden da. Laut Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg konnte das Unternehmen gerettet werden, die ehemaligen Geschäftsführer Reiner Matthees und Stephan Riedel haben die GmbH gekauft und wollen das Unternehmen mittels einer sogenannten übertragenden Insolvenz sanieren. Die 64 Beschäftigten der Sunstrom GmbH werden von der neuen Gesellschaft MR Sunstrom GmbH übernommen.
Die Solarwatt-Tochter Sunstrom hatte im Juli Insolvenz angemeldet.
Foto: Screenshot
Q-Cells
Am 3. April stellte Q-Cells beim Amtsgericht Dessau Insolvenzantrag. Seither haben 100 der ehemals knapp 1300 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Der ostdeutsche Solarzellenhersteller schrieb 2011 einen Verlust von 846 Millionen Euro. Vorstandsvorsitzender Nedim Cen rang monatelang mit Gläubigern und Anlegern um ein Sanierungskonzept. Im August 2012 folgte die Überraschung: Der koreanische Mischkonzern Hanwha kauft Q-Cells. Mit der Übernahme des Q-Cells Werks in Malaysia könnte Hanhwa Antidumping-Zölle der US-Behörden auf chinesische Produkte umgehen. Hanwha will bis 2020 einer der führenden Anbieter im Photovoltaik-Markt werden. Mit 53 Tochterunternehmen gehört er zu den größten Industriekonglomeraten Südkoreas.
Foto: dpaInventux
Im Mai 2012 muss der Berliner Solarzellenhersteller Insolvenz anmelden. Das Unternehme war seit 2008 am Markt und beschäftigte 200 Mitarbeiter. Von den einst rund 200 Mitarbeitern wurden 100 übernommen. 70 wechselten in eine Transfergesellschaft, die für neue Beschäftigungschancen sorgen soll. Im August wurde Inventux durch zwei südamerikanische Unternehmen übernommen.
Foto: PROdersun
Ende März muss der Modulhersteller Odersun aus Frankfurt Oder seine Pleite bekanntgeben. Zum 1. Juni hat das Unternehmen den Betrieb ein gestellt. Alle 260 Mitarbeiter müssen sich einen neue Stelle suchen.
Foto: dpaSolarhybrid
Das 2008 an die Börse gegangene Unternehmen teilte Mitte März 2012 mit, dass man beim Amtsgericht Arnsberg wegen Zahlungsunfähigkeit die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt habe. Solarhybrid ist auf den Bau von großen Solarstrom-Kraftwerken spezialisiert. Das Unternehmen selbst hatte im Oktober 2011 noch Optimismus verbreitet und Zuwächse für 2012 in Aussicht gestellt. Zudem schrieb das Unternehmen in den ersten neun Monaten schwarze Zahlen. Offenbar hat es sich aber bei der Finanzierung von Großprojekten übernommen. Das Unternehmen wird abgewickelt.
Foto: Solarhybrid AG
Foto: PressebildSiag Schaaf
Der Windkraft-Zulieferer hat am 19. März Antrag auf Insolvenz gestellt. Das zuständige Amtsgericht Montabaur teilte mit, davon sei nicht nur die AG betroffen, es seien auch einige Anträge für Tochterfirmen gestellt worden. Wie viele Mitarbeiter betroffen sind, war zunächst unklar. Die Offshore-Windkraftbranche leidet unter Problemen bei der Anbindung von Anlagen im Meer ans Stromnetz. Siag beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit 1800 Menschen in Europa, Nordafrika, Asien und Nordamerika. Die AG war aus dem Stahlbau hervorgegangen. Vor drei Jahren hatte Siag Schaaf von Thyssen-Krupp die Nordseewerke in Emden gekauft, um dort Produkte für Offshore-Windanlagen zu fertigen.
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Im Dezember 2011 meldete der Solarmodulhersteller Solon Insolvenz an. Der arabische Solarzellen-Produzent Microsol kauft das Berliner Unternehmen Anfang März 2012. Microsol übernimmt das Solon-Werk in Berlin, die Markenrechte sowie Forschung und Entwicklung. 433 der 471 Arbeitsplätzen sollen erhalten bleiben. Solon war mit 400 Millionen Euro verschuldet.
Foto: dapdSolar Millennium
Kurz vor Weihnachten 2011 stellt der fränkische Solar-Projektentwickler Antrag auf Insolvenz. Seither sucht Insolvenzverwalter Volker Böhm nach Investoren. Das US-Geschäft geht im Februar 2012 an den Konkurrenten Solarhybrid, weitere Beteiligungen schlägt Böhm im Laufe des Jahres los. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können die Gläubiger ihre Forderungen anmelden. Dazu gehören auch 16.000 Anleihen-Besitzer. Unterdessen prüft Böhm weiter, ob Manager für Investitionen in den USA über 80 Millionen Euro haftbar gemacht werden können. Wegen der komplizierten Konzernstruktur der Mittelfranken werde das aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
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Das Berliner Unternehmen musste im Mai 2012 Insolvenz anmelden. Noch läuft die Investorensuche
Foto: dpaDas ist alles richtig. Und falsch zugleich. Denn was da ausgefochten wird, sind Debatten von gestern. Während Politik und Verbände immer aufs Neue über die Einspeisevergütungen streiten, ist die Solartechnik längst einen Schritt weiter: Sie steht vor ihrem eigentlichen Durchbruch.
Schon heute kostet Sonnenstrom vom Dach in 102 Ländern weniger als der Strom vom Versorger – auch in Deutschland. Große Solarkraftwerke in den USA liefern Energie sogar bereits ab umgerechnet 6,4 Cent pro Kilowattstunde – fast so preiswert wie Kohlekraftwerke. Und die Kosten für Solar sinken weiter.
Möglich macht das ein atemberaubender Innovations- und Technologieschub: Er bahnt den Weg dafür, dass sich die mit einem Marktanteil von 85 Prozent heute dominanten Siliziummodule auch ohne staatliche Förderung verkaufen lassen. Zugleich erschließen sich bald ganz neue Anwendungen, die gestern noch utopisch erschienen. So haben Forscher Solarzellen entwickelt, die sie wie Farbe auf Glas sprühen, auf Stahl lackieren oder auf Papier drucken. Es entstehen völlig neue Kleinstkraftwerke: Balkonbrüstungen, Fenster oder Vorhänge, die Strom erzeugen und in die Steckdose speisen.
Damit wird die Technik bald allgegenwärtig. Analysten der Schweizer Großbank UBS sprechen bereits von einer Revolution des subventionsfreien Sonnenstroms. Sie gehen davon aus, dass Hausbesitzer und Unternehmen in wenigen Jahren geradezu gezwungen sind, eine Fotovoltaikanlage zu installieren – weil der Strom vom Dach viel preiswerter wird als der aus der Steckdose. Und mit Batteriespeichern im Keller, die die Solarenergie für den Abend speichern, wird es sogar noch lukrativer, seinen eigenen Strom zu produzieren. Mit der Folge, dass Subventionen in den Ausbau komplett wegfallen können.
Zugleich erfasst das Fotovoltaikfieber nicht nur wohlhabende Hausbesitzer mit genügend Dachfläche. Auch Mehrfamilienhäuser und Bürotürme werden mit Balkon-Panels oder Strom erzeugenden Fassaden zu Kraftwerken. Jeder kann künftig Sonnenenergie gewinnen – und sich die Installation der neuartigen Fotovoltaiksysteme, die künftig gar als Strom-Rollo oder energieliefernde Fensterfolie daherkommen, wohl auch leisten.
Das wird den Zubau an Solarsystemen noch weit stärker beschleunigen, als es jede staatliche Subvention vorher konnte. Heute sind weltweit mehr als 100.000 Megawatt Solaranlagen installiert, schätzt die Internationale Energieagentur – das entspricht in etwa der Leistung von 100 großen Atomkraftwerken. Und allein im Jahr 2017 sollen Prognosen zufolge rund 50.000 Megawatt dazukommen. Schon drängt sich die Frage auf: Wohin eines Tages mit all dem Sonnenstrom?
Solarenergie wird für viele Verbraucher zum neuen Billigstrom – und die Welt steht vor einer Sonnenwende. Welche Techniken sie befeuern, wie das die Märkte verändern wird und wie preiswert Sonnenstrom wirklich wird, lesen Sie auf den folgenden Seiten.
Wer hat auf dem schrumpfenden Solarmarkt noch eine Chance? Das Zentrum für Solarmarktforschung (ZFS) hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Zukunftssaussichten der deutschen Solarindustrie unter die Lupe genommen. Und das ist das Ergebnis....
Foto: dpaCENTROTHERM
Profil: Hersteller kompletter Fabriken für die Solarindustrie
Umsatz 2011: 699 Millionen Euro
Verlust: 15,9 Millionen Euro
Nettoliquidität: 6,23 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –134,8 Millionen Euro
Stärken
– klare Ausrichtung auf asiatische Wachstumsmärkte
– breite Technologiebasis auf fast allen Stufen der Wertschöpfung
– sehr individuelle Kundenlösungen
Schwächen
– starke Abhängigkeit vom Solargeschäft, unzureichende Diversifizierung
Prognose: internationale Klasse
Foto: dpaMANZ
Profil: Anlagenbauer für die Herstellung von Solarzellen und -modulen
Umsatz 2011: 241 Millionen Euro
Gewinn: 0,86 Millionen Euro
Nettoschulden: 17,5 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –42,8 Millionen Euro
Stärken
– überdurchschnittliche Innovationskraft
– Kundennähe durch Fertigung an kostengünstigen asiatischen Standorten
– Risikominimierung durch Standbein im Flachbildschirmgeschäft
Schwächen
– geringe Standardisierung, teure maßgeschneiderte Kundenlösungen
Prognose: internationale Klasse
Foto: PresseSMA
Profil: Hersteller von Wechselrichtern mit großem Weltmarktanteil
Umsatz 2011: 1,67 Milliarden Euro
Gewinn: 166 Millionen Euro
Nettoliquidität: 346,25 Millionen Euro
Free Cash-Flow: 104,66 Millionen Euro
Stärken
– Markt- und Qualitätsführerschaft
– auf unterschiedlichste Kundenbedürfnisse ausgerichtetes Angebot
Schwächen
– Produkt ist technologisch weitgehend ausgereift und daher leicht kopierbar
– zu teure Produkte für die Wachstumsmärkte in den Schwellenländern
Prognose: wettbewerbsstark
Foto: dpaSOLARWORLD
Profil: Konzern mit integrierter Wertschöpfung von der Siliziumproduktion bis zur fertigen Solarstromanlage
Umsatz 2011: 1,05 Milliarden Euro
Verlust: 299,35 Millionen Euro
Nettoschulden: 718,52 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –291 Millionen Euro
Stärken
– Kapazitäten ermöglichen Skaleneffekte
– solides Netzwerk bei Installateuren
Schwächen
– Kostennachteile durch zu hohe Wertschöpfungstiefe
– unterentwickeltes Kraftwerksgeschäft
– angespannte Finanzlage
Prognose: Mittelmaß
Foto: dpaSUNWAYS
Profil: Solarzellenhersteller mit dem chinesischen Großaktionär LDK
Umsatz*: 84 Millionen Euro
Verlust: 11,2 Millionen Euro
Nettoschulden: 36 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –11,7 Millionen Euro
Stärken
– Aussicht auf kostengünstigen Einkauf über chinesischen Partner
Schwächen
– kein Alleinstellungsmerkmal
– insgesamt zu kleines Produktionsvolumen für zwei Standorte
– chinesischer Großaktionär befindet sich selbst in der Umstrukturierungsphase
Prognose: Mittelmaß
* Umsatzzahlen für Januar bis September 2011
Foto: dpaALEO SOLAR
Profil: Börsennotierter Modulproduzent im Mehrheitsbesitz des Bosch-Konzerns
Umsatz 2011: 462 Millionen Euro
Verlust: 32,2 Millionen Euro
Nettoschulden: 13,1 Millionen Euro
Free Cash-Flow: – 44,1 Millionen Euro
Stärken
– direkter Vertrieb mit Ausrichtung auf Fachhandel
Schwächen
– Produktionsvolumen für Skaleneffekte zu gering
– unklare Internationalisierungsstrategie
– undurchsichtige Strategie mit den Marken aleo und avim (plus Bosch Solar)
Prognose: leistungsschwach
Foto: PressebildCENTROSOLAR
Profil: Modulhersteller mit Schwerpunkt auf Dachanlagen
Umsatz 2011: 293 Millionen Euro
Verlust: 16,8 Millionen Euro
Nettoschulden: 68,8 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –28,5 Millionen Euro
Stärken
– Orientierung auf Endkunden und Fachinstallateure
Schwächen
– kaum Wachstumsaussichten in den bisherigen Hauptmärkten Italien und Frankreich zu erwarten
– Kooperationsvorteile mit taiwanesischem Partner weitgehend ungenutzt
Prognose: leistungsschwach
Foto: PressebildCONERGY
Profil: Hersteller schlüsselfertiger Solarsysteme von der Dachanlage bis zum Megawatt-Solarpark
Umsatz 2011: 754 Millionen Euro
Verlust: 162 Millionen Euro
Nettoschulden: 109 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –73,2 Millionen Euro
Stärken
– langjähriges Branchen-Know-how
Schwächen
– Modul- und Gestellproduktion an Hochlohnstandorten
– keine klare Positionierung am Markt
– schwache Eigenkapitalquote, hohe Verschuldung
Prognose: Überleben bedroht / leistungsschwach
Foto: PressebildPHOENIX SOLAR
Profil: Planer, Erbauer und Betreiber von Fotovoltaik-Großkraftwerken
Umsatz*: 254 Millionen Euro
Verlust: 41 Millionen Euro
Nettoschulden: 11,2 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –27,9 Millionen Euro
Stärken
– Geschäftsmodell, das geringen Kapitaleinsatz erfordert
– hohe Flexibilität
Schwächen
– fehlendes Alleinstellungsmerkmal
– leicht kopierbares Geschäftsmodell
– fehlende Kapitalstärke für weiteres Wachstum
Prognose: Überleben bedroht
* Umsatzzahlen für Januar bis September 2011
Foto: dapd
Wer heute Solarzellen herstellen will, braucht wahres High-Tech-Equipment: Schmelzöfen und Präzisionssägen, Roboter und Beschichtungsanlagen. Fotovoltaikfabriken sind teuer, komplex, und sie schlucken enorme Mengen Energie.
Nicht so bei Arved Hübler. Wenn er neue Solarmodule braucht, drucken seine Mitarbeiter einfach welche aus. Dafür reichen dem Leiter des Instituts für Print- und Medientechnik der TU Chemnitz eine Druckmaschine, Spezialtinte und eine Rolle Papier. „Fast so wie die Verpackungsindustrie Pralinenschachteln herstellt“, sagt Hübler, „stellen wir Solarzellen her.“
In seinem Labor hat der Solarforscher schon kilometerlange Papierrollen an einem Stück in Sonnenkraftwerke verwandelt. In Stücke geschnitten und mit Kontakten versehen, kann damit selbst gewöhnliches Büropapier Strom produzieren. Die Zellulosezellen halten nur rund drei Monate, sind aber spottbillig – und lassen sich wie jeder Pappkarton recyceln.
Bald sollen Hinterhofdruckereien in Indien Fotovoltaikkartons fertigen, so der Plan des Chemnitzers. Selbst die Ärmsten können sich dann kleine Kraftwerke auf ihre Hütten legen – vielleicht finanziert durch Werbung auf der Rückseite. „Zwei Din-A3-Bögen reichen, um ein Handy zu laden“, sagt Hübler. „Und ein Filmplakat, um einen Schreibtisch zu beleuchten.“
Nicht nur in Indien steht die Fotovoltaik vor einem technischen Wandel: Weltweit erhalten die starren blauen Solarmodule aus Silizium bald Konkurrenz von dünnen, flexiblen Zellen, gefertigt aus Plastik oder sogar Papier. Auch auf Glasscheiben und Stahlbleche lassen sich neuartige Solarzellen lackieren. Forscher sprechen von der dritten Generation der Fotovoltaik – nach Siliziummodulen und Dünnschichtsolarzellen. Sie könnte Sonnenstrom noch preiswerter machen – und allgegenwärtig.
Aufsehen erregen derzeit sogenannte Farbstoffsolarzellen. Sie nutzen statt Silizium spezielle Farbstoffe, um Sonnenlicht in Strom zu verwandeln. Anders als ihre Siliziumpendants erzeugen die bunten Zellen auch dann reichlich Strom, wenn sie nicht direkt in die Sonne gerichtet sind – was sie ideal für den Einbau in Hausfassaden macht. Zudem sind sie dünn, leicht und flexibel – und lassen sich mit Druckmaschinen auf Stahl oder Glas auftragen.
Oft werden die Zellen Grätzel-Zellen genannt – nach ihrem Erfinder, dem Chemiker Michael Grätzel von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne. Seit mehr als 20 Jahren forscht er daran, nun ist ihm ein Durchbruch gelungen: In seinem Labor erreichte er den Rekordwirkungsgrad von 14,1 Prozent. „Das ist ein Durchbruch, wie Forscher ihn selten erleben“, sagt Grätzel. Siliziumzellen haben zwar noch höhere Wirkungsgrade – sind aber viel teurer.
Möglich wurde der Rekord dank neuer Mineralien, Perowskite genannt. Mit ihnen leisten Farbstoffzellen nicht nur mehr, sie werden auch widerstandsfähiger und preiswerter. Denn das Material ist spottbillig, und eine Schicht von einem tausendstel Millimeter reicht für den Bau einer Solarzelle. Für ein Zehn-Megawatt-Kraftwerk, schätzt Toby Meyer, Gründer des Schweizer Solar-Startups Solaronix, brauche man nur 30 Kilogramm der Mineralien. „Das ist nicht low-cost“, sagt er, „das ist no-cost.“
Kevin Arthur, Chef des britischen Solar-Startups Oxford-PV, glaubt, dass Module aus Farbstoffsolarzellen nur 30 Cent pro Watt kosten – weniger als halb so viel wie heute. Zudem sollen die Zellen, gedruckt auf Fensterscheiben oder Stahlfassaden, Teile von Gebäuden ersetzen, für die Bauherren ohnehin Geld ausgeben. Und es soll noch billiger gehen: „Die Technik wird mit der Zeit einen Wirkungsgrad von 20 Prozent erreichen“, sagt Arthur. Das schaffen heute nur Spitzensiliziummodule.
Beheizbare Klobrillen
Japaner und Südkoreaner lieben es, wenn der Sitz auf dem stillen Örtchen wohlig warm wird. Besonders luxuriöse Varianten duschen und föhnen auch noch mit anschließender Massage. Sechs Prozent des Stromverbrauchs gehen in Südkorea allein für beheizbare Klobrillen drauf. In Deutschland sind die Edel-Klobrillen inzwischen auch erhältlich, die meisten Haushalte begnügen sich aber weiterhin mit einem kalten Toilettensitz.
Foto: ReutersHeizdecken
.... verursachten in Südkorea regelmäßig Stromausfälle, denn große Teile der Bevölkerung drehten nachts gleichzeitig den Regler hoch. In Deutschland sind sie dank gut beheizter Wohnungen weniger begehrt.
Foto: WirtschaftsWocheJa, für gewöhnlich ist es in Regionen mit Schnee kalt - sehr kalt. Beheizbare Handschuhe und Skischuhe halten die Gliedmaßen bis zu 18 Stunden warm - dafür sorgt ein aufladbarer Akku. Für passionierte Wintersportler sind diese High-tech-Kleidungsstücke sicherlich praktisch - in puncto Energieverbrauch aber auch ein verzichtbarer Luxus.
Foto: dpaDer Clou für Menschen, die unter akuter Morgenmüdigkeit leiden oder schlicht zu faul sind einen Löffel aus der Schublade zu holen - die selbst umrührende Tasse. Ein eingebauter Quirl wirbelt Milch und Zucker durcheinander. Sieht aus wie von Zauberhand, ist aber batteriebetrieben. Bei derartiger Energieverschwendung könnte einem glatt schwindlig werden.
Foto: PRVorbei die Zeiten als Männer gemütlich ein Pfeifchen schmauchten - jetzt kommt die E-Pfeife. Hier glimmt allerdings kein Tabak. Mittels eines Verdampfers lassen sich verschiedene Geschmacksrichtungen wie Vanille, Schokolade, Kirsche oder Café in die Luft pusten. Ober man dafür tatsächlich Akkus laden muss...
Foto: PRComputermäuse lassen sich per USB-Kabel über den Computer beheizen und über ein kleines Rädchen regulieren. Zwar verbrauchen die beheizbaren Mäuschen allein nicht viel Strom, aber ganz ehrlich - wirklich brauchen tut sie keiner. Man könnte die klammen Fingerchen auch einfach zwischendurch ordentlich gegeneinander reiben - ganz ohne Strom.
Foto: WirtschaftsWocheAber auch die herkömmliche Technik ist lange nicht an ihren Grenzen. Mit immer neuen Tricks machen die Hersteller Siliziummodule effizienter: Sie schneiden die Wafer – den Rohstoff für die Zellen – immer dünner, ersetzen teures Silber in den Leiterbahnen durch Kupfer oder stapeln mehrere Zellen übereinander, um das gesamte Wellenspektrum des Lichts auszunutzen.
Mit solchen Sandwich-Solarzellen will Martin Green, einer der renommiertesten Solarforscher, die Wirkungsgrade der Siliziumzellen erheblich steigern. „In den nächsten 20 bis 30 Jahren sind bis zu 50 Prozent machbar“, sagt der Leiter des ARC Photovoltaics Centre of Excellence an der University of New South Wales in Sydney.
Teure Materialien erlauben solche hohen Wirkungsgrade sogar heute schon: Kürzlich haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg mit einer Zelle aus Gallium und Arsen 43,6 Prozent erzielt – Weltrekord. Dabei bündeln die Forscher das Sonnenlicht mit einer Linse auf eine Hochleistungssolarzelle, die nur so klein wie ein Fingernagel ist. Das senkt die Kosten.
Die konzentrierte Fotovoltaik, für die der Heilbronner Solarhersteller Azur Space High-Tech-Zellen fertigt, könnte schon bald den preiswertesten Sonnenstrom liefern. Zwar eignet sie sich nicht für Deutschland, denn sobald sich ein Wölkchen vor die Sonne schiebt, erzeugt die Konzentratorzelle fast keinen Strom mehr. In sonnenreichen Regionen wie Kalifornien, Nordafrika oder Saudi-Arabien aber lassen sich damit Riesenanlagen errichten.
An sonnigen und windigen Tagen wird durch die Ökoanlagen mehr Strom erzeugt als benötigt. Deshalb purzeln die Preise an der Strombörse. Die Netzbetreiber müssen den Ökostrom zu einem staatlich festgelegten Preis abnehmen. Den Subventionsanteil stellen sie den Stromkunden in Rechnung (Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage). Darum steigt der Strompreis für Privathaushalte.
Foto: dpa1. Ausnahmeregel
Hatten für 2012 nur 813 Unternehmen einen Antrag auf Befreiung von der Ökoumlage gestellt, waren es für 2013 bereits 2057. Die steigenden Kosten der Energiewende zahlen so vor allem Mittelstand und private Verbraucher.
Foto: dapd2. Entschädigungen
36.000 Liter Diesel verheizt RWE monatlich im Offshore-Windpark Nordsee Ost, statt sauberen Strom zu produzieren. Nur so kann RWE Entschädigung für den fehlenden Netzanschluss fordern.
Foto: dpa3. Risikobefreiung
Unternehmen haften für Investitionsrisiken? Nicht so bei Offshore-Windparks. Der Verbraucher bezahlt hier das unternehmerische Risiko, mit einer Haftungsumlage von 0,25 Cent je Kilowattstunde, zehn Euro pro Jahr und Durchschnittshaushalt.
Foto: dpa4. Anreizfehler
Werden Windanlagen abgeschaltet, weil das Netz überlastet ist, muss der Netzbetreiber nicht abgenommenen Windstrom bezahlen. Das soll ihn animieren sein Netz auszubauen. Er legt die Kosten einfach auf den Strompreis um.
Foto: dpa5. Kabelengpässe
Es gibt nicht genug Kabel für die Anbindung von Offshore-Windparks, weil die drei möglichen Lieferanten die Nachfrage lieber über mehrere Jahre strecken wollen, als einen kurzen Boom zu erleben.
Foto: dpa6. Finanzanlagen
Früher hätte niemand ein Kraftwerk gebaut, wenn dies keinen Netzanschluss hat. Heute ist erneuerbare Energie ein Finanzanlagemodell. Die Rendite kommt auch ohne Anschluss.
Foto: dpa7. Umwege
Da innerdeutsche Nord-Südtrassen fehlen, fließt Strom via Ostdeutschland, Polen, Tschechien und Österreich nach Süddeutschland. Die Nachbarn erwägen nun, Leitungen aus Deutschland zu kappen.
Foto: dapd8. Tricksereien
Konzerne gründen die Energieversorgung in Töchter aus, um sich von der EEG-Umlage befreien zu lassen. Die Töchter sind plötzlich energieintensive Unternehmen. Andere vergeuden absichtlich Strom, um den gesetzlichen Grenzwert zu überschreiten, ab dem sie sich von der Umlage befreien lassen können.
Foto: dpa9. Kundenflucht
740 Stromanbieter haben in diesem Jahr schon ihre Preise erhöht, 74 weitere Energieunternehmen ziehen im Februar und März nach. Zwei Millionen Verbraucher haben zwischen November 2012 und Januar 2013 den Stromanbieter gewechselt, mehr als jemals zuvor. Meist flüchten sie zu Billiganbietern mit geringem Ökostromanteil.
Foto: dpa10. CO2-Zertifikate
30 Gaskraftwerke legt E.On jetzt still. Denn zurzeit können alte Dreckschleudern wie Öl- und Kohlekraftwerke am billigsten produzieren. Grund ist der Preisverfall bei CO2-Zertifikaten.
Foto: dpa11. Pumpspeicher
Für die Energiewende eigentlich dringend notwendige Pumpspeicherwerke müssen EEG-Umlage zahlen. So sind sie nicht mehr rentabel. Vattenfall droht, Pumpspeicher zu schließen.
Foto: dpa/dpaweb12. Doppelbelastung
Steuern und Abgaben machen heute fast die Hälfte des Strompreises aus. Eine Beispielrechnung:
4,60 Cent Mehrwertsteuer (19%) + 2,05 Cent Stromsteuer + 1,79 Cent Konzessionsabgabe + 5,277 Cent EEG-Umlage + 0,126 Kraftwärmekopplung-Umlage + 0,329 Cent Umlage gemäß § 19 StromNEV + 0,25 Cent Offshorehaftungsumlage + 8,24 Cent Beschaffung, Vertrieb, Dienstleistungen, Gewinn + 5,93 Cent Regulierte Netzentgelte = 28,50 Cent/kWh
Foto: dpa13. Behördenbefreiung
Manche Bundesbehörde und Bundesunternehmen sind von der EEG-Umlage befreit, obwohl sie nicht im internationalen Wettbewerb stehen oder Jobs in Gefahr sind.
Foto: dapd
Wer Solarstrom erzeugen will, kauft sich heute ein paar Module und bestellt einen Spezialhandwerker, der sie aufs Dach montiert. Das Ergebnis ist mal mehr, mal weniger architektonisch wertvoll. Meistens weniger.
Richard Caldwell glaubt, dass die Dachmodule bald veraltet sind. „Solarzellen werden künftig auf Stahl- und Glasfassaden laminiert“, sagt der Chef des australischen Startups Dyesol, „sodass man sie kaum noch sieht.“ Die Australier entwickeln zusammen mit dem indischen Stahlkonzern Tata bunte Metallfassaden, die ab Werk eine Schicht aus Farbstoffsolarzellen tragen. Die Entscheidung über eine Massenproduktion soll bis Ende Juli fallen.
Es wäre womöglich der Durchbruch für die sogenannte Gebäudeintegrierte Fotovoltaik – für Solarmodule also, die Teil der Gebäudehülle sind. Zwar erzeugen heute schon Glasdächer mit integrierten Siliziummodulen Strom, etwa im Berliner Hauptbahnhof; aber die Technik ist noch teuer. Solarzellen zum Auflackieren hingegen könnten das preiswerter erledigen. Ganze Häuser würden zu Kraftwerken.
Das Startup Oxford PV will Anfang 2014 eine Pilotfertigung für Strom erzeugendes Glas mit Farbstoffsolarzellen starten und schon ein Jahr später zwei Meter lange Glasmodule verkaufen, aus denen sich Gebäudefassaden, Balkonbrüstungen und Fenster herstellen lassen. Auch das US-Startup New Energy Technologies arbeitet an durchsichtigen Fenstern, auf die Solarzellen aufgesprüht sind.
Das US-Solarunternehmen Pvilion will auch Zeltdächer und Sonnenblenden zu Kraftwerken machen – und baut dazu flexible Solarzellen in Textilien ein. Demnächst statten die Unternehmer ein Hochhaus in Manhattan mit dreieinhalb Meter hohen Solarvorhängen aus, die Strom für die gesamte Beleuchtung des Gebäudes liefern.
Wie schnell die Preise für Solaranlagen und Batteriespeicher sinken (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)
Foto: EuPDDamit zeichnet sich ab: Solarstrom wird bald nicht nur auf Hausdächern verfügbar sein, sondern nahezu überall in Gebäuden. Das Fotovoltaikunternehmen Minijoule im schleswig-holsteinischen Reußenköge etwa verkauft Solarmodule, die jedermann auf den Balkon stellen kann und die Strom via Steckdose in das Hausnetz einspeisen.
„Solche Solaranlagen gibt es künftig palettenweise beim Discounter“, glaubt der Solarexperte Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW). Denkbar sind Strom erzeugende Vorhänge, Dachpappen, Fensterfolien oder Pavillondächer.
Und warum bei Häusern bleiben? BMW und das Dresdner Solarunternehmen Solarwatt verkaufen bald Carports mit Solardach, in denen Autofahrer ihre Elektroautos laden. Der Autozulieferer Webasto aus Stockdorf wiederum stellt eine neue Generation von Solardächern her, die Autos mit Hybridantrieb im Stand mit Strom versorgen können. Und eine durchsichtige Solarzelle des französischen Unternehmens Sunpartner soll bald auf Smartphone-Displays Strom erzeugen. Sechs Stunden Sonne machen den Akku wieder fit.
Fairphone
Der niederländische Mobiltelefonhersteller Fairphone hat seine Pre-Order-Kampagne für "faire Handys" gestartet.
Foto: PresseSolar-Akku
Mit Changers können die Nutzer ihren Strom ganz einfach selber machen. Die ersten beiden Geräte des Starter-Kits sind der Solar-Akku „Kalhuofummi“ und das Solarmodul „Maroshi“. Das Solarmodul lässt sich einfach an einem Rucksack anbringen. Die Sonnenenergie wird in Strom umgewandelt und direkt in dem Akku gespeichert. Das kleine Gerät misst auch den Wert der eignen Energieproduktion und die damit verbundenen CO2-Speicherung. Er speichert die Daten und ordnet sie einer User-ID zu. Die Werte lassen sich dann im Changers-Account oder auf Facebook und Twitter hochladen.
Foto: ScreenshotSolar-Hülle für den Kindle
Elektronische Lesegeräte sind enorm sparsam, aber nach ein paar tausend geblätterten Seiten geht auch dem Kindle von Amazon die Batterie leer. Wer sich den Gang zur Steckdose sparen möchte, kann seinen eigenen grünen Strom für den E-Reader herstellen: Das Solar Lighted Cover des US-Anbieters SolarFocus lädt tagsüber Sonnenstrom in eine eingebaute Batterie, die wiederum nicht nur den Kindle mit Strom versorgt, sondern auch eine eingebaute LED-Leselampe für die Nacht.
Foto: WirtschaftsWocheSolar-Steckdose
Die Idee, über eine Solarzelle das eigene Smartphone zu laden, haben die Designer KyuhoSong und Boa Oh ganz neu verpackt. Ihre Idee basiert auf einer runden Solarzelle, die unter einem Saugnapf angebracht ist. Mit dem lässt sich das Gerät einfach an ein Fenster anbringen. Die Rückseite des kreisrunden Geräts in den Farben weiß/grün bietet lediglich zwei Löcher, eben wie eine Steckdose. Dort hinein kann man dann auch jeden handelsüblichen Stecker schieben. Die Solarzelle auf der Rückseite versorgt dann den Verbraucher am anderen Ende, vorausgesetzt die Sonne hinter dem Fenster scheint.
Im Inneren der Fenster-Steckdose steckt eine Batterie mit 1000 Milliampere Leistung. Genug also, um das Handy mal ein wenig aufzuladen, für größere Stromfresser wie den Laptop reicht das Gerät allerdings nicht. Dazu ist auch die Solarzelle viel zu klein. Dennoch ist das Konzept beeindruckend: Zum einen sieht es wirklich gut aus, zum anderen ist es sehr einfach zu bedienen. Wann die kabellose Solarsteckdose allerdings auf den Markt kommt, ist bisher nicht bekannt, ebenso wie der Preis.
Foto: PresseSolar-Ladegerät
Nie wieder Akku leer: Mit dem Solar Changer Kit des US-Anbieter Voltaic haben Nutzer elektronischer Geräte immer ihr eigenes Kraftwerk dabei. Das Solarpanel speist einen Akku, der genug Leistung für Laptops, Tablets und Handys bereitstellen kann.
Foto: PresseTado - Heizungsregler
Heizen leicht gemacht: Die App Tado auf dem Smartphone erkennt ohne Zutun ob deren Besitzer als Letzter das Haus verlässt. Daraufhin sendet die App ein Signal an das Heizungsthermostat, worauf die Temperatur nach unten geregelt wird. Macht sich der Tado-Besitzer wieder auf den Weg nach Hause, wärmt sich die Wohnung auf die Wunschtemperatur auf. Auch nachts reagiert die App und reguliert die Temperatur wieder nach unten. Besonders charmant: Tado ist schlau. So lernt die Technik in den ersten Tagen wie schnell sich die Wohnung abkühlt und wie sich die Sonneneinstrahlung auf die Innenraumtemperatur auswirkt.
Foto: PresseSunrocket -Thermosflasche
Das Sunrocket ist ein tragbarer Heißwasser-Kessel und eine 500 ml fassende Thermosflasche. Mit Hilfe einer Vakuum-Röhre, an der Solar-Panels angebracht sind, wird Sonnenenergie gebündelt. Diese erwärmt das Wasser in der Flasche. Die perfekte Alternative für Camper.
Foto: Screenshot
Akku-Betanker
Dem myFC PowerTrekk genügt ein Löffel voller Wasser um den Handyakku mit frischer Energie zu versorgen. Dabei funktioniert das System ähnlich wie das einer Batterie: Unterschiedliche chemische Ladungen werden getrennt. Wenn man sie reagieren lässt, sie also zusammenführt, entsteht Energie. Das System erzeugt also Energie mittels einer Brennstoffzelle. Die Aufgabe der Ladungen übernimmt beim Powertrekk auf der einen Seite das Wasser, auf der anderen Seite ein kleiner Behälter mit einer Chemikalie. In einem grünen Gefäß von der Größe eines Brillen-Etuis werden die zwei Ladungen zusammengeführt, Energie fließt und der Handyakku lädt sich auf. Das System der Firma PowerTrekk soll bald auf den Markt kommen, jedoch zunächst in den USA und dort auch mit einem stolzen Einführungspreis von 229 US-Dollar (rund 175 Euro).
Foto: PresseSolar-Tastatur
Drahtlos-Tastaturen sind praktisch, aber nicht unbedingt umweltfreundlich – alle paar Monate fallen ein paar leere Batterien für den Abfall an. Anders bei der Solar-Tastatur K760. Die Tastatur des schweizerischen Computerzubehör-Herstellers Logitech speist Sonnenlicht in einen eingebauten Akku. So müssen die Batterien nie gewechselt werden. Einmal Sonnetanken reicht angeblich für drei Monate Nutzung.
Foto: Presse
Als die frühen Grünstrompioniere im Jahr 2000 sich Solaranlagen aufs Dach montieren ließen, war das ein sündhaft teures Unterfangen: Mehr als 70 Cent kostete die Kilowattstunde Sonnenstrom – 20 Mal so viel wie Strom aus Steinkohle. Fotovoltaikanlagen verbreiteten sich nur, weil üppige Fördergelder flossen.
Heute, wenige Jahre später, sieht die Rechnung ganz anders aus. Wer sich aktuell ein Sonnenkraftwerk baut, kann Strom für weniger als 15 Cent pro Kilowattstunde erzeugen. Der Strom aus der Steckdose dagegen kostet inzwischen mehr als 27 Cent.
Selbst produzierter Solarstrom wird konkurrenzlos billig (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)
Foto: UBSDie Zahlen zeigen: Solarenergie ist in den vergangenen Jahren erheblich preiswerter geworden, sogar in Deutschland. Privatverbraucher benötigen schon in naher Zukunft gar keine Vergütungen für ihren Solarstrom mehr, um die Anlagen rentabel betreiben zu können. Sie verbrauchen ihren Sonnenstrom dann selbst – und senken damit ihre Stromkosten.
Die Rechnung geht allerdings nur auf, weil der Haushaltsstrompreis durch Steuern, Netzentgelte und Grünstrom-Abgaben in die Höhe getrieben wird. Vergleicht man die reinen Produktionskosten, dann ist Solarenergie noch teurer als Energie aus Kohle: Ein neues Kohlekraftwerk erzeugt Strom für etwa sechs Cent pro Kilowattstunde, alte Kraftwerke sind noch billiger.
Aber viele Experten glauben, dass Solarstrom noch deutlich preiswerter wird. Kostete eine Dachanlage Anfang 2012 noch 2095 Euro pro Kilowatt Spitzenleistung, so wird der Preis laut Prognosen des Bonner Marktforschungsinstituts EuPD im Jahr 2016 auf unter 1200 Euro sinken. Die Kilowattstunde hausgemachten Stroms kostet dann nur zwölf Cent.
Am kräftigsten wächst der Fotovoltaikmarkt in Nord- und Südamerika (Neuinstallation in Megawatt MW und Anteile der Regionen; Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)
Foto: EpiaUnd auch nach 2016 sollen die Kosten auf allen Stufen des Solaranlagenbaus sinken. Führende Solarhersteller glauben, dass die Modulpreise bis 2020 so stark sinken werden, dass sich Solarstrom vom Dach der Marke von zehn Cent pro Kilowattstunde nähert. Große Solarkraftwerke sind noch preiswerter und ziehen laut einer Fraunhofer-Studie bis spätestens 2022 mit den Kosten fossiler Energieträger gleich.
In südlichen Regionen sind Solarkraftwerke heute schon spottbillig: Der US-Solarhersteller First Solar hat gerade mit einem Stromversorger in New Mexico einen Vertrag für ein neues Großkraftwerk abgeschlossen, das laut GTM Research Strom für umgerechnet 6,4 Euro Cent liefern soll.
Mit solchen Niedrigpreisen werden Fotovoltaikkraftwerke schon heute zur Alternative für Kohle – vor allem in sonnenreichen Ländern wie China, Südafrika oder Marokko, in denen der Strombedarf massiv wächst. Selbst Saudi-Arabien schwenkt jetzt um: Bis 2032 will der Ölstaat rund 45 Milliarden Euro in neue Solarkraftwerke investieren.
Der 8. Juni war einer dieser gefürchteten Tage. Von der Ostsee bis zum Bodensee speisten Zehntausende Solaranlagen bei blauem Himmel unermüdlich Elektrizität in die Netze. Zur Mittagszeit brachten sie es auf eine Leistung von gut 20.000 Megawatt – das entspricht der Kapazität von 20 Kohlekraftwerken. Gebraucht werden in Deutschland an Samstagen wie dem 8. Juni in der Spitze rund 45.000 Megawatt. Die Sonne deckte also schon fast die Hälfte des Strombedarfs, wenn auch nur für wenige Stunden.
Ein Ausreißer – noch. Denn zunehmend verdrängen Watt und Volt aus erneuerbaren Quellen den Strom aus konventioneller Erzeugung. Und diese Entwicklung beschleunigt sich. Am 18. April dieses Jahres produzierten Windräder und Solarpanele erstmals mehr Strom als fossile Kraftwerke.
Deren Betreiber – E.On & Co. – müssen dann wegen der vorrangigen Einspeisung des Ökostroms ihre Kapazitäten drosseln – und verlieren Geld. Auch für die Stromkunden wird es an solchen Tagen teuer.
Denn ein großes Grünstrom-Angebot drückt den Preis je Kilowattstunde (kWh) an der Leipziger Strombörse regelmäßig von durchschnittlich derzeit knapp vier auf zwei Cent und weniger. Manchmal muss die Energie sogar verschenkt werden. Die Differenz zur Einspeisevergütung für die Produzenten müssen aber alle Stromkunden über die EEG-Umlage ausgleichen. Umweltminister Peter Altmaier befürchtet, dass sie nächstes Jahr von jetzt 5,3 auf mehr als 6,0 Cent je kWh steigen wird.
Tage mit hohem Sonnenstromangebot werden laut einer Studie der UBS zunehmend Alltag. Die Folge: Die konventionellen Kraftwerksbetreiber geraten noch mehr unter Druck. Die Subventionslasten für die Verbraucher hingegen werden abgemildert. Der Grund: Weil es selbst im sonnenarmen Deutschland inzwischen billiger ist, Strom auf dem Dach selbst zu produzieren, als ihn bei einem Energieversorger einzukaufen, werden sich laut UBS in den nächsten Jahren Zehntausende weitere Hausbesitzer eine Fotovoltaikanlage bestellen. „Das werden sie wegen des Spareffekts sogar tun, wenn es von morgen an keine garantierte Einspeisevergütung mehr gibt“, sagt deren Energieexperte Patrick Hummel. Aus dem gleichen Grund, so Hummel, werden auch immer mehr Dienstleister und Gewerbebetriebe Solaranlagen installieren.
Das aber bedeutet nicht weniger als einen Epochenwechsel. „Es beginnt das unsubventionierte Solarzeitalter“, schreiben die UBS-Analysten:
- Bis 2020 entstehen allein in Deutschland, Italien und Spanien zusätzliche Solarstromkapazitäten von 43.000 Megawatt – gänzlich ohne öffentliche Förderung.
- Im gleichen Jahr erzeugen private Haushalte in Deutschland schon fast ein Drittel ihres jährlichen Strombedarfs solar selbst.
- Die Nachfrage nach Elektrizität aus Kohle- und Gaskraftwerken sinkt wegen dieses Solarbooms um sechs Prozent.
Die Konsequenzen aus dieser Entwicklung bergen Zündstoff. Die Gewinne vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) von Energieriesen wie RWE halbieren sich durchschnittlich bis 2020, prognostizieren die Schweizer.
Dagegen eröffnen sich für die Hersteller der Solaranlagen neue Chancen. Denn mit jedem Cent, den die Eigenproduktion gegenüber dem Stromeinkauf günstiger wird, wächst die Nachfrage. Hausbesitzer, die etwa 30 Prozent ihres jährlichen Elektrizitätsbedarfs mit einem eigenen Dachkraftwerk produzieren, zahlen 2020 schon rund vier Cent je kWh weniger, als würden sie ihren gesamten Strom vom Versorger beziehen. Die Anschaffung würde sich laut UBS nach spätestens elfeinhalb Jahren amortisieren – ohne jede Subvention. Ergänzen Anwender die Solarmodule um eine Batterie, sparen sie 2020 sogar knapp neun Cent je kWh gegenüber dem reinen Strombezug vom Versorger.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommen die Marktforscher des Bonner Unternehmens EuPD: Danach lassen sich mit dem Kauf solarer Komplettsysteme inklusive Speicher schon Ende nächsten Jahres Renditen von sechs bis acht Prozent erzielen. Das ist in etwa so viel, wie reine Solaranlagen heute mithilfe der EEG-Vergütung einbringen. Deren Renditen sinken wegen der ständigen Förderkürzungen jedoch absehbar.
EuPD-Analyst Martin Ammon rät den deutschen Modul- und Zellherstellern, sich auf solche spezialisierten Komplettangebote zu konzentrieren. Dazu gehört auch eine Energiemanagement-Software, die den Eigenverbrauch optimiert, zum Beispiel indem sie Waschmaschine und Trockner einstellt, wenn die Dachanlage auf Hochtouren läuft. „Diese Komplexität beherrschen sie besser als chinesische Massenanbieter.“
Es ist die Chance für die deutsche Solarindustrie, vom globalen Fotovoltaikboom zu profitieren. Der Verband der europäischen Solarindustrie (Epia) schätzt, dass 2017 weltweit Anlagen mit einer Kapazität von mehr als 48.000 Megawatt installiert werden – gegenüber knapp 28.000 MW dieses Jahr.
Somit ist klar: Sonnenstrom wird zu einer tragenden Säule der weltweiten Energieversorgung – die Abgesänge waren verfrüht. Und sogar deutsche Hersteller können Hoffnung schöpfen.