Wirtschaft von oben #271 – Olympia: So baut sich Paris für die Olympischen Spiele um
Eine neue Arena, ein Schwimmzentrum, zusätzliche Metrostationen und ein Olympisches Dorf. Paris bereitet sich auf das weltweit größte Event des Jahres vor: die Olympischen Sommerspiele und die Paralympischen Spiele 2024.
Die Bauarbeiten dafür haben schon vor Jahren begonnen, wie Satellitenbilder von LiveEO zeigen. In den vergangenen Monaten sind zahlreiche provisorische Stadien an weltbekannten Plätzen entstanden. Die Beachvolleyballer spielen neben dem Eiffelturm, Marathonschwimmer kraulen durch die Seine, Basketballer messen sich an der Place de la Concorde.
Auch diesmal wurde vieles teurer als geplant. Die geschätzten Kosten des Sportspektakels liegen bei rund neun Milliarden Euro. Trotzdem dürften die Spiele wohl kein Milliardengrab werden, wie etwa die Spiele in Tokyo 2020, die fast 26 Milliarden Dollar teurer wurden als vorhergesehen.
Denn Paris hat allzu viele kostspielige Bauprojekte vermieden: 95 Prozent der Spielstätten waren schon vorher da oder werden nur kurzfristig errichtet und später wieder abgebaut. „Die Olympischen Spiele von Paris dürften die öffentlichen Haushalte weniger belasten als die letzten Spiele“, schreiben die Analysten des US-Finanzdienstleisters S+P Global.
Die größten drei Bauprojekte sind das Olympische Dorf (geschätzte Kosten laut S+P Global: 1,5 Milliarden Euro), das neue Schwimmzentrum Aquatic Centre (175 Millionen Euro) und die neue Adidas Arena (138 Millionen Euro). Obendrein hat Paris 1,4 Milliarden Euro in eine Abwasseraufbereitung investiert, um Schwimmwettkämpfe in der Seine zu ermöglichen. An der Seine soll auch eine große Eröffnungszeremonie stattfinden.
Bis zu 15 Millionen Besucher werden zu den Sportturnieren erwartet. Ein gigantisches Event, das unter anderem auch die Verkehrsinfrastruktur herausfordert. Schon seit einigen Jahren baut Paris am Grand Paris Express, einer 35,6 Milliarden Euro teuren Erweiterung des Metronetzes.
200 Kilometer neue Bahnlinien sollen die Stadt besser vernetzen als bisher. Doch das Projekt hatte immer wieder mit Verzögerungen zu kämpfen. Rechtzeitig vor Beginn der Spiele ist noch die Metrolinie 14 fertig geworden, die helfen soll, den Besucherandrang zu bewältigen und die Stadt mit dem Flughafen Orly verbindet. Die „Lebensader für Olympia“ nannte Frankreichs Ex-Transportminister Clément Beaune die neue Metrolinie.
Bilder: LiveEO/Google Earth/Maxar, LiveEO/Google Earth/Airbus, LiveEO/Pleiades-Neo
Die Metrolinie 14 wird auch das olympische Dorf in Saint-Denis am nördlichen Stadtrand von Paris anbinden. Dort, in einer Arbeiterwohngegend, haben Bauarbeiter 82 neue Gebäude errichtet, die vier bis 15 Stockwerke hoch sind. Zusammen sollen sie ein möglichst lebenswertes, grünes Viertel bilden.
Anders als bei manchen vorherigen Olympischen Spielen ist das Dorf kompromisslos für die Nutzung nach den Spielen geplant worden: Dann sollen dort 6000 Menschen wohnen und 6000 Menschen arbeiten. Während der Spiele sollen die späteren Wohnungen und Büros Platz für 14.250 provisorische Betten bieten, hergestellt aus Pappkarton.
Auch sonst soll das Dorf mit Nachhaltigkeit glänzen: Solarmodule auf den Dächern erzeugen Strom, Pflanzen wehren die Sommerhitze ab. Der Einsatz von Holz und Recyclingbeton soll den CO2-Abdruck der Bauten senken.
Gekühlt werden die Häuser mit einem Wasserkreislauf, der 70 Meter tief ins Erdreich führt. Ein experimenteller Bürgersteig aus Muschelschalen soll Regenwasser aufsaugen und bei Hitze Verdunstungskälte erzeugen. Damit die Athleten aber auch ganz sicher nicht unter der Sommerhitze leiden, dürfen während der Wettbewerbe auch mobile Klimaanlagen installiert werden.
Bilder: LiveEO/Google Earth/Maxar, LiveEO/Google Earth/Airbus
Das neue Viertel soll eine Gegend aufwerten, die zu den ärmsten von Paris zählt. Unweit des Dorfes sind auch die beiden anderen größten Neubauprojekte für die Spiele entstanden, das Schwimmzentrum und die Adidas-Arena.
Dass das Aquatic Centre mit 175 Millionen Euro erheblich mehr gekostet hat als geplant, während es an französischen Schulen an Lehrern mangelt und das Rentenalter in Frankreich erhöht wurde, kommt nicht bei allen Anwohnern gut an – manche protestierten vor der Baustelle.
Bilder: LiveEO/Google Earth/Maxar, LiveEO/Google Earth/Airbus
Unweit des Schwimmzentrums, bei der Pariser Eingangsschneise Porte de la Chapelle, haben Bauarbeiter eine neue Arena errichtet, in der Athleten sich in Badminton und Rhythmischer Sportgymnastik messen sollen. Sponsor des 138 Millionen Euro teuren Neubaus: Adidas.
Die mittelgroße Veranstaltungshalle soll auch nach den Spielen tausende Besucher zu Konzerten und anderen Events locken – unter anderem den Spielen des Basketballclubs Paris Basketball.
Bilder: LiveEO/Google Earth/Maxar, LiveEO/Google Earth/Airbus
Ob die neuen Olympia-Bauten den ärmsten Banlieues von Paris Aufschwung verschaffen können, muss sich noch zeigen. Immerhin gibt es für alle Bauprojekte einen klaren Plan, wie sie nach den Olympischen Spielen genutzt werden sollen, sei es als Wohnung oder Sportstätte.
Viele andere Ausrichtungsstätten dagegen, etwa die am Eiffelturm, sind als Provisorium geplant und sollen nach den Spielen spurlos wieder verschwinden. Dazu haben die Ausrichter einige der schillerndsten Plätze Frankreichs ausgewählt – etwa am Schloss Versailles, wo vor 16.000 Zuschauern die Reitturniere stattfinden sollen.
Wird sich der Aufwand für das Sportspektakel auszahlen? Immerhin: Das französische Statistische Amt INSEE rechnet damit, dass die Spiele Frankreichs Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,3 Prozent ankurbeln werden. Einen Tourismusboom erwartet S+P Global nach den Spielen nicht – Frankreich sei mit 100 Millionen Besuchern jährlich ohnehin schon Weltspitze.
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