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Hier entsteht das planmäßig größte Fußballstadion der Welt, das Grand Stade Hassan II. Foto: LiveEO/Airbus/Pleiades-Neo

Wirtschaft von oben #363 – MarokkoSo will Marokko von der Fußball-WM profitieren

Marokko baut für die Fußball-WM 2030 seine Infrastruktur und wichtige Wirtschaftszweige aus, wie exklusive Satellitenbilder zeigen. Wirtschaft von oben ist eine Kooperation mit LiveEO.Jannik Deters 01.01.2026 - 20:52 Uhr

Jetzt beginnt die heiße Phase. Die Gruppe beim Afrika-Cup im eigenen Land hat die marokkanische Fußball-Nationalmannschaft unbeschadet überstanden. An diesem Samstag startet die K.-o.-Runde. Für den Kontinent ist es eines der wichtigsten Sportereignisse – für Marokko eine Generalprobe.

Für ein viel größeres Event, eines, für das sich die ganze Welt interessiert, beginnt ebenfalls die heiße Phase: Die Bauarbeiten für die Fußball-WM 2030 nehmen Fahrt auf. Spiele finden in sechs Ländern auf drei Kontinenten statt, etwa ein Drittel aber in Marokko. Das Land macht sich bereit. Es arbeitet massiv an seiner Infrastruktur und Wirtschaftsstärke, wie Satellitenbilder von LiveEO zeigen.

Das Bruttoinlandsprodukt wird 2026 nach Schätzungen des IWF um mindestens 3,5 Prozent wachsen. „Die Wirtschaftsentwicklung wird 2026 durch eine Kombination aus erhöhten öffentlichen Investitionen, strukturellen Herausforderungen sowie steigenden Sozialausgaben geprägt“, heißt es im Wirtschaftsausblick von Germany Trade & Invest, der zentralen Anlaufstelle für deutsche Unternehmen im Export. Allerdings schmälerten „fiskalische Engpässe den Handlungsspielraum der Regierung“.

Die Ausgaben sind nicht ganz so exorbitant wie bei früheren Turnieren. Fünf bis sechs Milliarden US-Dollar investiert sie für die WM. Geld fließt vor allem in Stadien, das Schienennetz, Hotels und Flughäfen.

Die Unternehmen setzen dabei in erster Linie auf einheimische Arbeitskräfte. Ganz auf Superlative verzichten sie aber nicht.

Bilder: LiveEO/Google Earth, LiveEO/Airbus/Pleiades, LiveEO/Airbus/Pleiades-Neo

Das Grand Stade Hassan II in der Nähe von Casablanca wird zum größten Stadion der Welt, mit 115.000 Sitzplätzen. Ein Prestigeobjekt, das von einem visionären Land im Aufbruch künden soll, mit einer glänzenden Zukunft.

Noch gleicht die Baustelle mit Blick auf das aktuelle Satellitenfoto einem Wimmelbild. Erste Fundamente und Betonpfeiler für die massiven Tribünen sind zu sehen, Bagger, Walzen und Kräne. Das Rund wird deutlich, ansonsten ist alles voll mit rotbrauner Erde. Sandhaufen da, wo 2030 die Fußball-WM stattfinden wird.

Bilder: LiveEO/Google Earth

Die Arena Moulay Abdallah in der Hauptstadt Rabat wurde nach dem Abriss 2023 noch vor dem Afrika-Cup in Windeseile neu errichtet, wie die Bilderfolge eindrücklich belegt. In weniger als zwei Jahren wurde das Stadion komplett umgemodelt. Es ist auch als Austragungsort der WM 2030 vorgesehen.

Doch der Fokus auf den Fußball geht auf Kosten anderer Projekte. Bei Protesten im vergangenen Herbst warfen Demonstranten der Regierung vor, Fußballprojekte über das Gesundheits- und Bildungssystem zu stellen. Bauarbeiter wurden vom Universitätsklinikum in Rabat zum Stadionbau beordert.

Bilder: LiveEO/Google Earth

Vorwiegend junge Leute – organisiert über Plattformen wie Discord, TikTok und Instagram – gingen in den Metropolen Rabat und Casablanca auf die Straßen, protestierten mit Slogans wie „Keine Weltmeisterschaft, Gesundheit geht vor“ und „Wir wollen Krankenhäuser, keine Fußballstadien“.

Dieser öffentliche Druck, Sozialausgaben zu erhöhen und neue Stellen zu schaffen, hat laut einer Analyse der Außenwirtschaftsagentur GTAI zu einer Steigerung der staatlichen Gesundheits- und Bildungsausgaben geführt.

Ein weiterer Streitpunkt, auch auf internationalem Parkett, sind die Ansprüche Marokkos auf die Westsahara. Das Königreich bemüht sich, internationale Unterstützung für seine umstrittene Besatzung der Westsahara zu bekommen, die etwa Deutschland nicht anerkennt. 2021 lag Marokko darüber auch noch mit der ehemaligen Kolonialmacht und Co-Gastgeber Spanien im Clinch. Doch die spanische Kritik ist verstummt. Spanien stützt Marokkos Ansprüche nun ebenso wie der andere Gastgeber Portugal.

Investitionen und Wirtschaftsaufschwung sind nicht allein der anstehenden WM geschuldet. Die Regierung in Rabat treibt Hafen-, Windpark- und Wasserstoffprojekte mit internationalen Partnern voran. Der Energiesektor hat direkte Verbindungen nach Deutschland. Windparks von Siemens Gamesa produzieren in Marokko Strom. Der Windpark Jbel Lahdid auf dem gleichnamigen Berg hat eine Leistung von 270 Megawatt und ermöglicht die Stromversorgung von einer Million Menschen. Mit den 54 neuen Windturbinen, die Siemens Gamesa auf insgesamt drei Bergrücken zwischen den Küstenstädten Essaouira und Safi installiert hat, steigt der Anteil Erneuerbarer. Marokko verfügt über wenige Rohstoffe und legte bereits vor mehr als 15 Jahren zunächst einen Solarplan und dann ein Windenergieprogramm auf, finanziell unterstützt unter anderem von der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Windpark Jbel Lahdid, Essaouira, Marokko

08.05.2023 (linkes Bild): Der Windpark entsteht auf dem gleichnamigen Berg. Dort, wo die sandigen Wege enden, stehen erste Windräder oder liegen die Einzelteile zum Aufbau bereit.
08.10.2025 (rechtes Bild): Ein halbes Dutzend Windräder sind am schmalen Schattenwurf in dem hügeligen Gelände zu erkennen.

Bilder: LiveEO/Airbus/Pleiades_Neo

Die Initiatoren von „Sila Atlantik“ wollen in großem Maßstab Strom in Marokko produzieren und bis nach Deutschland leiten. Sie erinnern an das nie realisierte Vorhaben Desertec.

Bilder: LiveEO/Google Earth, LiveEO/Airbus/Pleiades, LiveEO/Aribus/Spot

Der Hafen Nador West Med an der Mittelmeerküste ist ein wichtiger Bestandteil der Infrastrukturoffensive Marokkos. Der Hafen verfügt mittlerweile über einen 4,5 Kilometer langen Hauptterminal, einen 1,2 Kilometer langen Nebenterminal und einen 1,5 Kilometer langen Kai mit einem Tiefgang von 18 Metern. Damit ist er einer der modernsten Häfen der Mittelmeerregion.

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Die Rubrik entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Start-up LiveEO
– dieses ist eine Beteiligung der DvH Ventures, einer Schwestergesellschaft der Holding DvH Medien, ihrerseits alleiniger Anteilseigner der Handelsblatt Media Group, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

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