Auf einmal im Rampenlicht: Wer ist der neue Audi-Chef Gernot Döllner?
Zum 1. September wird der aktuelle VW-Konzernstratege Gernot Döllner zum Audi-Chef.
Foto: WirtschaftsWocheNoch-Audi-Konzernchef Markus Duesmann soll selbst intern zuletzt als Phantom gegolten haben – so wenig trat er in Erscheinung. Mindestens außerhalb des Volkswagen-Konzern gilt das auch für seinen Nachfolger: Gernot Döllner ist dem Rampenlicht bislang weitgehend ferngeblieben. Nicht einmal Wikipedia kennt bisher seinen Namen. Das wird sich spätestens im September ändern. Dann übernimmt der 54-Jährige die Position des Audi-Chefs.
Im VW-Konzern hat sich Döllner schon vor Jahren einen Namen gemacht. Im März 2021 holte ihn der ehemalige VW-Chef Herbert Diess von Porsche nach Wolfsburg. Seither soll sein Schreibtisch in der obersten Etage der Konzernverwaltung stehen, nicht weit vom Chefbüro entfernt. Mit Döllner schickt VW-Chef Oliver Blume also einen engen Vertrauten nach Ingolstadt. Die beiden kennen sich bereits aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Porsche. Zuletzt hat Döllner direkt an Blume berichtet.
Döllner ist das, was man sich unter einem Konzerngewächs vorstellt. Nach seinem Studium in Maschinenbau, Konstruktions- und Fahrzeugtechnik in Braunschweig kam er 1993 als Doktorand zu Volkswagen. Nach der Promotion war er ab 1996 als Systemanalytiker im Konzern beschäftigt. 1998 wechselte er zu Porsche, wo er als Projektleiter Reengineering tätig war. Von 2001 bis 2010 war er Abteilungsleiter Fahrzeugkonzepte und Package bei Porsche. Parallel dazu übernahm er die Projektleitung für den Supersportwagen Porsche 918 Spyder.
Anschließend wurde Döllner Hauptabteilungsleiter Produktstrategie, bevor er von 2011 bis 2018 die Leitung der Baureihe Panamera innehatte. Vor seinem Wechsel nach Wolfsburg war er Leiter Produkt und Konzept bei Porsche. In seiner Funktion als Konzernstratege von Volkswagen kümmerte sich Döllner zuletzt um die langfristige Modell- und Produktionsstrategie zukünftiger Modellreihen.
Bei Audi herrscht Krisenstimmung
Das Branchenmagazin „Automobilwoche“ beschreibt Döllner als konzeptuellen Denker und als einen, der Entscheidungen treffen kann. Duesmann soll es daran zuletzt gemangelt haben. Bei Audi herrscht seit einiger Zeit Krisenstimmung: In China sind die Verkäufe so schwach, dass bald schon Werksschließungen ein Thema sein könnten. Die E-Autos des Konzerns – von VW wie von Audi – verkaufen sich in China schlecht. Und nicht nur dort: Im Werk Emden wird die Produktion des Elektro-SUV ID.4 gedrosselt, weil es in Europa an Nachfrage fehlt. Im Vergleich zur Konkurrenz verfügen die Ingolstädter zudem über eine alte Modellflotte, neue Fahrzeuge waren in den vergangenen beiden Jahren weitgehend Fehlanzeige.
Döllner soll Audi nun aus der Krise führen. Aufsichtsratschef Manfred Döss sagte, Döllner sei „jetzt die richtige Person, um die Produktstrategie und die Aufstellung in den wichtigen Märkten für Audi weiter zu schärfen“. Das Unternehmen will in den kommenden zwei Jahren mehr als 20 neue Autos auf den Markt bringen, etwa die Hälfte davon sollen reine Elektrofahrzeuge sein.
Auch wenn es Berichten zufolge in der Vergangenheit Reibereien zwischen Duesmann und Döllner gegeben haben soll: In Sachen Elektromobilität sind sich die beiden einig. Beide gelten als überzeugte Verfechter elektrischer Autos. Nicht nur aus Klimagründen geht der künftige Konzernchef davon aus, dass die Automobilität in Zukunft ohne Verbrenner auskommt. Auch bei Fahrbarkeit und Beschleunigung sei das E-Auto dem Verbrenner überlegen, sagte der Manager vor einiger Zeit zum „Handelsblatt“. Fest steht: Auf Döllner ruhen hohe Erwartungen. Als Audi-Chef sind die Scheinwerfer auf ihn gerichtet.
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