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Einstieg von BAIC Daimler wird noch chinesischer – und das ist gut

Wachsender Einfluss: Chinesischer Partner BAIC steigt bei Daimler ein Quelle: ddp images

Nach Geely steigt nun auch BAIC mit einer Beteiligung bei Daimler ein. Das Engagement der Chinesen ist nicht unkompliziert – und trotzdem besser als die Scheich-Beteiligung aus Kuwait.

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Mit dem staatlichen Autobauer BAIC hat Daimler einen neuen chinesischen Großaktionär. Es klingt nach Déjà-vu: Denn bereits im vergangenen Jahr hatte sich der chinesische Auto-Milliardär Li Shufu fast zehn Prozent der Daimler-Aktien gesichert, ein Paket mit einem Wert von damals über sieben Milliarden Euro. Damit lösten Li und sein Autokonzern Geely auf einen Schlag den Staatsfonds von Kuwait als bisher größten Anteilseigner in Stuttgart ab. Doch dort fiel man Li nicht sofort dankbar in die Arme dafür, dass er unter den großen deutschen Autoherstellern Daimler für die Zusammenarbeit ausgesucht hatte.

Lis Unternehmen Geely ist zwar nicht der schlimmste Partner, den man sich vorstellen konnte, im Gegenteil. Das Unternehmen hat bereits vor einigen Jahren Volvo übernommen und den Schweden kürzlich den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor verordnet. Li will gemeinsam mit Daimler die Angriffe der Internetfirmen im Automarkt abwehren, denn er weiß, dass er nur mit E-Mobilität im größten Automarkt China überlebensfähig ist.

Für Daimler war Lis Engagement aber vor allem deshalb kompliziert, weil man schon einen vertrauten Partner in China hatte: BAIC, eben jenen Konzern, der jetzt als zweiter chinesischer Großaktionär bei Daimler mit einer Beteiligung von etwa fünf Prozent eingestiegen ist.

Gemeinsam mit BAIC bauen die Stuttgarter seit langer Zeit ihre Autos für den chinesischen Markt. Wie alle ausländischen Autobauer musste auch Daimler bei seinem Markteintritt in der Volksrepublik heimische Joint-Venture Partner wählen und die Gewinne teilen.

Gelohnt hat sich dieser Deal allemal: Allein 2018 setzten die beiden Firmen mit ihrem Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz Automotive Company (BBAC) fast eine halbe Million Autos in China ab. Mit BAIC gewinnt Daimler nun also einen Aktionär, den die Stuttgarter kaum besser kennen könnten. Daimler selbst ist bereits seit 2013 mit 12 Prozent an den Chinesen beteiligt.

In dieser Hinsicht ist BAIC ein geeigneterer Partner als etwa der Ölstaat Kuwait. Die Scheich-Beteiligung hat sich immer wieder als Bremse erwiesen, wenn es um E-Autos ging. Die chinesische Aktionäre Geely und BAIC werden dagegen bei diesem Zukunftsthema aufs Tempo drücken. Schließlich ist China schon heute der größte Markt für E-Autos weltweit.

Vor allem die Regierung in Peking treibt die rasante Entwicklung, mit der die Karten im globalen Automarkt neu gemischt werden sollen, voran. Während es wegen Lotterien und Nummernschildversteigerungen kaum noch möglich ist, ein herkömmliches Auto in Peking oder Shanghai auf die Straße zu kriegen, sind die Wartezeiten für die Zulassung von E-Autos deutlich kürzer.

Auch gibt es Subventionen für Autos mit Elektroantrieb, die als Teil der Lösung im Kampf gegen die dreckige Luft in den Metropolen gesehen werden. Nach einigen Schätzungen könnten in diesem Jahr bereits mehr als zwei Millionen Autos mit E-Antrieb in China verkauft werden. 2020 sollen es drei Millionen werden.

Chinas große Autobauer haben schon seit Jahren E-Autos im Angebot. Große Innovationstreiber sind auch junge Firmen wie Nio oder Byton, die ausschließlich auf E-Autos setzen.

Statt sich noch ein aussichtsloses Duell mit deutschen Ingenieuren um die filigransten Motoren und Getriebe zu liefern, haben die chinesischen Hersteller eine Technologiestufe übersprungen und setzen massiv auf die Entwicklung von E-Autos. Auch beherrscht China den Markt für Batterien.

Daimler hat nun mit BAIC, Geely und auch das auf E-Autos spezialisierte BYD, mit dem die Stuttgarter ebenfalls seit Jahren kooperieren, gleich drei starke Partner in China. Ein breites Fundament also, um auf dem größten Automarkt der Welt erfolgreich zu bleiben.

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