Geely und Chery: Wie Chinas Autobauer Europa aufmischen wollen
10. BAIC
Die Beijing Automotive Industry Holding ist die Dachgesellschaft des fünftgrößten Fahrzeug- und Automobilproduzenten der Volksrepublik. BAIC unterhält mehrere Joint-Venture etwa mit Daimler und Hyundai. Am 1. Februar 2013 unterzeichneten BAIC und Daimler eine Vereinbarung, nach der sich die Schwaben mit 12 Prozent an BAIC Motor, der Pkw-Sparte des Konzerns, beteiligen wird.
Anzahl exportierter Fahrzeuge 2012: 50.869
Veränderung zu Vorjahr: +18%
Foto: AP9. Chang'an
Der Konzern existiert seit 1988 und baut jährlich über 300.000 Fahrzeuge in fünf über ganz China verteilten Werken. Seit 2001 unterhält Chang'an ein Joint-Venture mit Ford und produziert den Ford Mondeo und Focus für den chinesischen Markt. Auch der französischen Konzern PSA kooperiert mit Chang'an im Kleinwagensegment.
Anzahl exportierter Fahrzeuge 2012: 51.933
Veränderung zu Vorjahr: -35%
Foto: Presse8. GAC
Die GAC Gonow Auto Co gehört seit Frühjahr 2010 zur Guangzhou Auto Group und stellt vor allem Nutzfahrzeuge und SUV her. Die Autos laufen unter der Marke Gonow. Seit 2006 unterhält Gonow ein Joint Venture mit der italienischen DR Motor Company, gemeinsam produzieren sie zwei SUV-Modelle unter dem Namen Kata Gonow.
Anzahl exportierter Fahrzeuge 2012: 52.952
Veränderung zu Vorjahr: +71%
Foto: Creative Commons-Lizenz7. JAC
Die Anhui Jianghuai Automobile wurde 1964 gegründet und produziert aktuell mehr als 330.000 Pkw.
Anzahl exportierter Fahrzeuge 2012: 57.210
Veränderung zu Vorjahr: -15%
Foto: Creative Commons-Lizenz6. Dongfeng
Das Unternehmen mit dem schönen Namen "Ostwind" entstand 1969 als Second Automotive Works. Heute beschäftigt Dongfeng rund 130.000 Mitarbeiter und ist als Aktiengesellschaft an der Börse Hongkong gelistet. Dongfeng gilt als einer der größten, wenn nicht der größte Lkw-Bauer der Welt. Seit 2003 baut der Konzern auch Pkw.
Anzahl exportierter Fahrzeuge 2012: 84.783
Veränderung zu Vorjahr: +32%
Foto: Presse5. Lifan
Auf Deutsch bedeutet der Name dieses Autokonzern "kraftvolles Segeln". Lifan begann 1992 mit der Produktion von Motorrädern und zählt heute zu den größten Zwei-Rad-Produzenten des Landes. Stück für Stück dehnte Lifan die Produktion auf Pkw, Lkw, und und Nutzfahrzeuge aus. Exporte in die Europäische Union sind bisher nicht geplant.
Anzahl exportierter Fahrzeuge 2012: 87.014
Veränderung zu Vorjahr: +102%
Foto: Presse4. SAIC
Die Shanghai Automotive Industry Corporation gilt als größte chinesischen Gruppe von Herstellern von Autos, Fahrzeugteilen und Motorrädern. Volkswagen und General Motors kooperieren mit SAIC. Rund 60.000 Menschen arbeiten für den Konzern, der bereits über 2,3 Millionen Fahrzeuge absetzte.
Anzahl exportierter Fahrzeuge 2012: 95.653
Veränderung zu Vorjahr: +58%
Foto: REUTERS3. Great Wall
Der Name steht für die chinesische Mauer uns soll Langlebigkeit und Robustheit vermitteln. Great Wall wurde 1976 gegründet und beschäftigt über 20.000 Mitarbeiter. Im Februar 2012 eröffnete Great Wall als erster chinesischer Autobauer ein Montage-Werk in der EU. Die Hallen stehen im bulgarischen Lowetsch. Dort sollen bis zu 50.000 Fahrzeuge pro Jahr gebaut werden.
Anzahl exportierter Fahrzeuge 2012: 96.465
Veränderung zu Vorjahr: +17
Foto: dapd2. Geely
Der Konzern präsentierte sich 2005 erstmals auf der IAA in Frankfurt. Seit 2010 besitzen die Chinesen die schwedische Traditionsmarkte Volvo, die sie dem US-Unternehmen Ford abkauften. Geely will bis 2015 rund zwei Millionen Fahrzeuge produzieren.
Anzahl exportierter Fahrzeuge 2012: 100.779
Veränderung zu Vorjahr: +165%
Foto: dpa/dpaweb1. Chery
Chery Automobil produziert seit 1999 Autos. 2005 rollten bereits 200.000 Fahrzeuge vom Band. Gemeinsam mit dem israelischen Mischkonzern Israel Corporation baut Chery die Marke Qoros. Ihr trauen Experten den Durchbruch auf dem europäischen Markt zu.
Anzahl exportierter Fahrzeuge 2012: 184.757
Veränderung zu Vorjahr: +16%
Quelle der Daten: Hersteller, EAC International Consulting, COMAQ
Foto: AP
Die Designer gaben sich viel Mühe, mit einfachen Mitteln einen möglichst großen Effekt zu erzielen. Dem Kombi V70 schenkten sie neue Scheinwerfer und Heckleuchten, dazu neu geformte Stoßfänger. Auch der Kühlergrill bekam eine andere Form: Vier horizontal angeordnete Chromleisten und ein Volvo-Logo im XXL-Format sollen die Front künftig prägnanter erscheinen lassen. Hier und da wurden schnell noch ein paar Chromspangen angebracht - fertig war das Facelift für das Modelljahr 2014. Nach dem gleichen Prinzip wurden bei der Gelegenheit auch noch die Modelle der Baureihen 60 und 80 aufgehübscht. "Die Autos sehen nun viel besser und jünger aus", freute sich Håkan Samuelsson, Vorstandschef von Volvo Cars, bei der Präsentation der sechs neuen Autos. Die werden dieser Tage auf dem Genfer Automobilsalon als Weltneuheit präsentiert, im Mai startet die Produktion.
Was die Modell-Kosmetik kostete, will Volvo offiziell nicht sagen. Nach Insiderinformationen sollen es weniger als 200 Millionen Euro gewesen sein. Mehr war nicht drin. Denn sämtliche Investitionen muss das schwedische Traditionsunternehmen aus eigener Kraft stemmen. Der chinesische Eigner Geely, der Volvo vor drei Jahren für umgerechnet 1,3 Milliarden Euro von Ford erwarb, hat bis heute keinen Cent in seine neue Tochter investiert. Auch zu den ehrgeizigen Wachstumsplänen - bis Ende 2015 wollte Volvo Cars umgerechnet rund acht Milliarden Euro in neue Fabriken, Autos und Technologien stecken – hat Geely außer blumigen Worten von Chairman Li Shufu bislang wenig beigesteuert.
Rote Zahlen für Göteborg
Die Folge: Im dritten Jahr der "Unabhängigkeit" steckt der letzte schwedische Autohersteller in den roten Zahlen. In Göteborg ist deshalb nicht nur ein neues millionenschweres Sparprogramm angelaufen, auch das Investitionsprogramm soll gestutzt werden. Intern werden sogar Szenarien durchgespielt, was passieren würde, wenn die Geely Group aussteigt.
Ein Rückzug aus Schweden wäre ein weiterer schwerer Schlag für die chinesische Autoindustrie und ihre Ambitionen auf dem Weltmarkt. Zwei Versuche gab es in den letzten acht Jahren, in Europa Fuß zu fassen. Allesamt scheiterten sie: Ein Geländewagen des Ford-Partners Jiangling Motors bestand die hiesigen Crashtests ebenso wenig wie eine Limousine des BMW-Partners Brilliance. Der besserte aufwendig nach - kapitulierte dann aber vor den Kosten. "Die haben die Skaleneffekte nicht hinbekommen, die nötig sind, um mit einem Volumenhersteller wie VW bestehen zu können", erklärt ein deutscher Manager, der damals an dem Projekt beteiligt war. Konsequenz: 2009 musste der Importeur des Wagens Insolvenz anmelden.
Chinesische Autos haben in Deutschland einen lausigen Ruf. Kollabierende Karossen bei Crashtests von ADAC bis NCAP fuhren bislang alle Bemühungen chinesischer Autobauer, hierzulande Fuß zu fassen, im wahrsten Sinn des Wortes bereits im Ansatz vor die Wand.
Der "Landwind" ging 2005 erst gar nicht in den Verkauf, der "Brilliance" überlebte ab 2008 kaum ein ganzes Jahr. Was bislang sonst von chinesischen Auto-Bändern rollt, kann allenfalls als dreiste Design-Kopie von sich reden machen. Nun wird ab 2014/15 Qoros den nächsten Versuch starten, die Autos aus dem Reich der Mitte in unseren Breiten zu etablieren ...
Foto: PresseQoros
Der chinesische Autohersteller stellt den Qoros 3 in seiner Fließheck-Variante vor. Neu sind hier die geänderte C-Säule, das verlängerte Dach und die neugestaltete Heckpartie. Auch die Frontseite des Modells weist Neuerungen auf: Nebelscheinwerfer und eine geänderte Stoßstange. Bereits bekannt ist der 1,6-Liter-Vierzylinder wahlweise mit oder ohne Turboaufladung.
Foto: PresseChef ist der Chinese Guo Qian (re.). Als Vizechef agiert Volker Steinwascher (mi.), bis 2005 Vice Chairman von VW in America. Das Design in München und Shanghai leitet Gert Volker Hildebrand (li.), der schon das Design für den Mini verantwortete.
Damit ist der Anspruch der neuen Marke klar: Man will mit einem sehr eigenständigen Design eine anspruchsvolle Kundschaft erreichen, die großen Wert auf Sicherheit, Komfort und modernste Technik legt.
Foto: PresseMit Volker Steinwascher haben die Chinesen eine weise Personalentscheidung getroffen. Der Ex-Manager von VW muss als Unruheständler niemandem mehr etwas beweisen und kann mit sportlichem Elan das Projekt zum Erfolg führen. Seine Devise für die technische Ausrichtung der neuen Marke könnte unter der Überschrift stehen: "Keine Antworten auf Fragen suchen, die niemand gestellt hat." Also kein Overengineering betreiben, wie das deutsche Marken gerne zelebrieren.
Dass preiswerte, sichere, zeitlos gezeichnete und sauber gefertigte Autos immer noch ein gültiges Erfolgsmodell im Autobau sind, beweist zum Beispiel Skoda mit seiner beeindruckenden Entwicklung. Bei den Tschechen funktioniert die Autowelt ohne Schickimicki, Firlefanz und dem immer wieder beschworenen "Premium-Charakter".
Foto: PresseQoros aus China plant, alle sechs Monate ein neues Modell folgen zu lassen und arbeitet mit anerkannten Spezialisten wie Magna Steyr, Bosch, Continental und TRW zusammen. Um den neuen Limousinen, Kombis und SUV der Mittelklasse Formen zu verleihen, die auch in Europa gegen den starken Wettbewerb bestehen können, wurde Gert Hildebrand engagiert. Der 59-jährige Designer war nicht zuletzt für die Formsprache von Mini verantwortlich. Die neuen Modelle von Qoros sollen mit "German Sophisticated Design" überzeugen. Dafür arbeiten drei Teams in München, Graz und Shanghai mit insgesamt 75 Spezialisten bereits unter Hochdruck.
Foto: PresseDie Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht reichen weit in die Seite hinein, unterstreichen so ebenfalls die Breite, aber auch den langen Radstand und die kurzen Überhänge.
Foto: PresseDie Bedienung von Fahrzeug und Infotainment soll nach Apple- und Smartphone-Art über ein Acht-Zoll-Touchscreen gesteuert werden. Das System verbindet den ersten Qoros mit dem Internet. Es können zum Beispiel Servicetermine verabredet, im Falle eines Unfalls ein automatischer Notruf abgesetzt und eine Point-of-Interest-Suche ausgelöst werden. Die Verkehrsinformation erfolgt in Echtzeit. Dieses Paket soll bei allen weiteren Modellen als Standard eingesetzt werden.
Foto: PresseIn der Innenraumgestaltung folgt die Gestaltung nicht etwa dem extravaganten Mini-Stil, sondern eher dem sanft geschwungenen, eleganten Stil aus Ingolstadt. Es soll die Breite unterstreichen. In Sachen Innenraumgröße, Ergonomie und Qualität will Qoros sich mit den besten Massenprodukten in Europa messen.
Foto: PresseMit 1,84 Metern Breite zählt das erste Qoros-Modell zumindest zu den breitesten Modellen im C-Segment – auch das ein Hinweis auf eine Fahrzeugarchitektur, die mit viel Raum gefallen will.
Foto: PresseDer Vertrieb der Marke startet Ende 2013 in China. Für den Antritt in Deutschland nehmen die Verantwortlichen dann den Fuß ein wenig vom Gas. 2014 steht als frühester Termin auf der Agenda.
Wichtig ist, dass die Qualität stimmt und das Konzept junge preisbewusste Kunden anspricht. Zur Serienausstattung aller Autos soll ein 8-Zoll-Touchscreen gehören, der sich wie ein i-Pod von Apple bedienen lässt. Bei der Preisstruktur will Qoros die so erfolgreiche VW-Tochter Skoda noch unterbieten. Die Geschichte von "Landwind" oder "Brilliance" soll sich unter keinen Umständen wiederholen.
Foto: PresseDas Dach folgt der Linie von Coupés und endet in einem Stummelheck. Die Leichtmetall-Räder bis zu 19 Zoll mit ihrem Acht-Speichen-Design sollen zu einem weiteren Erkennungszeichen der Marke werden.
Foto: PresseQoros will sein Modellangebot rasch ausbauen. 2014 sollen eine größere Schräghecklimousine, später auch ein SUV und ein Elektroauto folgen.
Foto: PresseOb sich Qoros als Erfolgsmodell oder Eintagsfliege auf dem europäischen und deutschen Markt erweist, entscheiden die Kunden innerhalb einer kurzen Zeitspanne. Auch ein Flopp wird die Offensive chinesischer Autobauer aber letztlich nicht wirklich bremsen. Sie werden früher oder später kommen, die Auto-Kracher aus dem Reich der Mitte. Das ist nicht zuletzt Staatsdoktrin. Denn nach mehr als einem Jahrzehnt voller Import-Orgien ausländischer Autos mahnt nicht zuletzt die Außenhandelsbilanz, das Blatt mit Auto-Exporten zu wenden.
Foto: Presse
Auch die Strategie, westliches Wissen durch Gemeinschaftsunternehmen in China zu erlangen, ist gescheitert. Zwar produzieren alle großen Autobauer Millionen von Fahrzeugen in solchen Joint Ventures. Doch der Know-how-Transfer blieb weitgehend aus: "Westliche Autobauer haben dagegen Abwehrmechanismen entwickelt", sagt Jochen Siebert von der Beratung JSC Automotive in Shanghai. Zudem geben chinesische Autobauer nur rund zwei Prozent ihres Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus - die Hälfte des internationalen Durchschnitts. Talentierte Ingenieure und Manager heuern deswegen lieber bei westlichen Firmen an.
Schwellenländer im Visier
Trotz allem ist der Wille Chinas aber ungebrochen, auf den großen Absatzmärkten vorn mitzuspielen. Mit einer jährlichen Produktion von mehr als 19 Millionen Autos ist China heute schon der weltgrößte Hersteller. Eine Million Fahrzeuge davon wird exportiert. Bis 2015 sollen es nach dem Willen der kommunistischen Partei 13 Millionen sein.
Einen solch kometenhaften Aufstieg hält Daniel Berger, China-Chef der auf Schwellenländer spezialisierten Münchner Beratung EAC, zwar für "unrealistisch". Doch am "aggressiven Vorpreschen der chinesischen Exporteure" zweifelt er nicht. Die chinesischen Autobauer hätten Schwierigkeiten, sich daheim gegen die Ausländer durchzusetzen, und gingen daher vor allem in Schwellenländer. So hätten Chinesen in Brasilien in nur zwei Jahren mehr als zwei Prozent Marktanteil erobert. In Chile komme China auf 16 Prozent Marktanteil, so Berger, in Ägypten kontrolliere allein Chery sieben Prozent des Marktes.
Zäh geht es dagegen in Europa voran. Chinesische Autoexporte nach Europa sind verschwindend gering, erst recht die Produktion vor Ort. Der chinesische Konzern SAIC verkauft von einem in Großbritannien montierten Modell jährlich keine 300 Stück statt der angepeilten 3.000. Etwas besser läuft es für Great Wall, der vor genau einem Jahr eine Fabrik im bulgarischen Lowetsch eröffnete. 2013 sollen von dort 50.000 Autos nach Osteuropa, später auch nach Schweden und Deutschland gehen.
Platz 10: Hyundai Verna
Vor zwei Jahren in China vorgestellt, ist der Hyundai Verna mittlerweile das zehnbeliebteste Auto der Chinesen. Von Januar bis November 2012 erhielt das Modell 187.105 Neuzulassungen. Der Verna gehört zur vierten Generation des Hyundai Accent – er unterscheidet sich von fast baugleichem Fahrzeug außer im Namen auch in der dezenteren Gestaltung der Front.
Vergangenes Jahr war der Verna laut dem China Internet Information Center noch gar nicht unter den zehn am meisten neu zugelassenen Autos vertreten.
Foto: REUTERSPlatz 9: Hyundai Elantra
Der Hyundai Elantra, besser gesagt seine chinesische Version, der Elantra-Yuedong ist dieses Jahr noch erfolgreicher als 2011: 200.781Neuzualssungen verzeichnete Hyundai in China mit seinem Modell in den ersten elf Monaten. Vergangenes Jahr waren es noch 191.000. Vor eine höhere Platzierung reicht es laut China Internet Information Center trotzdem nicht. Wie im Vorjahr erreicht der Elantra Platz 9.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 8: VW Bora
208.333 Neuzulassungen verzeichnete der VW Bora in den ersten elf Monaten 2012. Damit landet die elegantere Jetta-Variante auf Platz 8. Damit fällt der Bora im Ranking zurück. Vergangenes Jahr landete er mit weniger Neuzulassungen (207.000) noch auf Platz 5.
Foto: Volkswagen AGPlatz 7: Chevrolet Cruze
Seit März 2009 wird der Chevrolet Cruze in China gebaut. Dieses Jahr wurde er bis November bereits 216.573 neu zugelassen. Trotz unerheblich weniger Verkäufe muss der Cruze seit vergangenem Jahr einen Absturz verzeichnen. Laut China Internet Information Center belegte das Chevrolet-Modell 2011 mit 221.200 Verkäufen noch Platz 3.
Foto: dapdPlatz 6: VW Jetta
In Deutschland erreichte der Jetta nie die erwarteten Verkaufszahlen. Bestes Absatzjahr war 1979 mit 90.000 Verkäufen. Anders in China: Hier wurden allein in den ersten elf Monaten 2012 rund 218.472 Modelle neu zugelassen - und erreicht damit Platz 7. Diesen Erfolg erreicht VW in China, obwohl der Konzern dort immer noch die zweite Jetta-Generation herstellt. Diese wurde in Deutschland erstmals 1984 vorgestellt, mittlerweile gibt es hier zu Lande schon die sechste Generation. Vergangenes Jahr landete der Jetta in China mit 217.900 noch auf Platz 4.
Foto: APPlatz 5: VW Passat
224.678 Neuzulasungen verzeichnete der VW Passat von Januar bis November 2012 in China. Damit belegt das Modell Platz 5 - und zieht dieses Jahr neu in die Top 10 ein.
Foto: dpa/dpawebPlatz 4: VW Lavida
Ein echter Chinese: Der VW Lavida wurde komplett in China entwickelt und ist dem dortigen Markt vorbehalten. Partner war dabei der VW-Joint-Venture-Partner Shanghai Automotive. 226.651 Mal wurde der chinesische Volkswagen in den ersten elf Monaten 2012 neu zugelassen. Damit erreicht der Lavida Rang 4, vergangenes Jahr war es laut China Internet Information Center noch der zweite Platz mit 247.500 Modellen.
Foto: Volkswagen AGPlatz 3: Chevrolet Sail
Auch der Chevrolet Sail wurde in China entwickelt und wie beim VW Lavida war auch hier Shanghai Automotive beteiligt. Der Sail gilt als Kampfansage an chinesische Automarken: Er orientiert sich zwar am Design aktueller Chevrolet-Modelle, wird aber zu einem Preis von unter 7.500 Euro angeboten. In dieser Preislage waren bisher nur chinesische Marken aktiv. Das Konzept kommt an, die Chinesen greifen zu. In den ersten elf Monaten diesen Jahres wurden im Reich der Mitte 258.626 Neuwagen zugelassen. Während das Modell damit dieses Jahr auf Platz 3 landet, war es letztes Jahr noch Platz 7 (197.900 Neuzulassungen).
Foto: dapdPlatz 2: Ford Focus
Ein Kölner Designstück hat die Chinesen dieses Jahr besonders oft zum Kauf verführt. Platz 2 belegt der in Köln designte Ford Focus mit 259.492 Neuzulassungen. Das ist ein deutlicher Sprung zu 2011: Damals reichte es mit 189.000 Neuzulassungen nur für Platz 10.
Foto: dapdPlatz 1: Buick Excelle
Er bleibt die unangefochtene Nummer eins bei Neuzulassungen: 261.240 Stück von Januar bis November 2012 katapultierten den Buick Excelle von GM auf den ersten Platz. Diesen belegte er laut China Internet Information Center schon 2011 – damals allerdings noch mit weniger Neuzulassungen (253.500).
Foto: AP
Angesichts der Startschwierigkeiten schienen Beteiligungen chinesischer Hersteller an etablierten Marken lange als logischer Schritt, um an Know-how zu gelangen und sich Zutritt zu den lukrativen Märkten Europas und Nordamerikas zu verschaffen. Und so schlug der an der Hongkonger Börse gelistete frühere Kühlschrankhersteller Geely 2010 zu, als Ford in Finanznot nach Jaguar, Land Rover und Aston Martin auch Volvo auf den Markt warf.
Auch wenn Volvo-Chef Samuelsson heute noch sicher ist, dass "uns viele in der Autoindustrie um unseren starken Partner beneiden": Die schwedisch-chinesische Allianz hat schwere Belastungsproben hinter sich. Die Chinesen versuchten, so berichten Insider, einen Teil des Kaufpreises sowie die beim Kauf angefallenen Anwaltskosten durch einen Griff in die Volvo-Kasse zu refinanzieren - was Juristen des Unternehmens zu verhindern wussten.
Zudem macht Geely bis heute keine Anstalten, der schwedischen Tochter mit Finanzspritzen auf die Beine zu helfen. Die hätte Volvo dringend nötig. Der Autobauer hat zwar ein gutes Image, war aber schon für Ford kein Gewinnbringer. 2011, im ersten Jahr nach dem Verkauf, erwirtschaftete Volvo mit rund 450.000 Autos lediglich einen kleinen Gewinn von 193,4 Millionen Euro (EBIT). 2012 endete mit einer schwarzen Null.
Deutsche Linien - Ex-BMW-Designer Hildebrand verpasste der neuen chinesischen Marke Qoros deutsches Bauhaus-Design.
Foto: Presse
Finanzhilfe mag Geely aber nicht leisten. "Richtige Direktinvestments gibt es nicht", erzählt ein hochrangiger Volvo-Manager. Auch für den Neubau von drei Fabriken - einem Volvo-Werk mit einer Kapazität für 125.000 Fahrzeug im zentralchinesischen Chengdu, einem Komponentenwerk nahe Peking sowie einer Joint-Venture-Fabrik zur Produktion eines umgelabelten Volvo-Crossovers in Daqing im äußersten Osten Chinas - habe Geely keine Eigenmittel aufgewendet. Das Geld kommt aus Subventionen, einer Beteiligung der Städte Daqing und Shanghai sowie Darlehen der staatlichen Chinese Development Bank, für die Geely angeblich Volvo verpfändet hat.
Zudem offenbarten sich im operativen Miteinander große Kulturunterschiede. Chairman Li zeigte anfangs zwar großes Interesse und installierte mit dem ehemaligen Chef von VW of America, Stefan Jacoby, einen international erfahrenen Mann an der Spitze. Der krempelte in Göteborg den Vorstand um und brachte frischen Wind in Einkauf, Produktion und Vertrieb.
Doch ein direkter Austausch zwischen Management und Eigner fand bald kaum noch statt. Auch weil Li kein Englisch spricht, zog er sich aus den Diskussionen über operative Fragen zurück und ließ seine Interessen im Aufsichtsrat durch Ex-Volvo-Chef Hans-Olov Olsson vertreten.
So ist es auch kein Wunder, dass die Volkswagen-Konzern bzw. Audi-Tochter Lamborghini ausgerechnet Peking wählt, um erstmals ein Concept Cars ihres neuen Luxus-SUV vorzustellen, das Urus heißt, benannt nach einer spanischen. Kampfstierrasse ...
Foto: dpaLamborghini-Chef Stefan Winkelmann mit dem Urus Concept SUV. Bis zu 3.000 Fahrzeuge jährlich könnten produziert werden, heißt es. Unter der Motorhaube kommt ein Zwölfzylinder zum Einsatz, der den Viertürer mit der coupeartigen Dachlinie mit 600 Pferdestärken antreibt. Ob es bis zur Serienfertigung bei den kleinsten Außenspiegeln der Welt bleibt, darf allerdings bezweifelt werden ...
Foto: dpaMedienansturm auf den Lambirghini Urus am ersten Pressetag der Messe Auto China.
Foto: dpaLamborghini Urus Concept SUV: Die Automesse in Peking begann mit einer Rekordausstellungsfläche, 990 Autos sind 220.000 Quadratmetern zu sehen, von den Herstellern wurden 120 Modell-Weltpremieren angekündigt. China gilt als äußerst wichtiger Wachstumsmarkt für die Autohersteller der Welt. Allerdings haben sich die Zuwachsraten beim Absatz deutlich verlangsamt, seit die Regierung Förderprogamme für den Autokauf zusammenstrich.
Zudem haben einige Metropolen strenge Fahrauflagen erlassen, um der Umweltverschmutzung und den ständig wachsenden Staus auf den Straßen Herr zu werden. Die „Auto China“ findet abwechselnd in Peking und Shanghai statt. 2010 waren in der Hauptstadt 785.000 Menschen zu der Messe gekommen.
Foto: dpaKurz vor dem Publikumsansturm: Letzte Aufräumarbeiten auf dem Volkswagen-Stand. Noch immer sind mehr als drei Viertel der chinesischen Autokunden Erstkäufer. Rund 100 Millionen Pkw waren zuletzt in dem Riesenreich mit rund 1,4 Milliarden Menschen registriert. Zum Vergleich: In Deutschland kommen auf fast 82 Millionen Bürger knapp 43 Millionen Autos. So niedrig wie heute in China war die Pkw-Dichte in der Bundesrepublik in den 1950er Jahren.
Die damalige Situation in Deutschland ähnelt in manchen Punkten der heutigen in China: Der Wohlstand wächst quer durch die Bevölkerung rasant. Und der Hunger nach Mobilität sowie nach technisch hochwertigen und optisch ansprechenden Besitztümern ist schier unersättlich.
Foto: dpaWenn es um Luxus-SUV und China geht, darf Maserati natürlich nicht fehlen. Die Nobeltochter des italienischen Fiat-Konzerns hatte mit der Ankündigung des Kubang zunächst überrascht, weil sie bislang ausschließlich flache Sportwagen baut. Aber seit dem Riesenerfolg des Porsche Cayenne suchen eben alle nach ähnlichen Modellen, um sportliches Markenimage auf neue Produkte zu übertragen.
Der Neue wurde vom Maserati Style Center entworfen und ist auf den ersten Blick als ein Werk der Italiener zu erkennen. Das liegt vor allem an dem typischen Kühlergrill mit den Längslamellen und dem großen Dreizack in der Mitte. Die restliche Karosserie ist eine Mischung aus SUV und Coupé mit mächtiger Front und vehement nach hinten abfallender Dachlinie ...
Viele Details verrät der italienische Hersteller mit dem Dreizack im Logo jedoch noch nicht über seinen neuen Viertürer. Lediglich, dass die Gänge über eine Achtstufenautomatik gewechselt werden, die exklusiv für den Kubang in Modena entwickelt wurde. Aus Sicht von Traditionalisten wird der Kubang nicht Maseratis einziger Stilbruch beiben: Auch Dieselmotoren wurden bereits angekündigt ...
Foto: dpa18,5 Millionen Autos wurden im Jahr 2011 verkauft, und obwohl das Marktwachstum sich zuletzt leicht abschwächte, wird im Jahr 2020 mit 30 Millionen Fahrzeugverkäufen gerechnet. Die fetten jahre mit teils 20prozentigen Wachstumszuwächsen sind allerdings vorbei, da sind sich die Branche und Analysten einig. Foto: Ein Modell aus Hyundais chinesischem Joint-Venture.
Foto: dpaLand Rover und Victoria Beckham stellen in Peking eine luxuriöse, von Hand gefertigte Special Edition des Range Rover Evoque vor. Das exklusive Modell ist ein Gemeinschaftsprojekt des Designteams der Marke unter der Leitung von Gerry McGovern und Victoria Beckham, Preisträgerin des renommierten „Designer Brand of the Year Award“ bei den British Fashion Awards 2011. Der Range Rover Evoque Special Edition mit 240 PS starkem 2,0-Liter-Benzinmotor und Allradantrieb wird nur 200 mal gebaut.
Bestimmend für die äußere Erscheinung ist die mattgraue Grundfarbe mit mit schwarz glänzenden Dach- und Seitenpartien, Motorhaubenluftschlitzen, Radläufen und Rädern, - das ganze soll an die Optik eines Tarnkappen-Jets erinnern.
Ein extravagantes vierteiliges Leder-Gepäckset wird gleich mitgeliefert, ebenso die handgenähte Ledermappe für die Bedienungsanleitung, die von der Fußballergattin signiert wurde.
Mercedes-Benz zeigt in Peking die überarbeitete G-Klasse. Äußerlich ist der überarbeitete Modelljahrgang an den neuen LED-Tagfahrleuchten und Außenspiegeln zu erkennen. Die Palette der Sicherheitsfeatures ergänzen auf Wunsch Totwinkel-Assistent, Einparkhilfe und Abstandsregel-Tempomat.
Foto: WirtschaftsWocheInstrumententafel und Mittelkonsole wurden für die neue Modellgeneration komplett neu gestaltet. Zwischen den beiden neuen Rundinstrumenten rückt ein Farbbildschirm in das Blickfeld des Fahrers. Serienmäßig mit an Bord ist das moderne Infotainmentsystem Comand Online mit Navigation und Internetzugang.
Foto: WirtschaftsWocheMit tief hängender Schnauze, Alu-Felgen im Speichen-Design, Flügeltüren und roter Innenausstattung präsentiert sich dieses Modell des koreanisch-chinesischen Hyundai-Joint-Ventures.
Foto: dpaAuch die Chinesen bauen Luxus-Autos, und zwar unter anderem unter der Marke Red Flag. Deren jüngstes Ausstellungsstück mit Standartenträgern an den vorderen Kotflügeln erinnert mit dem Design von Scheinwerfern und Kühlergrill eher an Staatslimousinen der 60er Jahre amerikanischer Abstammung ...
Foto: dpaEs wird wieder Zeit, die Chrompolitur aus dem Keller zu holen. Die Red Flag-Limousine basiert auf einem Modell, das auch schon den späten Mao Tsetung chauffierte.
Foto: dpaAudi präsentiert derweil als Konzeptfahrzeug seinen ersten Plug-in-Hybrid in der Oberklasse. Die Technikstudie Audi A6 L E-Tron Concept hat eine rein elektrische Reichweite von bis 80 Kilometern und ist gezielt auf die chinesischen Bedürfnisse ausgelegt.
Der 5,02 Meter lange A6 L E-Tron Concept kombiniert einen 2.0 TFSI mit 211 PS und einen E-Motor mit 95 PS Spitzenleistung. Die flüssigkeitsgekühlte Lithiumionen-Batterie ist im kollisionsgeschützten hinteren Bereich des Fahrzeugs platziert. Im elektrischen Modus legt der Wagen bei konstant 60 km/h bis zu 80 Kilometer rein elektrisch zurück. Mit dem Fokus auf die Reichweite wählt das Hybrid-Steuergerät die jeweils am besten geeignete Betriebsart.
Der Technikträger hat sämtliche Oberklasse-Features und Assistenz- bzw. Sicherheitssysteme der Baureihe an Bord. Die Sitze bringen Belüftungs- und Massagefunktionen mit, das Surround System von Bose sorgt für den guten Ton und die Komfortklimaautomatik samt Ionisator für angenehmes Klima. Die Ambiente-Beleuchtung setzt dem Interieur kleine Glanzlichter auf.
Für China wichtig: Das MMI Touchpad erkennt nun 29.000 chinesische Schriftzeichen.
Honda, der größte Motorenbauer der Welt, zeigt neueste Technologie am offenen und sehr kantig geschnittenen Elektro-Sportwagen EV-STER.
Foto: dpaKeine Frage, die Chinesen wollen weg vom Image der Billighersteller und Kopierer. Build Your Dreams, kurz BYD, einer der größten und auch in Europa bekanntesten chinesischen Autobauer präsentierte unter anderem ein elektrisch angetriebenes Taxi.
Foto: dpaKeine Geheimnisse mehr: Ford zeigt den Besuchern der Automesse wirklich alles.
Foto: dpaAuch Geely zählt zu den in Europa bekannteren chinesischen Herstellern, der in der Vergangenheit aber auch immer wieder durch unverhohlene Designanleihen bei gelungenen Modellen auffiel. Diesmal ist aber sozusagen alles in trockenen Tüchern, denn der Yinglun SC7-R5 darf die Betrachter an das traditionelle Londoner Taxi erinnern. Er entsteht in China ganz offiziell in Lizenz.
Foto: dpaYinglun SC7-R5 von Geely
Foto: dpaViele chinesische Autokäufer stehen auf Größe und Status: Der mächtige Grill und die Kühlerfigur der GE Limousine von Geely dürften bei ihnen gut ankommen. Dass modernes Fahrzeugdesign nach europäischem Geschmack anders aussieht, ist auch klar.
Foto: dpaHier sperren nicht nur chinesische Sportwagenfans Mund und Nase auf, und zücken die Kamera: Der Koenigsegg Agera beeindruckt nicht nur durch Geschwindigkeit, sondern auch durch schöne Form.
Foto: dpaDie alten Reize sind die neuen Reize: Hier promotet ein Model gerade den neuen Jeep Wrangler in der schwarz-goldenen Jahr des Drachen-Edition.
Foto: dpaDer Beetle soll zum alternativ angetriebenen Speedster werden: Am Volkswagen E-Bugster Speedster Concept Car gefallen spontan die kleinen Hutzen auf dem Heck ...
Foto: dpaVolkswagen E-Bugster Speedster Concept Car
Foto: dpa„Das Auto ist das Statussymbol Nummer 1“, sagt Branchenexperte Axel Krieger, der für die Unternehmensberatung McKinsey in Peking arbeitet. „Der chinesische Kunde legt stärkeren Wert auf Prestige. Er hat ein starkes, teils kindliches Bedürfnis, Wohlstand zu zeigen.“
Foto: Bugatti Veyron
Foto: dpaVolvo zeigt in Peking Flagge mit dem kompakten C30 in der Elektroversion, der allerdings nicht mehr so ganz neu ist. Fehlende Infrastruktur zum Laden der Akkus ist eines der Hauptprobleme aller Elektroautos, dass dürfte im Riesenreich der Mitte kaum anders sein als in Europa.
Foto: dpa
Dennoch lief es zunächst gut an. Eine neue Plattformstrategie und ein Programm zur Entwicklung einer neuen Vierzylinder-Motorenfamilie nahmen schnell Formen an. Auch die Arbeiten am Nachfolger des über zehn Jahre alten Volvo-SUV namens XC90 machten gute Fortschritte - 2014 kommt der Geländewagen auf den Markt. Der neue Kompaktwagen V40 legte im September 2012 einen tollen Start hin. Und mit dem Hybridauto XC60 Plug-in konnte Volvo sein Saubermann-Image stärken und gute Geschäfte machen: Die ersten 1.000 Exemplare des Ökomobils waren trotz eines saftigen Aufpreises von rund 10.000 Euro im Handumdrehen verkauft.
Doch die geplante China-Offensive ist bis heute ohne Wirkung. Vergangene Woche wurde deshalb die Führung von Volvo Cars China neu aufgestellt. Und die Euro-Krise ließ den Absatz in der Kernregion einbrechen und die Produktion in Schweden wegen der starken Krone unwirtschaftlich werden. Die Folge waren Kurzarbeit, Entlassungen und die Trennung von Jacoby. "Die letzten zwei Jahre waren schwer", sagt Samuelsson als sein Nachfolger, "und die nächsten zwei Jahre werden es auch."
Das Werk im belgischen Gent ist wegen des Erfolgs des V40 derzeit im Dreischichtbetrieb zu 85 Prozent ausgelastet. Aber in den beiden schwedischen Montagewerken wird laut Produktionschef Lars Wrebo nur in zwei Schichten gearbeitet. Das Werk Udevalla wird deshalb im Juli geschlossen.
Der Sparkurs geht weiter: Samuelsson rechnet damit, dass es 2013 erneut bergab geht. In diesem Frühjahr sollen nochmals rund 1.000 Mitarbeiter gehen. Durch gesparte 200 Millionen Euro verschafft sich Volvo Luft, mehr aber auch nicht. Gewerkschafter im Betrieb laufen Sturm: "Es wird Zeit, dass sich unser neuer Eigner der Verantwortung stellt und Geld einschießt."
Immerhin wollen Volvo und Geely die nächste Generation des V40 und andere Fahrzeuge ähnlicher Größe gemeinsam entwickeln. Volvo hatte über ein Jahr lang versucht, andere europäische Fahrzeughersteller für eine Kooperation auf Augenhöhe zu gewinnen. Die zeigten den Schweden die kalte Schulter. Sie trieb die Sorge, dass Volvo Betriebsgeheimnisse nach China verraten könnte, berichtet ein Insider.
Volvo-Manager fürchten, dass Geely den V40-Nachfolger zwar in Schweden entwickeln, aber von 2018 an in China produzieren will. Die Erklärung von Geely-Eigner Li, wonach das Teilen von Wissen und Technik die Markenintegrität gefährden dürfe, beruhigte sie ebenso wenig wie die Berufung eines Schweden an die Spitze des neuen Entwicklungszentrums.
Einige machen sich bereits Gedanken, wie es weitergehen könnte, wenn Geely die Lust verlieren sollte. Am Stammsitz machen Gerüchte von einer "schwedischen Lösung" die Runde: Ein Konsortium aus Göteborg, wird spekuliert, könnte Geely Volvo abkaufen und an die Börse bringen.
Ein Scheitern der chinesisch-schwedischen Ehe würde aber noch keinen Rückzug Chinas aus Europa bedeuten. Denn die Chinesen haben einen weiteren Pfeil im Köcher: einen Angriff im Hyundai-Stil. Seit der südkoreanische Hyundai-Kia-Konzern auf das Know-how europäischer Top-Manager und Designer setzt, erobert er Europa im Eilschritt. Der chinesische Anbieter Chery nimmt sich daran ein Beispiel.
Europäisches Top-Management
Ein Gemeinschaftsunternehmen von Chery und dem Industriekonzern Israel aus Tel Aviv ließ beim österreichischen Autozulieferer Magna Automodelle entwickeln, die mit europäischen Massenmarken auf Augenhöhe sein sollen. Name der neuen Automarke: Qoros. Kapitalausstattung: 2,5 Milliarden Euro. Zulieferer: Branchengrößen wie Bosch, ZF oder Continental. Operativer Chef ist der ehemalige VW-Chef USA, Volker Steinwascher. Der Chefdesigner heißt Volker Hildebrand, Vater des BMW-Mini-Designs. Fahrzeugentwicklung, Qualitätsmanagement, Marketing – alles ist in den Händen erfahrener westlicher Automanager.
Unter der Regie eines Ex-BMW-Managers hat Qoros in der Sonderwirtschaftszone Changshu in nur einem Jahr eine Fabrik von westlichen Anlagenbauern hochziehen lassen. 150.000 Autos sollen im ersten Jahr vom Band laufen, die Kapazität reicht für 450.000. "Deutsche Autobauer beobachten genau, was Qoros macht", sagt ein chinesischer Manager eines großen Zulieferers: Die Qoros-Modelle sollen bei ähnlicher Qualität und Ausstattung bis zu 20 Prozent billiger sein als Autos made in Germany. Auf dem Auto-Salon in Genf werden die ersten Modelle gezeigt. Das deutsche Management könnte viele Käufer dazu bewegen, sich ein Auto made in China zuzulegen. Das zeigt eine Umfrage des Marktforschers Comaq unter deutschen Verbrauchern.
Im Heimatmarkt kann Qoros dagegen auf chinesischen Patriotismus vertrauen. Viele Chinesen warten ungeduldig darauf, dass ein einheimisches Auto mit deutschem Qualitätsniveau auf den Markt kommt. 41 Prozent der chinesischen BMW-, Mercedes- und VW-Käufer würden, so eine aktuelle Studie der Beratung McKinsey, für ein heimisches Premiumvehikel bis zu 50.000 Euro hinblättern.