Importzölle Trump will Daimler vom US-Markt aussperren

Exklusiv
Mercedes GLE Quelle: dpa

Dass deutsche Autos US-Präsident Donald Trump ein Dorn im Auge sind, ist schon länger bekannt. Bei dem Treffen mit Frankreichs Präsident Macron soll es zu einer weiteren verbalen Spitze gegen Daimler gekommen sein.

US-Präsident Donald Trump hat gegenüber dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron angekündigt, deutsche Premium-Automobilhersteller aus dem US-Markt auszusperren. Bei Macrons Besuch in Washington im April sagte Trump, er werde seine Handelspolitik beibehalten, bis keine Mercedes-Modelle mehr auf der Fifth Avenue in New York rollten. Dies berichtet die WirtschaftsWoche unter Berufung auf mehrere Diplomaten aus Europa und den USA.

Trump hatte vergangene Woche seine Verwaltung angewiesen zu prüfen, ob Importe von Pkw die Sicherheit der USA gefährdeten – analog zur Prüfung von Stahlimporten. Es droht ein Einfuhrzoll von 25 Prozent auf europäische Autos. Die Bundesregierung sucht innerhalb Europas nach Verbündeten für eine Abwehrstrategie, was aber schwierig wird. Deutschland exportiert von allen EU-Staaten mit Abstand am meisten Pkw in die USA.

Trumps Groll gegen die deutschen Autobauer – und speziell gegen Mercedes-Modelle in New York – ist nicht neu. Im Januar 2017, also noch vor seiner Amtseinführung, hatte er in einem Interview gesagt: „Wenn man durch die Fifth Avenue geht, hat jeder einen Mercedes-Benz vor seinem Haus stehen.“ Das beruhe aber nicht auf Gegenseitigkeit. „Wie viele Chevrolets sehen Sie in Deutschland? Nicht allzu viele, vielleicht gar keine, man sieht dort drüben gar nichts, es ist eine Einbahnstraße“, so der Immobilienmilliardär. Er sei zwar für Freihandel, aber nicht um jeden Preis: „Ich liebe den Freihandel, aber es muss ein kluger Handel sein, damit ich ihn fair nenne.“

Dass amerikanische Autos in Deutschland meist Ladenhüter sind, hat aus der Sicht des US-Präsidenten einen einfachen Grund: Ein Auto aus amerikanischer Produktion wird bei der Einfuhr in der EU mit zehn Prozent verzollt, während ein Auto aus EU-Produktion bei der Einfuhr in die USA nur mit drei Prozent Zoll belegt wird. Was Trump aber vergisst: Die Zölle gelten unabhängig vom Hersteller. Beliebte SUV-Modelle wie der BMW X5 oder Mercedes GLE werden in den USA gebaut, entsprechend wird auch bei ihnen der Einfuhrzoll fällig – dennoch gehören diese Modelle in Deutschland nicht zu den Ladenhütern.

Ein Einfuhrzoll von 25 Prozent hätte auch volkswirtschaftliche Auswirkungen – das Ifo-Insitut kommt in eigenen Berechnungen alleine bei den deutschen Autobauern auf Kosten von etwa fünf Milliarden Euro. Das würde da deutsche BIP um 0,16 Prozent drücken. „Kein Land hätte höhere absolute Verluste durch einen solchen Zoll zu befürchten als Deutschland“, sagt Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo-Zentrums für Außenhandel.

Dem US-Präsident ist das egal. Die deutschen Autobauer fertigen laut Daten des Marktforschers Autodata nur 30 Prozent ihrer in den USA verkauften Autos auch vor Ort, der Rest sind Importe aus aller Welt. Die Unternehmen würden Strafzölle also hart treffen. Da die erwähnten 30 Prozent jedoch weiterhin in den USA gebaut werden – bei Daimler neben dem GLE auch der GLS und die C-Klasse – werden auch weiterhin Mercedes-Modelle über die Fifth Avenue rollen.

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