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Schaeffler „Man muss ehrlich sein: Wir hätten früher daran denken können“

Quelle: imago images

Dem Zulieferer Schaeffler macht der Wandel in der Autoindustrie schwer zu schaffen. Jetzt räumt Vorstandschef Klaus Rosenfeld ein, dass das Management zu spät auf das E-Auto umsteuerte. Dennoch sieht er den Zulieferer gut gewappnet für die Zukunft.

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Klaus Rosenfeld, Chef des Auto- und Industriezulieferers Schaeffler, räumt ein, dass das Unternehmen zu spät auf Elektromobilität gesetzt habe. „Man muss ehrlich sein“, sagte Rosenfeld im WirtschaftsWoche-Podcast Chefgespräch, „wir hätten früher daran denken können.“ Andere Firmen seien entschlossener an die neue Technik gegangen. Ein Grund für den späten Einstieg seien andere Baustellen im Unternehmen gewesen „2014 bis 2016 hatten wir mit sehr vielen anderen Sachen zu tun.“ 

Schaeffler macht derzeit noch den größten Teil seines Umsatzes in der Autosparte mit Verbrenner-Technik. Mit neuen Strategien will das Unternehmen nun auf den Wandel der Branche in Richtung Elektroauto reagieren. So soll etwa das Geschäft mit Motor- und Getriebesystemen gebündelt werden, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. In diesem Geschäft sei langfristig mit einem Nachfragerückgang zu rechnen, wenn Verbrenner von Elektroautos abgelöst würden. 

Das Geschäft mit Lagern werde neu zusammengefasst. Dazu kommen zwei weitere Bereiche, die sich auf das Geschäft mit Elektroautos konzentrieren sollen. Ab 2022 strebt Schaeffler einen jährlichen Auftragseingang von zwei bis drei Milliarden Euro im Bereich E-Mobilität an. Für 2021 wurde das Ziel von zwei Milliarden Euro bereits in der ersten Jahreshälfte erreicht.

Mit dem Ausbau im Bereich Elektromobilität geht ein Stellenabbau in wenig zukunftsträchtigen Bereichen einher. Wie schon in den vergangenen Jahren will Schaeffler auch in den nächsten Jahren Tausende Stellen abbauen. So wurde etwa ein Standort in Niedersachsen verkauft, der sich auf Prüfstände für Antriebsstränge, Verbrennungsmotoren und Auto-Komponenten konzentriert hat. 

„Wir arbeiten seit Jahren daran, das Unternehmen zukunftsfähig zu machen“, sagte Rosenfeld der WirtschaftsWoche. Obwohl der Umbau auch einen Abbau von zahlreichen Stellen und Werkschließungen mit sich bringe, sei es ihm gelungen „ein sehr gutes Verhältnis zu den Arbeitnehmervertretern“ aufzubauen. Grund dafür sei unter anderem, dass er der Belegschaft auch neue Perspektiven aufzeige. So habe sich das Unternehmen etwa zum Ziel gesetzt, weltweit „die Nummer Eins im Lagergeschäft“ zu werden. Gerade auch in China laufe das Geschäft mit Lagern sehr gut. 

Es schrecke ihn nicht, dass Schaeffler im Bereich Digitalisierung und Software kaum Produkte anzubieten habe, sagte Rosenfeld. Schaeffler habe etwa mit Lagern, die bei Fahrräder ebenso eingesetzt würden wie bei Windrädern, „ein elementares Produkt, das immer gebraucht wird.“ Bei Rotationsbewegungen könne Software zwar auch hilfreich sein, „aber ohne Hardware kriegen sie die nicht hin.“ Schaeffler verstehe sehr viel von Antriebssträngen jeder Art. Dieses Know-how müsse das Unternehmen künftig noch stärker betonen. 

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Schaeffler befindet sich mit seinem Hauptsitz im mittelfränkischen Herzogenaurach in einer der Regionen Deutschlands, die von der Transformation in Richtung Elektroauto wirtschaftlich am stärksten getroffen wird. Nach Informationen der WirtschaftsWoche planen Unternehmen der Region Mittelfranken, Gelder aus dem Hilfsfonds der Bundesregierung für die Transformation in der Autoindustrie („Zukunftsfonds“) zu beantragen. In rund zwanzig weiteren Regionen Deutschlands ist das ebenfalls geplant. In der nördlich von Herzogenaurach gelegenen Region Bamberg hängen nach Angaben der IG Metall mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze in der Autoindustrie am Verbrenner – ein Spitzenwert in Deutschland.

Jetzt den Podcast anhören.

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