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Trump und die US-Konzerne Was die Ford-Entscheidung für die US-Autobranche bedeutet

Ford knickt vor Donald Trump ein und baut kein neues Werk in Mexiko. Für den designierten US-Präsidenten ist das ein Scheinsieg – aber ein wichtiger. So wichtig, dass er auch die deutschen Autobauer beeinflussen könnte.

Der CEO von Ford Mark Fields. Quelle: REUTERS

Flat Rock im US-Bundesstaat Michigan dürfte bislang nur Auto-Fans bekannt sein. Hier wird der Ford Mustang gebaut, wohl das ikonischste aller US-Musclecars. Die Schlagzeilen der letzten Tage drehen sich aber weniger um den Mustang. Sie haben eine politische Bedeutung.

Als Ford-Chef Mark Fields am Dienstag vor seine Angestellten in der 10.000-Einwohner-Stadt trat, konnte er sich feiern lassen. 700 Millionen Euro will Ford in das Werk investieren. Neben dem erwähnten Musclecar sollen zukunftsträchtige Roboterautos und Elektroantriebe dort gebaut werden. 700 neue Arbeitsplätze werden entstehen.

Für Fields war es dennoch ein unangenehmer Termin. Die ganze Weltwirtschaft schaute auf ihn, als er verkündet, dass Ford im Gegenzug auf ein neues Werk in Mexiko verzichtet. Die Pläne für eine 1,6 Milliarden Dollar teure Fabrik in San Luis Potosí sind gestoppt, hieß es schlicht.

Wie Trump-Tweets US-Unternehmen beeinflussen
Der Twitter-Account des desgnierten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump Quelle: dpa
Autobauer General Motors /GM) Quelle: dpa
Ford-Chef Mark Fields Quelle: AP
Die Zentrale des US-amerikanischen Autokonzerns General Motos (GM) in Detroit Quelle: dpa
Der nächste US-Präsident Donald Trump Quelle: dpa
Boeing Quelle: REUTERS
Lockheed Martin F-35 Joint Strike Fighter Quelle: AP

Die Entscheidung für Flat Rock und gegen San Luis Potosí dürfte etwas Nachhilfe bekommen haben – von niemand geringerem als dem gewählten US-Präsidenten Donald Trump.

Protektionismus statt marktliberaler Logik

Die Vereinigten Staaten von Amerika, das war einmal das Land, in dem Kapitalismus und freie Marktwirtschaft über alles gingen. Das Land, in dem das Fließband erfunden wurde. Das Land, in dem einige Trader Börsenspekulationen bis zur Perfektion getrieben haben.

Nach dieser marktliberalen Logik wäre es also kein Problem gewesen, wenn Fields seinen ursprünglichen Plan durchgezogen hätte: Das Werk südlich der US-Grenze bauen, wo die Produktionskosten niedriger sind.

In Deutschland muss es der V8 sein
Seit dem 2. März läuft in Deutschland und in vielen europäischen Ländern offiziell der Verkauf des Ford Mustang. Gleich mit dem Start wurde der Mustang-Konfigurator regelrecht gestürmt: Inzwischen haben fast 500.000 Interessenten ihr Wunschfahrzeug auf den Internetseiten von Ford konfiguriert. Darüber hinaus verzeichneten die europäischen Internetseiten zum neuen Mustang zwischen Mitte Januar und Mitte Februar 1,1 Millionen Besucher. "Der Ansturm auf den Mustang Online-Konfigurator steht sinnbildlich für 50 Jahre Nachholbedarf in Europa", sagte Roelant de Waard, verantwortlich für Marketing, Sales & Service bei Ford Europa. Eine erste Auswertung zeigt: Über alle Märkte sind der Vierzylinder-EcoBoost-Motor und der bullige V8 ungefähr gleich stark gefragt. In Deutschland hingegen gibt es bei den Anfragen eine klare Präferenz. Quelle: dpa
Für die Deutschen muss es der 418 PS starke 5,0-Liter-V8 sein. In Deutschland (60 Prozent) und Großritannien (54 Prozent) ist der V8 gefragt – zwei Drittel aller Nutzer wählten in diesem Zusammenhang die Version mit Schaltgetriebe. In Frankreich (55 Prozent), Spanien (59 Prozent) und vor allem Italien (61 Prozent) liegt allerdings der 2,3-Liter-Turbo-Vierzylinder mit 314 PS vorne. In ganz Europa erfreute sich die Kombination aus 2,3-Liter-EcoBoost-Motor und 6-Gang-Schaltgetriebe bei europäischen Interessenten der größten Beliebtheit (37 Prozent). Zu den beliebtesten Farben gehören "Ebony-Schwarz" und "Race-Rot". Quelle: obs
Mit seiner jüngsten Baureihe ist das legendäre "Pony Car" erstmals offiziell in Deutschland zu kaufen, bislang waren alle Mustangs auf deutschen Straßen private US-Importe. Wer jetzt einen Mustang bei seinem Händler kaufen will, muss dafür mindestens 35.000 Euro hinlegen. Für diesen Preis gibt es einen modernen Sportwagen mit ansprechender Optik, aber noch nicht das volle US-Flair: Die Einstiegsvariante namens Mustang Fastback rollt hierzulande mit einem 2,3-Liter-Vierzylinder (314 PS) vom Hof. Die volle Dröhnung mit V8-Motor (418 PS) im Mustang GT gibt es für immer noch preiswerte 40.000 Euro. Quelle: obs
Damit liegt der V8-Mustang exakt auf dem Niveau des Chevrolet Camaro, der trotz des Chevy-Rückzugs aus Deutschland weiterhin angeboten wird – vom Europa-Importeuer in der Schweiz. Ab Werk werden die beiden Mustangs mit einem Sechs-Gang-Handschaltgetriebe ausgeliefert, ein Automatikgetriebe kostet 2000 Euro mehr. Für 4000 Euro extra macht Ford aus den Fastback-Coupés ein Cabrio. Mit dem "Premium-Sound-Paket" (1200 Euro) und dem "Premium-Paket" (2500 Euro) bleibt die Aufpreisliste angenehm kurz. Quelle: AP
In der Geschichte der US-Sportwagenikone Mustang konnte Ford über 9,2 Millionen Exemplare seines Muscle Cars verkaufen. Im August 2014 feierten die Arbeiter im Werk Flat Rock den Produktionsstart der sechsten Generation des Mustang, welche die Baureihe zu neuem Erfolg führen soll. Quelle: Reuters
Um den Wagen international auf den Markt zu bringen, musste das Management um US-Chef Joe Hinrichs weitreichende Entscheidungen treffen. So wird es vom Mustang VI auch erstmals eine Rechtslenker-Version geben, um etwa in Großbritannien, Japan oder Australien verkauft werden zu können. 3000 Mitarbeiter fertigen den Mustang im Zwei-Schicht-Betrieb auf modernisierten Produktionslinien, für die Ford 555 Millionen Dollar ausgegeben hat. Quelle: Reuters
Wie die neue Generation bei der eingeschworenen Mustang-Fangemeinde ankommt, bleibt abzuwarten – schließlich ist die V8-Ikone aus Spritspargründen jetzt auch mit einem Vierzylinder erhältlich. Vierzylinder hin oder her, vor allem die älteren Versionen gehören laut einer Umfrage zu den Traumautos der Deutschen. Wir werfen einen Blick zurück auf die Anfänge des Mustangs und seine bewegte Historie: Quelle: Reuters

So hätte es wohl auch der alte Henry Ford gemacht, der bereits Anfang des 20. Jahrhunderts mit „Fordlandia“ eine eigene Fertigung im Urwald aufbauen wollte. Was damals noch an Unkenntnis von Land und Leuten sowie der Technologie scheiterte, wäre in Zeiten von globalen Freihandelsabkommen und billigem Transport kein allzu großes Problem mehr.

Doch Fields‘ Problem sitzt nicht im Urwald oder in Mexiko, sondern bezieht bald ein großes weißes Gebäude in Washington. Bereits im Wahlkampf hatte Donald Trump gegen die Pläne diverser US-Konzerne gewettert, Arbeitsplätze nach Mexiko zu verlagern. Er drohte mit Einfuhrzöllen von 35 Prozent, die jeden Import unwirtschaftlich gemacht hätten. Als President-elect ist die Bedrohung für die Konzerne ernster denn je.

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