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Überprüfung von WerkenSparmaßnahmen sind bei Continental in vollem Gange

Die deutschen Autozulieferer haben derzeit mit massiven Problemen zu kämpfen. Continental geht das nicht anders. Das Unternehmen überprüft deshalb auch mehrere Werke auf ihre Wirtschaftlichkeit. 09.09.2019 - 08:02 Uhr

Auch Continental hat mit Problemen zu kämpfen.

Foto: dpa

Der kriselnde Autozulieferer Continental überprüft im Zuge seiner Sparanstrengungen auch einzelne Werke. „Wir schauen überall auf die Wettbewerbsfähigkeit, deutsche Standorte sparen wir dabei nicht aus“, sagte Konzern-Chef Elmar Degenhart der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Derzeit liefen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. „In den kommenden Wochen werden wir dann die ersten Entscheidungen treffen“, kündigte Degenhart an. Medienberichten zufolge stehen beim Dax-Konzern neun seiner weltweit 32 Werke in der Antriebssparte auf der Kippe, auch in Deutschland käme ein Stellenabbau in Frage.

Ab es im Rahmen der Sparbemühungen zu Stellenstreichungen kommt, steht laut Degenhart noch nicht fest. „Der erste Schritt ist Kurzarbeit, das wird bereits in einigen Betrieben praktiziert“, sagte der Manager. Ferner würden darüber hinausgehende Maßnahmen diskutiert. „Bereiche, die absehbar nicht ausreichende Beiträge zu Wachstum oder Gewinn leisten, stellen wir auf den Prüfstand, notfalls trennen wir uns davon.“ Auch betriebsbedingte Kündigungen wollte der Conti-Chef nicht grundsätzlich ausschließen. „Wir wissen nicht, was mittelfristig auf uns zukommt. Sollte sich die Situation weiter verschlechtern, müssen wir darauf reagieren“, so Degenhart.

Continental hatte Anfang August ein Programm angekündigt, um angesichts der grassierenden Flaute die Finanzkraft dauerhaft zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Die Geschäftsziele hatte der Reifen- und Elektronikzulieferer bereits Ende Juli nach einem Gewinneinbruch gekappt und dies mit der weltweit sinkenden Fahrzeugproduktion und Unsicherheiten durch den Handelsstreit zwischen den USA und China begründet.

Der Hannoveraner Traditionshersteller Continental hat große Probleme, die Spur zu halten. „Derzeit ist das Marktumfeld sehr herausfordernd“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart zuletzt, er sprach von einem tiefgreifenden, sich dramatisch beschleunigenden und „teilweise disruptiven“ Wandel in der Branche. Es brauche nun „Kostendisziplin“ – was für Conti auch heißen dürfte: Stellen streichen. Wie viele der fast 245.000 Conti-Mitarbeiter es treffen werde, sei Gegenstand von Diskussionen mit der Gewerkschaft. An der Börse zeigt die Kurve der Conti-Aktie seit Wochen nach unten. Auch Verkäufe von Firmenteilen schloss Degenhart nicht aus. Das Reifengeschäft ist für Continental weiter ein fester Ertragspfeiler.

Foto: dpa

Der Vorsitzende der Bosch-Geschäftsführung, Volkmar Denner, hat es der „Süddeutschen Zeitung“ jüngst vorgerechnet: Der Zulieferer setzt für das Einspritzsystem eines Dieselmotors zehn Mitarbeiter ein. Bei einem Benziner sind drei Bosch-Beschäftigte beteiligt, bei einem Elektrofahrzeug einer. Stellenkürzungen seien praktisch unausweichlich. Die Stuttgarter beschäftigen weltweit 410.000 Menschen. 50.000 Arbeitsplätze, davon allein 15.000 in Deutschland, hängen vom Diesel ab. Allerdings ist der größte Autozulieferer der Welt auch noch in anderen Sparten aktiv, etwa im Maschinenbau.

Foto: dpa

ZF Friedrichshafen stellt unter anderem Getriebe her und ist breit aufgestellt – spürt aber dennoch den Gegenwind der Branche. Der ZF-Vorstand nahm seine noch im April geäußerte Umsatzerwartung um eine satte Milliarde Euro zurück – auf 36 bis 37 Milliarden Euro. Der Gewinn brach im ersten Halbjahr 2019 drastisch auf die Hälfte des Vorjahreswertes ein. Chef Wolf-Henning Scheider musste einräumen, ZF liege deutlich unter Plan. In China reagierte ZF bereits mit Entlassungen. In Deutschland soll es dazu nicht kommen – ausgleichende Maßnahmen wie etwa Gleitzeit reichten, heißt es von ZF.

Foto: Felix Kädpa

Auch bei den 79.000 Mitarbeitern von Mahle geht die Angst um. Der Betriebsrat des Stuttgarter Unternehmens hat ein Strategiepapier vorgelegt, das zu einem Entlassungsstopp bis 2025 führen soll. Die Geschäftsleitung hatte zuvor den Abbau von 380 der 4300 Stellen in Stuttgart und die Schließung eines Werks in Öhringen angekündigt. Mahle hat bisher vor allem mit Filtern und Kolben Geschäfte gemacht. Inzwischen versuchen die Stuttgarter, den Hebel herumzureißen und stärker auf Elektromobilität zu setzen – auch bei Fahrrädern.

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Der größte fränkische Auto-Zulieferer Schaeffler aus Herzogenaurach sieht bisher noch keine Notwendigkeit für weitere Maßnahmen, will aber dennoch kürzer treten. So sollen etwa nach Brückentagen in der zweiten Jahreshälfte die Bänder still stehen. Im März hatte das Unternehmen bereits einen Abbau von 700 Stellen in Deutschland und 200 im europäischen Ausland bekanntgegeben sowie vier Standorte auf den Prüfstand gestellt.

Foto: imago images

Das Coburger Familienunternehmen Brose musste ebenfalls Federn lassen und will mit „Kapazitätsanpassungen“ reagieren. Man habe ein Programm zur Kostensenkung gestartet. Im ersten Quartal 2019 lagen die Umsätze um fünf Prozent unter dem Vorjahr. Langfristig sieht Brose allerdings in den neuen Mobilitätstrends mehr Chancen als Risiken und will in neue Technologien kräftig investieren – mit 1,5 Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren immerhin rund ein Viertel eines Jahresumsatzes.

Foto: imago images

Der im SDax notierte Nürnberger Zulieferer Leoni ist wohl einer der bisher am stärksten Betroffenen der Branche in Deutschland. Firmenchef Aldo Kamper musste sich zuletzt schon gegen Untergangsszenarien wehren. „Wir brauchen keinen Arzt und keinen Pfarrer“, sagte der Niederländer. Stattdessen setzt er trotz der anhaltenden Krise auf die Selbstheilungskräfte des Unternehmens. Während die meisten Firmen der Branche zwar Einbußen wegstecken, aber immer noch gut über der Nulllinie wirtschaften, steckt der Kabel- und Bordnetzexperte bereits tief in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr liefen unter dem Strich 176 Millionen Euro Verlust auf.

Lesen Sie hier die Analyse, warum Leonis Niedergang ein deutliches Warnsignal ist.

Foto: dpa

Zudem treibt Degenhart einen Börsengang der Antriebssparte weiter voran. „Wir streben 2020 an die Börse mit Vitesco Technologies, wie unsere Antriebstechnik künftig heißt. Entweder in Form eines Teilbörsengangs oder als Spin-off“, machte der Manager deutlich. „Es gibt keinen Grund, die Vorbereitungen zu bremsen.“ Conti hatte den eigentlich für das zweite Halbjahr ins Auge gefassten Gang aufs Parkett der Antriebssparte mit weltweit gut 40.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von zuletzt 7,7 Milliarden Euro wegen des schwachen Marktumfelds unlängst auf das kommende Jahr verschoben.

rtr
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