1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Auto
  4. Sono Sion & Co.: Haben Auto-Start-Ups eine Zukunft?

VerkehrswendeHaben Auto-Start-Ups eine Zukunft?

Dem Sono Sion droht erneut das Aus. Wenn das Start-up nicht bis Ende Januar 2023 rund 94,5 Millionen Euro auftreibt, war es das mit dem Solar-Elektromobil. Noch gibt es Hoffnung. Doch die Schieflage des Münchner Unternehmens offenbart die Probleme vieler automobiler Start-ups.Wolfgang Gomoll 30.12.2022 - 15:26 Uhr

Das E-Auto Sono Sion ist mit Solarzellen ausgestattet.

Foto: PR

Die Idee ist nicht neu, aber charmant. Man nehme ein Elektroauto und packe möglichst viele Solarzellen auf und an die Hülle, um so möglichst weit mit der Kraft der Sonne statt mit teurem Strom zu fahren. Dieser Geistesblitz könnte auch von einem Teilnehmer von „Jugend forscht“ stammen. Das Unternehmen Sono Motors aber hat die Fotovoltaik-Technologie optimiert und auf automobile Bedürfnisse zugeschnitten. Anstelle von klassischen Solarpanels, wie man sie auf Hausdächern findet, haben die Macher von Sono flexible Panels aus Spritzguss ersonnen, die mit einem Kupferelement an der Rückseite, wo sich auch die Leiterplatten befinden, versehen sind. Damit erreichen diese Zellen im Vergleich zu der klassischen Version eine größere Effizienz, sind deutlich leichter und sollen auch einem Crashtest standhalten.

Mithilfe dieser Solarzellen soll das E-Auto Sono Sion ohne Laden im Jahresdurchschnitt pro Woche 112 Kilometer weit kommen. Maximal sollen sogar 245 Kilometer drin sein.

Diese Sono-Panels sind ein Clou und könnten auch bei öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen ihren Dienst versehen. Die Nachfrage ist vorhanden. Nur beim eigenen Auto geht den beiden CEOs Jona Christians und Laurin Hahn erneut die Luft beziehungsweise das Geld aus. Ein Grund sind angeblich die krisengeschüttelten Finanzmärkte und die taumelnden Aktienkurse. Deshalb sei die Finanzierung des Sion-Programms durch die Aufnahme von Eigenkapital zunehmend schwieriger geworden.

Wie schon vor drei Jahren soll die Community in die Bresche springen und die überlebensnotwendige Finanzspritze bereitstellen. In einem Aufruf, der sich im Detail sehr spannend liest (man beachte den Gebrauch des Verbs „wagen“), wenden sich die beiden Start-up-Gründer an die Sion-Fans. „Viele Investor:innen raten uns dazu, dass wir uns auf unser weniger kapitalintensives B2B-Solargeschäft, das bereits Umsätze generiert, konzentrieren und das Sion-Programm aufgeben sollten. Wir verstehen die Marktsituation und wären bereit, unser Geschäftsmodell im Interesse des langfristigen Unternehmenserfolgs zu restrukturieren. Bevor wir es jedoch wagen, die Sion-Entwicklung einzustellen, wollen wir unserer Community von über 21.000 Sion-Reservierern eine letzte Chance geben, das Sion-Programm am Leben zu halten und unsere Finanzierungslücke teilweise zu schließen.“

Schneller schlau: Was Sie über E-Fuels wissen müssen
Mit E-Fuels sind in der Regel verschiedene kohlenstoffhaltige Kraftstoffe gemeint, die mit Hilfe von grünem Strom aus den Rohstoffen Wasser und CO2 hergestellt werden. Sie ähneln chemisch sehr stark konventionellem Diesel beziehungsweise Benzin, lassen sich daher ohne großen Änderungsaufwand über bestehende Tankstellen vertreiben und in konventionellen Motoren verbrennen. Letzteres erfolgt in der Theorie dann klimaneutral, wenn nur so viel CO2 frei wird, wie zuvor hineingesteckt wurde.
So gut das in den Ohren vieler Autofahrer klingen mag, gibt es doch ein Problem: der hohe Energieaufwand in der Herstellung. Er macht die E-Fuels teuer und mindert den Wirkungsgrad im Vergleich mit der Nutzung der gleichen Energie im E-Auto deutlich.Solange grüner Strom nicht im Überfluss zur Verfügung steht, dürften es die synthetischen Kraftstoffe im Pkw-Bereich also schwer haben. Auch, weil der Privatwagen bei der Verfügbarkeit von E-Fuels in Konkurrenz zu Schiffen, Zügen und Flugzeugen steht.
Besonders günstig wird das Tanken des Designer-Sprits unter momentanen Bedingungen nicht – die Literkosten würden wohl deutlich über den heutigen von Diesel und Benzin liegen.Denkbar ist aber nicht nur der Verkauf von E-Fuel in Reinform, sondern auch eine Beimischung zu Mineralölkraftstoff, um dessen Klimabilanz zu verbessern. Konkrete Planungen dazu gibt es aber bisher noch nicht.(Stand: 26. Juli 2023)
Bislang sind E-Fuels noch an keiner Tankstelle zu bekommen. Die Produktion des klimaneutralen Sprits steckt noch in der Pilotphase. Bis nennenswerte Mengen zur Verfügung stehen, wird es noch dauern.(Stand: 26. Juli 2023)

Unter dem Hashtag #saveSion läuft seit Anfang Dezember eine Crowdfunding-Kampagne, bei der 3.500 Kunden bis Ende Januar den ermäßigten Preis von 27.000 Euro für das Elektromobil auf den Tisch legen und so insgesamt 94,5 Millionen Euro in das Start-up pumpen können. Unlängst hat Sono Motors freudig eine Wasserstandsmeldung abgegeben und verkündet, dass bereits 1.000 Vollzahler sich an der Rettung des Start-ups beteiligt haben.

Ob die fehlenden 2.500 noch auf den Zug aufspringen, ist offen. Zu wünschen wäre es den Sion-Machern. Doch die Malaise, in der das Münchner Start-up steckt, ist bezeichnend für junge Automobilunternehmen, die die Mobilität revolutionieren wollten. Die Liste der Sono-Motors-Leidensgenossen, die kurz vor dem Konkurs standen oder schon das Zeitliche gesegnet haben, ist lang und beinhaltet bekannte Namen: Nio, Tesla, Faraday Future oder Borgward.

Alle sind sie mit interessanten Ideen angetreten, sei es einem breiten Display, das sich über das gesamte Armaturenbrett erstreckt, einem besonders schnellen Batteriewechselsystem oder im Falle von Sono Motors, einem effizienten, praxisorientierten Fahrzeug. Doch eine Idee und hochfliegende Pläne sind eine Sache, diese in die Tat umzusetzen und langfristigen Erfolg zu haben, sprich in die Gewinnzone zu kommen, ist eine ganz andere.

Ohne Elon Musks Milliarden wäre Tesla mittlerweile ein Kapitel im automobilen Geschichtsbuch. Dazu kommt, dass die Zeiten härter werden und im Zeichen der Krisen sowie des zurückkehrenden Wirtschaftsprotektionismus der Traum von den globalen Absatzmärkten schwindet.

Von den handwerklichen Fähigkeiten wie dem Bauen eines Serienfahrzeugs samt aller dafür nötigen Prozesse ganz zu schweigen. Ein paar Prototypen sind schnell hingestellt, auch Auftragsfertiger findet man problemlos und Zulieferer lechzen geradezu nach neuen Kunden.
Doch wenn es dann an die (Groß)Serienfertigung und den damit verbundenen Einsatz von Geld und Personen sowie den Lösungen bei auftretenden Problemen geht, trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Automobilbau ist weit mehr als das Umsetzen von Konstruktionsplänen. Wenn die Finanzierung auf Kante genäht ist, darf nichts schiefgehen, sonst wird es eng. Richtig eng.

Lesen Sie auch: Chinas Autobauer fühlen sich schon wie zu Hause – und der ADAC ist beeindruckt

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick