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Volkswagen VW verabschiedet sich von der PS-Protzerei

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Diess baut den Vertrieb um

„Aus all den CO2-Problemen braut sich gerade der perfekte Sturm zusammen“, warnt ein Berater der Autokonzerne. „Das 95-Gramm-Ziel für 2021 wird zur Zitterpartie für Unternehmen wie Volkswagen.“

Ob VW Strafzahlungen noch abwenden kann, ist ungewiss – viele im Management trauen sich keine Prognose zu. Die Konzern-führung um VW-Chef Matthias Müller und VW-Markenchef Herbert Diess sei aber „wild entschlossen, diese imageschädlichen Strafzahlungen“ zu vermeiden, sagen mehrere Wolfsburger Manager, „koste es, was es wolle“. Im Management sei bereits das Subventionieren von E-Autos mit Hunderten Millionen Euro diskutiert worden. Motto: Lieber Geld in die eigene Absatzförderung stecken, als es der EU hinterherwerfen.

Wie Autoriesen auf Elektrowagen setzen
Unter Strom Quelle: dpa
GM (Opel) – Die Rückkehr des Ampera Quelle: obs
Ford – Noch einmal mit Gefühl Quelle: dapd
Toyota – der skeptische Weltmarktriese Quelle: AP
PSA (Peugeot und Citroen) – Franzosen mit Nachholbedarf Quelle: dpa
Hyundai-Kia – Elektrooffensive aus Korea Quelle: REUTERS
Geely (Volvo) – Schwedischer Herzschlag Quelle: REUTERS

Eine mindestens ebenso wirksame, aber deutlich günstigere Maßnahme ist schon umgesetzt. Nachdem Vertriebsvorstand Christian Klingler, ein Piëch-Intimus, kurz nach Bekanntwerden von Dieselgate den Konzern verließ, nutzte VW-Markenchef Diess die Gelegenheit, den Vertrieb der Kernmarke neu zu organisieren, wie ein Insider berichtet. Statt es bei einem riesigen Vertriebsteam unter einem Vertriebsvorstand zu belassen, wurden den vier großen VW-Einheiten G1 (Kleinwagen), G2 (Kompaktwagen), G3 (Mittelklassewagen) und G4 (Elektroautos) jeweils eigene Vertriebsteams zugeordnet. Sie unterstehen nun nicht mehr dem obersten Vertriebschef, sondern dem Chef des jeweiligen Bereichs.

„Vor allem für das Elektroautoteam birgt das enorme Chancen“, sagt der Insider. Die Vertriebler hätten zuvor meist wenig übrig gehabt für E-Fahrzeuge, denn sie wussten nicht, wie sie den Absatz der neuen Autos seriös planen sollten. Der skeptischen Haltung und mangelnden Risikobereitschaft des Vertriebs sei manches innovative E-Auto-Projekt zum Opfer gefallen. Nun sei die Situation eine völlig andere: „Die Vertriebler sind Teil des Elektroteams und müssen mit diesem Team erfolgreich sein. Sie berichten an den G4-Bereichschef Christian Senger, und der lässt sich nicht so leicht mit billigen Begründungen abspeisen.“

So drängend die Probleme für VW auch erscheinen – nicht jeder im Management ist traurig über die Entwicklung. „Dieselgate hat uns letztlich die neue Struktur im E-Auto-Vertrieb gebracht“, sagt ein Manager, „und auch die moderne Elektroplattform MEB.“ Ohne Dieselgate „wäre daraus vielleicht nie etwas geworden“.

Nun jedoch schickt sich VW an, bis 2025 der weltweit führende E-Auto-Anbieter zu werden. Dem Vernehmen nach können die Konzernvorstände bei der CO2-Vermeidung bald mit gutem Beispiel vorangehen: Die Garagenplätze der Vorstände wurden in diesen Tagen mit Ladekabeln ausgestattet. Konzernchef Müller kann seinen unlängst georderten, elektrifizierten Passat dort laden und emissionsfrei nach Hause steuern.

Dem E-Auto-Skeptiker Piëch bleibt diese neue Ökoautowelt erspart. Er kann nach seinem vollständigen Rückzug aus dem Konzern in Österreich bleiben und seinen Bugatti über kurvige Bergstraßen steuern. „Ich dachte immer“, sagt Piëch, „1200 PS kann man auf der Landstraße nicht ausnutzen – man kann!“

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