Autosalon Genf: Wie die Autobauer am Elektro-Durchbruch arbeiten
Die Elektroautos der deutschen Premium-Hersteller kommen frühestens 2018.
Foto: dpaDie Nachricht aber war klar: Wir sind vielleicht nicht die Ersten – aber wenn wir kommen, dann richtig!
Wer in diesen Tagen durch die Genfer Messehallen geht, der findet von diesen vollmundigen Ankündigungen nur wenig wieder. Audi zeigt in erster Linie neue RS-Modelle und eine SUV-Studie mit fettem Benziner, Porsche den Panamera Sport Turismo und den Sportwagen 911 GT3, Mercedes ein Monster-SUV mit V12-Motor und das Konzept eines viertürigen Sportwagens, der eines Tages gegen einen Porsche Panamera antreten könnte. Was sie eint: Unter 400 PS geht nichts.
Auf der anderen, grünen Seite: Pionier Tesla schwänzt die erste große Messe des Jahres auf europäischem Boden gleich ganz. Aber die anderen der E-Gilde sind natürlich alle da: Der BMW i3, der Renault Zoë und der Nissan Leaf. Auch die beiden elektrisch angetriebenen Smart-Versionen zeigen sich und bei VW steht der E-Golf zwar nicht im Mittelpunkt, aber auch nicht im Abseits. Neues gibt es kaum, einzig der Opel Ampera-e wurde noch nicht auf europäischem Boden gezeigt.
Aus den Studien müssen schnell Serienmodelle werden
Doch das ist nur ein oberflächlicher Blick: Viele Hersteller rollen ihre Concept Cars zwar nicht mehr in die erste Reihe – Porsche hat seine Elektro-Studie „Mission E“ bereits im September 2015 gezeigt – doch hinter den Kulissen befinden sich die E-Mobile der deutschen Hersteller in einer entscheidenden Phase: Aus den Studien und dem ersten Feedback müssen jetzt Serienmodelle werden.
Eine große Herausforderung – schließlich müssen auch die Werke für die Produktion der neuen Autos und Teile umgerüstet werden. Audi stellt das Werk in Brüssel auf Elektroautos um, Daimler investiert mehr als eine Milliarde Euro in verschiedene deutsche Werke, Porsche baut seinen Stammsitz in Zuffenhausen für den „Mission E“ im laufenden Betrieb um.
Dennoch: Autos und Werke reichen alleine nicht aus. „Das Thema Elektromobilität betrifft nicht nur das Auto“, sagt Detlev von Platen, Vorstand für Marketing und Vertrieb bei Porsche. „Die Infrastruktur um das Auto herum ist genauso wichtig.“ Aber auch mit einigen Ladesäulen ist der Erfolg der Elektroautos nicht garantiert – die Autobauer müssen auch ihre Händler bis 2018 oder 2019 für Verkauf und Wartung der E-Autos vorbereitet haben.
Bei null fängt aber keiner an: Die meisten Hersteller haben bereits heute Plug-In-Hybride im Angebot, auch hier müssen in den Werkstätten Batterien geladen und Hochspannungsteile getauscht werden können. „Für ein vollelektrisches Auto werden wir aber natürlich noch aufstocken“, sagt Martin Sander, Leiter des Vertriebs von Audi in Deutschland.
Nach der Limousine zeigt BMW nun auch die Kombi-Variante der neuen 5er-Reihe. Der „Touring“ kommt im Juni, knapp ein halbes Jahr nach dem Start des Viertürers. Dem Publikum präsentiert sich der Kombi erstmals in Genf. Die Preisliste dürfte bei knapp 48.000 Euro starten. Mehr zum BMW 5er Touring lesen Sie >> hier.
Foto: BMWWer einen möglichst günstigen Kleinwagen sucht, ist beim Ford Fiesta falsch. Vor allem in der neuen Generation, die sich ab Frühjahr mit leichtem Längenwachstum und veredelter Ausstattung noch weiter in Richtung Kompaktklasse streckt. Das Außendesign wird etwas sportlicher und erwachsener, innen hat Ford das Cockpit deutlich aufgewertet. Auch das Angebot an Assistenzsystemen, Individualisierungs-Optionen und Komfort-Extras legt zu - und eben auch der Preis. Unter dem gehobenen Klassenschnitt von 14.000 Euro wird es den Fünftürer wohl nicht mehr geben. Die Nachfrage im darunter liegenden Preissegment fängt der kürzlich eingeführte Ka+ auf, der auf der alten Fiesta-Plattform basiert und den abgelösten Kleinstwagen Ka deutlich überragt.
Foto: WirtschaftsWocheDie Neuauflage des Kia Picanto misst weniger als 3,70 Meter in der Länge, die Preisliste dürfte ganz knapp unterhalb von 10.000 Euro starten. Auch wenn das Basismodell eher ein Lockangebot ist, wird der Koreaner zu den attraktivsten Angeboten der kleinsten Pkw-Klasse zählen. Und gleichzeitig zu den ansehnlichsten. Erste Skizzen zumindest versprechen einen durchaus modern-sportiven Auftritt – auch wenn die gezeigte „GT-Line“-Ausstattung deutlich über 10.000 Euro kosten dürfte. Motorisch unterstützen könnte diesen auch der neue Dreizylinder-Turbo der Marke, der bereits den zwei Klassen größeren Cee'd antreibt. Vorgestellt wird der Picanto in Genf, auf den Markt kommen dürfte er in der zweiten Jahreshälfte.
Foto: KiaLamborghini frischt zum Frühjahr 2017 den Aventador auf und verpasst ihm gleich noch den Namenszusatz S. Das in vielen Details modernisierte Modell bietet unter anderem mehr Leistung, eine bessere Aerodynamik und ein neues Infotainmentsystem. Wichtigstes neues Detail ist eine ordentliche Leistungsspritze. Im Vergleich zur bisherigen Standardversion steigt die Leistung des 6,5-Liter-V12-Saugbenziners von 700 PS auf 740 PS. Zugleich wurde die maximale Motordrehzahl von 8350 auf 8500 U/min angehoben. In Kombination mit der bekannten Siebengang-Automatik soll das Allradcoupé wie bisher in 2,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 stürmen und bis zu 350 km/h schnell werden. Kostenpunkt: rund 330.000 Euro.
Foto: WirtschaftsWocheMcLaren zeigt in Genf die Neuauflage der sogenannten „Super Series“ – also die mittlere der drei Modellreihen von McLaren. Mit dem MP4-12C fing 2011 die Serien-Produktion bei McLaren wieder an, inzwischen gibt es sieben Modelle – drei davon auf Basis der „Super Series“. Die Kohlefaser-Karosserie wird für das kommende Modell von Grund auf neu entwickelt. Auch die Leistung dürfte steigen. Das bisherige Top-Modell der „Super Series“ ist der 675LT mit den namensgebenden 675 PS. Das Fachmagazin „Auto, Motor und Sport“ spekuliert über die Modellbezeichnung 720S – das entspräche in der McLaren-Logik 720 PS.
Foto: WirtschaftsWocheMercedes macht in Genf die E-Klasse-Familie komplett. Nach Limousine, Kombi, Offroad-Kombi „All-Terrain“ und Coupé zeigen die Stuttgarter nun die finale Version des viersitzigen Cabrios. Weitere Bilder und mehr Informationen zu den letzten Testfahrten mit dem Cabrio lesen Sie >>hier.
Foto: DaimlerDer Hingucker auf dem Mercedes-Messestand dürfte aber ein ganz anderes Cabrio sein. Auf Basis der G-Klasse baut Daimler künftig auch ein Landaulet – sprich nur die hintere Dachpartie bekommt ein Cabrio-artiges Stoffverdeck. Statt als Mercedes-Benz wird das Offroad-Cabrio unter dem konzerninternen Luxus-Label Mercedes-Maybach verkauft. Für den Antrieb des G650 Landaulet sorgt ein 630 PS starker Zwölfzylinder.
Foto: DaimlerOpel bohrt den Meriva zu einem SUV auf. Der Crossland X ist als reiner City-Crossover konzipiert, verzichtet unter anderem auf den optionalen Allradantrieb seines großen Bruders Mokka X und dürfte deutlich günstiger ausfallen. Anstelle des freundlich-braven, aber auch etwas langweiligen Kompakt-Van Meriva soll der Crossland X mehr die Lifestyle-Kundschaft ansprechen – ohne viel von dem praktischen Nutzwert des Meriva zu verlieren. Die Markteinführung ist für das laufende Jahr angesetzt.
Foto: OpelIn der Mittelklasse heißt der Star der Messe Opel Insignia. Die Limousine erhält nicht nur den Namenszusatz „Grand Sport“, sondern auch viel neue Technik und ein tiefgreifend verändertes Design. Von Abmessungen und Anmutung streckt sich der Insignia deutlich in Richtung obere Mittelklasse. Dass Opel sein Flaggschiff höher positionieren will, zeigt auch das umfangreiche Technik-Programm. Zu den Höhepunkten zählen ein aktiver Spurhalte-Assistent mit Gegenlenk-Funktion, ein Querverkehr-Warner, der beim Rückwärtsausparken bei Bedarf Alarm schlägt, sowie ein neues LED-Matrixlicht. Wie bisher wird es den Insignia ausschließlich mit turbogeladenen Benzin- und Dieselmotoren und einem Leistungsspektrum von 110 bis 250 PS geben. Neu ist eine Achtstufen-Automatik, die vorerst ausschließlich in Kombination mit Allradantrieb angeboten wird. Wer mehr Platz braucht, sollte zum ebenfalls in Genf vorgestellten Kombi greifen – der im Gegensatz zur Limousine nicht umbenannt wird und weiter auf den Namen „Sports Tourer“ hört. Mehr zum Opel Insignia Sports Tourer lesen Sie >>hier.
Foto: OpelGenf ist auch traditionell die Messe der kleinen Tuning-Schmieden und Manufakturen hochwertiger Sportwagen. So nutzt auch Pagani die Messe in Genf, um das Cabrio des Huayra zu zeigen. Der Sportwagen aus der italienischen Edelschmiede ist bereits seit 2011 auf dem Markt, bislang aber eben nur mit festem Dach. Mehr zum Pagani Huayra Roadster lesen Sie hier.
Foto: PRPorsche wagt den Tabubruch. In Genf zeigten die Stuttgarter bereits vor einigen Jahren die Studie eines Panamera-Kombis mit dem Namen „Sport Turismo“. 2017 wird das Serienmodell auf Basis des neuen Panamera zu sehen sein. Um Gepäckraum und Sportwagenanspruch unter einen Hut zu bringen, musste Porsche nicht nur am Design tüfteln. Mehr zum Porsche Panamera Sport Turismo lesen Sie hier.
Foto: PorscheZudem erhält ein weiteres Modell der 911er-Baureihe das 2015 vorgestellte Facelift. Der 911 GT3 wird in der überarbeiteten Version auf dem Messestand der Stuttgarter vorgestellt. Im Gegensatz zu den Carrera- und GTS-Modellen bekommt der GT3 aber keinen Turbomotor, sondern bleibt beim klassischen Sauger.
Foto: PorscheLand Rover wagt ein Experiment: In Genf zeigen die Briten den Range Rover Sport Velar. Ursprünglich war Velar der interne Codename für den ersten Range Rover (V-Eight Land Rover) – nebenbei ähnelt das Wort dem lateinischen „velare“ für „verhüllen“ oder „verbergen“. Letzteres dürfte zu dem neuen Velar wohl eher passen als der V8-Land-Rover: Der Velar wird offenbar auf dem Alu-Spaceframe des Jaguar F-Pace basieren. Deshalib ist es möglich, dass sich das Motoren-Angebot wie in dem Jaguar-SUV auf die bekannten Vier- und Sechszylinder beschränkt. Als viertes Range-Rover-Modell soll sich der Velar zwischen dem Evoque (4,35 Meter) und dem Range Rover Sport (4,85 Meter) einordnen.
Foto: WirtschaftsWocheLand Rover baut sein Angebot aus und zeigt in Genf eine vierte Range-Rover-Baureihe: Der neue Velar ist kaum kürzer als der Range Rover Sport, zielt aber preislich auf die Porsche-Macan-Liga. Punkten kann der Landy vor allem mit dem Innenraum. Zudem ist der Velar laut den Briten voll geländetauglich, obwohl der Fokus bei der Entwicklung auf den Fahreigenschaften auf der Straße lag. Mehr zum Range Rover Velar lesen Sie hier.
Foto: Range RoverDer Marktstart der schon seit längerer Zeit erwarteten Renault Alpine wird sich noch ein Weilchen hinziehen. Erst Ende 2017 werden die Franzosen die ersten Exemplare des neuen Sportwagenmodells ausliefern. Ungeduldige können sich die Mittelmotor-Flunder allerdings schon jetzt als sogenannte Première Edition via Smartphone-App reservieren. Viel verraten die Franzosen noch nicht über diese erste Variante. Bisher veröffentlichte Bilder zeigen lediglich eine seriennahe Studie oder in Tarnfolie gehüllte Prototypen. In Hinblick auf die technischen Daten ist die Informationslage ebenfalls dürftig. Renault verspricht eine Sprintzeit von unter 4,5 Sekunden. Bei Farben und Preis wird man hingegen etwas konkreter: In Blau, Schwarz oder Weiß ist die Vorab-Edition bestellbar. Für die verbindliche Reservierung müssen Kunden 2000 Euro anzahlen, der finale Kaufpreis liegt dann zwischen 55.000 und 60.000 Euro.
Foto: WirtschaftsWocheNoch bevor der Kodiaq in diesem Frühjahr auf den Markt kommt, schiebt Skoda noch zwei weitere Varianten nach. Der Kodiaq Sportsline bildet – wie der Name vermuten lässt – die sportliche Ausstattung. Wobei ein noch sportlicherer Kodiaq RS wohl weiterhin möglich ist. Für Geländefans – oder jene, die nur die robuste Optik mögen – wird es den Kodiaq Scout mit auffälliger Offroad-Beplankung geben. Mehr zum Skoda Kodiaq Scout lesen Sie >>hier.
Foto: SkodaVolvo treibt die Runderneuerung seiner Modellpalette voran. Nachdem die große 90er-Baureihe mit SUV, Limousine, Kombi und Offroad-Kombi bereits komplett auf die 2014 vorgestellte Produktplattform umgestellt wurde, ist jetzt die Mittelklasse mit der 60er-Baureihe dran. Den Anfang wird – wie schon beim XC90 – das SUV XC60 machen. Mit Fotos halten sich die Schweden noch zurück – die 60er-Modelle werden aber vielen Details der 90er-Modelle folgen. Auch die Technik stammt 1:1 von den großen Modellen. Details können Sie unter anderem hier über den V90 Cross Country nachlesen.
Foto: WirtschaftsWocheDen VW CC und auch die große Limousine Phaeton haben die Wolfsburger bereits länger in Rente geschickt. In Genf zeigt VW dann sein neues Top-Modell, das sich zwischen dem Passat und dem früheren Phaeton ansiedeln soll. Das Flaggschiff soll aber nicht mehr auf die schnöden Kürzel CC hören, sondern auf den Namen Arteon. Das viertürige Coupé wird mit einer Länge von 4,90 Metern auch als Alternative Phaeton herhalten können – auch wenn selbst ein Opel Insignia etwas länger ist. Mehr zu den letzten Testfahrten des Arteon in Südafrika lesen Sie >>hier.
Foto: VolkswagenFür die Stückzahlen interessanter dürfte aber die Europa-Premiere des Tiguan Allspace werden. Der um elf Zentimeter angewachsene Radstand verhilft vor allem den Hinterbänklern zu einem neuen Tiguan-Gefühl. Deren Knie haben jetzt einen stoffschonenden Abstand von beruhigenden sechs Zentimetern zur Rückseite der Vordersitze. Und wer gerne jede Menge an Krimskrams transportiert, freut sich über einen um gleich 115 Liter größeren Gepäckraum (jetzt von 730 bis zu 1770 Liter). Der durch die Streckung des Normal-Tiguans gewonnene Raum kann aber auch zur Aufrüstung des Sitzplatzangebots genutzt werden. Durch eine dritte Reihe wird der Neuling zum Kleinbus im SUV-Kleid. Durch die deutsche Brille betrachtet, ist der längste Tiguan aller Zeiten schlicht eine Erweiterung des Angebots. Damit schließt VW die Lücke zwischen dem „kurzen“ Tiguan und dem teuren Touareg. Schön, dass es den „Langen“ ab Sommer für mindestens 30.000 Euro geben wird, vielen deutschen Kunden aber werden die Maße des bekannten Modells völlig ausreichen.
Foto: Volkswagen
Wie viel die Händler in Maschinen, Werkzeuge und Personal investieren müssen, will jedoch keiner verraten. Schließlich sind die Betriebe unterschiedlich groß und bereits heute unterschiedlich ausgestattet. „Wir setzen im ersten Schritt eine Ladeleistung von 50 Kilowatt im Handel voraus. Ist diese bereits vorhanden, reden wir über geringe Investitionen für die Installation der Ladesäulen“, sagt Sander. „Ist die Anschlussleistung heute noch nicht gegeben, ist die Investition entsprechend höher.“
Gegen die Investitionen sperren können sich die Händler nicht. Im Gegensatz zu BMW, das bei der Markteinführung seiner Elektromodelle auf spezielle BMW-i-Agents als Verkäufer gesetzt hat, sollen laut Sander alle Audi-Händler künftig Elektroautos verkaufen. „Die Elektromobilität bleibt keine Nische“, so der Deutschland-Vertriebschef. „Wenn wir im Jahr 2025 25 bis 30 Prozent Elektroautos verkaufen, ist es für einen Kunden nicht nachvollziehbar, wenn er nicht zu jedem Audi-Betrieb gehen kann.“
Laut den Prognosen des Analysehauses IHS Markit Automotive werden es die Elektroautos der deutschen Premium-Marken tatsächlich aus der Nische schaffen – mit sechsstelligen Stückzahlen. Derzeit liegt BMW mit dem i3 vorne, die elektrische B-Klasse von Mercedes spielt kaum eine Rolle. Doch den Elektro-Spitzenplatz werden die Münchner bald verlieren. Denn die IHS-Zahlen zeigen auch eines: Den Kunden ist die Reichweite der Autos extrem wichtig.
Der verbesserte i3 steht zwar inzwischen mit einer Norm-Reichweite von 300 Kilometern im Prospekt, wirklich auf die Sprünge hilft das dem BMW-Elektro-Absatz jedoch nicht. Kommen aber der für 2018 angekündigte Audi etron quattro und der Mercedes-Benz EQ (2019) mit jeweils über 500 Kilometern Reichweite, hat dem BMW nichts entgegenzusetzen – der „iNext“ als nächste Elektroauto-Generation ist erst für 2021 geplant. Bis dahin ist die Konkurrenz aus Ingolstadt und Stuttgart längst an München vorbeigezogen, wie die Grafik zeigt.
„Ein Elektroauto darf kein Verzicht-Mobil sein“
Selbst Porsche wird mit seinem 600-PS-Elektroauto (ebenfalls 500 Kilometer Reichweite im Normtest) im ersten vollen Verkaufsjahr 2020 auf deutlich über 20.000 produzierte Exemplare kommen. Nach heutigem Stand wäre damit rund jeder zehnte Porsche ein Elektroauto – Plug-in-Hybride nicht mit eingerechnet.
Ein Kernsatz für Porsche-Vorstand von Platen: „Ein Elektroauto darf kein Verzicht-Mobil sein.“ Was auf die Zuffenhausener bezogen heißt: „Ein Porsche-Elektro-Kunde will auch Spaß haben, und das nicht nur einmal mit einer tollen Beschleunigung. Er muss auch auf die Rennstrecke können, aber auch das Erlebnis auf der Landstraße und im Alltag muss stimmen.“
Nach der Vorstellung der bereits vierten Generation des rein elektrisch angetriebenen Zweisitzers Smart Fortwo als Coupé, folgt nun der viersitzige Smart namens Forfour. Beide sind 10. März 2017 bestellbar. Innerhalb der Stadt sind die mittlerweile flüsterleisen Mercedes-Töchter mit Renault-Technik am besten aufgehoben, da die Reichweite beim zweitürigen Coupé bei lediglich 160 Kilometern und beim Viertürer gar nur bei 155 Kilometern liegt. Der Preis für den Forfour startet bei 22.600 Euro, davon wird dann der Umweltbonus in Höhe von 4.400 Euro abgezogen. Im Sommer 2017 folgt noch eine dritte Elektro-Smart-Variante, das Faltdach-Cabrio. Übrigens dann als das weltweit einzige Oben-ohne-E-Mobil, allerdings auch nur mit 155 Kilometern rein elektrischer Reichweite.
Foto: DaimlerDas Thema Reichweite wird von den Smart-Verantwortlichen aber nicht so ernst genommen, da Umfragen ergeben hätten, dass der durchschnittliche Kunde ohnehin nur rund 35 Kilometer am Tag zurücklegen möchte. Smart schwört jetzt so sehr auf die von den Franzosen eingekaufte Elektromobilität, dass man sich entschloss in den USA und Kanada keine Verbrennungsmotoren mehr anzubieten. Diese Entscheidung war sicherlich nicht freiwillig, schließlich verkaufte sich der Kleinwagen in Nordamerika im letzten Jahr nur rund 7.200 Mal. Auch in Norwegen wird der neue Smart nur noch mit E-Antrieb verkauft. All dies deutet wohl darauf hin, dass Smart in ein paar Jahren wohl nur noch reinelektrische Fahrzeuge anbieten wird, vielleicht ja schon ab 2020, spekulieren Insider. Mit den in diesem Jahr kommenden Modellen wird aber noch auf den meisten Märkten zweigleisig gefahren. „In Deutschland wird die gesamte Smart-Modellpalette sowohl mit Verbrennungsmotoren, als auch batterieelektrisch angeboten“, so Smart-Chefin Annette Winkler.
Foto: DaimlerUnser erster Blick auf und in den neuen viertürigen E-Smart wird durch die beiden Ausstellfenster mit klapprigen Kunststoff-Verschlüssen an den hinteren Türen irritiert. Die Optik und die Anmutung entsprechen eigentlich überhaupt nicht dem Premium-Anspruch der Daimler-Tochter. Diese Details sind nun aber leider der Kooperation mit Renault geschuldet, schließlich liefern die Franzosen einen Großteil des Gesamtfahrzeugs an die Schwaben. Auch die beiden Sitzplätze in der zweiten Reihe enttäuschen, denn so richtig gut sitzen kann man hier nicht, ganz gleich mit welcher Körpergröße. Der Forfour ist also eher ein 2+2-Sitzer. Oder doch eher auch nur ein Zweisitzer, aber mit großem Gepäckraum, der bei umgeklappten Rücksitzlehnen beachtliche 975 Liter fassen kann. So wird der viertürige Stromer doch noch zum vielleicht smartesten Smart, der mit einer Gesamtlänge von nur 3,50 Metern und einem Wendekreis von 8,65 Metern deutlich mehr Platz und somit auch für zusätzlichen Komfort und mehr Sicherheitsgefühl sorgt.
Foto: DaimlerBeim Platznehmen auf dem Fahrersitz erfreuen sich die Hände am dicken, griffigen und hochwertigen Multifunktionslenkrad. Hier können Radiolautstärke, Tempomat und das Multifunktionsdisplay mit den Daumen bedient werden. Deutlich preiswerter wirken die vier tennisballgroßen Lüftungsdüsen aus grobem Hartplastik im Mercedes-Stern-Design. Der Sitzkomfort in der ersten Reihe ist gar nicht übel, nur die Auflagefläche für die Oberschenkel ist in Kleinwagen traditionell zu kurz. Die integrierten Kopfstützen sehen nicht nur gut aus, sie sind auch vertrauenswürdig.
Foto: DaimlerGestartet wird Elektroeinheit mit einem ganz normalen Zündschlüssel. Viele bunte Balken und Diagramme erscheinen, die Batterie ist vollgeladen. Der Gangwählhebel kennt auch hier vier Buchstaben P, R, N und D. Ein Getriebe gibt es nicht, man fährt mit dem beeindruckend starken E-Motor in nur einem Gang. Zum Rückwärtsfahren ändert sich einfach nur die Drehrichtung des Motors, der übrigens aus dem Renault-Werk im nordfranzösischen Clèon stammt. Der Anzug beim Kickdown ist, wie wir es von Elektrofahrzeugen ja schon gewohnt sind, bemerkenswert kräftig. Trotzdem sind es aus dem Stand beim Standard-Sprint auf Tempo 100 gähnend lange 12,7 Sekunden. Der eSmart beweist auch hier, dass er eigentlich für die Innenstadt gedacht ist.
Foto: DaimlerZahlreiches Zubehörkann man hinzukaufen. Ein Karabiner-Schlüsselanhänger mit Smart-Silhouette, Beachvolleybälle, T-Shirts und USB-Sticks in Fahrzeugschlüsseloptik. Empfehlenswert ist die Wallbox für 600 Euro, die ab Herbst 2017 mit einem 22 kW-Schnelllader verfügbar ist. In rund 45 Minuten sind dann die Batterien wieder zu 80 Prozent aufgeladen. Aber bitte die Wallbox nicht selbst installieren. Sie muss von einer Elektrofachkraft montiert und fachgerecht an das Netz angeschlossen werden.
Foto: DaimlerSmart Forfour electric drive – Technische Daten
Viertüriger, viersitziger Kleinwagen; Länge: 3,50 Meter, Breite: 1,67 Meter, Höhe: 1,55 Meter, Radstand: 2,49 Meter, Wendekreis: 8,65 Meter, Kofferraumvolumen: 185 – 975 Liter.
Fremderregter Drehstrom-Synchronmotor, 60 kW/81 PS, maximales Drehmoment: 160 Nm, 0-100 km/h: 12,7 s, Vmax: 130 km/h, Durchschnittsverbrauch: 13,1 kWh/100 km, Batterie: Lithium-Ionen-Akku, Kapazität: 17,6 kWh, Reichweite nach NEFZ: 155 km, lokaler CO2-Ausstoß: 0 g/km, Preis: ab 22.600 Euro (abzgl. 4.400 Euro Umweltbonus).
Foto: DaimlerSmart Forfour electric drive – Kurzcharakteristik
Warum: relativ preiswerter Elektro-Fahrspaß
Warum nicht: sehr geringe Reichweite
Was sonst: VW E-Up, Renault Zoe, sparsame Kleinwagen mit Verbrennungsmotor
Wann: 10. März 2017
Was noch kommt: Ein zweisitziges Elektro-Cabrio im Sommer und ab Herbst 2017 ein leistungsstarker Schnelllader mit 22 kW
Doch auch für den gesamten Markt steckt darin eine wichtige Beobachtung: Mit Autos wie dem futuristischen i3, dem man auf den ersten Blick seine Besonderheit ansieht, sind Elektroautos kaum massentauglich. Sind es schicke Premium-Autos, die gewohntes Design und gewohnte Qualität bieten, sind Kunden durchaus bereit, für ein Elektroauto viel Geld zu zahlen.
Einige Hersteller sind schon recht weit auf ihrem Weg zum vollautonomen Fahren. Tests mit einem Prototyp im Stadtverkehr zeigen allerdings auch, welche technischen Fragen bis zum kompletten Fahren ohne Lenkrad und Pedale noch gelöst werden müssen. Nissan hat jetzt einen selbstfahrenden Leaf im Londoner Stadtverkehr vorgestellt.
(Den Bericht zur Fahrt im Nissan-Prototyp können Sie hier lesen.)
Foto: NissanIn diesem Leaf haben Projektleiter Tetsuya Iijima und sein Team fast alles verbaut, was die Japaner derzeit parat haben, um autonom auch durch das schlimmste Innenstadt-Gewusel zu kurven: Zwölf Kameras, die rund um das Auto und bis in weite Ferne voraus den Überblick behalten, fünf Radar-Systeme, die den mittleren Abstand im Blick behalten, diverse Laserscanner, die auf den Millimeter genau die nähere Umgebung überwachen - und das verbunden mit einer Karte der Umgebung, die im Auto gespeichert ist.
Foto: NissanDiese Kartenansicht bekommt der Fahrer angezeigt, das Auto verwendet aber eine ungleich genauere Darstellung. „Die ist extrem viel genauer als alle GPS-Daten für das Navi – und das brauchen wir auch”, sagt Iijima.
Foto: NissanDamit der Wagen autonom Fahren kann, sind jedoch sehr exakte Karten notwendig, die viel genauer als Google Streetview oder andere Karten zur GPS-Navigation sind – und vor allem aktueller. Für die Testfahrt hat Nissan die ausgesuchte Strecke extra vermessen.
Foto: NissanDer Leaf fährt äußerst vorausschauend, sehr sanft und immer auf der Spur und Strecke, die der Computer als die schnellste und stromsparendste errechnet hat. „Kein menschlicher Fahrer würde das so effizient hinbekommen”, ist sich der Nissan-Entwickler sicher.
Foto: NissanNeben den hochpräzisen Karten ist der Leaf aber auch auf seine Sensoren und Kameras angewiesen. Und hier können für den Leaf die Leafs, also Laubblätter, ein Problem werden: Kameras und die Laser-Sensoren können damit während der Fahrt verdeckt werden – und das Auto wäre teilweise blind.
Foto: NissanEin weiteres Problem: So etwas wie Gesten eines Menschen können die Systeme noch nicht verarbeiten. Hier kann nur der Mensch aushelfen. Das funktioniert vereinfacht ausgedrückt so: Erkennt die Kamera auf dem Dach etwa den Polizisten, der mit einer Handbewegung zum Wechsel auf die Gegenspur auffordert, dann schaltet sich blitzschnell ein menschlicher Helfer in der Datenzentrale ein, der die Geste kennt und das Auto fernlenken kann. Der Passagier im Fahrzeug muss dazu nichts machen. „Seamless Autonomous Mobility” oder kurz Sam nennt Nissan die Technik.
Foto: Nissan„Die Technik und das System für die Datenübertragung und Fernwartung haben wir von der Nasa”, sagt Nissan-Manager Ali Mortazavi. Die US-Weltraumbehörde nutzt diese Lösung schon lange, um etwa Fahrzeuge auf dem Mond in schwierigen Situationen von der Erde aus fernzusteuern. Und die dafür nötige Datenmenge wird so stark heruntergerechnet, dass es zum zackigen Eingreifen auch ein langsames Mobilfunknetz tut.
Foto: Nissan
Wenn, ja, wenn die Kunden ihre Elektroautos dann auch laden können. „Die Kunden werden die Autos vorrangig an zwei Orten laden: zu Hause in der Garage und bei Langstreckenfahrten über ein öffentliches Schnellladenetz“, sagt Audi-Manager Sander. In dem sogenannten teilöffentlichen Laden sieht er allerdings keine große Zukunft. „Wenn ich einkaufen gehe und auf dem Parkplatz kurz laden kann, kann das in einigen Situationen Sinn ergeben – ist aber nicht notwendig, wenn ich mich in meinem regulären Umfeld befinde und zu Hause 500 Kilometer Reichweite lade.“
Auch von Platen setzt auf die Kombination vom Heim-Ladern und einem öffentlichen Schnellladenetz. Doch das fehlt bislang noch: Von den 6800 öffentlichen Ladepunkten in Deutschland sind laut Zahlen des Auto-Verbands VDA weniger als 200 Schnellladesäulen.
Nach Jahren des Abwartens sind die Autokonzerne inzwischen selbst aktiv geworden: Im vergangenen November kündigten BMW, Daimler, der VW—Konzern und Ford an, gemeinsam ein solches Netz aufbauen zu wollen. Von 2017 an sollen zunächst 400 Schnellladestationen entlang der großen Verkehrsachsen in Europa aufgebaut werden. Bis 2020 sollen es dann schon Tausende Stationen sein.
Auch Sander sieht in dem Netz den entscheidenden Durchbruch. „Auch wenn das Auto 500 Kilometer Reichweite hat, brauchen wir eine gute Lade-Infrastruktur“, sagt der Audi-Manager. „Ist diese vorhanden, sehe ich keine weiteren Hemmnisse für Elektroautos.“
Es zeigt aber auch, wie halbherzig die bisherigen Elektro-Projekte waren, ohne all diese Vorbereitungen im Hintergrund. Auch der Ansatz, Elektroantriebe mit 100 bis 200 Kilometern Reichweite in Klein- und Kompaktwagen zu bringen, war falsch. In diesem Preissegment waren die E-Autos im Verhältnis zu teuer – und konnten so nur Überzeugungstäter und nicht die Massen erreichen.
Daraus haben die Hersteller gelernt – jetzt sollen es vorerst große und Leute Limousinen und SUV richten. Sind diese Autos ab dem Ende des Jahrzehnts auf dem Markt, können später kleinere und preiswertere Modelle folgen. Oder wie es von Platen ausdrückt: „Die Elektrifizierung ist keine Modeerscheinung. Das startet jetzt erst richtig – und dann werden wir auch sicher über weitere Modelle nachdenken.“