1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Auto
  4. VW: Der Betriebsrat sollte Volkswagen lieber helfen, die Kosten zu drücken

Volkswagen-KriseDer Betriebsrat sollte VW lieber helfen, die Kosten zu drücken

Der Betriebsrat von Volkswagen darf sich nicht querstellen, wenn Werke geschlossen werden müssen. Denn Volkswagen hat keine Zeit mehr. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Annina Reimann 04.09.2024 - 18:25 Uhr

Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrates der Volkswagen AG (Archivbild).

Foto: Lars Penning/dpa

Heute habe ich einen denkwürdigen Satz gelesen: „Mit mir, Daniela Cavallo, Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende der Volkswagen AG, wird es hierzulande keine Werksschließungen geben.“ Diesen Satz hat Volkswagens höchste Arbeitnehmervertreterin am Dienstag auf der Betriebsversammlung in Wolfsburg gesagt. Und ich frage mich: Wieso eigentlich stellt sich Frau Cavallo so quer?

Denn an wirtschaftlichem Sachverstand fehlt es Cavallo nicht. So sprach sie in der Betriebsversammlung auch vom „Patient Volkswagen“ und sagte: „Wir können nach vorne gar nicht genügend einsparen, wie es uns hinten durch die Gegenläufer wegbricht.“ Sie teile mit dem Vorstand sogar die Analyse, dass „wir hier vor heftigen Problemen stehen“. Nur teile sie eben nicht die Antworten darauf, was nun passieren müsse. An anderer Stelle sprach Cavallo gar davon, dass bei VW rote Zahlen drohten. 

Sanierung nicht weiter verzögern

Liebe Frau Cavallo! Auch, wenn das bitter ist: Aber Sie sollten die nötige Sanierung nun um keinen weiteren Tag verzögern. Dass Sie heftigen Widerstand ankündigen, ja, das verlangt Ihre Klientel. Aber vernünftig ist das nicht. Denn jeder Tag, den sich VW nun weiter mit sich selbst beschäftigt, hängt das Unternehmen weiter ab. Jeder Tag, an dem Sie die Sanierung blockieren, freut die Wettbewerber und verzögert die Aufholjagd. 

Deswegen sage ich: Verlieren Sie keine Zeit. Sorgen Sie lieber für ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Dass Werke geschlossen werden müssen, ist ja auch noch gar nicht gesagt. Erstmal sollen andere Maßnahmen greifen. Aber für den Fall der Fälle: Handeln Sie gute Abfindungen für die Betroffenen aus. Oder sorgen Sie dafür, dass Werke bloß verkauft statt geschlossen werden. Und helfen Sie VW, die Kosten so schnell wie möglich zu senken. 

Rettungspaket für Volkswagen?

„Es ist nicht Aufgabe der Politik, die Probleme von VW auszubaden“

von Sonja Álvarez

Denn auch Sie wissen ganz genau, dass Volkswagen in der Autoproduktion zu viele Kapazitäten hat. Da ist es nur vernünftig, ein bis zwei der teuren Werke in Deutschland zu schließen, statt die hohen Kosten weiter mitzuschleppen. 

Die goldenen Zeiten, in denen starke Betriebsräte gemeinsam mit dem Land Niedersachsen und der IG Metall hohe Kapazitäten und viele Jobs durchsetzen konnten, sind vorbei.

Die Konkurrenz in China betreibt moderne Sklaverei  

In einem Punkt aber gebe ich Ihnen Recht: Sparen allein ist noch keine Strategie. VW muss gleichzeitig daran arbeiten, die Technologieführerschaft zurückzuerlangen. Nur so wird der Konzern wieder eine Zukunft haben. Doch auch das wird nicht gehen, wenn auf der einen Seite die IG Metall nach der 4-Tage-Woche und höheren Tarifen gleichzeitig schreit. 

Lesen Sie auch: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Kahlschlag bei VW

Denn die Konkurrenz schläft nicht. Das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe neulich eine Geschäftsfrau aus China getroffen. Die erzählte mir, dass Arbeitgeber in China erwarten würden, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen 'freiwillig' von morgens früh bis nachts arbeiteten. Glücklich war sie darüber keinesfalls. Ihre Kinder? Hüten die Großeltern! Sie sagte mir auch einen denkwürdigen Satz: „Wir Chinesen leben nicht, wir überleben.“ 

Ich würde das moderne Sklaverei nennen. Und ich kann das nicht gutheißen. Aber wir alle und vor allem Sie als Gesamtbetriebsratsvorsitzende eines der weltgrößten Autobauer müssen verstehen, dass dies die Arbeitskräfte sind, gegen die VW antritt. Arbeitskräfte, die für viel weniger Geld doppelt so lange arbeiten. 

VW ist in China zunehmend abgehängt

Wie sonst haben es die Chinesen geschafft, binnen kürzester Zeit völlig neue Autos auf den Markt zu bringen? Autos, die jene Fahrzeuge Ihres Konzerns so alt aussehen lassen, dass sie kaum einer mehr kaufen will. In China ist VW zunehmend abgehängt. Schon bald könnte es für VW heißen: Game over auf dem größten und wichtigsten Fahrzeugmarkt der Welt.  

Sorgen Sie also jetzt dafür, dass ein Game over in Deutschland nicht für ganz VW der Fall ist – sondern eben nur für ein oder zwei Werke. 

Lesen Sie auch: Für welche VW-Standorte es eng werden dürfte

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick