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Boom der vergangenen Jahre ist vorbei Jetzt kämpfen auch Sparkassen ums Überleben

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Löwe aus Metall

Eine hohe fünfstellige Summe wäre für einen Verein mit 29 Mitgliedern auch schon gewaltig. Für Renommierprojekte ist jedenfalls Geld da: Die Initiative ließ zum Beispiel einen Löwen aus Metall auf dem Vorplatz der Kreisverwaltung aufstellen. 45.000 Euro – so behauptet es die Kreistagsfraktion der Grünen auf ihrer Homepage – ließen die Sparkasse und ihre Stiftungen dafür springen. Die Sparkasse kann nicht sagen, ob die Summe stimmt. „Ich bin davon überzeugt, dass der Löwe für Düren die Bedeutung erlangen wird, die der Eiffelturm für Paris besitzt“, schwärmte ein Vorstand bei der Einweihung. Anderswo dagegen wird gespart: zum Beispiel beim Verein Endart, der sich um drogenabhängige Jugendliche kümmert. Die 5000 Euro, die der Verein für einen Band-Wettbewerb brauchte, konnte die Sparkassenstiftung nicht auf einen Schlag, sondern nur verteilt über zwei Jahre zahlen.

590 Kilometer von Düren entfernt liegt Annaberg-Buchholz. Die Kreisstadt des Erzgebirges sieht aus wie von einer Modelleisenbahnplatte zwischen die Hügel des Erzgebirges gesetzt, das Schaufenster eines Holzfigurenladens wirbt: „Neue Wichtel eingetroffen“. Ein paar Touristen spazieren durch die lückenhafte Idylle: Geschäfte suchen Mieter, bei manchen Häusern sind die Fenster zerbrochen.

90.000 Einwohner hat der sächsische Kreis in den vergangenen 20 Jahren verloren. Bis 2025 werden es noch mal 60.000 weniger, und die 300.000 Verbliebenen werden dann im Durchschnitt 52 Jahre alt sein. Statt früher fast 5000 machen jährlich noch 2300 Schüler einen Abschluss. Die Zahlen trägt Sparkassenchef Roland Manz aus einem dicken Hefter mit der Aufschrift „Strategie“ vor. „Wir bewegen uns in einem schrumpfenden Markt“, sagt er. Das ist so, seit er 1990 als junger Sparkassenmanager aus Bayern zugewandert ist.

Sparen

Die Sparkasse muss sparen. Nur an einer Stelle wird der Rotstift nicht angesetzt: 1,2 Millionen Euro hat sie 2012 für Spenden ausgegeben, und das nicht bloß für Kleckerprojekte, sondern auch für Spitzensport. Seit Jahren unterstützt sie die Winterathleten in Oberwiesenthal, seit 2011 kickt zudem der aktuell abstiegsbedrohte Zweitligist aus Aue im „Sparkassen-Erzgebirgsstadion“. Für zehn Jahre hat sich das Institut die Namensrechte gesichert.

Ihr Slogan „Wir sind Erzgebirge“ prangt nun an der altertümlichen Sportstätte, und im Sommer darf dann auch mal ein Sparkassenteam gegen die Profikicker ran. „Ein Signal der Verbundenheit mit der Region“, sagt Manz. „Auch im Erzgebirge sind Spitzenleistungen möglich.“ Weiterer Vorteil: Die Eintrittspreise bleiben moderat.

Sind das die Aufgaben der Sparkasse?

Aber sind solche Imageprojekte wirklich Aufgaben der Sparkasse? Klare Regeln fehlen. In der Praxis kungeln Sparkassenmanager und Lokalpolitiker aus, was mit dem Geld geschieht. „Eigentlich dürften sie Sponsoring nur so betreiben, dass wirklich alle Einwohner davon profitieren“, sagt der Frankfurter Juraprofessor Helmut Siekmann. „Und statt üppiger Spenden müssten die Sparkassen, wenn sie hohe Gewinne erzielen, ihre Konditionen kundenfreundlicher machen.“ Schließlich sei es ihr öffentlicher Auftrag, Finanzdienstleistungen auch für ärmere Bevölkerungsschichten möglichst günstig anzubieten.

Doch die Sparkassen haben vielerorts ganz andere Probleme. Sie stehen unter Kostendruck – auch im Erzgebirge, wo sich gerade drei Sparkassen zusammengeschlossen haben. „Wir durchleuchten alle 97 Filialen genau“, sagt Chef Manz. Alle können nicht bleiben, es geht um Alternativkonzepte. In 16 Einzelhandelsläden können Kunden mit der EC-Karte Geld abheben. Die Sparkasse macht auch mit beim Projekt „Große Emma“ des Ostdeutschen Verbandes. Dabei nutzen etwa Versicherungen und Stromerzeuger die Gebäude mit, um ihre Produkte zu vertreiben. So sinken die Kosten für jeden Mieter. Zudem hat Manz neun knallrote Minis angeschafft, die mit dem Aufdruck „Ihre Sparkasse für zu Hause“ zu den Kunden rollen.

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