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Deutsche Bank Großaktionäre fordern Einschnitte im Investmentbanking

Deutsche Bank Tower Quelle: AP

Vier Großaktionäre erhöhen den Druck auf die Deutsche Bank. Die schwächelnde Investmentbanking-Sparte ist ihnen ein Dorn im Auge – sie wollen einen Strategiewechsel.

Wegen der anhaltenden Schwäche des Investmentbankings setzen die Großaktionäre Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing zunehmend unter Druck. Es sei klar, dass sich bei der Sparte einiges ändern müsse und das bald, sagte eine Person aus dem Umfeld eines der größten Investoren des Instituts am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Vor allem in den USA sei der Bereich immer noch zu groß und werfe zu wenig ab, obwohl Sewing dort nach seinem Amtsantritt im vergangenen April recht schnell begonnen habe aufzuräumen, bemängelte ein anderer Insider.

Einen Bericht der „Financial Times“, wonach vier der zehn größten Aktionäre des Instituts von Sewing in der jüngsten Zeit konkret weitere Einschnitte bei der Investmentbank gefordert hätten, konnten die beiden Insider so nicht bestätigen. Es gebe unter den Aktionären aber drei Gruppen, sagte eine der Personen: „Die einen wollen eine Fusion mit der Commerzbank, die anderen würden die Deutsche Bank am liebsten zerlegen und die dritte Gruppe will sie gesundschrumpfen, wozu auch ein weiterer Rückbau im Investmentbanking in den USA gehören würde.“

Chronische Ertragsschwäche

Die Investmentbank ist die größte der drei Sparten des Geldhauses. Der Handel mit Wertpapieren und die Beratung von Kunden bei Kapitalmarkttransaktionen, Fusionen, Übernahmen und Börsengängen spülte im vergangenen Jahr rund die Hälfte der Erträge in die Kassen der größten deutschen Bank. Allerdings gingen die Einnahmen binnen Jahresfrist um gut eine Milliarde auf rund 13 Milliarden Euro zurück. Vor Steuern lag der Gewinn der Sparte 2018 bei 530 Millionen Euro, 2017 waren es noch 1,1 Milliarden Euro gewesen. Vor allem in den USA sind Konkurrenten wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley den Deutschen nach der Finanzkrise weit enteilt.

Die Deutsche Bank stellte am Donnerstag klar, sie habe das Geschäft in der Corporate & Investment Bank und in den USA bereits 2018 reduziert. „Wir haben unsere Anpassungen vor dem Zeitplan abgeschlossen und haben nun eine gute Grundlage für Wachstum.“ Sewing und der für das Investmentbanking zuständige Vorstand Garth Ritchie haben im vergangenen Jahr unter anderem den Handel mit Aktien in den USA um ein Viertel zusammengestrichen, ebenso Dienstleistungen für Hedgefonds und die Aktivitäten im Energie- und Rohstoffhandel. Ein Komplett-Rückzug von der Wall Street ist jedoch nicht geplant. Im Devisenhandel und als Dienstleister im internationalen Zahlungsverkehr wollen die Frankfurter weiter ganz vorne mitmischen.

Garth Ritchie unter Druck

Unterdessen steigt wegen der anhaltenden Ertragsschwäche der Druck auf Investmentbanking-Vorstand Ritchie, der zugleich einer der beiden Stellvertreter von Sewing ist. Wenn er nicht bald Erfolge vorweisen könne, dann dürfte die Luft für Ritchie immer dünner werden, sagte einer Insider. Der Vertrag des Südafrikaners, der seit Jahrzehnten in Diensten der Deutschen Bank steht, war erst im vergangenen Jahr um fünf Jahre verlängert worden. Die „FT“ hatte einen Großaktionär mit Blick auf einen möglichen Vorstandsumbau mit den Worten zitiert: „Christian (Sewing) muss in den nächsten Monaten eine Änderung vornehmen.“

Die Deutsche Bank hatte 2018 nach drei Verlustjahren in Folge wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das Konzernergebnis lag bei 341 Millionen Euro nach einen Nettoverlust von 735 Millionen Euro im Vorjahr. Der Aktienkurs ist in den gut zehn Monaten seitdem Sewing auf dem Chefsessel Platz genommen hat, allerdings um gut ein Drittel in die Knie gegangen. Die Deutsche Bank und die wichtigsten Investoren des Geldhauses wollten die Informationen nicht kommentieren. Neben dem chinesischen Mischkonzern HNA und dem Emirat Katar gehören die weltgrößte Fondsgesellschaft Blackrock, der Hedgefonds Hudson Executive und der Finanzinvestor Cerberus zu den Großaktionären des Instituts. Cerberus ist auch an der Commerzbank beteiligt und berät zugleich die Deutsche Bank.

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