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Interne Papiere So instabil sind unsere Sparkassen

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Bevorzugung ist Geschichte

Vor allem aber dürfte ein weiteres Privileg der Gruppe endlich fallen. Bisher gelten Anleihen von Landesbanken innerhalb der öffentlich-rechtlichen Finanzgruppe als vollkommen risikolos. Das heißt: Wenn Sparkassen die Papiere kaufen, müssen sie diese nicht mit Eigenkapital unterlegen.

In ihrem Plan gehen die Aufseher davon aus, dass es mit dieser Bevorzugung vorbei wäre. Die Folgen skizzieren sie als erheblich. Sollte das Privileg fallen, würde „bei den angeschlossenen Mitgliedern des Verbunds ein erheblicher Rekapitalisierungsbedarf ausgelöst werden“, schreiben sie.

Um das zu vermeiden, muss ein Käufer für die HSH her. Seit vergangenem Montag läuft die offizielle Suche, per Zeitungsanzeige werben die Eigentümer für „eine der führenden Geschäftsbanken“ und „kompetente Partnerin“ in norddeutschen Regionen. Es soll eine ganze Reihe von Interessenten geben. Doch Insider sind skeptisch, dass diese wirklich attraktive Angebote abgeben werden.

Denn wirklich aufgeräumt hat die HSH in den vergangenen Jahren nicht. So hat sie zwar kürzlich Problemkredite in Höhe von vier Milliarden Euro in eine Abwicklungseinheit ausgelagert. Das war jedoch deutlich weniger als ursprünglich geplant: Eigentlich wollte sich die Bank von Engagements über 15 Milliarden Euro trennen. Das war den Ländern als Eigentümer zu viel. Die Problemkredite sind deshalb bei der Bank geblieben und dürften Käufer abschrecken. Beteiligte gehen davon aus, dass sich die Bank allenfalls in Teilen verkaufen lässt.

Letzte Hoffnung Nord/LB

Letztlich läuft damit alles auf eine Lösung innerhalb der öffentlich-rechtlichen Banken hinaus. Und damit auf die in Hannover ansässige Nord/LB. Trotz aller Dementis soll diese für eine Übernahme bereitstehen, sagen Sparkassenvertreter. Angesichts der sonst schlimmen Folgen für die ganze Gruppe bleibt ihr wohl auch wenig übrig.

Damit würde sich das Risiko allerdings nur verlagern. Die Sorge, dass sich die Nord/LB mit der Übernahme verheben könnte, ist bei den Sparkassen mit Händen zu greifen. Schließlich hat sie gerade erst die gestrauchelte Bremer Landesbank komplett übernommen, zudem hat sie ähnlich wie die HSH noch Milliarden von Schiffskrediten in den Büchern. Mittelfristig könnte es deshalb dennoch zu einem Haftungsfall kommen. „Das ist in diesem Jahr eines der wichtigsten Themen“, sagt ein Sparkassenmanager.

Deshalb wollen die Institute in Niedersachsen vorsorgen. Über ihren Verband halten sie gut 26 Prozent an der Landesbank. In Sparkassenkreisen heißt es, dass die Beteiligung auf null sinken soll, wenn die Nord/LB bei der HSH zugreift. Offiziell erklärt der niedersächsische Verband, dass er „am Ende ausschließlich das Wohl der Nord/LB und ihrer Träger im Auge behalten werde“.

Realistisch ist der vollständige Ausstieg nicht. Denn Niedersachsen müsste den Sparkassen dann rund 1,9 Milliarden Euro überweisen. Den Steuerzahlern des Landes dürfte das kaum zu vermitteln sein. „Reines Geschacher“, urteilt ein Sparkassenvorstand. Die Bankenaufseher der EZB dürften die Übernahme jedenfalls kritisch sehen. Sie wollen eine weitere Konzentration von maroden Schiffskrediten vermeiden.

Sicher scheint deshalb nur, dass am Ende die Steuerzahler den größten Teil der HSH-Rechnung übernehmen müssen. Die Prognosen bewegen sich zwischen 16 und 20 Milliarden Euro. Der größte Teil wird bald fällig: Die von den HSH-Eigentümern Hamburg und Schleswig-Holstein gewährte Garantie über zehn Milliarden Euro könnte schon in diesem Jahr verbraucht sein.

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