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Offene Fragen Was bedeutet das Aus von Al Alam für Wirecard?

Mithilfe des undurchschaubaren Partners Al Alam soll Wirecard in Dubai mehrere Hunderte Millionen Euro Umsatz gemacht haben. Quelle: imago images

Einer der wichtigsten Geschäftspartner von Wirecard sitzt in Dubai – und wird überraschend liquidiert, die Aktie stürzt daraufhin ab. Welche neuen Fragen Wirecard jetzt beantworten muss.

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Zugegebenermaßen ist Wirecard in einer Disziplin ziemlich gut: Der Dax-Konzern schafft es so gut wie kaum ein zweites Unternehmen in Deutschland, immer wieder selbst neue Fragen zu seinem eigenen Geschäft aufzuwerfen – und so Investoren zu verstören. An diesem Freitag ist das dem Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München erneut gelungen.

Der Reihe nach: Am Freitagnachmittag sackte der Kurs des Konzerns um mehr als zehn Prozent ab. Ursächlich hierfür dürfte die Nachricht gewesen sein, dass Wirecards Geschäftspartner Al Alam liquidiert wird. Diese Information verbreitete sich schnell über die sozialen Medien und wurde am Abend von Wirecard bestätigt.

Die Meldung ist von hoher Relevanz, denn Al Alam mit Sitz in Dubai ist nicht irgendein Geschäftspartner des deutschen Zahlungsabwicklers. So erzielt Wirecard einen erheblichen Teil seines Umsatzes und seines Gewinns mit sogenannten Drittpartnern, der wichtigste von ihnen ist Al Alam.

Die heute bekannt gewordene Schließung von Al Alam dürfte unter Investoren für neue Zweifel an der Geschäftsbeziehung gesorgt haben. Wirecard ordnet den Schritt des Geschäftspartners zwar als bedeutungslosen Vorgang ein. Laut einer Stellungnahme des Unternehmens habe Al Alam lediglich „Geschäft auf andere Konzerngesellschaften innerhalb seiner Dachorganisationen“ übertragen. Das Unternehmen reagiere damit auf den entstandenen Reputationsschaden durch die „öffentliche Hinterfragung seiner Integrität“. Wirecard sei durch den Schritt weder bei den Transaktionsvolumina noch in seiner Abwicklungsfähigkeit beeinträchtigt.

Dennoch wirft der Vorgang neue Fragen auf und sorgt für weitere Intransparenz: So mochte ein Wirecard-Sprecher auf Nachfrage nicht erklären, wie die Konzerngesellschaften heißen, auf die das Geschäft von Al Alam übertragen worden sein soll. Das Unternehmen sei hierzu „nicht autorisiert“. Al Alam war telefonisch nicht zu erreichen. Zudem stellt sich die Frage, wieso Wirecard nicht selbst über die Schließung informiert hat.

Die Geschäftsbeziehung zu Al Alam wirft schon seit langem Fragen auf. So wickelt Al Alam für Wirecard nach eigenen Angaben Zahlungen in Milliardenhöhe ab. Wie auch die WirtschaftsWoche mehrfach berichtete, war Insidern zufolge nur eine Handvoll Mitarbeiter für das Unternehmen tätig. Diese wollen zudem den Eindruck gewonnen haben, dass Wirecards Statthalter in Dubai im Kern die Geschäfte von Al Alam gelenkt hat. Wirecard gab hierzu auf Nachfragen der WirtschaftsWoche im Dezember keine Stellungnahme ab. Bei einem Besuch am Hauptsitz von Al Alam in Dubai war auch lediglich eine Sekretärin anzutreffen. Anfragen der WirtschaftsWoche beantwortete Al Alam bislang kein einziges Mal. Wer hinter Al Alam steht, ist nicht nachvollziehbar. Wirecard hatte Fragen hierzu in der Vergangenheit auch stets unbeantwortet gelassen.

Vor gut einem halben Jahr hatte Wirecards Aufsichtsrat die Prüfungsgesellschaft KPMG engagiert, Wirecards Geschäfte mit Drittpartnern wie Al Alam zu durchleuchten. Die Forensiker sollten feststellen, ob Wirecard mit Al Alam in den Jahren 2016 bis 2018 tatsächlich Geschäfte im behaupteten Umfang abgewickelt hat und ob ein zugunsten von Al Alam eingerichtetes Treuhandkonto der Gesellschaft tatsächlich existierte. Die Prüfung wurde jedoch ergebnislos beendet. Die Prüfer erklärten, für eine eindeutige Aussage hätten zu viele Unterlagen gefehlt.

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Ende 2019 hat sich die WirtschaftsWoche in Dubai, wo Wirecard Hunderte Millionen Euro Umsatz mithilfe des undurchschaubaren Partners Al Alam gemacht haben soll, auf Spurensuche begeben. Die Ergebnisse dürften das Misstrauen von Investoren gegenüber dem Dax-Konzern nicht beruhigen. Lesen Sie hier die Geschichte über den damaligen Ortsbesuch.

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