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Privatbank Sal. Oppenheim Das Leben der Oppenheims nach dem Absturz

Drei Jahre nach der Beinahepleite der Privatbank stehen die einst reichen und angesehenen Eigentümerfamilien vor dem Abgrund. Das Geld ist weg, das gesellschaftliche Ansehen auch. Innerhalb der Familie kommt es immer häufiger zu Streit. Das Leben der Kölner Adelssippe nach dem Absturz.

Der Schriftzug der Privatbank Sal. Oppenheim am Eingang der Bank in Köln Quelle: AP

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich Matthias Graf von Krockows aus Pommern geflüchteten Eltern in ihrer neuen Heimat bei Trier nieder und bauten sich mit Eiern aus dem heimischen Hühnerstall eine neue Existenz auf.

Nun erlebt die Familie erneut das Drama von Verfall und Neubeginn. Denn der Reichtum, den von Krockow als Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Kölner Privatbank repräsentierte, ist größtenteils perdu. In dem adligen Frontmann selbst sehen viele den Hauptschuldigen für das Ende von Europas einst größter unabhängiger Privatbank. Deren Untergang verhinderte 2009 nur die von Politik und Bankenaufsicht forcierte Notübernahme durch die Deutsche Bank. Sal. Oppenheim lebt als Tochterunternehmen fort, aber die früheren Eigentümer haben bei dem Institut nichts mehr zu sagen.

Deutschlands traditionsreichste Privatbanken
Mit ihrem Geld wurden Könige gewählt und Kriege finanziert. Privatbankiers haben zum Teil schon vor 500 Jahren große Vermögen verwaltet. Heute kümmern sich die exklusiven Geldhäuser hauptsächlich um die Gelder von betuchten Privatkunden. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Zahl der unabhängigen Institute in Deutschland von über 1300 auf rund ein Dutzend zurückgegangen. Und mit der Notübernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank verliert das prominenteste und finanzstärkste private Institut in Deutschland seine Unabhängigkeit. Foto: PR
Sal. OppenheimMit 40 000 Talern in bar und 50 000 Talern in Wertpapieren gründete der 17-jährige Salomon Oppenheim Jr. im Jahr 1789 ein Kommissions- und Wechselhaus in Bonn. 220 Jahre und zwei Umzüge später sitzt die Privatbank nun in Luxemburg und beschäftigt rund 4300 Mitarbeiter. Mit einer Bilanzsumme von 41,4 Milliarden Euro (Stand November 2009) zählt sie zu den größten unabhängigen Privatbanken Europas. Im Jahr 2008 schrieb die Bank zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg rote Zahlen. Foto: PR
Berenberg-BankUm ihr Vermögen müssen die persönlich haftenden Gesellschafter der Berenberg Bank nicht bangen: Eine Eigenkapitalrendite von 45,3 Prozent und ein Überschuss von 62 Millionen Euro im vergangenen Jahr (2010) dürfte sie ruhig schlafen lassen. Die Berenberg Bank nennt sich selbst die älteste Privatbank Deutschlands. Sie ging aus einem familiengeführten Hamburger Handelshaus hervor, das 1590 gegründet wurde. Sie verfügt über eine Bilanzsumme von 3,2 Milliarden Euro (2010) und verwaltet über 25 Mrd. Euro. Ende 2010 beschäftigte die "Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG" 977 Mitarbeiter an 17 Standorten. Größte Gesellschafter sind die Familie sowie die persönlich haftenden Gesellschafter. Foto: PR
Hauck & Aufhäuser PrivatbankiersKnapp acht Prozent von Hauck & Aufhäuser gehören dem Kuwaitischen Königshaus. Die Gründerfamilie Hauck hält ebenfalls ein Aktienpaket, rund 80 Prozent der Anteile sind im Besitz privater Unternehmerfamilien. Der Bilanzgewinn lag 2010 bei 9,1 Millionen Euro, die Bilanzsumme betrug 3,2 Milliarden Euro. Hauck & Aufhäuser beschäftigt derzeit rund 600 Mitarbeiter. Foto: PR
Bankhaus LampeDas Motto des Bankhaus Lampe lautet "Für Wenige Besonderes leisten". Dem bleibt die Bank auch treu: Wenige, dafür wohlhabende Kunden bilden das Klientel. Gegründet wurde das heute in Bielefeld ansässige Unternehmen 1852 in Minden. Mittlerweile hat das Bankhaus Lampe 580 Mitarbeiter an 12 Standorten, darunter Dresden, Hamburg, Berlin und München. Hatte das Institut 2007 noch 24 Millionen Euro Jahresüberschuss, schrieb es 2008 zwölf Millionen Euro Verluste. Foto: PR
Fürstlich Castell'sche Bank, Credit-Casse AGDie älteste Bank Bayerns wurde 1774 als "Gräflich Castell-Remlingen´sche Landes-Kredit-Casse" gegründet. Nach der Erhebung in den Fürstenstand und der Übernahme einer anderen Castell`schen Bank heißt das Institut heute "Fürstlich Castell´sche Bank, Credit-Casse". Der Hauptsitz ist mittlerweile in Würzburg. Die Bank befindet sich im alleinigen Besitz der Fürstenhäuser Castell-Rüdenhausen und Castell-Castell. Die Bilanzsumme liegt bei 1,1 Milliarden Euro (Stand November 2009). Beschäftigt werden 270 Mitarbeiter in 15 Filialen. Foto: PR
Merkur-BankDie Merkur-Bank engagierte sich in den 90er-Jahren in der Republik Mosambik, was ihrem damaligen Vorsitzenden Siegfried Lingel den Titel Honorarkonsul von Mosambik einbrachte. Gegründet wurde die Bank 1959 von Zanwel Horowicz zusammen mit seiner Frau und seinem Bruder. 1986 stieg dann eine Investorengruppe um Siegfried Lingel ein. Der Bilanzgewinn sank im Jahr 2008 auf 282 000 Euro im Vergleich zu 956 000 Euro in 2007. Foto: PR

Villen, Kunstwerke und Statussysmbole

Rund 40 Gesellschafter hatte die Bank zum Zeitpunkt ihres Nahtods. Einige haben mit dem Institut ihre Existenzgrundlage verloren. Zwar zahlte die Deutsche Bank rund eine Milliarde Euro Kaufpreis an die Altgesellschafter. Jedoch übernahm sie zugleich hohe Kredite, die die Bank ihren Alteigentümern gewährt hatte. Viele Villen, Kunstwerke und Statussymbole dienen nun als Sicherheiten für die vor dem Niedergang angehäuften Verbindlichkeiten.

Über Jahrzehnte lieferte das 1789 gegründete Institut verlässlich Millionengewinne, überstand Kriege und Revolutionen. Das ermöglichte seinen Eigentümern ein Leben zwischen Galopprennen, Kunstsammlung und Geschäftsdinner. Mit einem Vermögen in Milliardenhöhe rangierten sie in den Ranglisten der reichsten Deutschen stets weit oben. Dieser Glanz sollte auch auf die Oppenheim-Kunden abfärben. Sie erhielten Zutritt zu einer Parallelwelt des unbescheidenen Reichtums. Zu von der Bank gesponserten Poloturnieren flogen indische Maharadschas ein, die Gartenfeste, die bis zu eine Million Euro gekostet haben sollen, bekochten Spitzengastronomen. Sogar Ehen sollen mithilfe der Bank gestiftet worden sein.

Finanziell schwierig

Mit der Herrlichkeit ist es für die ehemaligen Gesellschafter vorbei. Zwar wohnen die meisten noch in ihren angestammten Villen, leben viele, als wäre nichts geschehen. Doch: „Für alle, die kein Einkommen neben der Bank oder nicht reich geheiratet haben, sieht es finanziell schwierig aus“, sagt ein Insider. Denn bei vielen übersteigen die aufgenommenen Kredite das vorhandene Vermögen deutlich. Im Grunde sind etliche Familienangehörige wohl längst Kandidaten für eine Privatinsolvenz. Dass es dazu bisher nicht kam, ist der zögerlichen Verwertung der Sicherheiten durch die Deutsche Bank zu verdanken. Doch die Folgen sind allseits spürbar. Schon werden erste Villen und Kunstwerke verkauft.

Sal. Oppenheim war für beteiligte Familien wie von Oppenheim, Ullmann, Pferdmenges, Marx, Strasoldo und von Wrede mehr als eine materielle Versorgungsgrundlage. Die Bank war auch Identitätsstifter, ihre wechselvolle, aber letztlich stets erfolgreiche Geschichte verlieh den Eigentümern eine Aura der Unverwundbarkeit.

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