Preisfrage: Warum kleines Münzgeld wirtschaftlich unsinnig ist
Es ist eine Schlagzeile, die regelrecht dramatisch klingt: „Das US-Finanzministerium enthüllt seine Pläne, den Penny zu killen“, schrieb der amerikanische Fernsehsender CNN Ende Mai.
Das US-Finanzministerium habe die letzte Lieferung von sogenannten Münzrohlingen, die als Grundlage des Penny dienen, im Mai 2025 bestellt. Ist der letzte dieser Rohlinge geprägt, endet die Produktion. Das dürfte Berechnungen zufolge Anfang 2026 der Fall sein.
Überraschend war die Nachricht nicht. US-Präsident Donald Trump hatte schon im Februar dieses Jahres die Anweisung gegeben, die Produktion der amerikanischen 1-Cent-Münze zu stoppen – mit Verweis auf die Kosten.
Der US-Penny besteht zu 97,5 Prozent aus Zink, der Rest ist Kupfer, das für die Legierung der Münze genutzt wird. Allein für das Material und die Herstellungskosten eines Penny werden drei Cent fällig. Das umfasst beispielsweise die Prägung und Gravur der Münze.
Die Verwaltungs- und Gemeinkosten belaufen sich auf 0,0066 Dollar. Dazu gehören Punkte wie Personal- oder Lagerkosten. 0,0003 Dollar schlagen schließlich für den Vertrieb zu Buche. Denn die staatliche Münzprägeanstalt US Mint muss die Münzen noch bei einzelnen Regionalbanken der US-Notenbank Federal Reserve in Umlauf bringen.
Die Kosten summieren sich auf 0,0369 Dollar, also rund 4 Cent. Somit übersteigen sie den Nennwert der Münze um das Dreifache. In den Jahren 2022 und 2023 (rund drei Cent) sah das nicht besser aus. Wirtschaftlich ist die Produktion des Penny in den USA also unsinnig. Das trifft übrigens auch auf die Fünf-Cent-Münze zu, deren Produktion rund 14 Cent kostet.
Die US-Regierung erwartet durch den Stopp der Penny-Pro eine jährliche Einsparung von 56 Millionen Dollar.
Europäisches Münzgeheimnis
Das wirft die Frage auf, wie es sich mit den Kosten für die Herstellung von europäischen Cent-Münzen verhält. In Deutschland ist dafür das Bundesfinanzministerium (BMF) als Münzherr zuständig.
Eine Sprecherin des BMF teilt auf Anfrage mit: „Die Herstellungskosten (zusammengesetzt aus Materialkosten, Prägekosten, Verpackung und Transport) liegen bei den 1-und 2-Cent-Münzen jeweils über dem Nennwert.“ Demnach liegen die Kosten erst ab der 5-Cent-Münze unter dem Nennwert.
Eine konkrete Aufschlüsselung der einzelnen Kostenpunkte sei aber nicht möglich, „da es sich bei den Herstellungskosten von deutschen Euro-Umlaufmünzen um Geschäftsgeheimnisse handelt, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt sind“.
Kleine Cent-Münzen in der Bevölkerung unbeliebt
Laut einer Umfrage der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2023 hat sich der Bargeldbestand in den Brieftaschen der Deutschen kaum verändert. Interessant ist jedoch, dass demnach mittlerweile weniger Deutsche Münzen in ihren Brieftaschen haben. 15 Prozent der Befragten gaben an, gar keine Münzen in ihrer Brieftasche zu haben, im Jahr 2014 waren das nur sechs Prozent.
Dass vor allem kleine Münzen in der Bevölkerung unbeliebt sind, zeigt das Eurobarometer aus Oktober 2024. Dort sprachen sich 61 der Befragten aus der Eurozone dafür aus, 1- und 2-Cent-Münzen abzuschaffen und stattdessen bei Zahlungen auf- oder abzurunden.
Nationales Bargeldforum will 1- und 2-Cent-Münzen abschaffen
Genau das forderte im März dieses Jahres auch das Nationale Bargeldforum, ein auf Initiative der Deutschen Bundesbank gegründetes Gremium. Die Streichung der kleinen Münzen sei in einigen europäischen Ländern wie den Niederlanden und Finnland eine gängige Praxis.
Auch seien die ökologischen und ökonomischen Kosten für Herstellung, Verpackung und Transport der kleinen Münzen „im Verhältnis zu ihrem Nennwert hoch“. „Wenn wir auf den Umlauf von 1- und 2-Cent-Münzen verzichteten, würde Bargeld für die Nutzerinnen und Nutzer attraktiver“, erklärte Burkhard Balz, Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank und Vorsitzender des Nationalen Bargeldforums.
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