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9,4 Millionen neue Stammaktien Delivery Hero will mit Kapitalerhöhung Milliardensumme einsammeln

Delivery Hero konnte seinen Kurs binnen zwei Jahren vervierfachen. Dabei macht der Essenslieferdienst nicht einmal echte Gewinne, punktet aber durch hohes Umsatzwachstum, zusätzlich angetrieben durch die Coronakrise. Quelle: REUTERS

Essenslieferant und Dax-Mitglied Delivery Hero plant mit Hilfe einer Kapitalerhöhung an frisches Geld zu kommen. Die Erlöse will das Management unter anderem für „attraktive Investitionsmöglichkeiten“ nutzen.

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Der Essenslieferant Delivery Hero will sich mit einer Kapitalerhöhung frisches Geld besorgen. Es handelt sich dabei um eine Barkapitalerhöhung ohne Bezugsrecht der Aktionäre, teilte der Dax-Konzern am Mittwochabend in Berlin mit. Insgesamt will Delivery Hero in etwa 9,4 Millionen neue Stammaktien ausgeben, die allerdings ausschließlich institutionellen Investoren angeboten werden sollen.

Die Zahl der Aktien entspricht demnach rund 4,7 Prozent des Grundkapitals des Konzerns. Die Kapitalerhöhung wird im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahrens über die Bühne gehen, das mit sofortiger Wirkung beginnt, hieß es. Die Erlöse will das Management unter anderem für „attraktive Investitionsmöglichkeiten“ nutzen.

Anleger zeigten sich nicht begeistert. Der Aktienkurs von Delivery Hero sackte auf der Handelsplattform Tradegate in einer ersten Reaktion um vier Prozent ab. Im vergangenen Jahr gehörte der Lieferdienst zu den großen Dax-Aufsteigern. Delivery Hero konnte seinen Kurs binnen zwei Jahren vervierfachen. Dabei macht der Essenslieferdienst nicht einmal echte Gewinne, punktet aber durch hohes Umsatzwachstum, zusätzlich angetrieben durch die Coronakrise.

Ob sich das Geschäftsmodell eines Tages auch durch nachhaltige Erträge auszeichnet, ist offen. Dass Delivery Hero in manchen Ländern auf politischen Widerstand stößt und die Aktie analytisch überbewertet ist, mahnt zur Vorsicht. Andererseits zieht der Kurs so dynamisch nach oben, dass ein Ende dieses Momentum-Trends noch nicht absehbar ist.

Delivery selbst machte zuletzt durch die Übernahme des südkoreanischen Start-ups Woowa Brothers auf sich aufmerksam. Denn im Dezember 2019 trafen sich Vertreter von Dax-Neuling mit den Gründern von Woowa Brothers, das die Onlineliefer-App Baemin betreibt. Sie beschlossen zweierlei: Die Berliner (Umsatz: 1,2 Milliarden Euro) kaufen 88 Prozent der Woowa-Anteile für rund 3,6 Milliarden Euro; gleichzeitig gründen beide Firmen ein Joint Venture namens Woowa DH Asia mit Sitz in Singapur, an dem beide je 50 Prozent halten. Die neue Firma soll Delivery Heros Geschäfte in elf asiatischen Ländern leiten.

Der Essenslieferdienst Delivery Hero muss sich für die milliardenschwere Übernahme in Südkorea allerdings von seiner eigenen Tochter in dem asiatischen Land trennen. Die Wettbewerbsbehörde in Seoul verlangt von Delivery Hero den Verkauf von Yogiyo, der Nummer zwei unter den Essenslieferanten in Südkorea. Sonst drohe mit der 3,6 Milliarden Euro schweren Übernahme von Marktführer Woowa durch Delivery Hero ein Quasi-Monopol, begründete die Korea Fair Trade Commission (KFTC) die Entscheidung. Der Gründer und Chef des Berliner Unternehmens, Niklas Östberg, hatte sich lange gegen die Auflage gewehrt, lenkte nun aber ein. Die Genehmigung sei eine „großartige Neuigkeit“ für die gesamte Branche, auch wenn er „zutiefst betrübt“ über den Verkauf von Yogiyo sei.

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Es ist die bislang größte Transaktion von Delivery Hero, und auch die größte Übernahme eines Start-ups in Korea. DH-Chef Niklas Östberg sprach damals von einer „strategischen Partnerschaft“. Und Woowa-Gründer Bongjin Kim, der die neue Firma in Singapur leiten soll, freute sich, gemeinsam „den koreanischen Markt mit hohem Potenzial weiter zu durchdringen“.

Übernahmen sind das Mittel der Wahl in der Branche der Onlineessenslieferdienste. Man wächst vor allem durch Akquisitionen, die Gilde konsolidiert sich: Zuletzt griff Delivery Heros großer Wettbewerber, das niederländisch-britische Unternehmen Justeat-Takeaway, nach dem US-Rivalen Grubhub – für 6,4 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema: Deutschlands prominenter Seriengründer Nikita Fahrenholz sprach im Podcast mit Chefredakteur Beat Balzli über Dax-Neuling Delivery Hero, Gründer-Klischees – und seinen teuren Irrtum bei Wirecard.

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