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Quelle: dpa

Online-Glücksspiel weltweit: Klassische Lotterie und Sportwetten am beliebtesten

Spaß und sich ausmalen, was man mit einem hohen Geldgewinn machen könnte – das sind die meistgenannten Motivatoren für Online-Glücksspiel. Spieler und Nicht-Spieler haben aber auch ein Bewusstsein für die Probleme damit.

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Mehr als zwei von fünf Deutschen haben in den vergangenen zwölf Monaten an einem Glücksspiel online- oder offline teilgenommen. Das könnten demnächst wohl noch mehr werden: Im Juli dieses Jahres wurde der Online-Glücksspielmarkt in Deutschland legalisiert. Online-Angebote wie Sportwetten, Poker und sogenannte Automatenspiele sind nun erlaubt.

Auch in vielen anderen Ländern weltweit haben Spielerinnen und Spieler viele Möglichkeiten zu wetten und ihr Geld einzusetzen in der Hoffnung, dass es mehr wird. In unserem aktuellen International Gambling Report 2021 haben wir mit Global Gambling Profiles, unserem Segmentierungs- und Tracking-Tool für die Glücksspielbranche, Daten aus 13 Ländern weltweit analysiert und uns beispielsweise präferierte Glücksspielarten sowie Treiber und Barrieren rund um das Glücksspiel genauer angeschaut.

Online schlägt offline

Dass in Deutschland das Online-Glücksspiel weitgehend legalisiert wurde, greift auch den Wunsch vieler Spielerinnen und Spieler auf, online zu wetten: 58 Prozent aller, die schon einmal an Online-Glücksspiel teilgenommen haben, ziehen die Online- der Offline-Variante vor. In anderen Ländern ist die Vorliebe für Online-Glücksspiel noch ausgeprägter: In Indien, Großbritannien und Italien haben sie 76 bis 69 Prozent der von uns repräsentativ Befragten.

Zusammengefasst für alle 13 analysierten Märkte gilt: Klassische Lotterie und Sportwetten sind mit Abstand die beliebtesten Online-Glücksspielarten. Ausnahmen bilden Italien und Indien. In Italien sind Sportwetten und Pokern besonders beliebt, in Indien Fantasy Sports. Hier sind die Spieler quasi eine Art Trainer und Manager und stellen virtuell eine Mannschaft aus Spielern zusammen, die es wirklich gibt. Ihre Punktzahl bemisst sich dann zum Beispiel an den erzielten Toren oder am Ballbesitz der jeweiligen Spieler im real laufenden Spielbetrieb.

Warum Menschen zocken

Wer Lotto spielt, hat die Frage wohl schon das ein oder andere Mal gehört: Und, was würdest du mit dem Geld machen? Und dann beginnt die Träumerei von einem Leben, in dem Geld plötzlich eine ganz andere Rolle spielt als vorher. Tatsächlich ist unter Online-Glücksspielern im internationalen Vergleich das die am häufigsten genannte Motivation, Lotto zu spielen: sich auszumalen, was man mit dem vielen Geld alles machen könnte.

Bei den anderen Online-Glücksspielen geht es vermehrt aber um etwas anderes: Spaß. Das ist die weltweit am häufigsten genannte Antwort (41 Prozent) noch vor dem Traum vom Reichtum und dem konkreten Ziel, mit dem Glücksspiel viel Geld zu gewinnen, was schon statistisch nur für die allerwenigsten möglich ist.

Die größte Wahrscheinlichkeit, Geld gewinnen zu können, wird bei Finanzwetten gesehen. Die Motivation Spaß wird am häufigsten bei Poker genannt.

Die wenigsten glauben, dass sich Glücksspielunternehmen ums Wohl der Kunden kümmern

Im weltweiten Schnitt betreiben deutlich mehr Männer als Frauen Glücksspiel. Besonders ausgeprägt ist das in Italien und Singapur. In Großbritannien ist das Frauen-Männer-Verhältnis (44 zu 56 Prozent) noch relativ ausgewogen. In Deutschland überwiegen deutlich die männlichen Spieler.

Zu einer Analyse des Glücksspielmarktes gehört automatisch auch die Frage nach dem verantwortungsvollen Umgang mit Gefahren wie Spielsucht oder anderem problematischen Spielverhalten. Auch die haben wir gestellt - und die Antworten korrespondieren mit der grundsätzlichen Bestandsaufnahme, in welchem Land wie viele Menschen wetten und spielen.

So finden besonders wenige Befragte, dass in Großbritannien und Italien die Glücksspielregeln zu streng seien – das sind die beiden Länder, in denen nach Indien am meisten online gespielt wird. Der Schluss liegt nahe, dass strengere Regeln dazu führen können, dass weniger Menschen Glücksspiel betreiben.



Umgekehrt ist die Zustimmung zu einer anderen Aussage in Italien und Großbritannien besonders hoch - und zwar die, dass Glücksspielunternehmen Probleme rund um Glücksspiel nicht ernst genug nehmen (69 bzw. 66 Prozent). In Deutschland und den USA sehen das rund die Hälfte so.

Allerdings gibt es einen großen Unterschied zwischen Spielern und Nicht-Spielern sowie verschiedenen Altersgruppen. Während im weltweiten Schnitt rund 34 Prozent der jungen Spieler überzeugt sind, dass Glücksspielunternehmen sich ums Wohlbefinden der Kunden sorgen, sehen das unter den älteren Nicht-Spielern nur sechs Prozent so. Die Älteren sind es auch, die häufiger als die 18- bis 44-Jährigen der Meinung sind, dass Online-Glücksspiel überhaupt nicht erlaubt sein sollte.

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Der International Gambling Report zeigt, wie unterschiedlich die Vorlieben verschiedener Altersgruppen und Geschlechter in Sachen Online-Glücksspiel sind und welche verschiedenen Formen wie genutzt werden. Er macht aber darauf aufmerksam, dass sowohl Spieler als auch potenzielle Spieler sich um problematisches Glücksspiel sorgen und erwarten, dass die entsprechenden Unternehmen sensibel damit umgehen. Der Report kann hier heruntergeladen werden.

Mehr zum Thema: Nach zehn Jahren Streit hat Deutschland jetzt zum 1. Juli das Onlineglücksspiel freigegeben. Doch ihr wichtigstes Ziel dürfte die Politik verfehlen: den Schwarzmarkt auszutrocknen. Online-Glücksspiel: Lockruf des Goldes

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