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China Extravagante Luxushotels ohne Gäste

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Prestige für die Provinz

Doch wie konnte das Angebot die Nachfrage derart abhängen? Das erste internationale Luxushotel, das Holiday Inn Lido Beijing, eröffnete 1984. Mittlerweile gibt es 110 000 Luxuszimmer in China, weitere 50 000 sind in den nächsten Jahren geplant.

Einer der Gründe findet sich in der Politik. „In den Jahren vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking und der Expo in Shanghai 2010 hat China den Bau von Hotels gefördert“, sagt Avery Booker.

So war es auch am Yanqi-See. Hier fand im vergangenen November der APEC-Gipfel statt, das Treffen der Asia-Pacific Economic Cooperation. Staatschefs aus der ganzen Welt, darunter Barack Obama und Wladimir Putin, berieten über die Zukunft Asiens, des neuen Wirtschaftszentrums der Welt. Als klar wurde, wo das Großereignis stattfinden sollte, beschloss der Bürgermeister von Peking wohl: Hier wird ein Luxus-Freizeitkomplex samt Hotel und Golfplatz entstehen, ein Wochenendrefugium für reiche Pekinger, aber auch ein Vorzeigeort für internationale Gäste, die nach einem Smog-Wochenende in Peking auf den Gedanken kommen könnten, China sei kein schönes Land – kurz: Eine Art Instant-Tegernsee sollte geschaffen werden. Also verkaufte die Stadt das Land an die Beijing Enterprise Group, einen staatlichen Immobilienentwickler. Der baute die Gebäude und fragte die Hotelgruppe Kempinski, ob sie nicht den Hotelkomplex leiten wolle.

Luxushotels sind Prestigeprojekte, vor allem für profilierungssüchtige Provinzpolitiker. Wer in seinem Beritt ein Four Seasons oder Hyatt aufweisen kann, sonnt sich im internationalen Glanz, auch wenn außerhalb von China niemand den Namen der Stadt jemals gehört hat.

China baut längsten Skywalk der Welt
Skywalk China Quelle: imago images
Skywalk in China Quelle: dpa Picture-Alliance
Skywalk in China Quelle: imago images
Skaywalk in China Quelle: dpa Picture-Alliance
Skywalk China Quelle: dpa Picture-Alliance
Skywalk China Quelle: imago images

Gefragt ist Architektur, die auffällt. Wie der monumentale Bogen des Sheraton Hot Spring in Huzhou. Oder wie das Dawang Mountain Resort in der Nähe der Stadt Changsha: Das Wiener Büro Coop Himmelb(l)au, das mit dem schrägen Doppelturm der Europäischen Zentralbank in Frankfurt seine Zeichen gesetzt hat, baut seit Sommer 2014 ein Entertainment Center, dessen Körper sich über einen ehemaligen Steinbruch spannt. Daneben lockt die schimmernde Skulptur eines Luxushotels. Fast alles ist möglich, auch Retro-Kitsch, wie in Dalian, wo sich ein Neo-Neuschwanstein über die Bucht erhebt.

Mittlerweile ist ein gewaltiges Überangebot an Fünf-Sterne-Hotels entstanden. Vor allem in den „Second- und Third-Tier-Cities“ – so heißen in China die meist freudlosen Ansammlungen von Hochhäusern, in denen zwei bis zehn Millionen Menschen leben – sinken die Umsätze. In Wuhan zum Beispiel, einer Acht-Millionen-Stadt in Zentralchina, gab es bis 2013 nicht mehr als fünf gehobene Hotels. Heute sind es 14. Neun weitere Luxushotels, darunter Marriot, Four Seasons, Intercontinental und Grand Hyatt, gaben 2014 bekannt, in den nächsten vier Jahren Zimmer anzubieten. In der außerhalb Chinas so gut wie unbekannten Stadt Ningbo gibt es jetzt 42 Luxushotels. Insgesamt eröffneten im vergangenen Jahr 153 Fünf-Sterne-Hotels in China. Am krassesten ist die Lage auf der Ferieninsel Hainan in Südchina. Dort stehen 65 Fünf-Sterne-Hotels. Die Belegungsrate mancher Häuser liegt bei 20 Prozent.

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