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Corona-Pandemie Großbritanniens Quarantäne-Erlass bringt Airlines in Rage

Die Luftfahrtbranche kritisiert den Quarantäne-Erlass der britischen Regierung für Spanien-Rückkehrer. Für den Tourismus ist das ein herber Schlag.

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Wegen steigender Corona-Zahlen müssen alle Reisenden aus Spanien nach der Rückkehr nach Großbritannien in eine zweiwöchige Quarantäne. Quelle: dpa

Der überraschende Quarantäne-Erlass Großbritanniens für Urlaubsrückkehrer aus Spanien bringt die krisengebeutelte Luftfahrt-Branche weiter unter Druck. Der Weltluftfahrt-Verband IATA kritisierte die Entscheidung der britischen Regierung als unverhältnismäßig und schädlich für die Wirtschaft: „Dies ist ein großer Rückschlag für das Verbrauchervertrauen, das für eine Erholung unerlässlich ist“, teilte der Verband am Montag mit.

Eine einseitig beschlossene, pauschale Quarantäneanordnung für alle, die aus Spanien nach Großbritannien zurückkehrten, sei überzogen als Reaktion auf einen regionalen Anstieg der Ansteckungsfälle in einem Teil des Landes.

Die britische Regierung hatte nach einer Welle von Coronavirus-Fällen in Spanien am Samstag eine zweiwöchige Quarantäne für alle Reisenden angeordnet, die aus dem Urlaubsland nach Großbritannien zurückkehren. Für den wieder anlaufenden Tourismus in Spanien ist das ein herber Rückschlag. Die Briten stellten im vergangenen Jahr die größte nationale Gruppe aller ausländischen Urlauber.

Die Aktien der an der Londoner Börse notierten Airlines und Touristikkonzerne verloren am Montag teils kräftig an Wert. Betroffen waren der Reiseveranstalter Tui, die British-Airways-Eignerin IAG sowie die Airlines Easyjet, Wizz Air und Ryanair. Analysten gehen davon aus, dass sich die schwer gebeutelte Reisebranche erst im Frühjahr erholen wird.

Ryanair kritisierte die Quarantäne-Entscheidung Großbritanniens scharf. Er halte diese „für bedauerlich, sehr enttäuschend“, sagte Finanzchef Neil Sorahan. Er machte zugleich klar, dass Europas größte Billigfluggesellschaft seine Spanien-Flüge trotz der Quarantäne-Bestimmungen nicht verringern werde. „Wir haben keine Pläne, die Kapazitäten mittelfristig zu reduzieren“, antwortete Sorahan auf eine entsprechende Frage der Nachrichtenagentur Reuters.

Ryanair gehe davon aus, dass es in den nächsten Wochen und Monaten weitere lokale Ausbrüche des Coronavirus geben werde und man flexibel damit umgehen müsse. Die spanische Regierung habe deutlich gemacht, dass das Land für Touristen offen bleibe.

Deutschland und Frankreich im Visier

Auch die Deutsche Lufthansa will ihre Spanien-Flüge nicht verringern. „Wir planen aufgrund der aktuellen Situation zur Zeit nicht, unsere Kapazitäten von Deutschland nach Spanien anzupassen“, sagte ein Sprecher. Lufthansa werde derzeit keine Flüge streichen, aber auch keine zusätzlichen aufnehmen.

Großbritannien erklärte, man beobachte aufmerksam den Anstieg von Coronavirus-Fällen in Frankreich und Deutschland. Sollten sich die Zahlen erhöhen, werde man Maßnahmen ergreifen, um eine erneute Ausbreitung des Virus in Großbritannien zu verhindern, sagte die stellvertretende Gesundheitsministerin Helen Whately dem Sender Sky News, als sie gefragt wurde, ob Reisende aus Deutschland und Frankreich möglicherweise als nächstes unter Quarantäne gestellt würden.

Die Coronakrise hinterlässt tiefe Spuren in den Bilanzen der Fluggesellschaften. Die Lufthansa musste wegen eines Geschäftseinbruchs infolge der Pandemie mit einem neun Milliarden Euro schweren staatlichen Finanzpaket der Bundesregierung vor der Pleite bewahrt werden und hat massive Einsparungen auf den Weg gebracht.

Bei Ryanair fiel der Verlust im ersten Geschäftsquartal mit 185 Millionen Euro geringer aus als befürchtet. Analysten hatten für den Zeitraum April bis Juni mit 232 Millionen Euro gerechnet. Es war der erste Verlust in einem zweiten Quartal überhaupt. Angesichts der Ungewissheit könne Ryanair derzeit nicht absehen, ob im bis März laufenden Geschäftsjahr ein Gewinn erzielt werden könne.

Konzernchef Michael O'Leary warnte vor einer möglichen zweiten Corona-Welle im Spätherbst zum Beginn der jährlichen Grippesaison. „Das ist gerade unsere größte Angst“, sagte er.

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