Creditreform: Die deutschen Rating-Agenturen
Die Agenturen warnen vor insolventen Geschäftspartnern
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Einmal im Jahr führt das Wirtschaftsforschungsunternehmen Creditreform eine Erhebung durch, wie viele Privatleute und Unternehmen pleite gegangen sind. 2011 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf 30.200 gesunken. Noch im Jahr zuvor waren es 32.060. Bei den Privatinsolvenzen ging die Zahl ebenfalls zurück. 103.200 Menschen hoben die Hand, im Jahr zuvor waren es noch fast 7000 mehr.
Dass Creditreform diese Daten erhebt, ist deren Hauptziel geschuldet: Das Unternehmen prüft die Bonität der Geschäftspartner ihrer Kunden und ist mit einem Marktanteil von 70 Prozent im Firmenkundengeschäft die größte deutsche Ratingagentur. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Creditreform als "Verein Barzahlung Mainz" gegründet. Damals noch ein Zusammenschluss von Händlern, die sich davor bewahren wollten, säumigen Schuldnern Kredit zu gewähren, ist das Unternehmen heute an 130 Standorten vertreten.
Inkasso, Risiko- und Bonitätsbewertung
Die Verbraucherzentralen wollen bei Inkasso-Unternehmen aufräumen. "Unseriöses Inkasso ist eine bedrohliche Plage. Abzocke und Einschüchterung müssen endlich gestoppt werden", fordert Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes. "Seriöses Inkasso ist legitim und sinnvoll. Aber auch hier kann es nicht ohne Regeln weitergehen."
Foto: fotolia.comDenn bei den Verbraucherzentralen häufen sich die Beschwerden über Forderungen von Inkasso-Büros. Von Juli bis September 2011 sammelten die Verbraucherschützer mehr als 4000 Beschwerden. Die Auswertung ergab: 99 Prozent davon waren berechtigt, die Inkassounternehmen beziehungsweise deren Praktiken unseriös.
Foto: fotolia.comInsgesamt beschwerten sich die Verbraucher über 116 Schuldeneintreiber. 19 davon waren nicht einmal im Rechtsdienstleistungsregister eingetragen und dürfen deshalb schon per Gesetz kein Geld eintreiben. Die meisten Beschwerden gingen über die Deutsche Zentral Inkasso GmbH ein: 1.459 Menschen reklamierten bei der Verbraucherzentrale. Das ist ein stattlicher Anteil von 40 Prozent. Der Zweitplatzierte in diesem unrühmlichen Ranking vereint nur noch 226 Einträge auf sich. Das ergibt sechs Prozent aller Beschwerden. Stolz muss die "blue 180. Vermögensverwaltungs GmbH" darauf trotzdem nicht sein.
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Häufig steht in den Inkasso-Schreiben nicht einmal, wofür Geld bezahlt werden soll und von wem die Forderung stammt. Es fehlt eine Auflistung wie Gläubiger, Adresse, Vertragsschluss und Datum. Ohne diese Information lässt sich natürlich nicht bewerten, ob eine Forderung berechtigt ist. Die Erfahrung der Verbraucherzentralen zeigt, dass sich die Geldeintreiber häufig weigern, diese Information preis zu geben. Stattdessen schicken sie neue Schreiben mit höheren Mahngebühren, weil der Schuldiger auf "zahlen Sie Summe x" nicht reagiert.
Foto: fotolia.comDarüber hinaus können Inkassounternehmen ihre Gebühren völlig frei bestimmen und erreichen teils astronomische Höhen. Die Kosten einer Inkassoforderung setzen sich im Regelfall zusammen aus: Der Hauptschuld, den Mahngebühren des Gläubigers, den Inkassokosten und etwaigen Auslagen des Inkassounternehmens. Manche berechnen auch Kontoführungsgebühren, Verzugszinsen oder Ermittlungskosten. Jedoch gaben nicht alle an, wie sich ihre Forderungen zusammen setzen.
Foto: fotolia.comIm Regelfall ging es bei den Inkasso-Verfahren um geringe Summen. In der Stichprobe der Verbraucherzentrale lagen alle Beträge unter zehn Euro. Mithilfe der Inkassogebühren explodierten die sogenannten Bagatellforderungen. So lag die durchschnittliche Hauptforderung bei 5,42 Euro. Mit Gebühren sollte der Schuldner durchschnittlich 69,70 Euro zahlen. Die niedrigste Hauptforderung betrug zwei Cent.
Foto: dpa/dpawebDie meisten Forderungen der Inkassobüros entstehen durch Abofallen im Internet (54 Prozent). Mit dem Aufrufen einer Homepage oder dem Download einer Datei entstehen Gebühren, die zuvor nicht deutlich ausgewiesen waren. In so einem Fall ist die Forderung nicht berechtigt, weil dem Verbraucher das Abonnement oder die Kosten "untergeschoben" wurden. Fast ein Drittel (27 Prozent) kam durch Gewinnspiele zustande und zu 26 Prozent durch am Telefon offerierte Verträge.
Die Inkassounternehmen, die den Verbraucherschützern negativ auffielen, arbeiteten besonders häufig mit den Anbietern solcher Produkte zusammen. So tritt die Deutsche Zentral Inkasso GmbH häufig für die für Internet-Vertragsfallen bekannte Webtains GmbH oder die Premium Content GmbH in Erscheinung.
Nachdem die Schreiben im Briefkasten landeten, fühlten sich 75 Prozent der Empfänger bedroht. Zum einen liegt das an den weiteren Schritten, die die Schuldeneintreiber ankündigen:
Die reichen vom Schritt vor Gericht, über einen "Hausbesuch", bis zu Zwangsvollstreckungen, Lohn- und Kontopfändungen. Bei letzterem betonte laut Verbraucherzentrale besonders das Unternehmen Teschinkasso, dass eine Zwangsvollstreckung mit einer Verhaftung einhergehen kann.
Zum anderen ist die in den Briefen verwendete Sprache eher aggressiv: "Wir haben Sie nicht vergessen" klingt wenig vertrauenseinflößend.
Foto: fotolia.comViele sind so eingeschüchtert, dass sie bezahlen. Obwohl die meisten Forderungen unberechtigt, beziehungsweise schon beglichen sind. So erwähnt die Verbraucherzentrale ein Beispiel, bei dem UGV-Inkasso eine Forderung in Höhe von 20,84 Euro eintreiben sollte. Mit Mahn- und Inkassogebühren sollte der Schuldner 169,21 Euro zahlen. Innerhalb von rund acht Jahren explodierte die Summe auf 1206,37 Euro, obwohl der Schuldner in der Zeit ein Vielfaches gezahlt hat.
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Wo es damals nur darum ging, sich gegenseitig zu warnen, reicht das Angebotsspektrum heute von Inkassodiensten über Risikobewertungen bis zu Bonitätsprüfungen. Was sich nicht geändert hat, ist die Struktur des Unternehmens. So hat das Unternehmen keine Kunden, sondern Mitglieder - genauso, wie der Zusammenschluss der Kaufleute von 1879.
Die einzelnen Standorte in Deutschland beziehungsweise Europa, bei denen man Mitglied werden kann, sind im Verband der Vereine Creditreform e.V. organisiert. Anders als die amerikanischen Konkurrenten Fitch Ratings, Moody's Investors Service oder Standard & Poor's bewertet Creditreform allerdings weniger die Big Player, als den Mittelstand.
So sind auch die Kunden überwiegend mittelständischen Unternehmens. Laut eigenen Angaben hat das Unternehmen 165.000 Mitglieder - vom Industriekonzern über den Gründer bis zum Handwerksbetrieb.
Autohändler, Vermieter, Mobilfunkanbieter - ohne Schufa-Auskunft geht in vielen Bereichen gar nichts.
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Führend bei der Bewertung von Privatleuten ist die "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung" - den meisten besser bekannt als Schufa. Laut Bundeskartellamt hat die Schufa im Segment "Konsumentenkreditprüfung" einen Marktanteil von 50Prozent. Vermieter, Mobilfunkanbieter, Autohäuser: Sie alle wollen eine Schufa-Auskunft von ihrem zukünftigen Kunden.
Hat der in der Vergangenheit Schulden angehäuft und die nicht bezahlt, oder ist er mit seinen Raten im Verzug, fällt das Urteil negativ aus. Und der Vermieter vergibt die Wohnung vielleicht lieber an einen solventeren Kandidaten. Anders als bei anderen Bonitätsprüfern, kann bei der Schufa jeder seine eigene Bewertung einsehen.
Auch hier ist das Geschäftsmodell bereits älter: In den 20er Jahren erstellte ein Elektrizitätswerk in Berlin eine Liste der Kunden, die regelmäßig ihre Beiträge zahlen. Die besonders zuverlässigen, konnten Kühlschränke auf Raten beim Unternehmen beziehen. Ende der 20er Jahre entstand daraus die Ratingagentur für den Normalsterblichen. Mehr als 100 Millionen mal im Jahr lassen sich Max und Susanne Mustermann bewerten. Im vergangenen Jahr verdiente die Schufa damit rund 1,5 Millionen Euro. Seit Anfang des Jahres durchleuchtet und bewertet die Schufa auch Unternehmen.
Die deutschen Ratingzwerge
Eine eher geringere Rollen spielen Bürgel und die D&B Deutschland GmbH. Bürgel mit Sitz in Hamburg beispielsweise bietet ähnlich wie Creditreform Inkassodienste, Adressermittlungen und allgemeine Wirtschaftsinformationen. Bürgel gehört - über Umwege - zur Allianz- und der Otto Group. Auch diese Agentur macht regelmäßig Erhebungen zur Zahl der geschäftlichen und privaten Insolvenzen. Die Anteile des Unternehmens am Markt sind jedoch recht gering: Im Sektor Risiko- und Forderungsmanagement beispielsweise erreichen sie weniger als zehn Prozent und auch beim Direktmarketing werden sie unter ferner liefen gelistet.
Auch die D&B Deutschland HmbH ist ein kleiner Fisch. Auf ihrer Internetseite rühmt sie sich zwar ihrer Datenbank, die international 4,7 Millionen Firmen in Deutschland und rund 200 Millionen Unternehmen weltweit erfasst.
In Deutschland selber spielt das Unternehmen, das zur schwedischen Bisnode-Gruppe gehört, keine allzu große Rolle. Ähnlich sieht es aus bei SHS Informationssysteme AG, oder der KG EOS Holding GmbH.