1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Dienstleister
  4. Uber: Das verspricht sich Uber von der Expedia-Übernahme

Expedia-ÜbernahmepläneDas verspricht sich Uber von der Expedia-Übernahme – und so stehen die Chancen

Uber muss in neue Märkte investieren, auch um sich gegen Robotaxis abzusichern. Expedia scheint geeignet. Auf den zweiten Blick spricht aber einiges dagegen.Matthias Hohensee 21.10.2024 - 14:54 Uhr
Foto: imago images (4)

Es war als Versuch gedacht, als Uber im Sommer 2014 im kalifornischen Küstenstädtchen Santa Monica mit Uber Fresh einen Essenbringservice startete. Das Experiment lief so gut, dass Uber den Dienst ausweitete und in Uber Eats umbenannte. Vor dem Börsengang war es ein gut gehütetes Geheimnis unter den Investoren des Fahrdienstes, dass Uber Eats nicht nur weit bessere Margen abwarf als das Kerngeschäft mit dem Vermitteln von Fahrten, sondern auch relativ schnell profitabel war. Das Uber 2023 endlich – 14 Jahre nach Gründung – als Gesamtunternehmen die Profitabilität erreichte, war in weitem Teilen Uber Eats zu verdanken.

Liegt der Schlüssel für profitables Wachstum für Uber also in Zusatzgeschäften?

Wie die „Financial Times“ berichtete und US-Medien bestätigten, erwägt Uber den Kauf des Reisedienstes Expedia. Die Idee: Ähnlich wie Didi Global in China oder Grab in Asien, soll Ubers App mit ihren rund 150 Millionen Nutzern zu einer Super-App werden, die neben Fahr-und Essenbringdiensten weitere Services offeriert. Das Vermitteln von Unterkünften und Flügen bietet sich hier förmlich an, bei der Buchung könnte dann Uber als Fahrdienst empfohlen werden.

Lieferdienst-Aktie

Das Comeback von Delivery Hero

Delivery Hero war im Dax und flog schnell wieder raus. Jetzt berichtet der Lieferdienst vielversprechende Zahlen – und die Anleger schöpfen Hoffnung. Zu Recht?

von Michelle Jura

Expedia besitzt starke Marken: Neben seiner eigenen Plattform zählen auch Hotels.com, Orbitz und der Airbnb-Wettbewerber Vrbo zum Portfolio. Seine Nutzer werden so auf mindestens 50 Millionen geschätzt. 
Das Potential von Expedia ist damit groß, vor allem dem Vrbo wird noch viel zugetraut. Doch das Potential muss erst noch gehoben werden.

Für den Uber-Chef Dara Khosrowshahi ist es vertrautes Territorium. Bevor er 2017 den umstrittenen Uber-Mitgründer Travis Kalanick auf dem Chefposten ablöste, war er CEO des Reisevermittlers. Noch immer ist er Mitglied des Verwaltungsrates von Expedia und er pflegt vor allem beste Beziehungen zu Barry Diller. Der 82-jährige US-Milliardär kontrolliert rund ein Drittel der Stimmen bei Expedia, an ihm kommt niemand vorbei.

Uber braucht die Übernahme jetzt

Für Uber wäre es ein guter Zeitpunkt, zuzukaufen. Die Uber-Aktie erreichte Mitte Oktober ihren Allzeit-Höchststand, hat in diesem Jahr um rund 30 Prozent zugelegt und hat einen Börsenwert von 166 Milliarden Dollar.

Der Sprung gelang auch deshalb, weil das Robotaxi-Event von Tesla wegen den schwammigen Aussagen zum Zeitpunkt des Starts eines potenziellen Tesla-Robotaxis-Services die Analysten enttäuschte. Elon Musk hatte zuvor davon geschwärmt, mit Hilfe von Tesla-Besitzern sowie einer eigenen Robotaxi-Flotte rasch einen Wettbewerber zu Uber aufbauen zu können. Das wird wohl nun doch länger dauern als von Musk in Aussicht gestellt, der schon seit Jahren mehrere zehntausend Robotaxis auf den Straßen haben wollte.

Lesen Sie auch: Viele Versprechungen, wenig Konkretes: Teslas große Wette auf die Zukunft

Warum sich Uber gegen Robotaxis absichern will

Aber Uber-Chef Khosrowshahi nimmt die Herausforderung durch Robotaxis ernst. Nicht nur durch Tesla, sondern vor allem Waymo, dessen Mutterkonzern Alphabet ebenfalls mit Preisvergleichen im Reisegeschäft mitmischt. In Phoenix, San Francisco und Los Angeles treten die Robotaxis von Waymo bereits gegen Uber an. Noch ist unklar, ob Waymo tatsächlich Anbieter von Robotaxi-Diensten sein will oder lieber Ausstatter. In Phoenix hat Waymo mit Uber eine Vereinbarung geschlossen, nachdem die Waymo-Taxis auch über die Uber App gebucht werden können.

Für Khosrowshahi wäre ein stärkeres Engagement bei Vermitteln von Unterkünften eine Art Risikoabsicherung. Allerdings könnte er dies auch durch Partnerschaften erreichen, wie man dies bereits über den Reisedienstleister Hopper tut, über den Uber-Kunden Flüge buchen können.

Partnerschaften haben aber einen entscheidenden Unterschied: In diesem Fall muss Uber den Umsatz mit dem Partner teilen, was geringes Wachstum für Uber bedeutet. Zudem käme Uber mit der Expedia-Übernahme nicht nur direkt an die Kundenkartei heran, sondern auch an die vielen Daten, die der Reisevermittler über die Vorlieben seiner Klientel gespeichert hat. Expedia, das bereits 1996 als Sparte von Microsoft aus der Taufe gehoben wurde, ist immerhin seit drei Jahrzehnten im Reisegeschäft aktiv.

Knebelverträge bei Ferienimmobilien

So zocken Buchungsportale die Vermieter ab

von Tina Zeinlinger

„Uber muss in andere Märkte expandieren und sollte dabei seinen Netzwerkeffekt nutzen“, meint Wagnisfinanzierer Bradley Tusk von Tusk Ventures, einer der ersten Geldgeber von Uber. „Eine Übernahme könnte Uber jedoch von seinem Kerngeschäft ablenken und die Integration den Gebrauch für die Nutzer verkomplizieren“, gibt Morningstar-Analyst Dan Wasiolek zu bedenken.

Es ist jedoch fraglich, ob es für die Expedia-Investoren ein guter Zeitpunkt wäre, zu verkaufen. Der Einbruch durch die Coronapandemie hatte der Aktie heftig zugesetzt, dann berappelte sie sich wieder. Nach dem Bekanntwerden des Interesses von Uber stieg sie auf knapp 160 Dollar. Im Februar 2022 notierte sie allerdings beim Höchststand von knapp 200 Dollar.

Analysten halten sie für unterbewertet. Vor allem im Vergleich zu ihrem niederländisch-amerikanischen Rivalen Booking Holdings. Deren Börsenwert liegt bei 146 Milliarden Dollar, die Aktie wird mit dem 22-fachen des voraussichtlichen Gewinns gehandelt. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 21,3 Milliarden Dollar. Expedias Aktie hingegen wird nur mit dem Elffachen des voraussichtlichen Gewinns gehandelt. Zwar schaffte Expedia im vergangenen Jahr nur einen Umsatz von 12,8 Milliarden Dollar, doch dafür ist ihr Börsenwert von 20 Milliarden Dollar sehr niedrig.

Eine Übernahme müsste zudem große Hürden zu überwinden, vor allem bei Wettbewerbshütern. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Im vergangenen Jahr blockierte die EU die Übernahme des schwedischen Reisevermittlers eTraveli Group durch die Booking Holdings für 1,7 Milliarden Dollar. Laut EU-Kommission, „hätte es die beherrschende Stellung von Booking Holdings bei Hotel-Vermittlungen verstärkt, was zu höheren Kosten für Hotels und möglicherweise auch für Verbraucher“, geführt hätte.

Ubers Expedia-Interesse ein reiner Testballon?

Womöglich wurde das Interesse Ubers an Expedia aber auch nur gestreut, um einen Versuchsballon zu starten. Expedia-Verwaltungsrat Barry Diller könnte damit die Reaktionen im Markt testen. Nicht so sehr von den Wettbewerbshütern, deren Veto als so gut wie sicher gilt, sondern von weiteren Interessenten. Weil Expedia als unterbewertet gilt, wäre es für Private Equity Firmen wie Blackstone oder KKR interessant, um das Unternehmen umzustrukturieren. Zumal das Reisegeschäft vor allem nach dem Corona-Einbruch als Wachstumsmarkt gilt.

Seit vielen Jahren wird der Einstieg von Amazon ins Reisegeschäft erwartet. Ähnlich wie Uber-Chef Khosrowshahi muss Amazon CEO Andy Jassy regelmäßig weiteres Wachstum schaffen oder zumindest den Rahmen dafür. Zwar ist Amazon für Lina Khan, der derzeitigen Chefin der Federal Trade Commission (FTC) ein rotes Tuch. Doch weil Amazon im Reisegeschäft ein Neueinsteiger ist, wäre es für sie sehr schwer, eine Ablehnung zu begründen. Expedias Optionen wären somit vielfältig.

Lesen Sie auch: ProSiebenSat.1 wird Flaconi nicht los

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick