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Fahrdienstleister mit Rekordminus Uber schockt die Börse

Der Fahrdienstvermittler Uber hat für das erste Quartal seit dem Börsengang einen Rekordverlust geschrieben: 5,2 Milliarden Dollar. Quelle: dpa

Im zweiten Quartal 2019 hat Uber so viel Verlust verbucht wie noch nie: 5,2 Milliarden Dollar. Schuld daran ist ausgerechnet der milliardenschwere Börsengang. Aber die Aktionäre stört etwas anderes viel mehr.

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An der Börse hat der Fahrdienst-Vermittler Uber bislang vor allem enttäuscht: Schon beim Börsengang im Mai musste der Ausgabepreis statt der vormals avisierten 60 bis 75 Dollar auf schließlich 45 Dollar je Aktie gesenkt werden, um genügend Investoren zu finden. Dann, nach der Erstnotiz in New York, rutschte das Papier gleich mal 19 Prozent in die Tiefe. Ein erfolgreicher Börsengang sieht gewöhnlich anders aus. Und nun, bei Vorstellung der Geschäftszahlen für das zweite Quartal, kommt noch ein weiterer herber Rückschlag für die Anleger als Nachwehe des Börsengangs: Der Fahrdienst-Vermittler Uber hat in seinem ersten Quartal als börsennotiertes Unternehmen einen Verlust von 5,2 Milliarden Dollar erlitten. Davon entfielen allein 3,9 Milliarden Dollar auf Aktien, die zum Börsengang als Bezahlung an Mitarbeiter weitergereicht und nun verbucht wurden. Angesichts der Einnahmen aus dem Börsengang von rund acht Milliarden Dollar floss so fast die Hälfte des frischen Börsenkapitals in die Depots der Mitarbeiter.

Nach Bekanntgabe des Milliardenverlustes stürzte der Uber-Kurs nachbörslich um zwölf Prozent in die Tiefe, später reduzierte sich das Minus auf rund sechs Prozent. Und dabei ist für die Anleger der Milliardentransfer von Aktien an die Mitarbeiter noch nicht einmal das Schlimmste: Analysten hatten mit einem Verlust in dieser Größenordnung gerechnet. Aber auch das Kerngeschäft sendete ein Alarmsignal: Der Umsatz mit Fahrdiensten wuchs im Jahresvergleich lediglich um zwei Prozent auf rund 2,35 Milliarden Dollar, vor Abzug einiger Zahlungen an Fahrer. Der operative Verlust fiel mit 1,3 Milliarden Dollar deutlich höher aus als erwartet, im Vorjahresquartal hatte er noch bei minus 878 Millionen Dollar gelegen. Das war der Hauptgrund für die Schockreaktion an der Börse.

Die Zweifel, ob das Uber-Geschäftsmodell jemals Gewinne abwirft, werden so wieder lauter. Das Unternehmen gibt irrwitzig viel Geld für Forschung und Entwicklung sowie die internationale Expansion aus. Das Wachstum fiel im Verhältnis zu den vergangenen Quartalen nicht mehr so groß aus. Uber-Chef Dara Khosrowshahi versprach in einer Telefonkonferenz mit Analysten nach der Zahlenvorlage einen „guten altmodischen Fokus“ auf das Ergebnis.

Khosrowshahi übt sich in Optimismus und schrieb seinen Mitarbeitern, Ubers Börsenstory werde am Ende so sein wie die von Facebook und Amazon. Zu den Quartalszahlen sagte er, der Wettbewerb beginne, rationaler zu werden. Zudem sei das laufende Jahr der Höhepunkt bei den Investitionen und die Verluste würden in den Jahren 2020 und 2021 abnehmen.

Tatsächlich, ein paar Lichtblicke gibt es, etwa beim Geschäft mit der Essenszustellung. Die Erlöse bei Uber Eats sprangen im Jahresvergleich um 72 Prozent auf 595 Millionen Dollar hoch. Das half, den Konzernumsatz um 14 Prozent auf knapp 3,2 Milliarden Dollar zu steigern.

Auch in Nordamerika, dem mit Abstand größten Markt für Uber, läuft es gut: Der Umsatz in den USA und Kanada wuchs um 19 Prozent auf rund 1,78 Milliarden Dollar. In der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika gab es ein Plus von 22 Prozent auf 502 Millionen Dollar. Im Quartalsbericht verweist Uber auf Fortschritte in zwei wichtigen Märkten: Deutschland und Argentinien. In Deutschland sei Uber jetzt in fünf Großstädten präsent, es sei einer der zwei am schnellsten wachsenden Fahrdienst-Märkte im Uber-Reich. In Buenos Aires wachse der Fahrdienstmarkt ebenfalls rasant. In Lateinamerika brachen die Erlöse allerdings vor allem aufgrund schlechterer Geschäfte in Brasilien um fast ein Viertel auf 417 Millionen Dollar ein.

Wer Uber-Aktien hält, muss womöglich noch länger darauf hoffen, dass Uber auch an der Börse richtig Fahrt aufnimmt. Da haben Aktionäre des kleineren Konkurrenten Lyft derzeit offenbar mehr Anlass zum Optimismus: Lyft konnte einen Tag vor Uber mit besser als erwartet ausgefallenen Zahlen überraschen.

Im zweiten Quartal steigerte Lyft den Umsatz im Jahresvergleich um 72 Prozent auf 876 Millionen Dollar. Ein kräftiger Kostenanstieg – ebenfalls zum Teil wegen der Vergütung mit Aktien im Zuge des Börsengangs im März – ließ den Quartalsverlust allerdings von 178,9 Millionen auf 644,2 Millionen Dollar ansteigen.

Dennoch sprachen die Verantwortlichen bei Lyft von einer deutlichen Verbesserung des Geschäfts, unter anderem weil der Preiskampf mit Uber nachlasse. Deswegen rechnet Lyft nun mit einem Jahresumsatz von bis zu 3,5 Milliarden Dollar – 200 Millionen mehr als zuvor maximal anvisiert. Auch der Verlust soll geringer ausfallen als zuvor in Aussicht gestellt.

Bei Uber stieg die Zahl der Nutzer binnen drei Monaten von 93 auf 99 Millionen. Bei Lyft legte sie von 20,5 auf 21,8 Millionen zu. Lyft ist bisher nur in den USA und Kanada aktiv, während Uber frühzeitig auf eine weltweite Expansion setzte. Die Lyft-Aktie legte nach dem Quartalsbericht im regulären Handel am Donnerstag um drei Prozent zu.

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