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Gastgewerbe in Schockstarre Verzweifeltes Warten auf Öffnungen

Deutsche Gastwirte kämpfen im Lockdown mit niedrigeren Umsätzen. Quelle: dpa

Ab nach Mallorca, das sagen sich gerade viele. Für die spanische Ferieninsel gibt es einen Buchungsboom. In deutschen Hotels dagegen herrscht Tristesse.

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Das Gastgewerbe sieht sich angesichts des anhaltenden Lockdowns in einer katastrophalen Lage. „Wir halten keine Wochen und Monate in dieser Schockstarre mehr durch“, sagte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Guido Zöllick, am Donnerstag in Berlin. Er forderte zum nächsten Treffen von Bund und Ländern zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise am kommenden Montag eine klare und verlässliche Perspektive, unter welchen Bedingungen Hotels und Gaststätten wieder öffnen könnten.

Zöllick beschrieb Lage und Stimmung im Gastgewerbe als katastrophal. Jeder Monat Lockdown führe zu Umsatzverlusten in Höhe von durchschnittlich 75 Prozent. Rücklagen seien aufgebraucht, die Angst vor dem endgültigen Aus nehme bei vielen Firmen dramatisch zu. Es gehe um 222.000 Unternehmen mit mehr als 2,4 Millionen Beschäftigten.

Mit Blick auf die Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca sagte Zöllick, es sei nicht erklärbar, dass die Bundesregierung einerseits Urlaub im internationalen Maßstab möglich mache - ein Besuch in heimischen Biergärten aber weiter nicht erlaubt sei. Auch in Deutschland gebe es Regionen mit zum Teil sehr niedrigen Inzidenzwerten. Zöllick verwies auf niedrige Zahlen in Rostock – er ist Chef des Hotels Neptun in Warnemünde. „Warum darf man da nicht hin reisen?“

Die Branche müsse wieder Licht am Ende des Tunnels sehen. Allerdings sei auch dem Gastgewerbe bewusst, dass Öffnungen bei einer Inzidenz von über 100 schwierig seien. Dieser Wert bezieht sich auf die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Am Donnerstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz laut Robert Koch-Institut bundesweit bei 90 – und damit deutlich höher vor einer Woche.

Das Gastgewerbe sei kein Pandemietreiber, sagte Zöllick: „Die Politik muss ihre Hausaufgaben machen. Wir erwarten ein besseres Management beim Impfen und beim Testen.“ Die Branche könne ihre Mitarbeiter regelmäßig testen. Skeptisch zeigte sich Zöllick aber zur Frage, ob das Gastgewerbe im Falle von Öffnungen die Kosten etwa von Selbsttests für Gäste übernehme. Es gebe hierzu noch keine abgestimmte Meinung im Verband. Er persönlich halte dies aber für schwierig.

Der Vorsitzende des Hotelverbands Deutschland, Otto Lindner, sagte: „Das Gastgewerbe, die Hotellerie kämpfen ums nackte Überleben.“ Besonders dramatisch sei die Lage der Stadt- und Tagungshotellerie. In der ersten Märzwoche habe die Zimmerauslastung in Deutschland lediglich bei 13,5 Prozent gelegen. Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München hätten nur einstellige Auslastungszahlen.

Eine „Neiddebatte“ sei aber nicht hilfreich, sagte Lindner mit Blick auf Mallorca – sein Unternehmen betreibt dort selbst Hotels. Es gebe erhebliche Auflagen für Hotels auf Mallorca. Die Hotels in Deutschland seien aber nicht Teil des Problems. Es gebe sehr gute Hygienekonzepte. Es brauche Öffnungsperspektiven: „Wir haben die Schnauze voll.“

Wie sehr der monatelange Lockdown das Gastgewerbe belastet, zeigen auch neue Zahlen des Statistischen Bundesamts. Demnach stieg der Umsatz im Januar im Vergleich zum Dezember zwar bei gleichbleibenden Preisen um 3,3 Prozent, teilte die Behörde am Donnerstag in Wiesbaden mit. Die Erlöse der Hotels und Gaststätten lagen aber weiterhin 70 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Besonders hart traf es die Beherbergungsbetriebe, die nur noch 16 Prozent des Wertes aus dem Januar 2020 erreichten. Die Gastronomie erzielte 37 Prozent, wobei die Caterer mit 52,5 Prozent noch wesentlich besser abschnitten als die übrigen Betriebe.

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Das Gastgewerbe forderte Nachbesserungen bei den Corona-Hilfen, die nach wie vor nicht genügend bei den Firmen ankämen. Zöllick: „Wenn wir zwangsweise geschlossen werden, müssen wir auch entschädigt werden, in voller Höhe der Verluste.“ Lindner sagte, Obergrenzen bei den Hilfen müssten fallen, diese seien viel zu niedrig angesetzt.

Mehr zum Thema: Kaum ein Gastronom ist derzeit so weit von Öffnungen entfernt wie Eduard Stähle im Corona-Hotspot Hof in Bayern. Doch er kommt ganz gut durch die Krise, Kochboxen und Kantinen sei Dank. Sieht so die Gastronomie der Zukunft aus?

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