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Hoffnung auf US-Flüge Luftfahrt erst 2024 auf Vorkrisenniveau

Trotz des Wiederanlaufens lägen die Passagierzahlen an den deutschen Flughäfen im Juli noch 80 Prozent unter dem Vorjahr - mit entsprechend „katastrophalen“ Folgen. Quelle: dpa

Wegen der Coronakrise rechnet die deutsche Luftfahrtbranche erst 2024 wieder mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Die Reisewarnung für Spanien sorgte für zusätzliche negative Effekte.

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Die deutsche Luftfahrtbranche rechnet wegen der Coronakrise erst 2024 wieder mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Die Passagierzahlen dürften wohl erst dann wieder den Stand von 2019 erreichen, teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) am Mittwoch mit. „Eine lange, lange Durststrecke, die vor uns liegt“, betonte BDL-Präsident Peter Gerber. Zudem sei die Lage nach dem Aufwärtstrend im Juli eher ernüchternd. „Mit dem beginnenden Ende der Ferienzeit nimmt die Erholung wieder ab.“ Ziel sei es vor allem, die „sehr stark lahmende“ Langstrecke - mit der die Branche das meiste Geld verdient - anzuschieben. Hier müsse man sich international auf einheitliche Regeln einigen, um die Reisebeschränkungen aufzuheben. Der Verband setzt dazu auf Testflüge in die USA.

Die jüngsten Reisewarnungen für Spanien und die Urlaubsmetropole Mallorca sorgten für negative Effekte, sagte Gerber. Trotz des Wiederanlaufens lägen die Passagierzahlen an den deutschen Flughäfen im Juli noch 80 Prozent unter dem Vorjahr - mit entsprechend „katastrophalen“ Folgen.

Zudem litten die Airlines wegen staatlicher Kredite unter enormer Schuldenlast und seien zu „radikalen Sparkursen“ gezwungen. Allein die Lufthansa wird mit Staatshilfen über neun Milliarden Euro gestützt. Große Fluglinien wie Lufthansa, Easyjet, Ryanair und TUIfly planten, ihr Angebot in Deutschland langfristig zu reduzieren, sagte Gerber.

Derzeit sei der Luftverkehr wegen Reisebeschränkungen vor allem in Drittstaaten außerhalb der EU insgesamt noch um 70 Prozent blockiert, betonte Gerber, der auch Chef der Lufthansa-Frachtsparte ist. Die Branche habe Vorschläge vorgelegt, wie man etwa dank einheitlicher Tests im Transatlantikverkehr sicheres Reise ermöglichen könne, bis ein Impfstoff gefunden sei. Hierfür solle es Testflüge etwa nach Chicago, Los Angeles oder Boston geben. Die US-Regierung habe positiv reagiert. „Im Moment hapert es ein bisschen an der etwas schleppenden, zögerlichen Haltung in Europa und Deutschland“, kritisierte Gerber.

Wegen der Coronakrise und der globalen Reisebeschränkungen war die Nachfrage in der Luftfahrt weltweit im ersten Halbjahr 2020 um 58 Prozent eingebrochen, in Deutschland um 65 Prozent. Während die Passagierzahlen insgesamt um gut die Hälfte sanken, fielen sie laut BDL an deutschen Flughäfen sogar um zwei Drittel. Die Luftfracht brach an deutschen Flughäfen jedoch nur um zehn Prozent ein und damit weniger stark als im Rest der Welt mit 15 Prozent.

Viele Geschäftsreisen werden nach Einschätzung des BDL auch nach der Pandemie durch digitale Veranstaltungen ersetzt, zudem würden Firmen ihre Reisekosten generell kappen. Ab 2025 könnten die Passagierzahlen dann jährlich wieder um rund drei Prozent zulegen. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Corona-Infektionen im nächsten Jahr unter Kontrolle seien - etwa durch Medikamente oder Impfmöglichkeiten.

Die Ticketpreise stiegen während der Corona-Krise in Deutschland. Vor allem im innereuropäischen Verkehr gab es - bei den allerdings sehr wenigen Flügen - ein spürbares Plus von rund neun Prozent im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2019. In der Wiederanlaufphase könnten womöglich einige Anbieter versuchen, Kunden mit günstigen Tickets zu locken, erklärte der BDL. „Doch der Trend geht weiter zu steigenden Ticketpreisen.“

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