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„Juicer“ E-Scooter: Wie Lime-Mitarbeiter illegal Strom tanken

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Limes Problem mit den Schnellladern

Lime betont, dass „dieses Vorgehen“ dem Unternehmen „nicht bekannt“ sei und nicht den Vorgaben zum Laden der Batterien der E-Scooter entspreche. „Juicer, die E-Autoladesäulen zum Laden von Scootern zweckentfremden, haben mit den entsprechenden Konsequenzen zu rechnen“, heißt es von Lime.

Die Anbieter von E-Ladesäulen wie Innogy und E.On warnen unisono vor der Zweckentfremdung von E-Auto-Ladesäulen für Scooter. „Wir als E.On können von selbst gebastelten Adaptern nur abraten, weil von ihnen eine Gefahr ausgehen kann. Ihre Nutzung an E.On-Ladestationen ist deshalb nicht erlaubt“, heißt es von E.On. Fälle solchen Missbrauchs seiner Ladestationen waren E.On laut eigener Aussage nicht bekannt. Da der Adapter der Technik vortäusche, dass ein E-Auto geladen würde, könne allerdings „eine Zweckentfremdung von E.On nicht automatisch festgestellt werden“.

Der Hersteller des Adapters, der auch die Fotos in der WhatsApp-Gruppe gepostet hat, verwehrt sich hingegen gegen den Vorwurf, illegal vorgegangen zu sein. „Die Rechnung an den Ladesäulen haben wir selbstverständlich beglichen“, sagte er der WirtschaftsWoche. Dass der Strom für die E-Scooter bezahlt worden ist, bestätigten auch die Anbieter der E-Ladesäulen. Zudem glaubt der Hersteller des Adapters nicht, dass sein Konstrukt den Nutzungsbedingungen der E-Ladesäulen-Anbieter widerspreche: „Ich habe die AGBs der Anbieter gelesen und nach diesen darf man an den Zapfsäulen Fahrzeuge der Mikromobilität laden.“ Der Hersteller der Adapter versichert zudem, dass von seinen Adaptern keine Gefahr ausgehe: „Wir haben diese Adapter in wochenlanger Arbeit konzipiert und gebaut.“

Doch auch das Laden mit handelsüblichen Schnellladern, die Lime seinen „Juicern“ in vielen Fällen gratis zur Verfügung stellt, ist offenbar nicht ganz unproblematisch. Auch Sven Carsten hat von Lime mehr als 30 Schnellladekabel gratis bekommen. Mehr als ein Dutzend Scooter habe er damit an die Steckdosen seiner Gewerbeimmobilie inmitten von Berlin angesteckt. „Plötzlich sind alle Lichter bei mir ausgefallen, weil die Belastung wohl einfach zu groß war“, sagt Carsten. Bis heute würden Teile der Stromversorgung seiner Immobilie deshalb nicht mehr funktionieren. Lime wirft er vor, ihn nicht darüber aufgeklärt zu haben, dass man nur eine bestimmte Zahl an Aufladegeräten an das Haushaltsnetz anstecken darf.

Lime betont, dass „jeder Juicer im Zuge des Onboarding von unseren Mitarbeitern ausdrücklich darauf hingewiesen wird, wie die Schnellladekabel korrekt zu benutzen sind“. „Natürlich beinhaltet das auch die Info, dass man nicht mehrere Schnellladekabeln gleichzeitig an eine normale Haushaltssteckdose anschließen kann“, heißt es von Lime. „Ebenso wurden alle Juicer ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie unter keinen Umständen mehrere Mehrfachsteckdosen aneinander in Reihenschaltung anschließen sollen – da keine Sicherung darauf ausgelegt ist.“ Zudem habe Lime „allen Juicern sehr ans Herz gelegt, ihr Elektroinstallation von einem Elektriker prüfen zu lassen“. Dafür habe Lime auch einen Hauselektriker zur Verfügung gestellt.

Wer die Ratschläge des Unternehmens zum Stromaufladen nicht beachtet, muss laut Lime mit nicht allzu weitreichenden Folgen rechnen: „Werden entgegen unsere Instruktionen mehrere Schnellladekabeln gleichzeitig an eine normale Haushaltssteckdose angeschlossen, fliegt die Sicherung raus und der Ladevorgang wird unterbrochen.“ Drastischer sieht das hingegen der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH): „Während sich eine Überlastung im günstigsten Fall durch Auslösen des Leistungsschutzschalters (Sicherung) zeigt, kann sie – im schlimmsten Fall – zu einem Brand führen.“

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