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Kriminalitätsstatistik Besserer Einbruchschutz verdirbt Kriminellen das Geschäft

Einbruchschutz ist so wirkungsvoll wie nie zuvor Quelle: imago images

Die Kriminalstatistik zeigt: In Deutschland gab es so wenig Straftaten wie seit 1992 nicht mehr. Auch die Einbruchszahlen sind stark gesunken. Unter anderem dank starker Investitionen in Sicherheitstechnik.

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Zwei Fälle, ein Hintergrund: In Göppingen stellten in der vergangenen Woche Bewohner eines Einfamilienhauses Einbruchspuren an ihrer Terrassentür fest. Offensichtlich hatte jemand versucht, einzubrechen. Als sie darüber mit einem Nachbarn sprachen, stellte sich heraus: Es gab am Montagmorgen tatsächlich einen Einbruchversuch. Ein Nachbar hatte auf dem Grundstück zwei Männer beobachtet und angesprochen, die daraufhin unmittelbar verschwanden.

In Pforzheim hatten die Besitzer eines Einfamilienhauses hingegen nicht so viel Glück. Zwischen 11 und 18 Uhr wurde in ihr Haus eingebrochen, unbekannte Täter hatten wohl von der Straße her den Maschendrahtzaun überstiegen, um anschließend die Terrassentür aufzubrechen. Im Haus hinterließen sie Chaos, im Erdgeschoss waren sämtliche Schränke und Schubladen durchwühlt. Und es fehlten Wertgegenstände – darunter ein hochwertiger Ring.

Zwei Fälle, die im direkten Vergleich zeigen: Die (un)gesicherte Terrassentür macht mitunter den Unterschied zwischen Einbruch und Einbruchsversuch. Vielen Deutschen ist das mittlerweile bewusst und sie rüsten auf - zur Freude der Sicherheitsbranche und der Polizei. Laut der aktuellen Kriminalstatistik sind die Einbrüche im vergangenen Jahr spürbar zurückgegangen. Über Jahre hatten sie in Deutschland zuvor zugenommen und ein besorgniserregendes Niveau erreicht. Ermittler und Politiker waren unter Druck geraten, ihren Kampf gegen Einbrecher zu verstärken. Die schwarz-rote Bundesregierung sorgte für eine Strafverschärfung, die seit Sommer 2017 gilt: Beim Einbruch in eine Privatwohnung ist jetzt eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft statt von sechs Monaten fällig. Der Rahmen reicht bis zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe.

Doch viel mehr als die höheren Strafen kommt ein anderer Grund zu tragen: Der bessere Einbruchschutz verdirbt Einbrechern das Geschäft. Denn dass Einbruchsversuche häufiger scheitern, führen Ermittler darauf zurück, dass sich viele Wohnungs- und Hausbesitzer inzwischen besser schützen, etwa mit sichereren Fenstern und Türen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen hieß es zum Beispiel, dass 46,3 Prozent der 39.057 im vergangenen Jahr in NRW registrierten Wohnungseinbrüche im Versuchsstadium stecken blieben, die Täter also nicht in die Wohnungen und Häuser gelangten oder nichts entwendeten.

Damit Einbrecher erfolglos bleiben, empfehlen Sicherheitsexperten und Polizei Panzer- und Querriegelschlösser für Wohnungs- und Haustüren. Pilzkopfverriegelungen sind für Fenster und Balkontüren die Empfehlung der Experten. Damit könnten Einbrecher am besten daran gehindert werden, Fenster oder Tür aufzuhebeln. Als Nachrüstung werden Einbruchschutzriegel für nach innen öffnende Türen und Fenster empfohlen. Als günstig und effizient gilt der EM3-Riegel. Er kann – im Gegensatz zu einer Pilzkopfverriegelung – problemlos an jedem Fenster und jeder Tür nachgerüstet werden, erhöht ebenfalls die Widerstandskraft beim Aufhebelversuch und kostet unter 100 Euro.

Die wichtigsten Fragen rund um Einbrüche

Vorteile bei der KfW und bei der Steuererklärung

Der Erfolg von Einbruchschutzmaßnahmen scheint derzeit jedenfalls zu Investitionen zu motivieren. Im Jahr 2017 hatten laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts rund 2,04 Millionen Personen für die nächsten ein bis zwei Jahre Investitionen in den Einbruchschutz geplant. Preislich liegen die Investitionen in Einbruchschutz laut Umfragen des Netzwerks „Zuhause sicher“ im Schnitt bei 3600 Euro. Ganz sicher auch zur Freude der Sicherheitsbranche.

Um deutsche Bürger weiter zu motivieren, macht auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Förderangebote zur Einbrecherabschreckung. Seit 2015 gibt es quasi finanzielle Belohnungen, wenn Immobilienbesitzer ihre Häuser und Wohnungen mit Einbruchschutztechnik ausrüsten. Wer etwa Fenster und Türen sicherheitstechnisch erneuert, kann einen Kredit oder einen Zuschuss von der KfW bekommen. Seit November werden die ersten 1000 Euro der förderfähigen Investitionskosten mit 20 Prozent, alle darüber hinausgehenden Kosten mit 10 Prozent bezuschusst - bis zu einer Summe von maximal 15.000 Euro pro Wohneinheit.

Auch der Fiskus bietet einen finanziellen Anreiz für Bürger, die den Einbruchschutz verbessern. So lassen sich die Handwerkerkosten für den Einbau von Alarmanlagen, Spezialfenstern, Bewegungsmeldern und Co. steuerlich absetzen - als Handwerkerleistungen im Haushalt. Laut dem Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) sind demnach 20 Prozent der jeweiligen Anfahrts-, Arbeits-, Maschinen-, Entsorgungs- und Verbrauchsmittelkosten absetzbar. "Allerdings kann man alles in allem nur maximal 1200 Euro im Jahr als Handwerkerleistungen geltend machen", machen die VLH-Steuerexperten deutlich.

Zudem werden Materialkosten nicht berücksichtigt. "Deshalb sollten die verschiedenen Kostenarten in der Rechnung unbedingt getrennt ausgewiesen werden." Als Belege lässt das Finanzamt ordnungsgemäße Rechnungen ebenso wie einen ähnlichen geeigneten Nachweis über die Begleichung der Summe gelten. Vorsicht geboten ist dabei ansonsten nur noch bei der Bezahlweise. Dem VLH zufolge muss der Rechnungsbetrag immer überwiesen werden. "Barzahlungen gegen Quittung akzeptiert das Finanzamt nicht."
Wichtig ist: Wer eine KfW-Förderung nutzt, darf die Kosten nicht zusätzlich steuerlich geltend machen. Eine solche Doppelförderung schließt der Staat aus.

Wie Sie Ihr Haus richtig sichern
Schwachstelle FensterBei Einfamilienhäusern kommen die Täter besonders häufig durch Fenster und Balkontüren. Sie lassen sich oft schon mit einfachsten Werkzeugen wie einem Schraubenzieher oder auch nur einem kräftigen Tritt öffnen. Bei neuen Fenstern sollte auf die sogenannte Widerstandsklasse geachtet werden - mindestens Klasse 2 nach DIN EN 1627. Fenster mit abschließbaren Fenstergriffen bieten nur eine trügerische Sicherheit. Bei praxisnahen Prüfungen wird sichergestellt, dass diese Fenster weder am Rahmen, noch beim Glas oder dem Beschlag Schwachpunkte haben. Die Einordnung in Widerstandsklassen geht bis Klasse 6, wobei 2 und 3 im privaten Bereich üblicherweise ausreichen. Beim Einbau sollte nicht gespart werden - die einbruchhemmenden Fenster erfüllen ihren Zweck nur, wenn sie auch fachgerecht verbaut wurden. Lassen Sie sich eine Montagebescheinigung aushändigen. Quellen: Polizei-Beratung, Abus, K-Einbruch Quelle: dpa
Fenster nicht kippenFenster sollten auch bei kurzer Abwesenheit immer verschlossen bleiben. Generell gilt die Regel: Gekippte Fenster sind offene Fenster. Vergitterungen mindern die Gefahr eines Einbruchs. Sie können zum Beispiel an Terrassen- oder Balkontüren angebracht werden, so dass sie zum Lüften auf Kipp gelassen werden können. Quelle: dpa
Rollläden sichernRollläden bieten nur geringen Schutz, meist können sie durch einfaches Hochschieben überwunden werden. Hier sollten Sie in jedem Falle Zusatzsicherungen einbauen lassen, die das Hochschieben von außen verhindern. Geschlossene Rollläden signalisieren außerdem Abwesenheit - daher sollten sie tagsüber nicht runtergelassen werden, rät die Polizei. Quelle: dpa Picture-Alliance
Einbruchhemmende TürenBei Mehrfamilienhäusern kommen die Täter häufiger durch die Eingangstür. Einbruchhemmende Türen, ebenfalls ab Widerstandsklasse 2, bieten einen guten Einbruchschutz. Auch hier sollten Sie auf eine Montagebescheinigung bestehen. Lassen Sie sich nicht überrumpeln: Ein Zusatzschloss mit Sperrbügel verhindert ein Aufstoßen einer spaltbreit geöffneten Tür. Quelle: dpa Picture-Alliance
Sicheres TürschlossEin einfaches Türschloss ist schnell geknackt. Die Polizei empfiehlt einbruchhemmende Schlösser mit besonders geschütztem Profilzylinder. Ein Beschlag mit zusätzlicher Zylinderabdeckung bietet zusätzliche Sicherheit. Doch auch das beste Schloss bringt nichts, wenn das Türblatt zu schwach ist - dann sollte es am besten zusammen mit dem Rahmen durch eine neue einbruchhemmende Tür ersetzt werden. Quelle: dpa
Verlorene Schlüssel nicht einfach ersetzenEin großer Schwachpunkt bei Haustüren sind die Schlüssel. Haben Sie einen Schlüssel verloren, sollten sie sofort den Schließzylinder austauschen. Bei einer Tür mit Glasfenstern sollte man außerdem den Schlüssel nie von innen stecken lassen. Quelle: dpa
Schlüssel nicht versteckenOb hohle Figuren, Steine oder unter Pflanzen - das Verstecken des Schlüssels vor der Haustür ist gefährlich. Einbrecher kennen mittlerweile jedes Versteck, auch wenn es einem selbst noch so kreativ erscheint. Quelle: dpa

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