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Online-Händler Jeff Bezos legt Termin für Rücktritt als Amazon-CEO fest

Der Amazon-Gründer übergibt Anfang Juli die Aufgaben des Geschäftsführers an seinen Nachfolger. Quelle: dpa

Nach 27 Jahren ist Schluss: Jeff Bezos übergibt die Leitung von Amazon an Andy Jassy. Der Stabwechsel findet an einem ganz besonderen Tag statt.

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Amazon-Gründer Jeff Bezos übergibt am 5. Juli die Aufgaben des Geschäftsführers an Andy Jassy. Bezos teilte das am Mittwoch mit, nachdem zuvor kein Datum für seinen Rücktritt als Amazon-Geschäftsführer genannt worden war. Amazon hatte im Februar angekündigt, dass der 57-Jährige zurücktreten werde. Der Stabwechsel findet damit am 27. Jahrestag der Gründung des Unternehmens statt. Die Börse reagierte kaum auf die Ankündigung: Die Amazon-Aktien legten um 0,2 Prozent zu.

Der 57-jährige Top-Manager gründete Amazon 1994 und baute das Unternehmen vom Online-Buchladen zum Billionen-Konzern auf. In einem Memo an die Amazon-Mitarbeiter hatte Bezos im Februar geschrieben, dass es bei seiner Entscheidung nicht darum gehe, sich in den Ruhestand zu verabschieden. In seiner zukünftigen Rolle als Verwaltungsratschef wolle Bezos seine Energie und Aufmerksamkeit auf neue Produkte und Initiativen ausrichten. Außerdem gewinne er so mehr Zeit für andere Projekte wie seine Stiftungen, seine Raumfahrtfirma Blue Origin oder die Zeitung „The Washington Post“, die in seinem Privatbesitz ist.

Davon geht auch Amazon-Experte Brad Stone aus. Im Interview mit der WirtschaftsWoche sagte der Autor von „Amazon unaufhaltsam“, dass Amazon seinen Chef-Innovator verliert. Von Bezos gewonnener Zeit wird wohl vor allem ein Projekt profitieren: „Blue Origin dürfte mehr von seiner Zeit in Anspruch nehmen. Schließlich ist das Unternehmen im Vergleich zu Space X deutlich zurückgefallen. Ganz wird er Amazon jedoch nicht den Rücken kehren“, so Stone. Denn sollte das Unternehmen tatsächlich ernsthafte Probleme bekommen, könne er immer wieder die Kontrolle übernehmen. Er wäre nicht der erste Ex-CEO, der zu seinem alten Job zurückkehrt.

Davon kann man zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht ausgehen. Für Amazon kommt der Wechsel zu einer günstigen Zeit. Die Coronakrise hat das Unternehmen nach anfänglichen Schwierigkeiten gut überstanden, neben dem Onlinehandel boomt auch das Cloudgeschäft. „Was er da gebaut hat, ist eine Maschine, die sich selbst am Laufen hält. Damit wird Amazon immer nur stärker. Mich erinnert das Unternehmen an einen Stein, der einen Berg hinunterrollt und immer mehr an Geschwindigkeit gewinnt“, so Stone.

Andy Jassy: Wer ist der neue Amazon-Chef?

Bezos Nachfolger an der Spitze von Amazon wird Andy Jassy. Damit kommt kein Neuling an den Posten und auch kein Außenseiter. Jassy ist seit über 20 Jahren bei Amazon. Er heuerte 1997 als Marketingmanager an, wurde technischer Assistent von Bezos, bevor er 2003 die Cloud-Computing-Sparte von Amazon aufbaute. Der Bereich Amazon Web Services, kurz AWS, entpuppte sich schnell als Goldgrube. Im April 2016 wurde Jassy deshalb mit dem Posten als CEO von Amazon Web Services belohnt und stieg zu einem der Stellvertreter und sehr engen Vertrauten von Bezos auf.

Und der Erfolg seiner Sparte hielt an: AWS, das von vielen Unternehmen und Apps genutzt wird, sorgte allein im vierten Quartal 2020 für 12,7 Milliarden US-Dollar Umsatz. Das sind fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Längst ist das Cloud-Geschäft eine elementare Säule des Amazon-Imperiums.

Kein Wunder, dass die Spekulationen wild wuchsen. Immer wieder gab es Gerüchte, dass Jassy Amazon verlassen werde oder zumindest die Cloud-Sparte herauslösen könnte, um endlich mal alleiniger Konzernchef zu sein. In einem Interview mit der WirtschaftsWoche wies er das einmal weit von sich. Meinte aber listig, dass er bei Amazon gelernt habe, „dass man nie etwas kategorisch ausschließen sollte.“

Der 53-Jährige gilt als analytisch, durchsetzungsstark und genauso detailversessen wie Bezos. Der Amazon-Gründer wurde früh auf den Harvard-Absolventen aufmerksam. Er bot ihm an, sein technischer Assistent zu werden. Doch Jassy gab ihm einen Korb. „Die Aufgabenstellung war mir zu unspezifisch“, hat Jassy das später einmal erklärt. „Wir haben dann gemeinsam an der Rolle gefeilt – und ich habe den Job doch noch gemacht.“

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