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Paketgeschäft „Die Verbraucher sind verwöhnt“

Quelle: Getty Images

Das Paketgeschäft in Deutschland boomt, doch die Deutsche Post kämpft mit massiven Problemen. Logistikexpertin Julia Miosga kennt die Ursachen – und nimmt die Verbraucher in die Pflicht.

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Frau Miosga, rund 3 Milliarden Pakete wurden im vergangenen Jahr in Deutschland verschickt, bei einem Umsatz von rund 18 Milliarden Euro. Dennoch hat die Post mit sinkenden Einnahmen in dieser Sparte zu kämpfen. Woran liegt das?

Frau Julia Miosga: Wenn etwas in Unternehmen zu Problemen führt, hat das meist vielschichtige Gründe. Vor allem der zunehmende Onlinehandel hat die gesamte Paketbranche vor enorme Herausforderungen und Probleme, aber auch Chancen gestellt.

Vor welche Probleme genau?

Früher ging man für Gelegenheitskäufe am Wochenende zum Bummeln in die Innenstadt. Heute ist das anders: Ob in der U-Bahn, im Café oder zu Hause auf dem Sofa – überall haben Konsumenten die Möglichkeit, online einzukaufen. Paketdienstleister mussten sich diesem Angebot anpassen und in den letzten Jahren viele Logistikzentren aufbauen und Personal einstellen, während gleichzeitig überall von Personalmangel zu lesen ist. Die Möglichkeit, Pakete zu jeder gewünschten Tageszeit an jeden beliebigen Ort liefern und abholen zu lassen – solche Services kosten Geld. So kam es zu hohen Kosten bei gleichzeitig vergleichsweise niedrigen Preisen in der Versandsparte. Das ist angenehm für die Konsumenten, für die Branche ist es aber schwierig: Logistik ist ein Geschäft mit niedrigen Margen.

Die Deutsche Post verdient rund zwei Euro pro Paket, das sie für Amazon ausliefert. Ist das zu wenig?

Grundsätzlich glaube ich, dass wir Verbraucher verwöhnt sind. Wenn jemand online bestellt, erwartet er mittlerweile, dass ihm das Paket kostenlos zugeschickt wird. Die Zustellung kostet aber trotzdem Geld. Natürlich ist ein T-Shirt für 50 Cent verlockend – aber letzten Endes hat nicht nur das Produkt selbst einen Wert, sondern auch die Dienstleistung, die das Produkt zu mir nach Hause bringt. Beide Werte müssen am Ende des Tages finanziert werden. Das sollte uns stets klar sein.

Die Expertin

Wäre es also besser, das Porto nochmal zu erhöhen?

Wir als Konsumenten können jedenfalls nicht erwarten, dass wir alle Services geschenkt bekommen.

Onlinehandel und Paketbranche – wer muss sich eigentlich wem anpassen?

Beide Branchen leben voneinander, daher ist es eine Symbiose: Keine kann ohne die andere. Und beide profitieren voneinander.

Dabei drängt mit „Amazon Logistics“ ja eine unternehmenseigene Versandmöglichkeit in den Markt…  

Amazon arbeitet seit Jahren mit verschiedenen Versanddienstleistern zusammen, auch mit kleinen Startups. Aber die Lieferkapazitäten sind endlich. Der Aufbau eines eigenen Paketdienstes ist die logische Konsequenz aus dem wachsenden Bedarf. Die anderen Paketdienste entwickeln sich aber genauso weiter.

Besteht dadurch keine Gefahr für Deutsche Post & Co?

Die bestehenden Paketdienste bauen ihr eigenes Geschäftsmodell weiter aus, digitalisieren und modernisieren es. So werden sie auch auf dem Markt bestehen und weiterhin erfolgreich sein.

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