Teure Reisen: Das sind die Preistreiber für Geschäftsreisen
Teurer als anderswo: Geschäftsreisen in Deutschland
Foto: imago imagesWenn es um die Kosten einer Geschäftsreise ging, blickten Manager aus anderen Ländern viele Jahre etwas wehmütig auf ihre deutschen Kollegen. Denn wenn Angestellte aus Berlin oder Stuttgart beruflich unterwegs waren, zahlten sie im Schnitt meist weniger als Reisende in anderen Ländern. Dafür sorgten vor allem die hierzulande vergleichsweise niedrigen Hotelkosten. Auch die stellenweise extrem günstigen Flugpreise trugen dazu bei.
Diese Zeit ist nun vorbei. Das zeigt eine Studie der Geschäftsreise-Plattform Travelperk über die weltweiten Kosten dienstlicher Trips im zweiten Quartal dieses Jahres. „Wir haben festgestellt, dass sich in Deutschland die Preise deutlich zögerlicher stabilisieren als in den USA und in Europa insgesamt“, berichtet Eugen Triebelhorn, der die Geschäfte des Unternehmens in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortet. Denn während in anderen Ländern Manager im Ausland unterwegs kaum mehr oder sogar weniger ausgeben als im vorigen Jahr und sogar als vor Corona, müssen sie hierzulande deutlich tiefer in die Tasche greifen. Einige Posten sind sogar um mehr als die Hälfte teurer als vor der Pandemie, zeigen die Studiendaten.
Der größte Preistreiber sind demnach die Flugkosten. Hier kosteten die über die Plattform gebuchten Flüge an deutschen Airports im Schnitt stolze 58 Prozent mehr als vor Corona und elf Prozent mehr als im Vorjahresquartal. In Großbritannien etwa war es nur ein gutes Drittel mehr als vor der Pandemie. Und gegenüber dem Vorjahr gab es dort praktisch keine Teuerung. In Frankreich war der Preisunterschied sogar noch moderater. Dort waren es nur 12 Prozent mehr als zur Vor-Corona-Zeit.
Den größten Unterschied zu anderen Ländern sieht Travelperk bei der Bahn. „Der Unterschied überraschte uns besonders“, so Triebelhorn. Hier zahlen Deutschlands Dienstreisende 17 Prozent mehr als vor Corona und 13 Prozent mehr als im Vorjahr. In Frankreich hingegen waren die Preise in diesem Jahr zwischen April und Juni stolze 47 Prozent niedriger als vor Covid und lagen sechs Prozent unter den Tarifen des Vorjahresquartals. In Großbritannien zahlten Zugfahrer immerhin 39 Prozent weniger als vor der Pandemie.
Gestiegen sind zwar auch die Hotelpreise. Doch hier fällt der Unterschied zu anderen Ländern vergleichsweise gering aus. Hier hatten Manager in Deutschland beim Auschecken im Schnitt 13 Prozent höhere Rechnungen als 2019 und neun Prozent mehr als im Vorjahresquartal. In Großbritannien waren es nur drei Prozent mehr. In Frankreich waren es zwar sechs Prozent mehr als vor Corona, aber immerhin vier Prozent weniger als im Vorjahr.
Die Aussichten auf sinkende Preise sind vor allem bei Flug- und Bahnreisen gering. „Ich glaube, dass das Fliegen in Deutschland sogar noch teurer wird“, kommentiert Condor-Chef Ralf Teckentrup. Dafür sorgen aus seiner Sicht allein die vom Staat geregelten Gebühren wie Flugsicherung und die Kontrollen an den Flughäfen. Und auch die Bahn will im Dezember wieder die Preise erhöhen – diesmal um 4,9 Prozent.
Lesen Sie auch: Warum sich Deutschlands Hotels trotz Reiseboom nicht füllen