Trotz geplatzter Niki-Übernahme IAG weitet Flugangebot kräftig aus

British Airways ist die Tochter von IAG. Quelle: dpa

Eigentlich wollte der Luftfahrtkonzern vor ein paar Wochen die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki übernehmen. Der Deal platzte aber. Doch auch ohne die österreichische Airline will IAG deutlich zulegen.

Die British-Airways-Mutter IAG will ihr Flugangebot in Europa wie viele Rivalen nach einen Gewinnplus kräftig ausweiten. Das Sitzplatzangebot solle 2018 um 6,7 Prozent wachsen, kündigte die International Airlines Group (IAG) am Freitag in London an. Vor allem sollen die irische Konzerntochter Aer Lingus und der jüngste Ableger Level mehr Langstreckenflüge über den Atlantik anbieten.

An der Börse kamen die Nachrichten nicht gut an. In London verlor die IAG-Aktie bis zur Mittagszeit rund fünf Prozent an Wert und war damit größter Verlierer im Londoner Leitindex FTSE 100. Dabei hatte Konzernchef Willie Walsh am Morgen eine höhere Dividende und ein neues Aktienrückkaufprogramm über eine halbe Milliarde Euro angekündigt.

Mit dem Ausbau des Flugangebots reagiert IAG auf die Konkurrenz von Langstrecken-Billiganbietern wie Norwegian Air Shuttle. Zudem haben sich die Airlines des Konzerns Start- und Landerechte an europäischen Flughäfen gesichert, die durch die Pleite der britischen Billigfluglinie Monarch 2017 freigeworden waren.

„Wir konzentrieren uns darauf, dort zu wachsen, wo es für uns sinnvoll ist“, sagte Walsh. Er sei nicht der Ansicht, dass IAG zu viel Kapazität in einem umkämpften Markt aufbaue. Trotz zuletzt wieder steigender Kerosinpreise zeigte er sich für 2018 optimistisch. Er rechnet mit einem weiter steigenden operativen Gewinn, nannte aber keine Größenordnung.

Eigentlich hatte IAG vor einigen Wochen die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki übernehmen wollen. Sie sollte dann unter dem Dach der spanischen IAG-Billigtochter Vueling an den Start gehen. Der vom deutschen Insolvenzverwalter eingefädelte Deal platzte jedoch. Den Zuschlag für die österreichische Airline erhielt letztlich der einstige Gründer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda, der jetzt ihren Neustart unter dem Namen Laudamotion vorbereitet. Andere Teile der ebenfalls insolventen Air Berlin gingen an die Lufthansa-Billigtochter Eurowings.

Im abgelaufenen Jahr bescherten höhere Ticketpreise und gesunkene Treibstoffkosten IAG mehr Gewinn. Bereinigt um Sondereffekte wuchs das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent auf 3,0 Milliarden Euro, wie der Konzern mitteilte. Unter dem Strich stieg der Überschuss aber nur um 3,5 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro, da Abfindungen im Zuge eines Stellenabbaus bei Iberia und British Airways sowie andere Sonderposten das Ergebnis belasteten.

Der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um fast zwei Prozent auf knapp 23 Milliarden Euro. Die Durchschnittserlöse im Passagiergeschäft seien währungsbereinigt um 1,5 Prozent gestiegen, sagte Konzernchef Walsh. Die Treibstoffkosten gingen in der Summe um mehr als fünf Prozent auf 4,6 Milliarden Euro zurück.

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