Trump-Dekret gegen Shein und Temu: Zollfreiheit für Päckchen fällt: „Das wird alle Importeure betreffen“
Die Pressemitteilung von Deutsche Post DHL durchlief gerade die letzten Abstimmungsschleifen im Unternehmen, da hatte sie sich schon wieder erledigt: Wegen der Nachricht, dass die amerikanische Post USPS aus China und Hongkong stammende Päckchen nun doch wieder zur Auslieferung annimmt, musste DHL die Lage wieder neu bewerten. 24 Stunden zuvor hatte USPS die Annahme dieser Sendungen komplett eingestellt.
Wären deshalb millionenfach Päckchen aus China, etwa solche von den umstrittenen Online-Shops Temu und Shein, in den DHL–Logistikzentren aufgelaufen? DHL winkt ab: Die Verzollung der Päckchen, die DHL aus China transportiert, findet nicht durch USPS statt. So hatten nur die von USPS verzollten Päckchen einen Tag lang das Zoll–Problem.
Das Chaos war ein erster Vorbote für die Verwerfungen, die die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump nach sich ziehen kann. Die Entwarnung gilt nämlich nur teilweise. DHL befindet sich bereits mit US-Zollexperten im Austausch zu der veränderten Handhabung von Sendungen mit niedrigem Warenwert aus China. Versteckt zwischen angedrohten Zöllen für Kanada und Mexiko und durchgesetzten Zöllen für China hatte Trump die sogenannte „De–Minimis–Regel“ ausgehebelt, die eine zollfreie Zustellung von Päckchen mit einem Warenwert von weniger als 800 Dollar erlaubt. Die war in Trumps Visier geraten, weil eine Vielzahl von Fentanyl und anderer Drogen sowie Equipment und Vorprodukte für deren Herstellung mit solchen Päckchen versandt worden sein sollen. Die Regel betrifft aber auch die Flut von billigem Krimskrams und Fast Fashion, die Verbraucher bei den chinesischen Plattformen Temu und Shein bestellen.
Ursprünglich war die Grenze für zollfreie Päckchen 2016 von 200 auf 800 Dollar angehoben worden, weil die US–Zollbeamten mit der Abfertigung der Vielzahl von kleinen Päckchen nicht mehr fertig wurden. Das höhere Limit beim Warenwert heizte die Päckchenflut aus China jedoch noch weiter an.
Jetzt setzt Trump, der eigentlich die Bürokratie abbauen will, bei den Landesgrenzen wieder auf mehr Kontrolle. Auch wenn nur Billig–Päckchen betroffen sind, kann das schnell zu Rückstaus in der gesamten Zollabfertigung führen. Deshalb warnen die Logistiker schon heute: „Bei DHL Express könnten sich die Abfertigungszeiten für Sendungen aus China in die USA verzögern“, so DHL. „Wir beraten unsere Kunden zu allen Details.“
Konkurrent Fedex hatte bereits im Oktober mitgeteilt, dass die üblichen Lieferzeiten wegen eines drohenden Engpasses bei der Zollabfertigung nicht eingehalten werden könnten: „Wenn wir diese Millionen von Paketen von De-minimis in formale Zollabfertigungen verändern, wird es zu ernsthaften Staus in den Lieferketten kommen“, sagte Fedex-Regulierungsexperte Ralph Cater. Er warnte: „Das wird alle Importeure betreffen, nicht nur Importeure von De-minimis.“
Hierzulande plant man einen ausbalancierteren Umgang mit den Problem–Päckchen. Die individuellen Warenpäckchen aus China sind auch der europäischen Union ein Dorn im Auge. Hier sind Sendungen mit einem Wert von 150 Euro in der Regel vom Zoll befreit. Auch Kontrollen, was Warenwert, Produktsicherheit und Fälschungen angeht, können an den Grenzen angesichts der Schwemme kaum noch geleistet werden. Die EU–Kommission plant, so berichtete das „Handelsblatt“ am Dienstag, eine Bearbeitungsgebühr für jedes individuelle Päckchen „mit Artikeln des elektronischen Handels“ einzuführen. Die Gebühr soll für den Aufwand entschädigen, der den Zollbehörden „bei der ordnungsgemäßen Kontrolle dieser Waren, die direkt an Verbraucher geliefert werden, entsteht.“
Auch die Bundesregierung hatte einen Aktionsplan gegen Billiganbieter verabschiedet, die verstärkte Kontrollen vorsieht – insbesondere, weil wohl auch der Warenwert gezielt falsch deklariert wird, um die Zollfreigrenze zu unterlaufen.
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