WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Werner knallhart
Beispiel für

Neue Sammeltaxis: Tschüss, ihr Elfenbeinfarbenen!

Fahrt von A nach B per App anfragen, Festpreis berechnen lassen, zack, gebucht, an der nächsten Straßenecke einsteigen, Geld sparen und Umwelt schonen. So fährt man Sammeltaxi. Aber es gibt noch andere faszinierende Vorteile im Vergleich zum klassischen Taxi.

Haben Sie Lust auf ein paar relativ neue hochtrabend klingende Anglizismen? Hier sind sie: Was ich hier besprechen möchte, ist Ride-Pooling mittels eines Ridesharing-Service als On-Demand Mobility Service.

Anders ausgedrückt: Leute organisieren sich ihre Mobilität bei Bedarf auf Abruf, indem sie einen Fahrer anfordern, der sie mit einem Auto abholt. Und da kann es sein, dass einem fremde Gesichter entgegenlächeln, wenn man die Schiebetür öffnet. Oder dass das Auto unterwegs anhält und fremde Leute zusteigen. Weil man sich die Fahrt teilt, indem der Fahrer Leute einsammelt. Man könnte auch sagen: Sammeltaxi. Aber es ist im rechtlichen Sinne kein althergebrachtes Taxi, daher dieser Umstand. Und es ist erst recht kein Carsharing. Denn man wird ja gefahren und mietet nicht das Auto zum Selberfahren.

In Deutschland gibt es solche Ridesharing-Services mittlerweile etwa in Hannover. Dort heißt das Angebot Moia und ist von Volkswagen. In Berlin bieten die Verkehrsbetriebe BVG so einen Service gemeinsam mit ViaVan an, der wiederum ein Jointventure der Daimler AG mit dem US-amerikanischen Ride-Pooling-Service-Software-Programmierer Via ist. Der Name des Ganzen in Berlin: BerlKönig. Charmanterweise sind die Autos dort zur Hälfte beklebt wie ein Erlkönig-Auto, also mit einem Tarnmuster, wobei dieses exakt dem wilden Sitzpolstermuster der Berliner U-Bahnen und Bussen entspricht. BerlKönig eben. Und wer über die BVG-App herausfinden will, wie er am schnellsten durch Berlin kommt, der bekommt neben U-Bahn-, Bus- und S-Bahnverbindungen auch den neuen Service angeboten.

Im Vergleich zu einer Fahrt mit einem elfenbeinfarbenen klassischen Taxi hat ein solcher Service wie der BerlKönig handfeste Nachteile.

1. Man kann sich BerlKönig-Fahrzeuge nicht einfach vom Straßenrand aus herwinken. Die Fahrt muss über die BerlKönig-App gebucht werden.
2. Der BerlKönig holt Sie auch nicht vor der Haustür ab. Vielmehr gibt die App einen Treffpunkt vor, der in der Nähe liegt, und zu dem man erst zwei, drei Minuten hinlaufen muss. Bei Wind und Wetter.
3. Es gibt keine Garantie, dass größere Rollkoffer mitgenommen werden können.
4. Verpasst man das Auto, weil man es nicht schnell genug zum Treffpunkt schafft (der Fahrer wartet offiziell 90 Sekunden ab vereinbartem Treffzeitpunkt), muss man die Fahrt trotzdem bezahlen.

Aber es gibt einen offensichtlichen Vorteil: Der BerlKönig kostet im Vergleich zum Taxi viel weniger. Während ich vom Hauptbahnhof bis zu meinem Zuhause rund 16 Euro für ein Taxi loswerde, kostet mich der BerlKönig rund 7 Euro 50 (in der Einführungsphase zurzeit sogar nur 6 Euro 66).

Um das althergebrachte Tarifmodell der Taxis in Berlin zu lesen, muss man hingegen erstmal einen Tag Urlaub nehmen. Da stehen dann Dinge wie: erster bis siebter Kilometer 2 Euro, danach 1 Euro 50, dann die Grundgebühr von 3 Euro 90; Kurzstrecke für die ersten zwei Kilometer 5 Euro (aber nur, wenn das Fahrzeug ran gewinkt wird), Wartezeit 30 Euro pro Stunde, Zuschläge ab fünfter Person und so weiter. Und der größte Witz: Bezahlen mit Karte kostet 1 Euro 50 extra. Wie im Mittelalter.

Das Tarifmodell des Erlkönigs passt auf einen Bierdeckel: Der Kilometerpreis liegt bei 1 Euro 50. Mindestpreis 4 Euro. Jeder weitere mitgebuchte Mitfahrer zahlt die Hälfte. Punkt. Und Promo-Aktionen machen es höchstens billiger.

Das Gute daran ist: Der Preis steht schon vorher fest. Er ergibt sich aus der vorab berechneten schnellsten Route ohne die kleinen Umwege, die eventuell noch abgefahren werden, um unterwegs Leute einzusammeln. Stau? Ändert nichts am Preis.
Weil die Endsumme schon bei der Buchung steht, verändert sich auch das Procedere beim Aussteigen. Man steigt nämlich einfach aus. Denn im BerlKönig wird gar nicht bezahlt. Das passiert schon bei der Buchung in der App. Noch nicht einmal eine Bestätigung am Ende der Fahrt ist nötig. Der Preis ist ja nicht mehr das Thema. Selbst Trinkgeld ist nicht vorgesehen und wird nicht erwartet – aber auch nicht verschmäht.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%